Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 16 (14.4.1916)
- Date
- 1916-04-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 260 Tr. Vloch's Wochenschrift Nr. 16 Gefreiter Mexander Herschkewitsch, Gyöngyöspata, geb. 1890, J.-R., gest. 5. Juli; I Einjahrig-Freiwilliger Adolf S ch war z, SimandZ (Komitat Arad), geb. 1890, J.-R., gest. 9. Juli; r; Geza Fuchs, Ban (Komitat Trencfen), geb. 1881, J.-R., gest. 13. Juli; Infanterist Mexander Kaufmann, Gyorok (Komitat Arad), geb. 1892, J.-R., gest. 15. Juli; Paul Szücs, Budapest, geb. 1894, J.-R., gest. 13. Juli; Freiw.-Korporal Jakob Berger, Budapest, geb. 1892, J.-R., gest. 25. Juli; Gefreiter Samuel Gold stein, Kraszna, geb. 1892, Honv.-J.-R., gest. 29. Juli; Infanterist Armin G r o sz,. Obesenyö, geb. 1893, Honv.-J.-R., gest. 30. Juli; Infanterist Robert Weisz, Nyitra, geb. 1895, J.-R., gest. 9. August; Infanterist Endre Weisz, Budapest, geb. 1892, Honv.-Reg., gest. 25. August: Freiw.-Korporal Ludwig H offmann, Budapest, geb. 1891, J.-R., gest. 29. August; Arpad Popper, Zfambokat, geb. 1895, J.-R., gest. 8. September; Korporal Kalman Weltncr, Söjtar (Komitat Zala), geb. 1885, J.-R., gest. 17. September; Zugsführer Adalbert Weininger, Mariasasvar (Komitat Nyitra), geb. 1895, J.-R., gest. 29. September: Einj.-Freiw. Menyhert Ster n, Gödöllö, geb. 1895, J.-R., gest. 9. September; Infanterist Berthold Angyal, Baranya-Kisfalud, geb. 1888, Pionier-Abt. eines J.-R., gest. 1. Oktober; Leutnant Berchold Rosenfeld, Janoshalma, geb. 1886, J.-R., gest. 1. Oktober; Infanterist Ludwig Goldman n, Jaszfenyszaru, geb. 1895, J.-R., gest.' 29. Oktober. Gottesdienst im Schützengraben. Theodor Bukovari, Honved-Oberleutnant, Sohn des jüngst verstorbenen, ausgezeichneten Journalisten Albert Bukovari, im bürgerlichen Leben Bankoberbeamter, macht seit Kriegsausbruchs Dienst iauf dem Kriegs-' schauplatze. Ein volles Jahr hat er an der äußersten Front verbracht und nahm an den schwersten Kämpfen teil: an denr Winterfeldzug in den Karpathen, an den Schlachten bei der Strypa und zuletzt an den schrecklichen Kämpfen an der bessarabischen Grenze. Für die Kämpfe an der Strypa erhielt er das Signum laudis und für seine jüngsten erfolgreichen tapferen Dienstleistungen dürfte die Anerkennung auch nicht lange auf sich warten lassen. Oberleutnant Bukovari erzählte dem „Egyenlöseg" die folgende reizende Episode aus seinem Leben auf dem Kriegsschauplätze:: - > „Im November v. I. hätten wir an der Strypa harte Kämpfe. Die Russen hatten im Verlaufe von zwei Tagen siebenmal versucht, mit ihren-furchtbaren Angriffen unsere Front zu durchbrechen. Die größten Anstrengungen entfalteten sie an jenem Frontabschnitt, in welchem unser Bataillon eine beherrschende Höhe - besetzt hielt. Unsere wackeren Honveds haben, wie schon sovielc Male, auch diesmal jeden Ansturm meisterhaft zurückgeschlagen. In den Minuten der süßen Ruhe nach der Arbeit ging die Mannschaft an die Ausbesserung der Deckungen. Die Kunst des Baka hat wieder Wunder gewirkt, und nach 1—2 Tagen plauderte er wieder bei freundlichem Feuer. Die alte Stimmung war wieder hergestellt. In diesen Tagen geschah es, daß mein Courier mir die Meldung überbrachte: ein Herr Offizier mit einem Vollbart sucht den Herrn Leutnant. Ich konnte mir nicht gut vorstellen, wer das sein könne, denn in unserem Regimente trug niemand einen Bart. Der in einem mächtigen Pelz gehüllte Herr stellte