Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 19 (12.5.1916)
- Date
- 1916-05-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022215--25104-3050387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 19 Seite 330 X'X\ Blvlh'S I;criiicn Amlstätigkeit kam er seinen Berufspslichten stets pünktlich und (gewissenhaft nah und erwarb sich hiedurch nicht nur die Gunst des jeweiligen Kultusvorstandes, sondern auch der Mitglieder der hiesigen Gemeinde. Aussig. Im gesegneten Alter von 82 Jahren starb in Aussig am 29. April nach längerem Krankenlager das langjährige verdienstvolle Vorstandsmitglied Herr Löwy Hammerschlag. Der Verstorbene gehörte zu den Mitbegründern der Aussiger Kultusgemeinde, die er aus kleinen Anfängen emporblühen sah und an deren gedeihlichen Entwicklung er insbesondere als Tempeloorsteher hervorragenden Anteil hatte. Ebensolange war er auch Vorsteher der Chewra-Kadischa. Für seine aufopfernde Hingabe an die Interessen seiner Gemeinde und für sein uneigennütziges, humanitäres Wirken wurde ihm im Jahre 1909 auch die allerhöchste Anerkennung durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes zuteil. Mit ihm ist ein biederer, aufrechter Mensch und ein treuer Beschützur der Armen, Witwen und Waisen dahingegangen, dessen Namen in der Geschichte der Aussiger Kultusgemeinde allezeit einen Ehrenplatz einnehmen wird. Das Leichenbegängnis, das am Montag, den 1. Mai. stattfand, gestaltete sich, wie wir dem ^Aussiger Tagblatt" vom 2. d. M. entnehmen, zu einer erhebenden Trauertundgebung. Es nahmen an der Trauerfeier u. a. teil: Vertreter der autonomen Behörden und sonstiger Korporationen, Herr Superintendent Pastor Dr. Gummi, Bezirksobmann Herr A. Köhler und Abordnungen der benachbarten Kultusgemeinden, insbesondere zahlreiche aus Bodenbach, Teplitz. Brür. Die Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde hatten sich in stattlicher Zahl eingefunden. Der Sarg, geziert mit dem goldenen Verdienstkreuz, war im schwarz ausgeschlagenen Tempel aufgebahrt und auf dem Gebäude mächtige Trauerfahnen gehißt. Eingeleitet wurde die Trauerseier mit dem Absingen von Psalmen seitens des Tempelchores und Oberkantors, worauf Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig nach Verrichtung eines kurzen Gebetes dem um die Gemeinde so hochverdienten Manne einen tief empfundenen Nachruf widmete. Unter dem Absingen eines Trauerchorals wurde sodann der Sarg von Mitgliedern der Beerdigungsbrüderschaft zum Leichenwagen gebracht. Am Grabe sprach Herr Oskar Pick namens der Kultusgemeind; warme Worte des Dankes und Abschiedes, worauf Herr Hugo Epstein namens der Beerdigungsbrüderschaft den Gefühlen der Trauer und Wehmut über den Heimgang des langjährigen verdienten Obmannes Ausdruck verlieh. Mit den üblichen Gebeten schloß die Trauerfeier. Ternitz. Erhebend haben die dem Stahl- und Eisenwerk von Schüller & Comp, zugeteilten Kriegsgefangenen. jüdischer Nationalität das Pessach-Fest gefeiert. Durch die Hochherzigkeit der Wiener israel. Kultusgemeinde, welche für die kostenlose Beistellung der für die im obigen Werk untergebrachten 40 Kriegsgefangenen notwendigen Mazzos sorgte, war es ermöglicht, daß jene überhaupt dieses Fest begehen konnten, daß auch sie sich aus jenen Tagen erzählen konnten, in der ein versklavter Haufe Fronarbeiter sich seines Adels bewußt wurde und zum Volk erwachte. Und so haben sie mich denn auch ersucht, an dieser Stelle nochmals der Wiener Israel. Kultusgemeinde und insbesondere^ dem Vorstand der Armenanstalt Herrn M. A. P o 11 a k, der sich in dieser Angelegenheit ganz besonders bemühte, ihren innigsten Dank auszusprechen. Ich tue dies umso freudiger, da durch die hochherzige Tat der Wiener Kultusgemeinde jene, die fern von Weib und Kind in der Gefangenschaft das Pessach-Fest begehen mußten, das Bewußtsein haben werden, daß wir uns ihnen gegenüber nicht als Feinde, sondern als Volksgenossen verhalten. K. u. k. Wachtdetachement der Ternitzer Stahl- und Eisenwerke von Schüller & Comp. Bernhard Kreind 1 er. Reuhau.. