Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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‘Jt-ciic 310 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 18 den hervorragend mitwirkenden Damen, an deren Spitze Frau Dr. Dora W c i ß stand, ihren tiefgesühltcn Dank namens ihrer zahlreichen Kollegen auf diesem Wege zum Ausdrucke zu dringen. Klosterneuburg, 21. April 1916. M. a h a r e f, Em. Schis s. CH. R o s e n b a u m, Herrn. R e i tz e r, Isak Gottfried, Arthur R o s e n f e l d, Leib Seit, Ch. Saumselig. Sam. P o p o v i c s, Abraham Heller. Danksagung. Unter Mitwirkung des ..Ausschusses für rituelle V e r k ö fr i g u n g " (Scirenftettengasse 2), der „ Agudas Iis - r o e I " und der i f r a e I. Kultusgemeinde in Innsbruck tonnte ich für die Dauer des Pefsachfestes hier und in anderen Garnifonsorten neun rituelle Küchen für unsere Mannschaft und die jüdischen Kriegsgefangenen errichten. Ich spreche den löbl. Vereinen, insbesondere aber den Herren M. A. P o 11 a k, Alerander Landau, Bernhard Hof - b a u e r und den Herren Brüder Türkl (Lilienbrunngasse 5) für die tatkräftige Unterstützung, die sie mir angedeihen ließen, meinen herzlichsten Dank aus. Innsbruck, am 26. April 1916. Dr. L i n k, Rabbiner für Tirol und Vorarlberg. Militärfürsorge an den Pessachfeiertagen. Durch Intervention des Militär-Seelsorgers, des Landesrabbiners für Tirol und Vorarlberg, Dr. Link, hat das k. u. k. Militärkommando die rituelle Verköstigung der jüdischen Soldaten während des Pessachfestes angeordnet und für diesen Zweck Räume in der großen Infanteriekaserne bereitgestellt. Nebst einigen großen Speiseräumen hat das k. u. k. Kommando auch eine Küche zur Verfügung gestellt, in der vier Köche und sechs Ordonnanzen, zwei Rechnungsunteroffiziere und ein Aufsichtsbeamter ihres Amtes walteten. Für den ersten Seder-Abend hat in gewohnt liebevoller Weise der Innsbrucker ifrael. Frauenverein gesorgt. Cs war für den Frauenverein keine leichte Aufgabe, den an ihn gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Trotzdem ist das Arrangement glänzend gelungen. Frau Wilhelm D a n n h a u f e r, die bewährte Präsidentin des Frauenvereines, mit den Vorstandsdamen Dubsky, Abeles und Frau Rabbiner Dr. Link widmeten ihre ganze Tatkraft der heute so schwierigen Materialbeschaffung und den sonstigen Vorbereitungen für den Abend.. Reicher Lohn muß es aber für sie gewesen sein, die glücklichen Gesichter der vielen Hunderten zu sehen, die an festlich gedeckten und mit Wein und allem Zubehör reich bestellten Tischen die Feierlichkeit des Seders vereinte. Selbst die russischen Kriegsgefangenen schienen an diesem Abend Haus und Heimat vergessen zu haben. Die Fürsorge beschränkte sich jedoch nicht nur auf die in der Nähe von Innsbruck befindlichen jüdischen Soldaten. In allen Teilen Tirols und Vorarlbergs und darüber hinaus, im ganzen Bereiche des 14. Armeekorps, selbst in den Internierten- und Kriegsgefangenenlagern wurde eine Anzahl ritueller Küchen errichtet, während der bewährte Vorsteher der israel. Kultusgemeinde den Versandt von Mazzoth bis in die Schützengräben und Unterstände organisierte. Die ganze Aktion, hinter derem glänzenden Gelingen eine Unsumme von Arbeitskraft und Selbstaufopferung der für sie Arbeitenden steht, gab Hunderten und Aberhunderten im Heere stehenden Glaubensgenossen die Möglichkeit, die Pessach-Feiertage zu heiligen, gab ihnen Gewissensruhe und Heimatsgefühl im fremden Land; mehr aber noch, sie bedeutete die Manifestation der jüdischen Tradition in einem Lande, wo jüdische Sitten und Eigenart wenig bekannt sind. Innsbruck, am 28. April 1916. Ida S a g e l. Ober-Hollabrunn. Am Freitag, den 28. April l. I., fand unter überaus zahlreicher Beteiligung der hiesigen Bevölkerung, wie auch der Spitzen der Behörden das Leichenbegängnis der Frau Katharina S ku tez ky, geb. Malovan, statt, welche im 76. Lebensjahre verstorben ist. Die