Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 13 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 216 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr 13 ' anstaltung nicht. Das Gesamlurteil des Abends läßt sich für Frl. F r e y st ä d t in den pädagogischen Erfahrungssatz zusammenfassen: ,,An den Schülern sollt ihr den Lehrer erkennen!" Das .Purim-Konzert am Samstag, den 19. d. Ai., war eine Veranstaltung der Frau Olga K e n n e d i. Diese Dame hat sowohl hierin, wie in den eigenen Gesangsvorträgen, wo ihre schmelzende, seelenvolle Stimme sich prächtig darbot, reichen Applaus errungen. Sie wurde am Klavier verständnisvoll begleitet von Frl. Fini Langer, deren Soli, auch mit schöner Empfindung vprgetragen, vielen Beifall auslösten. Die Damen Hofschauspielerin Frau Helene Wessely- Schmitt und Schriftstellerin Frau Thekla Blech-Merwin trugen Gedichte vor, letztere eigene, tiefempfundene Dichtungen, deren einige in der Presse erschienen sind, erstere mit plastischer Wirkung ernste und heitere Poesie. Der Abend war genußreich und unterhaltend. -B- Wochenprogramm: Samstag, den 25. März, Konzert; Arrg. Herr Mendelssohn. Sonntag, Vortrag: „Einige philosophische Ideen über Krieg und Frieden", Rabbiner Dr. D. Feuchtwan g. Mittwoch, Vortrag: „Erfahrungen aus der Kriegszeit für die Jugenderziehung", Direktor Viktor Zwilling. Freitag, den 24. März: Bibeloortrag des Herrn S- Baron („Theologia"). Wien. (Vortrag.) Samstag, den 26. März, 71 2 Uhr abends, veranstaltet die hebräisch-akademische Vereinigung „Natechijah" einen Vortragsabend im Lokale des Jüdischen Handwerks-Eehilfen-Verbaudes, 2. Bez., Obere Donaustraße 65/4. Herr S. Baron wird sprühen über das Thema: „Das Drama in der hebräischen Literatur", 2. Teil. Hebräisch sprechende Gäste willkommen. Austritte aus dem Judentum vom 12. März bis 18. März 1916. Carda Emil, Bahnbediensteter, geb. 6. August 1894, Wien, 17. Bez., Sautergasse 33. Erdely Eitel, geb. Seitler, geb. 5. Mai 1885, Kolomea (Galizien), 21. Bez., Bismarckplatz 4. Fischer Lilli, geb. 5. Dezember 1895, Wien, 2. Bez., Lilienbrunngasse 2. Goldzieher Friedrich, k. u. k. Reserve-Leutnant, geb. 10. Februar 1890, Wien, 7. Bez., Kandlgasse 32. Haiduska Gisela, Private, geb. 19. Juni 1888, Wien, 2. Bez., Taborstraße 51. Pick Käthe, Private, geb. 22. Juni 1900, Mauer b. Wien, 3. Bez., Beatrirgasse 4 a. _• Leipnik. Für den leider viel zu früh verstorbenen Philanthropen, Herrn kais. Rat Wolf Schramek in Wien, der zeitlebens feiner Heimatsgemeinde Leipnik in treuer Anhänglichkeit ergeben war und in dieser Folge die Institutionen und Wohlfahrtseinrichtungen dieser Gemeinde in seinen letztwilligen Verordnungen mit ansehnlichen Legaten bedachte, wurde am 7. War d. I. in der hiesigen Synagoge eine Gedächtnisfeier veranstaltet, bei welcher Herr Dr. Hirtel die vielfachen Verdienste des Verstorbenen um das Judentum und dessen stets offene, hilfsbereite Hand für Hilfsbedürftige und Arme in eindringlichen Worten rühmend hervorhob. Vinkovci. Am 7. Adar fand in unserem Tempel der von unserer Chewra-Kadifcha veranstaltete traditionelle Frstgottesdienst statt. Nach Rezitierung des Mosespsalmes wurde das Minchahgebet verrichtet, woraus unser Herr Oberrabbiner Hochw. Dr. M. Frankfurter, königl. ungarischer Feldrabbiner i. d. R., in meisterhafter Weise den dahingeschiedenen talmudischen Kapazitäten, wie den für König und Vaterland gefallenen jüdischen Helden einen zu Tränen rührenden Hesped hielt. Nach Schluß des Gottesdienstes forderte Seine Hochwürden in einigen ergreifenden Worten, die Not unserer Brüder in Palästina schildernd, die Gemeinde zur tatkräftigen Unterstützung der Aktion der Hilfskommission 1915 für Palästina aus. Die Nagelung eines Mogen-Dovid erbrachte für diesen schönen Zweck die ansehnliche Summe von über 400 Kronen. Wir gratulieren Herrn Dr. Frankfurter zu diesem schönen Erfolge. Rabbi Samuel Winter s. A, Rabbiner zu Nasice (Slavouien). Von Dr. H. E. Kaufmann. Vor mehreren Dezennien noch führten viele jüdische Provinzgemeinden in Kroatien und Slavonien ein besonderes Eemeindeleben. Sie standen nicht im geistigen Kontakt zu einander, und es fehlte ihnen, geistig betrachtet, jenes gemeinsame geistig-religiöse Band, das geeignet wäre, auch hier, an her Schwelle der europäischen Kultur, des Judentums ideale Interessen zu fördern. Es war daher kein Wunder, daß in so mancher jüdischen Provinzgemeinde unseres Landes geradezu entsetzlich wilde Verhältnisse herrschten. Auch die jüdische Kultusgemeinde zu Nasice