sich vor, es war der Feldrabbiner Dr. Lemberg er, er kam auf einem Schlitten vom Divisionskommando, um seine Gläubigen aufzusuchen und — wenn möglich — einen Feldgottesdienst abzuhalten. Er war stark durchfroren und bat, sich wärmen zu dürfen, bis die Gläubigen sich versammelten. Ich empfing meinen Glaubensgenossen mit der größten Freude und wies ihm auf der kleinen Bank neben meinem Schwarmofen den Ehrenplatz an. Er erzählte, daß er seit Kriegsausbruch dem Divisionskommando als Feldrabbiner zugeteilt sei, wo außer ihm ein römisch-katholischer, ein reformierter und ein griechisch-orientalischer Feldgeistlicher in Funktion sind. Der Divisionskommandant behandelt ihn mit der größten Herzlichkeit und hat an mehr als einem Gottesdienste mit seinem ganzen Stabe teilgenommen. Einen Antisemitismus hat er niemals wahrgenommen, im Gegenteil, christliche Offiziere w-aren, wie er lächelnd bemerkte, seine eifrigsten Zuhörer. Er sucht die in den Verband der Division gehörenden Regimenter von Zeit zu Zeit auf und bietet auch den in den Feldspitälerin liegenden Kranken seelischen Trost. Inzwischen versammelten sich die jüdischen Soldateil unseres Bataillons, 17 an der Zahl, welche wir in einer größeren Deckung unterbrachten. Es ist eine kleine Zähl, aber daß sie nicht die schlechtesten Soldaten waren, bewiesen die vielen Medaillen, welche die Brust so mancher von ihnen stolz schmückten. Die übrigen Bataillone des Regimentes waren in Stellung. Feldrabbiner Dr. Lemberg er ließ die versammelten 17 Soldaten im Kreise um sich aufstellen, eiferte sie an, ermunterte sie und tröstete sie wie ein Vater seine Kinder. Es war das kein offizieller Gottesdienst, sondern mehr als das: eine kleine familiäre, warme Aussprache. Er wies auf die Kämpfe des alten Judentums hin und hob hervor, daß die Söhne Israels immer tapfere Soldaten und gottesfürchtige, fromme Menschen waren. Gott verlasse sein auserwähltes Volk nicht; man dürfe nicht verzagen, wir müssen vielmehr auf eine bessere und schönere Znkunf vertrauen, da an Stelle der unausgesetzten Kämpfe der Völker und der Rassen der ewige Friede und die dam ernde Liebe herrschen werden. Nun verteilte er mit Rücksicht auf das herannahende Chanukkasest Kerzen und geduldig hörte er die kleinen Wünsche und Beschwerden eines jeden an, erteilte Ratschläge, übernahm Aufträge und machte sich! Aufzeichnungen von jenen, deren Familien sich in Not befinden, um ihnen zu helfen. Inzwischen war es ganz dunkel geworden und dichter Schnee fiel zu Boden. Von der Schwarmlinie her ward lebhafteres Flintengeknatter hörbar und bald flogen feindliche Kugeln singend hoch über unsere Köpfe hinweg. Wir begleiteten den Rabbi bis zu seinem Schlitten, welcher an der Strypabrücke stand. Einige Tage später kam das Fest. Die Mannschaft nichtjüdischer Konfession war nicht wenig erstaunt, zu sehen, wie wir mit den Kerzen, diesem großen Schatze, verschwenderisch umgehend, unsere Deckungen herrlich! beleuchteten. Die primitiven unterirdischen Wohnungen: waren wie von Festesglanz übergossen. Soldaten in andächtiger Stimmung saßen, mit Rührung in der Seele, um die Lichter herum. Sie dachten an ihr Heim und gedachten auch dankbar des Feldrabbiners, der in Frost und Schnee, begleitet von dem Gesänge der Kugeln, seine Glaubensgenossen auchchn den äußersten Gräben aufgesucht hat, um sie zu ermutigen, anzueisern und in ihren Herzen den Glauben an Gott zu festigen.