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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-04-14 · 16 (14.4.1916) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
16 (14.4.1916)
Date
1916-04-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. IS Tr. Bloch's Wochenschrift S^.le 2,»ö Israels, int Unterschied von den Ässyrern nnd Baby Ioniern eine vcm iinftige Art per Behandlung der Pflanzenwelt zu Men, leuchtet auch aus den hochpoetischen Worten von Jes. 14, 8 heraus, wonach auch die Zedern des Libanon gleichsam mitgejubelt haben, als das Gerücht vom Sturze des letzten babylonischen Herrschers auch zu ihren Berggipfeln emporgedrungen war. So spiegelt sich auch in der Fremdengesetzgebung und in den Kriegssitten Israels doch ein Widerschein des Lichtes seiner höheren Stellung in der Religionsgeschichte. Und wie sehr stimmt das unleugbare Hinaus-- ragen der völkerrechtlichen Sätze und Berichte des Alten Testaments auch mit einem .anderen verwandten Zuge zusammen, der am kulturgeschichtlichen Charakter des althebräischen Schrifttums ebenfalls immer ^noch zu wenig bekannt und anerkannt ist. Die Idee einer Universalgeschichte ist zuerst bei den alten Hebräern emporgetaucht und zur Darstellung gebracht worden. Niemals ist dies klarer ausgesprochen worden, als in der letzten Plenarversamimlung des Internationalen Orientalistenkongresses, der zu Hamburg 1904 abgehalten ivurde. Es war eine wahrhaft weihevolle Stunde, als damals der geistvolle Adalbert Merx (Heidelberg) vor einer gelehrten Zuhörerschaft, in per wohl alle Kultur-. Nationen des Erdballs vertreten waren, über baß Thema „Der Einfluß des Alten Testaments auf die Bildung und.Entwicklung der Universalgeschichte" sprach. Ta wies er nach, daß die letzten Voraussetzungen für die Erfassung einer solchen Geschichtsschreibung der Gedanke der Einheit des Menschengeschlechts und die Hoffnung auf dessen einheitliche Bewegung zu einein bestimmten Ziele seien. Ferner zeigte er, daß beide Gedanken in der althebräischen Literatur, und zwar in einer früheren Zeit aufgeflammt seien, als sonst in der menschlichen Geistesgeschichte. Denn was im Schrifttum der Hebräer vom jähvistischen Geschichtsschreiber im ersten Buch Moses erfaßt worden ist, das komme in der Entwicklung des griechischen Denkens erst in der pseudoaristotelischen Schrift „Bon der Welt" zum Bewußtsein und zur Darstellung. Was also durch tatsächliche Einzelmomente der hebräischen Quellen über die verhältnismäßig hohe Stellung Israels betreffs seiner völkerrechtlichen Gesetzgebung und kriegsrechtlichen Praxis festgestellt werden konnte und zum Schutze der geschichtlichen Wahrheit hervorzuheben war, das ftimfiut auch aufs vollkommenste mit Seit Ideen zusammen, die in diesem Quellenfchrifttum über die Einheit des Menschengeschlechts und sein gemein-, sames hohes Ziel zum klaren Ms druck gekommen sind. Da» jüdische Kriegswaisrnhau» i« Kemderg Die Unglücklichsten der Unglücklichen aus der vernichtenden Sintflut (oder Sündflut), die über einen ganzen Weltteil hereinbrach, sind ohne Zweifel die Scharen von Kindern die direkt oder mittelbar durch die Ereignisse des Krieges vereinsamt, d. h. zu Waisen wurden. Der verschiedenartige, je nach dem Verluste und dem Wesen des Betroffenen abgestufte Schmerz der Erwachsenen wird sich allmählich legen. Zeit und Verhältnisse, rasche Ablenkung durch die eisernen Gesetze des Lebens, vor allem das Verständnis 'für die plutigeih Geschehnisse, werden die Wunden verharschen machen. Vieles wird durch Geduld, Arbeit, resp. Erfolg wieder