Verblichene, eine edle und stille Wohltäterin der Armen, ohne Unterschied der Konfession, war eine Frau von vortrefflichen Eigenschaften und tiefer Frömmigkeit. Religionslehrer S. I e 11 i n e k würdigte die Verstorbene in warmen, herzlichen Worten, welche auf die Hinterbliebenen tiefen Eindruck machten. Eine Militär-Abordnung von 30 Mann vom Roten Kreuz gab der edlen Frau das Ehrengeleite. Feuilleton. Kas Ravbinerlemiuar in Konstarrtinopet. Der Tiefstand des geistigen Lebens unserer Stammesgenossen in der Levante, wie er an dieser Stelle bereits geschildert tvurde, hängt mit dem Mangel eines tüchtigen indisch und allgemein gebildeten Lehrstandes enge zusam men. Noch bestehen in den größeren Gemeinden dev Orients die Jeschiwos, welche einst Brennpunkte jüdischen geistigen Lebens gewesen waren, noch wandern aus den holperigen Straßen jüdischer Vorstädte bärtige Männer mit langen „Jübets", welche den Namen ..Chachamim" tragen; aber wie traurig verkümmert sind die alten Lehrhäuser und der einstige Lehrstand. Wenn malt bei uns von einer Jeschiwäh spricht, so denkt man gleich an eine sSchar lernbegeisterter Jünglinge, die Wendigen Mutes alle Mühsalen ertragen: „Täg'essen" und tagelang hungern, um dem Vorträge eines berühmten Lehrers folgen zu können. Eine Jeschiwäh bedeutet Jugend, bedeutet erregt pulsierendes Leben. Ganz anders ist es bei den Sephardim im Orient, dort ist sie jetzt Greisenheim oder Versorgungsanstalt. Die Jefchiwos sind meist nur 2—3 mal wöchentlich für einige Stunden geöffnet. Vorträge finden nicht statt, es kommen auch keine Jünglinge dorthin, nur ältere Leute („Chachamim"), die für das „Lernen" eine Entlohnung aus den Zinsen irgendeiner Stiftung bekommen. Meist lernt ein Chacham in zlvei oder in mehreren Jeschiwos. In Palästina geben die Chachamim direkt „Stunden" in einigen Jeschiwos, um dem Seelenheile mehrerer Spender!zu dienen. Es besteht auch die Sitte, bei Trauersällen „Chachamim" ins Haus zu rufen, damit sie für den Verstorbenen lernen. Es soll nicht gesagt werden, daß es keine Chachamim gibt, die auch unbezahlt lernen, aber selten, äußerst selten trifft man bei den ChachamiM die uns so vertraute Lernbegierde, selten wohnt man in einer sephardischen Jeschiwäh einer belebten halachischen Diskussion bei. Ruhig sitzen die Chachamim nach türkischer Art auf den Sofas und lesen ihren Schiur, ohne sich in die Sache zu veütiefen. Aus dem Kreise dieser „Chachamim" rekrutieren sich die letzten Chederlehrer, die ebenfalls „Chacham" tituliert werden. Die hebräischen Lehrer der Allianceschulen sind meist ebenfalls „Chachamim", welche infolge ihres Mangels an moderner pädagogischer Bildung Lehrern und Schülern eine gleich lächerliche Figur abgeben und demzufolge den hebr. Unterricht zu einer lästigen Formalität Herabdrücken. «Manche Schulleiter der Alliance geben sich Mühe, moderne hebräische Lehrer anzustellen. Es gibt aber nur gezählte modern gebildete hebräische Lehrer spaniolischer Abkunft, und die Aschkenasim, meist Russen, ziehen es vor, in ihrem Milieu zu bleiben. Nur wenige Aschkenasim haben sich der Erziehung der spaniolischen Jugend gewidmet. Auf dem Gebiete der Erziehung fcntit man heutzutage die Tätigkeit der Chachamim mit gleich Null bewerten. Mer auch als Rabbiner können nur wenige, die den Chachamtitel beanspruchen und einer Jeschiwäh zugehören, verwendet werden. Es gibt Dutzende von Chachamim ohne Amt und trotzdem sind mehrere Rabbinerstellen in größeren Gemeinden unbesetzt. Das Rabbineramt stellt in der Levante größere Anforderungen an seine Bewerber als bei uns, denn die Gemeinde genießt eine weitgehende Autonomie und ihrem Oberhaupt ist von der Behörde ein großer Wirkungskreis zu geteilt. Der Rabbiner ist der Vertreter der Judenschaft gegenüber der Behörde nicht nur in religiösen, sondern auch in weltlichen Fragen. Nicht der Präsident des Gemeindeausschusses, sondern der Rabbiner leitet die Kehilla. Bei