Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-05-19 · 20 (19.5.1916) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
20 (19.5.1916)
Date
1916-05-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022195-3022216--25116-3050400
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

’Jii 20 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 341 Um schließlich die überzeugendste, die Zahlensprache zu sprechen: 1309 Wöchnerinnen werden mit 67.299 Kronen bedacht, 285 Mütter und 310 Kinder im Mütterheim der Elisabethpromenade versorgt (14.709.32 Kr.!, 832 Säuglinge unterstehen der Säuglingsfürsorge (18.808 Kronen), 150 „Praterspatzen" erfordern 15.552 Kronen: 2,071.818 Tee- und Suppenportionen verschlingen 110.104 Kronen; 949 Arbeiterinnen erfordern 18.582 Kronen; 50 Mütter und 82 Kinder werden in der Kinderheilstätte verpflegt, kurz die 307.700 Kronen Spenden gehen fast restlos für hie Flüchtlingsfürsorge ans. Wer fich näher über alle Aktionen, die edlen Spender, die aufopferungsvollen Mitarbeiterinnen orientieren will, gre'f? zu dem mit reizenden Illustrationen von M. Friedmann geschmückten Büchlein, dessen nichtstatistischer Teil aus der Feder Marco Brociners stammt, die beste Gewähr, daß der Dichter der „Hochzeit von Valeni" uns die goldenen Früchte des Wohltuns in der silbernen Schale edelster Form reicht. Clotilde Benedikt. Me Familiennamen der Juden Galiziens. Ans Otmütz wird uns geschrieben: Karl Emil F r a n z o s, der Unvergeßliche, hat vor etwa vier Jahrzehnten als Ergebnis eingehender und gewissenhafter archivalischer Studien in der bekannten illustrierten Zeitschrift „lieber Land und Meer" eine Folge von Aufsätzen veröffentlicht, die sich mit dem Ursprung der jüdisch-galizischen Familiennamen befassen. Und wer war wohl zu solcher Forschung mehr berufen, als Franzos, dieser eminente Kenner jüdischen Volkslebens in Galizien und der Bukowina, dessen unvergeßliche Romane „Mosko von Parma" und „Die Juden von Barnow" von jung und alt förmlich verschlungen wurden. Diese Reminiszenz taucht auf, wenn man jene lebhaften Erörterungen hört, die sich an zwei Feuilletons knüpfen, die in dem hier erscheinenden „Mährischen Tagblatt" veröffentlicht wurden. Sie tragen die Ueberschrift „Ein galizisches Kulturbild" und den Vermerk ..Nachdruck verboten". Eine weise Vorsicht — aus mancherlei Gründen. Es füllt uns auch nicht im Traume ein, derlei weiter zu verbreiten, aber mit Verlaub, eine kleine Kritik wird wohl gestattet sein, schon damit unsere engeren Olmützer und weiteren mährischen Landsleute ein Wort der Aufklärung hören. Es ist zunächst ganz richtig, daß die galizischen Juden bis in die Regiernngszeit der Kaiserin Maria Theresias hinein ohne Familiennamen waren und daß 8dieser Mangel zu wahren Monstrositäten führen mußte. In einem Rechtsstaate muß jedermann einen Familiennamen tragen. Nicht minder richtig ist es, daß unter der Regierung Josef II. Kommissionen im Lande um- .„herreisten und den Juden deutsch? Namen gaben. Und Hhier nun wir an Karl Emil Franzos an- Hknüpfen, der uns erzählt, daß gar manche dieser Koml Imissionsmitglieder, ganz entgegen den edlen Absichten Ades großen Volkskaisers, des Schöpfers des Toleranz- ^Patentes, sich unziemliche Späße bei dieser Namensgebung D erlaubt haben. Die unglaublichsten Kombinationen, die ' größten Verstiegenheiten, die sinnlosesten Aneinanderreihungen willkürlich gewählter Worte fanden hier leider ( des öfteren Platz. i Der Verfasser jener Feuilletons erzählt seinen Lesern - auch, daß unter den polnischen Inden auch die Namen? des österreichischen Uradels vielfach vertreten seien. Wir S möchten hier seine Kenntnis der Sache mit einem