Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 16 (14.4.1916)
- Date
- 1916-04-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Zelte 269 ■JiT. 16 so schönen Heimes erfreuen dürfe. Herr Universitäts- Professor Dr. Roth sprach im Namen des Borstandes allen Künstlern und Künstlerinnen, die sich iin Verlaufe des Winters in den Dienst der guten Sache gestellt hatten, ferner allen Vortragenden seinen Dank aus. Er versicherte, daß es dem Vorstände, in dessen Namen er nunmehr allen Besuchern der „Toynbeehalle" ein herzlich „Auf Wiedersehen in friedlichen Zeiten!" zurufe, daran gelegen sei, alle Veranstaltungeil stets höheren Ztvecken entgegenzusühren.. —B— Die „Toynbeehalle" bleibt nun bis zum Herbst geschlossen. Austritte aus dem Judentum vom 2. April bis 3. April 1916. Berger Pauline, Kontoristin, geb. 24. Juni 1878, Wien. 3. Bez., Lömengasse 19. Born Paul» geb. Kohn, Kaufmann, geb. 31. Dezember 1872, Potsaam, 1. Bez., Nibelungengasse 10. Kerneß Helene, geb. 13. November 1890, Kremenczny (Rußland), 3. Bez., Wassergasse 29. Lindner Paul Friedrich Theodor, tansm. Direktor, geb. 3. Februar 1888, Großalmerode (Deutschland), 8. Bez., Hmnerlinqplatz 7. Aufruf des Tempelvereines Liesing. Wieder naht das Pessachfest und wieder tritt an unsere Gemeinde die Pflicht heran, für die rituelle Verpflegung der jüdischen Soldaten in Liesing und Umgebung während dieses Festes Sorge zu tragen. Es ist dies eine religiöse und rein menschliche und nicht zuletzt eine patriotische Pflicht. So manche unter diesen jüdischen Soldaten, die sonst gewohnt waren, streng nach den religiösen Satzungen zu leben, würden sich sehr unglücklich fühlen, wenn es ihnen nicht möglich sein sollte, wenigstens am Pessachfeste diesen Satzungen gerecht zu werden. Alle diese Soldaten sind aber auch fern von ihrer Heimat und ihren Familien und werden am kommenden Feste sehnsuchtsvoll und beklommenen Herzens an die Pessachabende zurückdenken, die sie in den früheren Jahren am heimatlichen Herde im Kreise der ihrigen gefeiert haben. Es ist darum unsere Pflicht, ihnen die Familie wenigstens soweit zu ersetzen, daß wir sie dieses schöne Fest in unserer Mitte feiern lassen. Unserer Kultusgemeinde in Mödling ist es jedoch jetzt ganz unmöglich, die damit verbundenen Ausgaben aus ihren eigenen Mitteln zu bestreiten, zumal die Zahl der heuer zu Verpflegenden eine beträchtliche sein wird. Wir sind daher genötigt, an unsere Brüder zu appellieren und die dringende Bitte an sie zu richten, zu diesem edlen Zwecke nach Kräften beitragen zu wollen. Die Beiträge werden wir mit gebührendem Danke in der Zeitung veröffentlichen. Tempelverein „Minjan" in Liesing bei Wien. Für unsere Kriegsgefangenen in Sibirien. Aus Perndorf-Stadt wird berichtet: Sonntag, den 9. April, fand im großen Speisesaale der Berndorfer Metallwgrenfabrik zugunsten unserer in Sibirien sich befindlichen kriegsgesangenen Soldaten eine Wohltätigkeilsakademie bei sehr gutem Besuche statt. Dem Komitee gehörten an die Damen: Frau Dr. Anna Böttcher, Frau Direktor Nelly H o f s m a n n, die Herren: Bürgermeister Eugen E s s e n 1 h e r, Stadtpfarrer August Hauser, Statthaltereisekretär Dr. F a m i r a, Gymnasialdirektor Theodor K o s d a s, Schuldirektor Alois Rotier, Fabriksbeamter Franz Mach und Juwelier Ignaz Breuer. Von den mitwirkenden Künstlern ist hervorzuhehen Herr Ferdinand Jura, Oberkantor der israel. Kultusgemeinde Baden, ehem. Gesangsprofessor am Berliner Konservatorium, dessen Darbietungen stürmischen