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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-31 · 14 (31.3.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
14 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leu. 218 Tr. Vloch's Wochenschrift Nr 14 einen Spezialfall „des Kanrpfes ums Dasein", für einen Hebel des /Fortschrittes. Die schwachen Nationen lverden besiegt, verschwinden. Die Starken leben weiter. So wird ein höherer Typus Mensch gezüchtet. Andere vergleichen den Krieg mit jenen Stürmen im Meere, die die stehenden Gewässer austvühlen, um diese vor Fäulnis zu bewahren. Endlich ist der Krieg eine notwendige Folge des Antagonismus in der Expansionslust der Staaten. Daß ein Philosoph wie Jerusalem, der durchdrungen vom Geiste des jüdischen Prophetismus ist, ein solch trauriges Ergebnis nicht als das letzte Wort der Philosophie betrachten konnte, ist begreiflich. Wohl sind heute die Nationalstaaten die weitesten sozialen Bereinigungen, die Organe des Weltgeistes, wie der jüdische Philosoph Karl Joel in seiner „Neuen Weltkultur" sagt: Völker sind die großen Akzente des Wieltlebens, das sich in ihnen in wechselnder Richtung ausschwingt. Aber gerade der NationÄismus, der als die Quelle des Krieges gilt, ist nach Jerusalem der Weg zum Internationalismus und das Mittel, das den ewigen Frieden anbahnen soll, ist die Verwirklichung des Prinzips der Staatenwürde. Die Weltgeschichte ist nicht nur, wie Kant und Hegel behaupten, ein Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit, sondern Fortschritt im Bewußtsein der Staatenwürde. Der Staat steht über uns, das heißt, er ist überpersönlich,, steht hoch über den Einzelwillen. Er ist aber auch — wie der Krieg zeigte — in uns. Diese einleitende Formel ist der Schlüssel Zum Verständnisse der Ausführungen. Der Krieg zeitigt Widersprüche. Er nimmt die schwererworbenen Rechte des Individuums weg und bedeutet Rückkehr zum Urzustände. Andererseits wird er als reinigendes Gewitter empfunden. So zeitigt moderne Kultur sowohl auf wirtschaftlichem als wissenschaftlichem Gebiete einen gefühlsfreien Intellektualismus und Individualismus, der sich zum Kosmopolitismus erweitert. Dem tritt der Krieg entgegen, denn es zeigte sich, daß wir nur mit einem Volke, aber nicht mit der Menschheit solidarisch sind. Der Kosmopolitismus lebt nur in uns, als Idee, aber nicht über uns, weil er noch keine konkrete soziale Organisation ist. Wir müssen uns an die Kräfte der Gegenwart halten. Dieses sind die Nationalstaaten. Der Widerspruch, daß die moderne und individuelle Entwicklungstendenz den Krieg nicht will, der Nationalismus hingegen ihn fordert, ist nur ein scheinbarer. Wohl ist der Staat seinem Wesen nach Machtorganisation, doch ist sein Zweck Verwirklichung der Gerechtigkeit, die der Einzelne nicht erreichen kann. Durch seine Macht ist er in der Lage, den Ansprüchen des modernen Individualismus gerecht zu werden, und Rechts-, Kultur- und Wohlfahrtsstaat zu werden. Ja durch internationale Verbindungen fördert er weltbürgerliche Tendenzen. Durch die Verwirklichung des Prinzips der Staatenwürde verkörpert er die Menschheit als Ganzes. Staatenwürde besteht in einer inneren Souveränität, in den sittlichen Forderungen, die der Staat an sich selbst stellt. Der Ursprung der sittlichen Gefühle ist nicht, wie Kant behauptet, im Einzelnen, sondern in der Gesamtheit zu suchen. Soziale Gebilde, wie Religion Und Staat, sind überpersönlich, zwingen durch ihre Autorität zum Gehorsam. Bewußtgewordene soziale Imperative nennen wir Pflicht. Anfangs sind diese über uns, im Laufe der Entwicklung in uns, als Stimme des Gewissens. Menschenwürde muß zur Staatenwürde erweitert werden. Staaten werden nicht