Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Eette 304 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 18. ftigc Zusagen von den maßgebenden Persönlichkeiten habe, nnd bald darauf wurde der provisorische städtische Lehrer Ludwig Goldenberg als erster definitiv angestellt, was in den interessierten Kreisen großes Aussehen erregte. Später wurden nach und nach alle, die so lange Jahre, bei kärglichein Einkommen, nur ihrer Glaubenstreue wegen, provisorisch dienen mußten, durch Doktor Marchet's mannhaftes Eintreten definitiv angestellt. Das Andenken dieses gerechten Mannes sei gesegnet! I. PH. Fcstgottcsdicnst anläßlich! des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans. Der Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten lSephardim) in Wien veranstaltete am 29. April int Tempel in der Zirkusgasse einen Festgottesdienst aus Anlaß des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans Mchemed V. Gahzi. In dem Gottcshause, das festlich beleuchtet war, hatte sich eine sehr Zahlreiche andächtige Menge versammelt. Ferner waren erschienen in Vertretung des ottomanischen Botschafters am Wiener Hofe H u s sein H i l m i - P a sch a der Botschaftsrat Doktor Reschad Blacque-Bei, der Delegierte des ottomanischcn Roten Halbmondes für Oesterreich Dr. Hikmet- B e i, die Botschaftssekretäre T e w f i k - B e i und N o u r i Zia-Bei und Redjai-Efendi, in Vertretung des Kricgsministers AML. -v. W u ke l l i c und Major I s in e t Dzinic, für das österreichische Komitee des Roten Halbmondes Hvsrat Dr. Friedrich Karminski und Hinck v. Ruzicska, Baronin Charlotte Königswerter und Baron Hermann K ö n i g s w a r t c r, Polizeirat Polizeibezirksleiter Tr. Brand h über v'. E t s ch se l d, Hofschauspieler Karl ö. Zes ka, Handelsattachee Bondy - Bei, türkischer Justizrat Dr. August Libitzky, in Vertretung der Kultusgemeinde Präsident Tr. Alfred S t c r n und Landesschulrat Dr. Markus Spitzer und Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, Bezirksvorfteherstellvertreter Roll, Hosrat Dr. schlag. Die Festgäste wurden von dein Präsidenten der Gemeinde Mosce de M a j o und den Borstandsinitgliedern Leon Ha im, Lazar Sussin, Dr. Joses Salom, Salomon Farchy, Hassan und Sekretär Dr. Marcel Halfon begrüßt. Der Gottesdienst wurde nüt einer musikalischen Feier durch Oberkantor Bauer eingeleitet, worauf Rabbiner Michael Papo das Geb eh für den Sultan verrichtete. Den Abschluß bildete die Sultanhymne von Tewsik-Bei Tavond und die österreichische Volkshymne, die vom Chor unter Leitung des Dirigenten Löwit gesungen wurden. Nach dem Gottesdienst empfing der Botschafter H u s s ein H i l m i - Pascha den Vorstand der sephardischen Gemeinde in Audienz. Ein jüdischer Bürgermeister in Ungarn. Der Gemeinderat der Stadt Locse (Leutschau > Hai vorige Woche unter Vorsitz des Vizegespans Dr. Neogradi die Wahl eines Bürgermeisters vorgenommen. Mit einer Mehrheit von 34 Stimmen wurde der Advokat Tr. Moritz Fried zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Dr. Fried dürfte derzeit der einzige jüdische Bürgermeister in Ungarn sein. Budapest hat bekanntlich einen jüdischen Vizebürgermeister in der Person des Franz T e r i. Zum Mlcben Karl Wtvös. Aus Budapest wird uns geschrieben: Mit welcher Dankbarkeit die Juden Ungarns das Andenken des verstorbenen großen Rechtsverteidigers Karl Eötvös ehren, geht aus den Berichten der Trauerandachten hervor, die in zahlreichen jüdischen Gemeinden veranstaltet wurden. Fast in sämtlichen Synagogen des Landes ivilrde