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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-31 · 14 (31.3.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
14 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 223 Dr. Bloch- Wochenschrift N 14 den? In erster Reitze Ruthenen und in Zureiter Reihe die Polen, die ersteren hauptsächlich tum dem österreichischen, die zweiten von dem barbarischen deutschen Joche. Nun wohnen aber in Galizien neben Ruthenen und Polen noch Avei andere Nationen: Juden und Deutsche, orese sollten der Segnungen der Befreiung nicht teilhaftig werden, im Gegenteile, gegen sie, als die angeblichen Bedrücker, richtete sich die ganze Roheit des barbarischen Mongolentums mit seinen blutrünstigen Instinkten. Gras Wladimir Bobrinsky gab der offiziellen russischen Meinung Aus-, druck, wenn er öffentlich behauptete: „Wir führen Krieg gegen Oesterreich, nun repräsentieren nach Abzug _ des österreichischen Heeres noch die Juden und das Häuflein Deutscher das Oesterreichertum, da es ja in Galizien keine Ruthenen gibt, nur Russen, und die.Polen sind eben Polen." Während daher Polen und Ruthenen nur insoferne zu leiden hatten, als sie unmittelbar durch die Kriegsoperationen betroffen wurden oder in besonderen Einzelfällen der Ungunst der Eindringlinge ausgesetzt waren, so wurde gegen die Juden ein offener Kanrpf mit rücksichtsloser Roheit und raffinierter Grausamkeit geführt. Jüdisches Vermögen und »jüdisches Leben wurden von vorneherein den raubenden und mordenden Kosakenhvrden freigegeben. Wer wissen will, welchen Gebrauch die edlen „Befreier der Menschheit" von dem Joche „des preußischen Militarismus" von ihrer Gewalt machten, der gehe hin nach den 120 zerstörten Städtchen und Städten Galiziens, frage bei den Tausenden Waisen, deren Eltern entweder ermordet oder nach Sibirien verschleppt wurden, der lese nach in den Be-; richten des Jüdischen Hilfskomitees in Lemberg, welches ein reichhaltiges Material über diesen Gegenstand ge-i sammelt hat. Ich selbst bereiste Öftgalizien - größtenteils nicht im Eisenbahncoupe — von Buczacz bis Przemysl, von Zaleszczyki bis Brody und Sokal und sah fast nirgends ganze verbrannte -Dörfer, es sei denn in äußerst vereinzelten Fällen aus strategischen Ursachen; hingegen sind die meisten jüdischen Kleinstädte in Osti galizien vollständig oder .zum überwiegend großen Teile verbrannt. Dazu kommt, daß.selbst in denjenigen Städten, in welchen die Russen die Häuser nicht angezündet haben, wie z. B. in Delatyn, Sniatyn, Grodek, Mosciska, Zaleszczyki u. a., sie alles Bewegliche, Hab und Gut aus-; plünderten, Mitnahmen, verschenkten, verkauften oder vernichteten. Was den Großgrundbesitz betrifft, so ist derselbe sicherlich stark in Mitleidenschaft gezogen, doch auch hier gilt als fast ausnahmslose Regel: jüdischer Besitz, sei er in der Hand eines Eigentümers oder Pächters, wurde schonungslos der Vernichtung preisgegeben und bis auf den Grund zerstört; ebenso verhält es sich mit den industriellen Unternehmungen, wie Sägewerken, Spiritusbrennereien, Brauereien, Mühlen usw., insoweit sie jüdischen Besitz darstellten. Es wird eine verlohnende Arbeit sein, den Einzelheiten gründlich nachzugehen und dieselben an der Hand statistischen Materials zusammcnzustellen; doch aus dem bereits Erwähnten ergibt sich, daß der Schaden, den die Juden in Galizien erlitten, anders geartet ist als der des nichtjüdischen Teiles der Bevölkerung. (Fortsetzung folgt.) 40 Prozent. Mitteilungen des Landes-Lehrervereines in Böhmen.) Ein hartes, schreckliches Wort für alle Pensionisten des Israel. Landeslehrervereines, das wir aber leider nicht ändern können, da die Wirklichkeit es uns diktiert. Wir wollen es versuchetl, dieses schreckliche Wort unseren Glaubensgenossen vor Augen zu führen, damit sie das große Elend, die fürchterliche Not kennen lernen, in der sich die jüdische Lehrerschaft nach 40 jähriger, aufreibender Tätigkeit in den Kultusgemeinden Böhmens befindet, damit sie endlich eingreifen, bevor es zu spät ist. Wie oft leset: wir in den politischen und Lehrer) Zeitungen über die prekäre Stellung der öffentlichen Lehrer, über ihre schlechten Gehalte und daß die Regelung baldigst stattfinden werde, daß man ihnen einstweilen provisorische Zulagen gewährt. Und doch sind diese öffentlichen Lehrer im Vergleiche zu den jüdischen wahre Krösusse. Hat er eine Dienstzeit von 35—40 Jahren zurückgelegt, so geht er in.Pension, mit Bezügen von 2800 bis 3600 Kronen. Je .länger er dient, desto größer tvird sein Gehalt, sei dies durch Quinquennalzulagen oder andere Zulagen, die ihm in die Pension eingerechnet werden. Wie traurig hingegen steht's mit dem jüdischen Lehrer, Religionslehrer oder Rabbiner? Der Jude kennt keinen Unterschied des-Staubes, er behandelt alle Stände gleich, die Majorität der Kultusgemeinden kennt keine Altersversorgung. So lange der Funktionär seine Pflichten erfüllen kann, geht es; aber wehe, wenn graues Haar sich zeigt, kein Tag vergeht, ohne daß inan die große Gnade ihm vor Augen führte, daß man ihn bisher nicht gekündigt habe. Im Jahre 1873, anläßlich, des 25 jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät, geschah eitdlich ein großes Wunder. Die böhmische Landesjudenschast gründete einen Pensionssonds für jüdische Lehrer, Religionslehrer und Rabbiner in Böhmen. Klein war rvotzl das Betriebskapital — 5000 Gulden; doch groß die Freude der jüdischen Funktionäre; denn auch sie sollten von nun an die Wohlfahrt eines -.Pensionsfonds kennen lernen. 600 Gulden, hieß es im bestätigten Sratutenexemplar, soll jedem .zugesprochen werden, der nach 30 Jahren invalid tvird, oder durch 40 Jahre Mitglied des Vereines war, ohne Rücksicht, ob sein Gehalt vor der Pensionierung mehr oder weniger als 1200 Kr. betrug. Erlebt hat leider noch keiner diese Pension, wir wagen kaum zu hoffen, daß sie je erreicht werden wird. Der Anfang des Fonds zeigte nicht von großem Weitblick. Statt wenigstens eine Karenzzeit von 10 Jahren einzuführcn, wurden sofort Pensionen bewilligt, aber nicht an die Vergrößerung des Fonds gedacht. Die Kultusgemeiuden Böhmens, die durch die Begründung des Fonds eigentlich entlastet wurden, di' also moralisch verpflichtet waren, den Fonds zu heben, weil sie keine Verpflichtung auf Altersversorgung ihrer Lehrkräfte inehr hatten, haben leider diese Pflicht nicht geübt. Wenn jede der 210 Kultusgemeinden durchschnittlich jährlich zn 40 Kr. dem Fonds beigesteuert hätten, würde dies heute ein Plus von 352.800 Kr. ergeben, so daß wir nicht auf Quoten angewiesen wären; und 40 Kroneit kann wohl jede Gemeinde, selbst die ärmste, jährlich entbehren.

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