nur mächtig durch Wachstum in die Breite in horizontaler Richtung, sondern auch durch vertikales Wachstum, d. h. Wachstum in die Tiefe. Daß Menschenwürde Einfluß gewinne, damit verankert sich Staatsbewußtsein in die Herzen der Bürger. Im Lichtglanze dieser politischen Freiheit wird der Staat eine Macht, eine Persönlichkeit höherer Ordnung, ein Wesen, das Würde besitzt. Diese soll nach außen bewahrt werden dadurch, daß keine ungerechte Kriege geführt, keine geheime Abmachungen geschlossen werden usw. Das Ziel der Geschichte ist Mynthese von Staatenmacht und Staatenwürde. So werden sich die Anlässe zu Konflikten mildern und in der Arena der Geschichte werden die Nationen einander nicht mehr in Kriegen, sondern im redlichen Wettbewerbe begegnen. Die Ausführungen Jerusalems ergreifen den denkenden Leser. Sie sind so ähnlich den bedeutenden Worteil, die der Begründer der Völkerpsychologie Moritz Lazarus den Propheten Jeremias sprechen läßt:,,Man fragt, was ist Patriotismus? Nun alle Welt scheint ja darüber einig: für die Macht und die Größe, für die Freiheit und Ehre des Vaterlandes einzustehen. Alles, wenn es Not hat, dafür zu opfern." Jeremias ruft aber seinen Zeitgenossen und uns allen zu: „Nein! Nicht Macht, Größe, Herrschaft, ist das erste eigentliche Ziel einer Nation, sondern Gerechtigkeit und Sittlichkeit. Nicht Macht nach außen, sondern Gerechtigkeit und Milde nach innen." —- Wenn es dem Vaterlande zum Nutzen gereicht — glauben viele Politiker —, gebe es keinen Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit, das ist p vl i tis che M o r a l. Jerernias aber fordert moralische Politik. Was aber der Prophet als das höchste fordert, ist ilicht bloß Moral in der Politik, sondern Moral als Politik. Dem Patriotismus Jerusalem's macht es Ehre, daß er immer und immer wieder auf das politische Verhalten der beiden verbündeten glorreichen Monarchen zu sprechen kommt, in denen er die Verkörperung der Staatswürde sieht. Jerusalem liebt sein Vaterland, vergißt aber darüber die Menschheit nicht. Dieses jüdisch-ethische Bewußtsein--« klingt uns auch aus den erhebenden Schlußakkorden seines Werkes entgegen. Dieser Weltkrieg ist ein Leid, eine Hoffnung und eine A u fgabe. Das Leid sehen wir. Aus diesem keimt die tröstliche Hoffnung empor, daß das gewaltige Seelenbeben die Seelen vereinfacht, isolierenden Individualismus und die Schlacken einer panökonomischen Lebensauffassung hinausschleudert. Endlich leuchten uns und den Staatslenkern aus den Rauchwolken dieses großen Wcltbrandes neue Ausgaben entgegen. Uns, daß wir zum Wähle und der Weiterentwicklung des Vaterlandes arbeiten, den Staatslenkern, daß sie den Staat als eine Synthese von Macht und Würde auffassen. Hoffen wir mit dem Verfasser, daß sein ethisches Postulat der Staatenwürde auch verwirklicht wird, daß es der schrankenlos sich austobenden Kriegsfurie nicht mehr gelingen werde, einen Weltbrand zu entfachen und daß die Volksgeister — um mich eines Bildes Hegels zu bedienen —, um den Thron des Weltgeistes, als die Zeugen und die Zierraten seiner Herrlichkeit stehen werden. Eger (Erlau). Dr. Alois Schweiger. Korrespondenzen. Wien. Eine Verordnung des Statthalters regelt die Abgabe von ungesäuerten Weizenbroten (Mazzoth) während der israelitischen Osterfeiertage des Jahres 1916. Beim Verkaufe von im Jnlande erzeugten ungesäuerten Weizenbroten (Mazzoth) im Kleinhandel, das ist bei der unmittelbaren Mgabe. an den Verbraucher, darf der Preis von 2 K. 40 H. per Kilogramm nicht überschritten werden. Die bei der Berechnung der Höchstpreise für Mengen unter 1 Kilogramm sich ergebenden Bruchteile von Hellern haben für einen ganzen Heller

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