Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 18 Tr. Bloch's Wochknschrift Sette 305 Hauptfeiertage zu Gaste zu laden und diese ihrer Heimat entrückten Krieger in traditioneller Weise zu bewirten. Ter Redoutensaal, der mit einer Kaiserbüste, Blumen und Fahnen der verbündeten Mächte geschmückt war, bot einen prächtigen Anblick. Die anwesenden Krieger waren von der Bewirtung hochbefriedigt und sprachen sowohl dem Borstande Herrn B. Schwager wie auch dem Sberlantor Löwenso'hn, der 'die kantoralen Funktionen versah, und beit jungen Damen, die in selbstloser Weise die schwierige Arbeit" der Bedienung übernahmen, ihren Dank aus. Daß eine derartig religiöse und zugleich auch patriotische Feier bei einer so kleinen Körperschaft, wie die Linzer Kultusgemeinde es ist, stattfinden konnte, ist ein Be-, weis von der Opferfreudigkeit der Mitglieder dieser Gemeinde. _ Lemberg. Eine Osterbespeisung voll ungefähr 1560 Soldatell unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist eine Leistung, auf die sich unsere Gemeinde etwas zugute tun darf, umsomehr wenn mall ilicht nur die augenblickliche Erschöpfung des GeMeindesäckels, sondern auch die minimale Anzahl von Arbeitskräften ins Auge saßt. Die mcifteit unserer „offiziellen" Würdenträger haben es für gut «befunden, bis. heute der Gemeinde fern zu bleiben, jallch die offiziellen Damen und Herren ans der Umgebung der „B'ne B'rith" lassen lange auf sich warten; umso erfreulicher ist es, daß sich doch! eilt kleines Häuflein opferwilliger Menschen fand — die meisten von ihnen haben auch die schwere Zeit der Invasion mitgenracht —, die sich für diese Aktion bereitwillig zur Verfügung stetltell. Die Militärbehörde bewilligte das erhöhte Menagerelutnill, die Kultusgeineinde nahm einen Teil der Kosten auf sich, der Verein „Tikwat Zion" stellte seinen großen Saal zur Verfügung, liebenswürdige Frauen und Mädchell sorgten -für chas übrige, so; daß sich! unsere braven Soldaten über nichts -zu beklagen hatten. Es war ein erhebendes Bild, die vielen Marsföhine in so gemütlicher Stimmung beieinandersitzen zu sehen. Nicht minder gastfreundlich wurden auch! Mehrere Hundert russische Kriegsgefangene bewirtet; sie schienen sich! unter den Unsrigen ziemlich heinrisch zu fühlen. Die Feldrabbiner Fisch und Fische r, die Kultüsräte O r a n s z und B t ä u e r standen den Damen, unter denen an erster Stelle Frau Apotheker A s ch ke n a s e, Frau Katz und Frau W i x c l genannt seien, hilfreich /zur Seite, ebenso Gemeinderabbiner Dr. GuttMann, der am letzten Pesfachtage an die Soldaten eine erhebende Ansprache richtete, während ein unter den Russen befindlicher Ehasan in erhebender Weise das Kidduschgebet verrichtete. B. Tie rituelle Volksküche in Rzeszow. Als die Kriegsereignisse es mit sich brachten, daß unsere siegreiche Armee in Rzeszow einmarschierte und das 89. Regiment sich in Rzeszow stabilisierte, ergab sich eine große Pflicht für die Rzeszower Juden, nämlich für die orthodoren Juden, die bei diesem Regimente dienen und durch religiöse Gründe die Menage nicht essen, zu sorgen. Es wurde ein Komitee gebildet, an dessen Spitze Herr Oberrabbiner Ratan L e w i n, Herr Kultuspräsident Chaim E i s e n b e r g und die Herren Hirsch-Sporn, Jsac G r e i s m a n n, David H o r o w i tz und Ratan Beller standen, deren Aufgabe es war, eine rituelle Volksküche für die Soldaten zu gründen. Herr Hirsch-Sporn stellte gleich die erforderlichen Auslagen im Betrage von Kr. 2000.— zur Verfügung und wurde daher eine Küche im großen Saale des Herrn Wolf Fröhlich eingerichtet. Das Komitee erließ sofort einen Ausruf zur Sammlung verschiedener Spenden zur Unterstützung der Volksküche, bei welcher die Rzeszower Juden sich zahlreich beteiligten. Es wurden viele Mitglieder ausgenommen, welche bis heute die Zahl von 750 erreichten. Am 22. November 1915 wurde die Küche feierlich eröffnet, bei welcher sich verschiedene Persönlichkeiten, unter anderem der Rzeszower Bezirkshauptmann, sowie viele Offiziere beteiligten. Am nächsten Tage war schon die Küche in vollstem Betrieb, und wurden an demselben Tage schon über 500 Portionen Kartoffeln mit Suppe zu Mittag und zirka 650 Glas Tee zum Nachtmahl verabreicht. Bis heute wurden täglich 900 1000 Portionen Kar tos,ein mit Suppe und 1500 1600 Glas Tee verabfolgt. Als die Osterfeiertage sich .näherten, ergab sich eine neue Pflicht und