Detail l bereichern!, das uns wiederum F r anzo s mitteilt und : das wir den Lesern der „Oesterreichischen Wochenschrift" l nicht vorenthalten wollen. In einer Ortschaft erscheint r.' die Namengebungskommission und ein Mitglied derselben fragt einen jüdischen Ortsinsassen, wie er zu heißen wünsche. Antwort: „Wie Exzellenz heischen." Hier ist „heischen" die gut deutsche Bezeichnung für „befehlen". Der Beamte hält dies für ein Jargonwort, versteht darunter „heißen" und frägt: „Wie ich heiße? Ich heiße Wels e r s h e i m b." Und so ward jener Jude Welser s h e i m b genannt. Zum Schlüsse noch etwas Heiteres. Der Verfasser der jüdischt-polnischen Namensstudie schreibt wörtlich: „Kunst und Wissenschaft sind durch di? Namen Makart, Ferstl, Fernkorn, Notnagel, Strauß. Wagner, Bruckner, Brahms, Wildenbruch, Kernstock, Ebers usw. vertreten." Also die zum Zwecke der Namensgebung bestellten Beamten haben damals schon die Geburt dieser Herren per Malerei, Baukunst. Medizin, Musik und Dichtung voransgeähnt, Makarts, des Schöpfers des unvergeßlichen Festzuges, des großen Arztes Notnagel, des wettberühmten Tonsetzers Richard Wagner, des steirischen Volkspoeten Kernstock, des Romanciers Ebers usw. 8apienti i>at! T. A. Jahrestag der Schlacht bei Gorlice. Am Vorabende dieses bedeutenden Gedenktages, dessen Verlauf so einschneidend in den Weltkrieg eingegriffen, fand in der fortschrittlichen Synagoge zu Lemberg ein feierlicher Dankgottesdienst statt, dem ein zahlreiches Publikunl, darunter auch eine Reihe von offiziellen Persönlichkeiten aus Zivil- und Militürkreisen, und die Repräsentanten der jüdischen Kultusgemeinde beiwohnten. Nach einen: vom Oberkantor S a i tz mit Chor und Orgelbegleitung vorgetragenen Festpsalm hielt Rabbiner Dr. G u t t m a n n eine der Bedeutung des Tages angepaßte stimmungsvolle Gedenkrede, die mit einem Gebote für den Monarchen und die verbündeten "Armeen schloß, lvorauf der Chor die Volkshymne sang. Das jüdische Rettungskonntee für Galizien beim neuen Statthalter. Statthalter General v. Dille r empfing anläßlich seiner Anwesenheit in Kemberg auch eine Deputation des dortigen jüdischen Rettungskomitees, bestehend aus den Herren 11nio.-Professor Dir. S ch o r r, Oberlandesgerichtsrat Dresdner, Prof. Dr. Bromberg, Advokat Dr. Ringel und Rubenzahl, die ihm nach erfolgter Begrüßung ein ausführliches Memorandum über die traurigen materiellen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung in den vom Kriege heimgesnchten Ortschaften überreichten. Der Statthalter ließ sich von den Herren über verschiedene Punkte eingehend informieren und versprach die wohlwollendste Prüsung der im Memorandum enthaltenen Forderungen. Zurücksetzung gal izi scher Rabbiner seitens einiger Kultusvorstände. Während in den meisten Gemeinden der Monarchie und Deutschlands die Rabbiner bei allen offiziellen Anlässen, wie öffentlichen Empfängen, Audienzen u. dgt.j als die zunächst Maßgebenden Persönlichkeiten der jüdischen Glaubensgemeinschaft auftreten, hat sich seit einiger Zeit in Lemberg und in .Krakau der Brauch, oder vielmehr der Mißbrauch, eingenistet, daß die Herren vom Kultusvorftande die geistlichen Führer der (Gemeinde gegebenenfalls umgehen und ohne dieselben an hoher und höchster Stelle zu erscheinen für gut befinden. Wenn sich dann Im Vorsaale des Audienzraumes die verschiedenen Deputationen versammeln, da sieht man die hohe Geistlichkeit der katholischen Bekenntnisse, die evangelischen Pastoren, den griechisch orientalischen Pfarrer, hingegen keinen Vertreter des Rabbinates. Unserer Ansicht nach sind die Rabbiner, was Würde, soziale

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.