Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022216--25114-3050398- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 20 Dr. Blsch's Wochenschrift ©wir 339 keilen, für den Vater Alfred Dreyfus bedeuten?" Dem kann man sich nur anschließen,!bcmt niemand in der Welt wird dem 'vom französischen Militarismus so furchtbar mißhandelten Offizier diese späte Anerkennung mißgönnen wollen, („Abend" v>. 10. Mai.) . Beteiligung der jubelt an der Maifeier in Warschau. Aus Warschau wird berichtet: An der ^nationalen polnischen Zs. Maifeier Haben auch die Juden in allen p o l n i s ch e n S t ä d t e n t e i l g e n o m m e n. In Warschau wurde ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, wobei der Oberrabbiner von Warschau Dr. P o z n a n s k iüber die Bedeutung dieses geschichtlichen Moments für ganz Polen und für die polnischen »Juden sprach. An dem Festzug Hat die israelitische Kultusgemeinde in eorl>ove sowie einige Tausende der jüdischen Schulkinder sich beteiligt. Die jüdische Kultusgemeinde bestimmte außerdem 400 Rubel als Stipendiusm für einen jüdischen Studenten, der sich der Geschichte.Polens, namentlich aber der Inden in Polen widmet. Am Festzug nähmen au!ch die Mitglieder der jüdischen Gewerkschaften teil. In Ähnlicher Weise haben die »Anden auch in anderen Städten Polens ihre Solidarität mit der polnischen Gesellschaft Manifestiert. » („Wiener Allg. ,Ztg." vom 10. Mai. > Ein mannünstes Wort. Das Aprilheft von „Westermanns Monatsheften" enthält einen von dem berühmten Bonner Völkerrechtslehrer Prof. Dr. Philipp Zorn verfaßten Artikel „Deutsche Zukunfts'gedanken", dem wir folgende Sätze entnehmen: Eine der höchsten und wohltuendsten Erfahrungen der großen, schweren Zeit war es und wird es, so Gott will, bleiben, daß der Gegensatz der Bekenntnisse in der großen deutschen Volkserhebung so gut wie ganz verschwunden ist. Auch dies wird nicht so bleiben: aber ein großer Segen kann und wird daraus doch hoffentlich für unser Volk erwachsen. Das deutsche Judentum hat seine vaterländische Pflicht voll erfüllt. Die Heldengräber jüdischer Soldaten und die Eisernen Kreuze, die die Brust von solchen schmücken, sind dessen ehrendes Zeugnis. Diese Pflichterfüllung ist selbstverständlich und auch von den deutschen Juden als selbstverständlich betrachtet worden. Wir müssen daraus die Folgerung der Gerechtigkeit ziehen. Es gibt schlechte Juden. Cs gibt auch schlechte Christen. Jede Schlechtigkeit im Handel und Wandel Muß aufs schärfste bekämpft werden, aber eine Veratigern e i n e r u n g lediglich aus Gründen eines religiösen oder Rassengegensatzes muß abgelehnt werden. Künsttiche Hekgewirmung in einem rabbinischen Werke. Heute, wo uns auf vielen Gebieten der Volksernährung die Kunst ersetzen muß, was die Natur versagt, erinnern jüdische Fachzeitschriften daran, daß den jüdischen Gelehrten vor hundert Jahren ein Verfahren zur Gewinnung von Oel bekannt war. das sich vielleicht heute wieder verwirklichen ließe. In den Responsen des berühmten Rabbi Mose Schreiber i n P r e ßburg. der als Ch'atham Sopher weltberühmt wurde, findet sich folgende Stelle: „In unserer Gegend erfand ein talentvoller Mann ein neues Mittel, um aus Kernen der Weintrauben ein wohlschmeckendes Oel zu gewinnen, das dem feinsten Olivenöl gleicht. Er entdeckte, daß die Kerne der Weintraube eine Substanz enthalten, die reich an Oelgehalh ist. Seine