in den Feiertagspredigten des Verblichenen ehrend gedacht. Bon bleibender Wirkung sind die Worte, welche der protestantische Geistliche H a y p a l anläßlich des Leicheubogängnisses Eölvös' in seinem Nachrufe seiner Rolle im Tisza-Eszlarer Prozeß widmete. Er sagte u. a: „Die Juristen sagen, er gehörte ganz uns. Er ist das Muster der Wahrheitsucher, der Rechtsverteidiger. Als selbstisches Interesse an dem Ruin anderer sich ergötzende Befangenheit, lärmhaste Unwissenheit die Fessel der Leidenschaft lösten, der Haß Alarm blies und der entfesselten Leidenschaft die Waffe in die Hand drückte, die öffentliche Meinung tobte, wie wenn der Sturm tiefe Schluchten in die Erde gräbt und Berge sortbewegt — da erhob sich Karl Eötvös, der Jurist, über die Leiden^ schäften, wie das Volk der klassischen Zeit Neptun über den Gewässern thronen sah. Er brachte ans Tageslicht, was die Feinde des Lichts in Finsternis hüllen wollen. Aus den verworrenen Fäden der Verderbtheit löste er den einzigen unversehrten Faden: die Wahrheit: festelle er die alles verheerenden Arme der Leidenschaft: jagte er den Höhlenbewohner des Mittelalters in seine Höhle zurück und forschte bei dem Lichte der Weisheit und des Gesetzes mit Hilfe der unverrückbaren Logik nach der. Wahrheit. Er hat inmitten des auch durch Neugierde geschürten Interesses der ganzen Welt den Kredit der ungarischen Justiz, die Ehre der ungarischen Seele als richtunggebender Führer weben der Verteidigung sozusagen in erster Reihe verteidigt." Wie wir erfahren, wird in vielen Gemeinden Ungarns das Projekt erwogen, auf dem Namen Karl Eötvös eine große jüdische Stiftung zu errichten, Win auch in dieser Form der Dankbarkeit der Judenschaft für die unvergänglichen Verdienste Karl Eötvös' ein bleibendes Denkmal zu errichten. .... .... Ter Messt- und Kirchenfonds der Basilika. In Budapest (Leopoldstadt) vollzieht sich ganz im Stillen ein Akt, der ein'beredtes Zeugnis ablegt von dem innigen, harmonischen Zusammenschluß der verschiedenen Konfessionen der hauptstädtischen Bevölkerung. Wie erinnerlich, hat der Advokat Dr. Joseph Vilagoss y, der bei der Leopoldstädter Basilika die Stelle eines Kurators innehatte, nach Unterschlagung der Messe- und Kirchensondsgelder im Betrage von 74.800 Kronen die Flucht ergriffen und sich in Amerika in Sicherheit gebracht. Als Deckung für den unterschlagenen Betrag verblieben 3229.65 Kronen, die V il a g o s s y als Kaution erlegt hatte. Es galt somit fast der ganze Betrag als verloren. Alsbald wurde jedoch unter der jüdischen Bevölkerung der Leopoldstadt eine Bewegung eingeleiteh um den defraudierten Betrag im Wege freiwilliger Spenden auszubringen. Die Anregung fand großen Ankläng und alsbald beteiligten sich an der Sammlung aujch Christen, ja sogar eine reformierte Kirchengemeinde mit einem größeren Betrag. Auf diese Weise wurden bisher zur Deckung des defraudierten Betrages, zumeist von Juden, 43.700 Kronen aufgebracht, und es steht zu erwarten, daß die noch fehlenden 31.100 Kronen alsbald gleichfalls beisammen sein werden. („Neues Pester Journal" v. 23. April.) Linz. Die „Linzer Tagespost" berichtet: Dank dem Entgegenkommen des oberösterreichischen Lande s a u s s ch u s s e s durch unentgeltliche Ueberlassung der landschaftlichen Redoutensäle, sowie der G e m e i nde - vorstehung Linz, welche die hiezugehörige Küche zur Verfügung stellte, war es -er israelitischen Kultusgemeinde möglich, die in Linz mtb Umgebung anwesenden 200 jüdischen Soldaten an den beiden Osterabendew uird dem ersten