Aufgabe für die Rzeszower Juden, resp. für das Komitee, es waren große materielle Mittel erforderlich, uni für die 650 700 Soldaten /eine kostenlose Küche für die Oslerfeiertage zu errichten, und ängstlich sorgend mochte gar mancher sich gefragt haben, ob nian imstande sein wird, neben all den außerordentlichen Pflichten, auch diese zu erfüllen. Es wurden die nötigen Geldmittel rasch gesammelt und die Osterküche hergerichtet. Die Aufgabe war leine leichte, die zu erfüllen war. denn es mußte eine große Summe Arbeit, Energie und Gewandtheit geleistet werden, und mit Stolz und tiefster Befriedigung kann man sagen, daß die Rzeszower Juden ihre jüdisch: Pflicht .erfüllt haben. Was möglich war, ist getan worden. Es war ergreifend, zu sehen, wie alte und junge Soldaten lei den weißgedeckten Tischen, welche sehr schön dekoriert waren, den Seder-Abend verbrachten. Sehr viele Tränen flössen bei den grauköpfigen Soldaten, als sie „Awudim-Hojinu" zu sagen anfingen, und den Allmächtigen baten, daß er sein Erbarmen über uns walten lassen möge, und uns gewähren, daß ein voller Sieg unserer Waffen bald den Frieden bringe. An jeden einzelnen Soldaten wurde 1 4 Liter Wein zu „Arba-Kosos". 3 Mazzvs. 2 Eier, Kartoffeln mit Suppe, 22 Deka Fleisch und Kompott für das Abendmahl verteilt. Zum Frühstück bekamen sie 3 Mazzvs und 2 Cier. Zu Mittag erhielten sie dieselben Speisen wie zum Nachtmahl. Auch für die jüdischen Soldaten, die Rzeszow mit der Bahn zu den Osierfeiertagen passierten, wurde gesorgt. Es wurde am Bahnhof eine rituelle Küche errichtet und an alle durchfahrenden Soldaten Mittogskost, sowie Eier und Mazzos verteilt. Ueberblickt man das Ganze, so erkennt man mit Befriedigung den imponiernden Umfang des von den Rzeszower Juden vollbrachten Werkes; daß es vollbracht werden konnte, verdanken mir dem Opfersinne des Herrn Oberrabbiners Ratan L e w i n, Herrn Kultuspräsidenten Chaim E i s e n b e r g und Herrn Hirsch- Sporn, diese haben ihre jüdische Pflicht nicht vergessen. Ich bin tief überzeugt, daß die Soldaten diese Liebenswürdigkeit der Rzeszower Juden nie vergessen werden. . Rzeszow, den 26. April 1916. Baruch Schlüssel aus Lemberg, derzeit Rzeszow. Oderberg-Bahnhof. Die in der hiesigen Garnison diensttuende Mannschaft, sowie die in den Spitälern in Pflege, befindlichen Soldaten und russischen Kriegsgefangenen mosaischer Konfession, konnten, dank der altbewährten Opferwilligkeil der hiesigen jüdischen Gemeindemitglieder, der hilfsbereiten Tätigkeit des hiesigen Frauenvereines, insbesondere seines unermüdlichen Präsidiums, gepaart mit dem liebenswürdigen Entgegenkommen des hochwürdigen Rabbinates, nicht nur streng rituell, sondern auch reichlich beköstigt werden. Den Gipfelpunkt edler Mildtätigkeit und /geistiger Erbauung bildeten die Soldatenabende, bei deren Einleitung Seine Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Friediger dem anwesenden Stationskommandanten. Herrn Oberst Franz Gabler, und den sonstigen Festgästen, Worte herzinnigen Dankes entbot. In dieser großen Zeit zu danken, wäre kleinlich. Einst zu unseren Familien heimgekehrt, wollen wir Hilfsbereitschaft in solch reichlichem Maße und herzerfreuender Freundlichkeit in unseren Gemeinden verpflanzen, zur Erinnerung an den Pessach in Oderberg. Einer für Alle. Erik Ra i n. Tie Osl erfrier tage der jüdischen Soldaten des Infanteriereaimentes Nr. 80 in Rimaszomüat. Schön, würdig, ernst und weihevoll verbrachten das Peisachfest 'die jüdischen Soldaten des 80. Infanterie-Regimentes. Bei allen Kompagnien wurden spezielle, rituelle koschere Küchen geführt und überall die Gebete andachtsvoll abgehalten. Besonders hat sich die 5. Ersatzkompagnie dieses Regimentes ausgezeichnet. Hier wurden sämtliche Küchengeräte und Eßzeuge neu angekauft und dafür gesorgt, daß die Juden keinen Mangel in der Pessach-- kost empfinden sollen. Auch die beiden Seder-Abende wurden bei dieser Kompagnie der Tradition gemäß, vorschriftsmäßig gefeiert. Dank der musterhaften Wirtschaft und Ordnung, wurde für die Juden bei der 5. Kompagnie direkt eine häusliche Atmosphäre geschaffen. Man tröstete sich, wenn der Gedanke an die Heimat auftauchte, wo alles Hab und Gut vom Feinde geraubt worden. Innigster Dank seitens der jüdischen Soldaten wird hiefür vor allem dem Kompagnie-Kommandanten, dem Herrn Hauptmann Pelz, ausgesprochen, sodann dem dienstsührenden Feld-