Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr 17 Tr. Bloch's Wochenschrift seile 283 Rabbinatsbezirkes am Kriegsdienst zusammenstelle. Sie erhielt nun die erste Zusammenstellung aus dem Bezirk BeMen. 238 Juden sind dort eingerückt, und zwar 113 Verheiratete (die insgesamt 198 Kinder haben) und 125 Ledige. 34 sind jünger als 20 Jahre; 102 stehen zwischen dem 20. und 30., 57 zwischen dem 30. und 40., 36 zwischen dem 40. und 45. und 9 zwischen dem 45. und 50. Lebensjahre. (Dem Berufe nach sind: 2 Advokaten, 1 Gerichtsexekutor, 1 Bezirks-Rechnungsrevisor, 1 Steueramtspraktikant, 1 Advokaturskandidat, 4 angehende Aerzte, 6 Buchhalter, 5 Kanzleiangestellte, 3 Agenten, 18 Kaufleute, 8 Handelsangestellle, 14 kleine Landwirte, 82 Handwerker und Handwerksgehilfen, 64 Gastwirte und Gemischtwarenhändler, 12 Fuhrleute und 6 Arbeiter. Dem Range beim Militär nach sind: 1 Oberleutnant, 3 Leutnants, 6 Kadetten und 24 Unteroffiziere. Bis jetzt waren 172 an der Front, 18 werden nochausgebildet. Den Heldentod erlitten 10. In Kriegsgefangenschaft gerieten 12. 13 wurden schwer, 27 leicht verwundet. 5 sind gänzlich invalid. Ausgezeichnet wurden bis jetzt 8. _ Wie ersichtlich, fehlt in dieser sonst mustergiltigen Statistik noch die Angabe der Zahl der in dem Bezirke wohnenden Juden im Alter von 18 bis 50 Jahren, eine Angabe, durch welche man auch das perzentuelle Verhältnis der jüdischen Eingerückten zur Zahl der jüdischen Einwohner in den in Betracht kommenden Altersjahrgängen feststellen und dann Mit dem entsprechenden Verhältnis auf nichtjüdischer Seite vergleichen könnte. In einer statistischen Aufnahme im orthodoxen Rabbinatsbezirke Kolta (Komitat Komorn) für die „Allgem. Jüd. Zeitung^ ist denn auch schon' dieser Mangel beseitigt. Nach dem betreffenden Berichte sind von dem 40 Juden des Bezirkes, die im Alter zwischen 18 und 50 Jahren stehen, 30 eingerückt, wovon 18 ledig, 12 verheiratet sind. Wenn die jüdischen Kultusgemeinden nicht nur in Ungarn, sondern auch in Oesterreich und anderwärts ihre Aufgabe in dieser verantwortungsschweren Zeit verstehen wollen, dann müssen sie der Anregung des ungarischl-jüdischen Blattes Folge leisten. Es gibt doch für jede Gemeinde, ob groß oder klein, wirklich nichts leichteres, als eine Statistik, wie die beschriebene, anzulegen und zu führen. Wöge bedacht werden, daß sich aus diesen Einzelstatistiken ein genaues und bedeutsames Bild der jüdischen Gesamtleistung im Militärdienste ergeben würde. Wir appellieren an alle jüdischen Kultusgemeinden, uns ihre Zusammenstellungen einzusenden. An uns wird es liegen, sie für den Gesamtzweck zu sammelu und zu verarbeiten. Jüdisches KriegHarchiv, Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33. Gcneralv>ersam>mlung der Brockensammlüng für jüdische Arme. Im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde fand unlängst die Generalversammlung dieses noch jungen, aber sehr rührigen Vereines statt. Der Vorsitzende, Herr S. Bauer, gab in längerer Rede Einblick in die Tätigkeit des Vereines; derselbe wurde im Jahre 1913 gegründet, wollte anfänglich nur den Wiener Armen zu Hilfe komMen, entfaltete aber bald, unterstützt von einem pflichteifrigen Aktionskomitee, eine einflußreiche Tätigkeit zugunsten der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina; täglich fanden Verteilungen statt, zu denen sich Hunderte drängten und mit