ganz gut gemacht werden. Nicht so bei dem Waisenkinde! Jahrzehnte müssen vergehen, bis ihm — als ganz reifen Menschen — die Einsicht wird: was geschehen, mußte so sein, auch ich sollte mein Teil haben an dem grausig-schönen Opfer des Ganzen fürs Ganze! Bis dahin lvird alle Mühsal, jedes Leid und jede herbe Enttäuschung des Lebens von» ihm im Zusammenhänge mit jenem schrecklichen Verlust als Folge oder Nachwirkung desselben aufgesaßt weiden. Und so wird es nie ganz das Gefühl des Verwaist-, seins überwinden. Heute steht das Kind vor einem Rätsel, so bitter und wehevoll, daß keines Erwachsenen Zuspruch ihm Trost zu spenden vermag. Wer in die fragenden Augen geblickt, kann die Trauer nicht bald abschütteln. „Warum? Warum?" schreit es aus den dunklen und hellen Stern lein. Und wir vermögen gar nicht oder nur höchst nn j klar zu antworten. Ich habe etwas Grüblerisches in dem Gesichtsausdruck der Kriegswaisen festgestellt. Und das wirkt bei Kindern erschütternd. Wie, kann es wirk< lich Gott gewollt haben, daß plötzlich wilde Menschen unter wüstem Geschrei in unser Haus dringen, den Vater vor seiner jeigenen Tür ausknüpfen, die Mutter lotschlagen, das Häuschen verbrennen — um einige Paar Stiefel zu rauben?! Im Laufe weniger Stunden gab es so in einem Städtchen ganze Rudel von Waisen... in hundert und aberhundert Städtchen und Flecken! Aus 65 Ortschaften die größten Prooinzstädte und auch die Hauptstadt nicht eingerechnet zählen wir be reits 3800 unerzogene Waisen. Galizien hat zirka 300 Städte und Flecken! Mir graut, die Ziffer niederzuschreiben: es werden ungefähr 15.000 bis 18.000 Waisen sein. Was bedeutet gegenüber dieser sehr wahrsrheinlichen - gigantischen Zahl oder auch nur im Verhältnis zu der leider "bereits feststehenden von 3800 das winzige Häuslein von 104 elternlosen Kleinen, dieser plötzlich aus dem Nest gerissenen unflüggen Vöglein, die das Lemberger Kriegswaisenhaus heute beherbergt! Und doch! Welches Maß von Tragik im zartesten Alter! Der Purimabend versammelte sie alle an den schön gedeckten Tischen, in dem freundlichen Saale des jüd. / atäd. Hauses, das die Kuratoren desselben dem heiligen Zwecke für Kriegsdauer zur Verfügung gestellt haben. Seine Einwohner in Friedenszeiten weilen jetzt in den Schützengräben, manchen von ihnen deckt das Heldengrab. Zahlreiche Gäste feiern das seit undenklichen Zeiten populäre Fest mit den Kindern zusammen. Leckerbissen sind ausnahmsweise — als Spende einer gütigen Frau -- vorgesetzt, sch'lach manoth verteilt worden, aber als Herr Lehrer Rabenzahl den Kleinen in schlichten Worten von Ahasveros und Haman, von Mordechni und Esther zu erzählen beginnt und lange bevor er die Parallele zieht zu dem Lose der Juden während der jüng-' sten kurzen Herrschaft des modernen russischen Haman, rinnen Ströme von Tränen aus den unschuldigen Kinderaugen. Tie Erwachsenen müssen ihre ganze Selbstbeherrschung aufbieten, um nicht mitzuweinen und so das Purimfest zu einem tischa b'ab zu machen. Ein Waisenhaus, ein Erziehungsheim für elternlose Kinder, ist wie eine Zypresse, die ja ein Baum ist wie andere Bäume auch, schlank und schön und voll lebend diger Säfte — aber stets an den Tod gemahnend, spielt gleich der Sonnenschein in ihren Zweigen. Und erst unser jüdisches Kriegswaisenhaus in Lemberg! Schon die Art und Weife feiner Elitstehung, ganz abgesehen von der Ursache, ist ergreifend. Kaum war Lemberg aus Feindeshand befreit und die Verbindung mit den nächsten Provinzstädten hergestellt, als Scharen

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