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgenieinde hat in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt, Seine Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Michael R a ch - m u 1 h schon nach kaum viermonatigem Wirken in unserer Gemeinde das Definitioum zu erteilen. Herr Dr. M. R a ch m u t h hat es schon während der kurzen Zeit seines Hierseins verstanden, sich die Gunst und Wertschätzung aller Gemeindemitglieder zu erringen. Obiger Beschluß, der ebenso dem Rabbiner als seiner musterhaften Gemeinde zur Ehre gereicht, wurde Ersterem vom Vorstände in überaus schmeichelhafter Weise zur Kenntnis gebracht. Danksagung. Diisraelitische Mannschaft des k. u. k. Infanterie-Regimentes Nr. 95 in Mährijch-Schönberg und Umgebung fühlt sich gedrängt, Oberst Martin W y s o c k i, Oberstleutnant Johann Winkler, Major Fritz Reichel und Leutnant Adolf Pariser für ihr hunianes und liebevolles Entgegenkommen während der Osterfeiertage, nicht minder aber auch Herrn Rabbiner Dr. G. Roseninann zur dessen mühevolle und ersprießliche Tätigkeit aus dieseiu Wege ihre:, wärmsten Dank auszudrücken. Wochenschrift Feuilleton. Gin mutiger Arzt. Tie meisten Aerzte üben die gewiß sehr löbliche Borsicht, ihre Hilfsplätze nicht in unmittelbarer N.ühe des Kampfterrains oder der Schützenlinie Zu errichten, weil sie der Ansicht sind, daß der Verbandplatz in erster Linie den Verwundeten Sicherheit und vollständigen Schuh vor den Fährlichkeiten und Zufälligkeiten des Gefechtes bieten solle. Aber das Mannigfache menschlicher Natur und menschlicher Denkart zeigt nicht nur im Frieden, sondern auch im Kriege Verschiedenheit der Auffassungen, der Methoden, der Resultate. So erfahren wir von einem originellen Arzte, der von der Norm abging, der die Vorsicht außer acht ließ und seine Hilfsplätze in allernächster Nähe der Kampflinie aufstellte, weil er der Meinung war, daß man den Verletzten, wenn irgend mög> lich, sofort Hilfe leisten Müsse und daß, wenn auch m'ih Einsatz des eigenen Lebens, umsomehr Menschen gerettet werden, umsomehr Kämpfer der Schlacht Zurückgegeben werden tonnen, je rascher man den Grad ihrer Verletzungen festftelle und die Wunden behandelt. Es ist natürlich auch Temperamentsache. Der Assistenzarzt der Reserve Dr. Isidor S e g a l l des 77. Infanterieregiments erwies sich als Mensch von einer Unerschrockenheit, die kein Hindernis kennt, von einer seltenen Nervenstärke, die vom Lärm und Getümmel der Schlacht nur noch mehr Stimulanz Zu seiner aufopfernden Tätigkeit erhielt. Es war im Spätherbst vorigen Jahres, während der Kämpfe bei Travniki, als er wieder einmal feinen Verbandplatz knapp hinter der Schützenlinie aufgeschlagen hatte. In Scharen kamen die Verwundeten, humpelten, hinkten, krochen, schleppten sich und wurden geführt, getragen. Die Kämpfe waren erbittert, die Verluste groß. .Doktor S e g alls Hilssplatz war, der. nächstgelegene, . und so kamen sie von allen Möglichen Regimentern an diesem Punkt Zusammen, um Rettung, Zu suchen. 48 Stunden stand der Arzt und arbeitete ununterbrochen; endlich war die Stellung in jenem Raume nicht länger zu halten und es kam der Befehl Zum Rückzug. Aber Dir. S e g a l l blieb auf seinem Platze. In geordneten Verbänden marschierten die Truppen an ihm vorüber; er harrte ans, operierte, reinigte Wunden und verband sie. Und erst als der letzte Mann betreut war, ließ er auch seine Werkstatt nach rückwärts in Sicherheit bringen. Es hatte jedoch soviel Zu tun gegeben, so stark war der Andrang der Verletzten gewesen, daß schließlich kein Sanitätspersonal mehrübrig blieb, um noch einen letzten Verwundeten wegzriji schassen. Da half der wackere Arzt auch nach dieser Richtung. Er requirierte kurzerhand einen vorbeimarschierenden Mann und ließ sich helfen, den hilflos Daliegenden ans die letzte Tragbahre zu bringen, und dann trug er, der ArZt, mit Beistand eines Gehilfen den Verletzten mit eigenen Händen in geschützteres Terrain. In der folgenden Nacht ergab sich die Aufgabe, das Schlachtfeld an Toten und Verwundeten abzusuchen. Dr. S e g a l l ging an der Spitze seiner Sanitätsmannschaft mit aufs Feld, in das der Feind noch seine Kugeln sandte. Durch seinen Opfermut bezwungen, stiegen die Blessiertenträger todesverachtend in den Feuerregen und leisteten ihre schwere Pflicht, wie ihr Führer und Vorbild es tat. Sie retteten bei dieser Gelegenheit viele Menschenleben, viel Material; und nicht nur damit beschick) sich der starkherzige Samariter, er sammelte noch alles Sanitätspersonal und führte die gesamte Divisions-Sanitätsanstalt aus deM prasselnden Tode glücklich an ihren Bestimmungsort Zurück. Kurze Zeit danach, bei einem Angriff seines, des 3. Bataillons, stellte Dr. Segall seinen Hilfsplatz wie-