Kleidern, Schuhen, Wäsche, Einrichtüngsgegenständen versorgt wurden. Der Kassenbericht des Vereines ergibt, daß 14.814 Kronen durch Wohllätigkeitskonzerte, Sammlungen des Aktionskomitees eingingen, 3362 Kronen durch Witgliedsbeiträge, Spenden usw. Für Wäscheanschafsuugen wurden 2273 Kronen verausgabt, für warme 'Decken, Schuhe, Winterkleider usw. 1760 Kronen. Frau Dr. B r i n g s beantragt, Frau Jda B a r b e r, unter Hinweis auf deren Verdienste um den Verein, zur Ehrenpräsideutiu zu erwählen, desgleichen statt der aus dem Vorstande ausgeschiedenen Mitglieder Frau B r ü l l, Bischof s w e r d e r, B o n d i die Neuwahl der Frau T r. H i r s ch. Frau G r ü n b e r g. Der Vorsitzende dankt dem Ausschüsse, besonders Herrn Sigmund B a r b e r und Frau Dr. Helene Brings, für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit, sowie Herrn Moritz Hirsch und Gemahlin, die in hochherziger Weise dem Vereine ein großes Lokal gratis zur Verfügung stellten. Bei den hierauffolgenden Wahlen wurden sänttliche Funktionäre wiedergewählt, der Kassabericht genehmigt. IX. Tätigkeitsbericht des Armen-Ambulatoriums des Zionistischen Zentralkomitees für Kriegsflüchtlinge, Wien, II., Taborstratze 20 a. In der Besuchszeit vom 1. bis 31. März 1916 wurden behandelt in der Ambulanz für: Augen 361, Chirurgie 193, Frauenkrankheiten I 483, Frauenkrankheiten II 29, Haut- und Geschlechtskrankheiten 123, Interne I 211, Interne II 276, Interne III 479, Kinderkrankheiten I 66, Kinderkrankheiten II 125, Nase und Kehlkopf 174, Nerven 323, Ohrenkrankheiten 72, Orthopädie 126, Zahnheilkunde I 75, Zahnheil künde II 317, zusammen 3433 Patienten. Seit Bestand des Ambulatoriums: 59.373 Patienten. Primarius Dr. Ludwig Stricker, verantwortlicher Leiter. Dr. Karl Poll a k, Präsident des Kuratoriums, Leiter-Stellvertreter. Errichtung eines KriegÄvaisenheimes. Der Vorstand des Vereines „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim", welcher seit zwanzig Jahren in Wien besteht und auf dem Gebiete der Jugendfürsorge schon Ersprießliches geleistet hat, hat, geleitet von dem Bestreben, das traurige Los der leider nur allzu zahlreichen Kriegswaisen nach Möglichkeit zu lindern, in seiner letzten Generalversammlung beschlossen, das an sein Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim (2. Be zirk, Malzgasse 7) anstoßende Haus anzutansen und letzteres in ein K r i e g s w a i s e n h e i m umzuwandeln. Bereits im Mai 1916 soll mir den Adnplierungsarbeiten begonnen werden, so daß das Haus schon im H e r b st e dieses Jahres seiner Bestimmung zugesührt werden kann. In diesem neuen Hause werden zirka 80 Waisenkinder nach gefallenen Kriegern im Alter von 8 bis 14 Jahren ein Heim finden, volle Verpflegung, BekleH dnng und Erziehung unentgeltlich erhalten und die in der nächsten Nähe befindlichen Schulen besuchen. Nach Absolvierung der Volks- und Bürgerschule können diese Schützlinge in das Lehrmädchen-Heim des Vereines ausgenommen werden, wo sie einem ihren Fähigkeiten entsprechenden Berufe zugesührt werden. Die nach Voll? endung ihrer Lehrzeit zu 'Arbeiterinnen oder sonstigen Berufen ausgebildeten Mädchen verbleiben in dem dem Lehrmädchen-Heime ungegliederten Arbeiterinnen-Heim solange, bis sie in der Lage sind, sich selbst zu erhalten. Die dem Schutze des Vereines anvertrauten Waisenkinder haben sonach die Möglichkeit, in den Heimstätten des