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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-04-28 · 17 (28.4.1916) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 290 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 17 mann, sind die Spender des kostbaren Geschenkes an die hiesige Gemeinde. Um 4 Uhr nachmittags versammelte sich in dem genannten Hause eine kleine Gemeinde mit dem allgemein geehrten Präsidenten des Kultusvorstandes, Herrn Gustav T a n d - ler, an der Spitze. Außer den Mitgliedern der Familien Ziegler, Neumann, Willheim, Himmelreich und Husserl aus Wien waren erschienen: die Vorsteher des hiesigen Bethauses, die Herren Z a j i t s ch e k und M e i s l, Herr Oberkantor I. Heller, Rel.-Prof. Dr. M. G r ü n f e l d, Kantor des Beihauses Herr Friedmann und andere. Die Feier wurde mit .dem Mincha-Gebete eingeleitet, ,das Herr Oberkantor I. Heller rezitierte. Hierauf hielt Herr Präsident G. T a n d - I e r eine ungemein eindrucksvolle Ansprache. Er übernahm mit Dankesworten an Herrn Ziegler und Herrn Reumann das kostbare Geschenk und schloß seine Rede mit dem Wunsche, es möge uns bald die richtige, freudige und friedliche Stimmung gegönnt sein. Seine Worte klangen in ein von der Versammlung begeistert aufgenommenes Hoch auf , Seine Majestät den Allergnädigsten Kaiser und König Franz Josef I. aus. Dr. M. E r ü n - f e l d würdigte in seiner Rede das bedeutsame Geschenk, pries die Thora als Verkünderin des höchsten Gutes, des Friedens, und flehte den Segen des Allmächtigen herab auf die edlen Spender. Vor dem geöffneten Oraun-Hakodesch, in dem die Thora-Rollen standen, verrichtete nun Herr Oberkantor I. Heller in ergreifender Weise das Gebet „El mole rachamim" für das Seelenheil des Herrn M. Ziegler. Dann rezitierte er den Psalm 111. Zum Schlüsse wurde von den Anwesenden die „Volkshymne" angestimmt. Herr N e u m a n n dankte allen Anwesenden, besonders Herrn Präsidenten G. T a n d l e r für ihr Erscheinen. Damit nahm die einfache aber erhebende Feier ihr Ende. Die Thora-Rollen wurden hierauf in die Synagoge übertragen. Briir. Der Leiter der k. u. k. israel. Militärseelsorge des k. u. k. Militärkommandos in Leitmeritz, Herr Feldkurat Jakob Frankfurter, traf auf seiner Misfionsreise im Kommandobereiche hier ein und weilte bis zum 20. in unserer Stadt. Während seines hiesigen Aufenthaltes entfaltete er eine ersprießliche Tätigkeit, sowohl für die zahlreiche israel. Mannschaft der hiesigen Garnison, wie auch für dir im hiesigen Gefangenenlager untergebrachten 513 kriegsgefangenen Juden. Am 14. April hielt Herr Feldkurat Frankfurter im hiesigen Tempel einen feierlichen Militärgottesdienst für die ganze Garnison im Beisein * vieler Offiziere und Kommandanten der betreffenden Truppenkörper ab. Die von patriotischer Begeisterung glühende Ansprache machte auf alle Anwesenden einen nachhaltigen, tiefen Eindruck. Von Seiten der dort anwesenden Kommandanten und Offiziere wurde demselben die wohlverdiente Anerkennung ausgesprochen. Bereits am vorhergehenden Tage hatte Herr Feldkurat Frankfurter im russischen Gefangenenlager ebenfalls einen feierlichen Gottesdienst, verbunden mit einer Ansprache an die Kriegsgefangenen, abgehalten. Ganz besonders sei hervorgehoben, daß sich Herr Feldkurat Frankfurter in seiner Tätigkeit als Feldseelsorger unvergängliche Verdienste dadurch erworben hat, daß er es zustande brachte, von Brür und Milowitz aus das ganze Leitmeritzer Militärkommandobereich, in welchem sich eine große Zahl strenggläubiger ungarischer und galizischer jüdischer Soldaten befindet, mit Mazzoth und sonstigen Erfordernissen für das Pessachfest zu versorgen. In den durch ihn eingerichteten Feldbäckereien, wo 80 bis 100 russische Kriegsgefangene Tag und Nacht beschäftigt waren, wurden mehrere tausend Kilogramme Mazzoth unter seiner Aufsicht und Anleitung hergestellt und versandt. Herr Feldkurat Frankfurter sorgte auch dafür, daß sowohl für die Mannschaft der Garnison, als auch für die Kriegsgefangenen rituelle Küchen eingerichtet wurden. Herr Bezirksrabbiner Benzion K a tz, derzeit in Marienbad, hatte Herrn Feldkuraten Frankfurter in diesem seinem edlen Bestreben tatkräftigst gefördert. Am ersten Sederabend hielt der Herr Feldkurat den