Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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N - 18 Tr. Bloch s Wochenschrift Lc te 303 bei einer in der letzten Zeit von seiner Organisation, eingeleiteten Hilfsaktion aus. Hierauf wurde dem Kuratorium einstimmig das Abfolutorium erteilt. Zum Punkte 3, „Aenderung des Regulativs", fpracheic Herr M. Baum, der Vorsitzende, Hofrat Dr. B. Rappatzort, Dr. Josef S. Bloch und Dr. Rybazewski, worauf die Aenderung des Regulativs ein,- stimmig 6u hloc angenommen wurde. lieber Antrag des Herrn Josef Kohn wurden in das Kuratorium Frau Regine Kopstein, Frau Dr. Emilie Weiß, kais. Rat Dr. S. Krüger wieder-, Frau Dozent Sofie Grünfeld, Frau Direktor Regine Ullntann, Frau Auitta Mülle r, Professor Dr. Wilhelm R o t h und Dr. Rudolf Fürth neugewählt. Nach Erschöpfung der Tagesordnung schloß der Vorsitzende unter Ausdruck pes Dankes an die Erschienenen die Telegiertenversantmlung. Wien. Die Chewra-Kadischa für die Bezirke XII bis XV hielt am 23. April l. I. ihre 51. Generalversammflung ab, die, obgleich viele Mitglieder im Felde stehen, zahlreich besucht war. Herr Präses Hermann Weinb c r g c r begrüßte die Anwesenden, insbesondere Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. T a g l i ch t und Herrn Kultusvorsteher Samuel Steiner als Delegierten des Kultusvorstandes, und bot in seiner Rede einen Ueberblick über die Tätigkeit des Vorstandes, welche allgemeine Zustimmung fand. Herr Spitz erstattete den Revisionsbericht, konstatierte, daß eine Prüfung die ordnungsmäßige Gebarung ergab mib beantragte, dem Vorstande das Llbsolutorium zu erteilen und den Dank der Generalversammlung auszusprecheu. Der Antrag tvurde einstimmig angenommen. Bei der darauffolgenden Wahl wurden einstimmig die Herren Präses Hermann W e i n b e r g e r. Kassier Josef Löwy und Schriftführer Moritz Weiß wieder- und Herr Eduard Schwarz für eine drei-äh ige Mandatsdauer neugewählt; desgleichen als Revisoren die Herren Spitz und Dörfler, denen vom Präsidenten für ihre Mühewaltung der Dank votiert wurde. Pessachi-Ausspeisung des Vereines „Einheit". Der so rühmlich wirkende Verein „Einheit" hat sich durch die in großartigem Maßstabe durchgesührte Akcion zur Versorgung der in Wien befindlichen israelitischen Militärmannschaft mit ritueller Kost an den abgelaufenen Pessach^-Feiertagen ein unvergängliches Verdienst erworben. Es war ein Gedanke, großzügig in der Konzeption und 'großzügig in der Durchführung, den nach vielen Tausenden zählenden Glaubensgenossen die Wohltat der von Kindheit her gewohnten österlichen Verköstigung auch in diesem Jahre nicht entbehren zu lassen, trotz der enormen Schwierigkeiten, die sich dieser grandiosen Aktion entgegenstellten. Dank dem Entgegenkommen der Militärbehörden und der israelitischen Militärseelsorge und durch die hochherzige, werktätige Unterstützung der Kultusgemeinde und die unermüdliche Tätigkeit der leitenden Persönlichkeiten der „Einheit" ist die schwierige Arbeit in allen Teilen aufs beste gelungen und wurde dadurch ein Werk vorbildlicher jüdischer Organisation geschaffen. Die Verköstigung von ca. 2600 jüdischen Mannschaftspersonen wurde an drei Ste len vorgenommen: ca. 1500 wurden in dem großen Saale des Bureaühauses auf der Mariahilferstraße, den Herr Architekt Gotdschläger in selbstloser Weise zur Verfügung stellte, verköstigt; von dort aus erfolgte auch die Versorgung der in allen Wiener Spitälern verpflegten jüdischen Verwundeten mit ritueller Kost und wurden täglich ca. 500 Portionen in Kochkisten