Methode ist folgende: Die Traubenkerne wer-« den, wenn sie aus der Kelter kommen, geputzt imb von allen Hülsenresten gereinigt, alsdann getrocknet und zermahlen. Diese gewonnene Masse wird nach Art der Kaffeebohnen am Feuer geröstet und zuyr Schwitzen gebracht. In diesem heißen Zustande wird die Masse durch eine Presse getrieben, bis aus ihr eine fettige Flüssigkeit kommt." Ein Bedenken wegen „Jajin Nessach" liegt hier nach der Entscheidung dieser gewaltigen talmudischen Autorität nicht vor. Es dürfte sich also heute, wo die Chemie und ihre Technik so gewaltig fortgeschritten ist, ein Versuch dieser Fabrikation lohnen. _ In Oesterreich sind übrigens, wie die Tageszeitungen berichten, die Weintraubenkerne der Ernte von!915, welche in den Trestern enthalten waren, vom Staate beschlagnahmt worden. Die Oel- und Fettzentrale fauft die bei ihr angemeldeten Weintraubenkerne an und sorgt für die Verwendung des aus ihnen gewonnenen Fettes. In Amerika soll das Weinkernöl bereits 1914 gewonnen worden sein, und im Jahre 1915 hat angeblich die Gewinnung 550.000 bis 650.000 Pfund betragen. Man rühmt dieses Produkt als ein sehr wohlschmeckendes Tafelöl. _ Korrespondenzen. Kriegs-SpitalMlfe für Palästina. Seit Jahr und Tag bildet Wien den Zuflucht. ort für alle armen palästinensischen Glaubensgenossen, die eurer klinischen Behandlung bedürfen oder auf ärztlichen Rat ein Heilbad besuchen wollen. Obwohl unter allen Großstädten des Kontinents, Warschau vielleicht ausgenommen, die armutsreichste, ist Wien und insbesondere die Wiener Judenschaft trotz alledem bis heute nicht dem Beispiel anderer Gemeinderr gefolgt, die den zugereisten Armen im günstigsten Falle mit einer Weiter-Fahrkarte und Wegzehrung versehen, ihn jedenfalls so rasch als möglich abzuschieben bestrebt sind. Die Wiener Juden habvn den bedürftigen Heilungsuchendeu aus dem Lande der Väter gegenüber jederzeit redlich ihre Pflicht erfüllt. Diese Feststellung oder besser Erinnerung wird uns vor dem Verdachte schützen, als wollten wir uns mit der im folgenden vertretenen Anregung einer Aufgabe entziehen, die nach stillschweigender lieberem kunft von allen beteiligten Kreisen uns Wiener Indien aufgeladen wird, nämlich der Fürsorge für die palüstinew fischen Patienten in den Wiener Kliniken und Heilanstalten. Nur die elende Lage vielmehr, in wie>.che diese Erbarmenswürdigen geraten, die zunächst die weite und verhältnismäßig kostspielige Fahrt nach Europa bestreiten, dann für sich und ihre Begleitung den oft monatelangen Aufenthalt in Wien fristen, d. h. den Betrag für Wohnung, Unterhalt, Arzt, Medizin usw. zusarmw'm betteln und endlich noch für die Rückreise sorgen müssen, — dieses seit Jahr und Tag eingewurzelte Uebel drängt bei nüchterner Ueberlegung zur energischen Abstellung eines unwürdigen und für beide Teile, sowohl die Hilfesuchenden als auch die Hilfebietenden, gleich nachteilige,! Zustandes. Wir brauchen in Palästina eine Klinik. Man schrecke nicht vor den Kosten zurück, die ein solches Projekt in Anspruch nimmt. Es ist ja nicht als Unternehmen einiger weniger Gemeinden, sondern als Aktion der gesamten Judenheit gedacht. - Daß wir die Idee von Wien ausgehen lassen, ist in unseren einleitenden Worten begründet. Eine solche jüdische Klinik, etwa in Jerusalem, würde mit einem Schlage zahlreichen Mißständen den Boden entziehen. Sie würde, von weit und breit aufge-