Seder, verbunden mit einer patriotischen Ansprache bei den Offizieren und der Mannschaft des 19. Wachtbataillons. Den zweiten Seder, ebenfalls mit einer patriotischen Ansprache verbunden, bei den Offizieren und der Mannschaft des 14. Wachtbataillons. Aber nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Soldat, stellt Herr Feldkurat Frankfurter seinen Mann, und hat sich durch sein ganzes Auftreten die Sympathien aller Kreise während der kurzen Zeit seines hiesigen Aufenthaltes erworben. Herr Feldkurat Jakob Frankfurter wird uns in bester Erinnerung bleiben. Prof. Dr. B i a ch, Rabbiner in Brür. Proßnitz. Die Gemeindevertretung von Proßnitz hat der Frau Johanna L a s u s, die fast 70 Jahre als Präsidentin des Proßnitzer Wohltätigkeitsvereines ersprießlich wirkte, das Ehrenbürgerrecht verliehen. Bürgermeister Dr. Gustav Zweig überreichte der Gefeierten das kalligraphisch ausgestattete Ehrenbürgerdiplom. Mähr.-Trübau. Um den in Mähr.-Trübau in Quarantäne befindlichen Flüchtlingen ihr trauriges Los wenigstens an den Feiertagen etwas besser zu gestalten, haben sich Frau Bernhard H ö n i g und Frau Josef Ehrenhaft besonders bemüht. Den beiden Damen, deren Wohltätigkeitssinn sich übrigens diesmal nicht zum erstenmal bewährt, ferner den Herren Bernhard König und Moritz Möller sei an dieser Stelle für ihre selbstlose Arbeit im Dienste der Humanität geziemend Dank gesagt. Der Golem. Von Pros. Dr. Hofmann, Rabbiner in Reichenberg. Unter den Neuerscheinungen ans dein Büchermarkt hat ein mystisch-satirischer Roman durch Titel, Eigenxart des Stoffes und der Darstellung, äußere Ausstattung und nicht zuletzt durch rühriges Wirbeln der Re kl am eitrommel ein gewisses Aufsehen erregt und weite Verbreitung gefunden. Es ist: „Der Golem" von Gustav M e y r i n k. (Kurt Wolfs Verlag, Leipzig.) Dieses Buch streckt die Fühler aus nach den letzten Fragen, rüttelt an der Pforte der Ewigkeit. Es verrät ein großes Können, das naturgemäß hinter dem Wollen zurückbleibt. Es zieht an und stößt ab. Neben Realistisch-Plastisch,eml viel Pha,m tastisch-Groteskes. Neben flotter, fesselnder Schreibweise saloppe Sätze, bizarre Wortbildungen. Neben dein Mitgefühl für die Enterbten der Gesellschaft, die Stiefkinder des Schicksals, heftige Ausfälle gegen die Wohltäter der Bresthaften, den ehrenwerten Stand der Aerzte. Ein Hintertreppenroman, doch wissenschaftlich verbrämt, mit allen Finessen moderner Erzählungskunst. Meyrink verknüpft seine Erzählung mit der Sage vom Golem. Diese Lehmfigur, eine Art Homunculus, war ein Geschöpf des Prager Rabbiners, Löwe ben Bezalel, wegen seiner Gelehrsamkeit „der hohe Rabbi Löw" genannt. Diese kraftvolle Persönlichkeit, die am Ausgange des Mittelalters gewirkt hat, lebt fort in den Satzungen der Prager Chewra, die er entworfen hat. Zu einem literarischen Dasein verhalf ihm Nathan Grün in einer trefflichen Monographie. Der dichterische Dreibund in der „goldenen" Moldaustadt, Wrchlitzky, Salus und Brod, ziehen seine Gestalt in den Kreis ihres Schaffens. Jüngst wurde ihm sogar von dem tschechischen Bildhauer Ladislaus 8 a l o u n in einer Ecke des neuen Prager Rathauses ein Denkmal gesetzt. Daß sich des Golems der Film bemächtigt hat, ist bei der Findigkeit, dem Kino Sensationelles zuzuführen, leicht begreiflich. Doch auch das Wort Golem klingt nicht fremd. Längst hat es durch H eine, Grimm und Hebbel Bürgerrecht im deutschen Sprachschatz erworben. Letzterer nennt in einem seiner Briefe seinen Nebenbuhler aus der Bühne, Otto Ludwig, seinen Golem. In diesem Buche schwirren Zitate aus Bibel, Talmud und Kabbala. Hebräische Termini in einem deutschen Roman Pürsten immerhin zu den Seltenheiten gehören. Doch bei aller Belesenheit läuft mancher Schnitzer unter, wie es nur einem nichtjüdischen Autor passieren kann. Daß beispielsweise ein Rabbiner einen Diener benötige, damit er chm helfe, die Glocken in der Synagoge zu läuten, ist ein allerliebster Irrtum, der zwar eine krasse Unwissenheit verrät, aber in dieser ernsten Zeit eine wohlteuende Heiterkeit auslöst. Die jüdischen Typen sind entweder schneeweiß oder rabenschwarz. Meyrink kennt keine Mitteltinte. Der Archivar Hillel verteilt seinen Gehalt unter den Armen,

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