und Thermophas in die Spitäler entsendet. Einen wahrhaft erhebenden, unauslöschlichen Eindruck . machten auf alle Teilnehmer die beiden Seder- Abende, die durch schwungvolle Ansprachen der ehwürdigen Herren Rabbiner Dr. Bauer, Dr. Drobinsky, Flefch und des Leiters der Wiener Militärseelsorge, Feldrabbiner . Doktor Frankfurter, eine besondere Weihe erhielten; an sechsundzwanzig langgestreckten, in Blumen- und Lichterschmuck prangenden Tafeln saßen unsere tapferen Glaubensbrüder in andachtsvoller Stimmung und lasen eifrig in den Hagadahs, die ihnen vom Vereine als Andenken dediziert wurden. Freude und Befriedigung leuchteten aus ihren Augen, aber auch manche Träne der Rührung wurde vergossen, lieber d'e reichliche, vorzügliche Verköstigung — an allen acht Tagen zweimal Suppe und große Fleischportionen, an den Hanptseiertagen auch Mehlspeise und Wein, überdies zum Früh stück Eier und Mazzoth — herrschte nur eine Stimme des Lobes; die Zuteilung der Speisen und das Service hatten die Vorstandsdamen des Mariahilfer Frauen- Wohltätigkeitsvereiaes übernommen, denen eine große Anzähl von Damen aus den besten MariaHilf-Neubauer Familien tatkräftig zur Seite stand. Alle Beteiligten entwickelten einen rühmenswerten, geradezu heiligen Eifer und haben sich redlichen Anspruch auf warmen Dank erworben: wir unterlassen es an dieser Stelle, Namen zu nennen, um niemanden zu übergehen, aber einen Namen müssen wir ehrend erwähnen: den Kollektivnamen F e ls e n b u r g. Schließlich eine vom Herzen kommende Bitte: Diese Aktion hat dein Vereine „Einheit" 50.000 -60.000 Kr. Kosten verursacht und er ist deshalb genötigt, an die Opferwilligkeit und die Herzensgüte aller Glaubensgenossen zu appellieren: gebe jeder nach Tunlichkeit! Spenden wollen an die Administration der „Neuen Freien Presse" oder an das Postsparkassen-Konto 52.112 der „Einheit" gütigst geleitet werden. B. . y. Doktor Gustav Marchet. Ein ausrichtig liberaler, für die Gleichberechtigung aller Staatsbürger tätiger, charaktervoller Mann ist plötzlich von uns geschieden. Das Gefühl der Dankbarkeit veranlaßt mich, einen der vielen Charakterzüge Dr. March et's,gleichsam als ihn» gebührenden Nachruf, hiemit bekanntzugeben. Im Jahre 1004 interessierte ich mich für die unglückliche Lage der damals provisorischen städtischen Lehrer und Lehrerinnen jüdischen Glaubens, welche zirka zehn bis nahezu zwanzig Jahre bei der Wiener Kommune zur vollsten Zufriedenheit dienten, aber aus dem einzigen Grunde nicht definitiv angestellt wurden, weil sie lieber Hunger leiden, als einen Taufschein beibringen wollten. Als meine diesbezüglichen Schritte erfolglos waren, wandte ich mich, als Badener, an Dr. M a r ch e t, der mich von den Reichsratswahlen kannte, und erbat seine Intervention für die endliche definitive Anstellung der ungefähr vierzig jüdischen Lehrer und Lehrerinnen. Der Erfolg war überraschend. Dr. Marchet war Landtagsabgeordneter und b.- stellte mich für den nächsten Tag in den kleinen Saal des n.-ö. Landtages, wo eben ein Lehrergesetz zur Beschlußfassung kam, ließ sich dort in Gegenwart vieler Abgeordneter die fatale Lage der jüdischen Kommunallehrer von mir vortragen, übernahm ein genaues Verzeichnis aller Namen nebst Angabe der Anzahl der be reits geleisteten provisorischen Dienstjahre der betretenden Lehrer und Lehrerinnen und versprach mir sofort mit lauter Stimme, daß er sich der gerechten Sache energi'ch an nehmen werde. Nach einigen Wochen teiKe mir Dr. M a r ch e t in einem Briefe vertraulich mit, daß er bereits gmw