Beifall fanden und oft wiederholt werden mußten. Lemberg. Se. Majestät der Kaiser hat dem Privatdozenten für semitische Sprachen und Geschichte des altsemitischen Ostens an der Universität in Lemberg Doktor Moses Schorr den Titel eines außerordentlichen Universitatspryfessors verliehen. Diese Ernennung wird in den weitesten Kreisen der jüdischen Gesellschaft, in der sich Prof. Schorr infolge seiner vornehmen Charaktereigenschaften und seiner stets an den Tag gelegten stolzjüdischen Gesinnung große Sympathien .genießt, freudigen Widerhall finden. Auch wir beglückwünschen den neuen Professor, der auch zu den Mitarbeitern unseres Blattes gchört, auf das herzlichste. Lemberg. Am 2. April wurde hier der nach längereut schweren Leiden verstorbene Chordirigent der fort schrittlichen Gemeindesynagoge Abraham K a p l a n unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Der Ver elvigte, der drei Jahrzehnte lang dem Chorpersonale des Ternpels angehörte, hat sich um die Ausgestaltung des liturgischen Gesanges an diesem Gotieshause unter schwierigen Verhältnissen sehr verdient gemacht. Er lvirkte auch als Mitglied des hiesigen Opernchores. Vor dem, Trauerhause sang der Theaterchor ein Trauerlied, in der Zeremonienhalle trug Oberkantor S a i tz mit dem Tempelchore die Trauergesänge vor, worauf Gemeinderabbiner Tr. G u t t m a n n dem dahingegangenen Funktionär einen ehrenden Nachruf widmete. Namens der Tempelverwal tung war Präses Dr. Wasser mit den Mitgliedern A p p e l und R o ch m i s er schielten. Halderstadt. In Halberstadt starb am 13. v. M. Frau Julie H i r s ch, Witwe des Kommerzienrates Belljamin H i r s ch und Schioester des Rabbiners Doktor S. bl u e r b a ch-in Halberstadt und der Frau Rahel F r Luke l in München, die ihr im Tode vorausgegangen sind. Sie war eine edle, herzensgute Frau, eine Wohltäterin weiter Kreise. Ihr Andenken wird allen, die sie kannten, unvergeßlich sein. Prag. (P e r s o n a l n a ch r i ch t.) Herr Paul B a u in, der Sohn unseres langjährigen Mitarbeiters, des städtischen Handelsschullehrers Herrn Alexander Baum iit Klattau, wurde zum wirklichen Professor an der Prager deutschen Handelsakademie ernannt. Feuilleton. „Wie Elijah« erschien." (Frei nach dem Hebräischen des I. Ch. Z. „Hazefirah", 1902, Nr. 83.) Jenen Sederabend vergesse ich mein Lebtag nicht. Cs war vor zehn Jahren. Ich stand als Soldat des xten Regimentes, xte Kompagnie, in der Nähe der Stadt N., die abseits der Eisenbahn liegt. Gegen Abend Eam Befehl, den Juden alle acht Pessachtage freizugeben und ihnen zu erlauben, in die Stadt zu gehen. Und so ging ich bangen Herzens in die Stadt und kehrte in das mit seinen unzähligen Lichtern mir ent > gegenleuchtende Gotteshaus ein, das voll von Feiertagsandächtigen ivar. Die Freude, die jedem Gesichte abzulesen war, löste in mir jedoch nur Schmerz aus und stimmte mich wehmütig; sie alle waren wohlgemut und zufrieden, ich müde und verdrossen. Sie zu Ehren des Feiertags in Festgewändern, während ich in der Eile nicht einmal Zeit gehabt hatte, den Mtagsrock gegen den besseren umzutauschen. Sie rüsteten sich, das Fest fröhlich im eigenen Heim, im Kreise ihrer Angehörigen zu begehen, ich, der ich fern von Heimat und Elternhaus war, konnte beim besten Willen nicht fröhlich sein. Schon der Gedanke, bei fremdem Tische heut' Gnadenbrot zu essen! .... In dieser Stimmung stand ich noch da in einem Winkel zurückgezogen, betend und weinend über mein kleines, handliches Sidur gebeugt, indes die Gemeinde