führte ein jüdisches Eemeindeleben „für sich", dies abe: in des Wortes edelstem Sinne. Ihre Friedensliebe, ihr Wohltäugkeicssinn sind in unserem Lande auch in nichtjüdischen Kreisen rühmlichst bekannt. Sind auch die Juden in Nasice wegen. ihrer hervorragenden, edlen jüdischen Tugenden bekannt, so darf man doch ihre großartigen Erfolge aus jüdisch-humanitärem Gebiete in erster Reihe der Initiative ihres nunmehr in Gott ruhenden Rabbiners/Rabbi Samuel Winter s. A., der einen Tag nach dem traditionellen Todestage unseres großen Lehrers Moses, nämlich am 8. des zweiten Adar des Jahres 5676, ohne vorhergehende Krankheit, heiter, lustig und frohgemut dem Wirkungskreise seines segensreichen, wohltuenden Schaffens durch den Tod entrissen wurde, zufchreiben. Die ganze jüsische Kultusgemeinde Nasice zählt nach den Angaben des Kalenders der Oesterr.-J>ra;l. Union 108 Steuerzahler. Wenn nun so eine kleine Gemeinde, deren Mitglieder zum großen Teile aus dem flachen Lande wohnen, öffentliche Gottesdienste abhält, so geschieht dies zumeist in eigens dazu bestimmten, ganz bescheidenen Räumen. Wenn man jedoch Nasice besucht, fällt dem Fremden gleich der schöne, ja geradezu prachtvolle Tempelbau auf, der wegen seiner Schönheit geradezu Ähmuck und Zier des ganzen Ortes ist. Daß der Bau dieses schönen Gotteshauses der jüdischen Kultusgemeinde zu Nasice hat Zustandekommen und fertig werden können, war nebst dem großen Opfersinn der Gemeindemitglieder das hervorragende Verdienst ihres nunmehr entschlafenen Rabbiners Samuel Winter s. A. Er war vom Glücke begünstigt, das heilige Amt eines Rabbiners vierzig Jahre in ein und derselben Gemeinde zu versehen. Aber nicht allein wegen seiner langen Amtstätigkeit in ein und demselben Orte war er, wie es unter solchen Umständen üblich zu sein pflegt, angesehen, nein, er war es vielmehr wegen seiner Persönlichkeit. Ein eigenartiger Dust allgemeiner Menschenliebe entströmte seinem originellen Wesen, der ihm die Herzen aller gewann, welche Gelegenheit hatten, mit ihm in Berührung zu kommen. Schon in der ersten Zeit seiner seelsorgerischen Wirksamkeit wuchs fein Ansehen von Tag zu Tag auch bei der nichtjüdischen Bevölkerung des Naficer Bezirkes. Und im Hause des Grafen P e j a c e v i c, dessen Mitglieder in der Regel Banusse unseres Landes zu sein pflegen und unter deren Herrschaft die Volkssouveränität in großartiger Weise zum Ausdrucke kommt, war Rabbiner Samuel Winter ein gern gesehener East. Als bei Ausbruch des Krieges Se. Exzellenz Geheimer Rat und Minister a. D. Graf Dr. Theodor Pejacevic in französische Gefangenschaft geraten war, veranstaltete der nun entschlafene Rabbiner Samuel Winter Bittgottesdienste für die Befreiung des Grafen. Und die Tatsachen hatten es bewiesen, daß die Gebete des schlichten Rabbiners Erhörung fanden. Denn war es ihm doch noch vor seinem Tode vergönnt, den Grafen zu seiner erlangten Freiheit beglückwünschen und ihn persönlich begrüßen zu können. Wenn ein Andersgläubiger in Nasice etwas auf dem Herzen hatte, wenn ihn Not und Drangsal drückten, wandte er sich an Rabbi Samuel Winter, der dem Bedrückten nicht nur mit gutem Rate, sondern auch nach Möglichkeit mit Tat hilfreich Beistand leistete. Der Verewigte führte auch ein glückliches Ehe- und Familienleben, wie es bei Rabbiner Winter auch nicht anders vorauszusetzen war. Nach vierzigjähriger, segensreicher Amtstätigkeit, im 71. Lebensjahre, hat der Verewigte sein irdisches Dasein beschlossen, um in das Reich der Ewigkeit einzugehen, nicht ohne tiefe und wohl!- tuende Spuren seines Wirkens und Schaffens hinieden in seiner Gemeinde zurückgelassen zu haben. Die Beerdigungsfeier, welche am 14. d. M. stattgefunden hat, gestaltete sich zu einer großartigen und imposanten. Alle Behörden des Bezirkes waren bei derselben vertreten. Die in Nasice anwesenden Mitglieder des gräflich P e j a c e v i c'schen Hauses nahmen persönlich an den Beerdigungsfeierlichkeiten des so geachtet und beliebt gewesenen Rabbiners teil. Trauerreden hielten an der Bahre des Verewigten Oberrabbiner Dr. Simon Ungar aus Tfsegg, ferner Schreiber dieser Zeilen und der bekannte philosophische Schriftsteller Herr Rabbiner Dr. Roth aus Djakovar. Am offenen Grabe hielten dem Verstorbenen wirkungsvolle Nachrufe Herr Mar Fischer und der Schuldirektor der Nasicer Schulen. Rabbiner Samuel Winter hinterläßt eine Witwe, die ein Musterbild weiblicher Tugend ist, und bereits versorgte Kinder. Ehre seinem Andenken! Mähr.-Ostrau. (Requiem für die gefallenen jüdischen Soldaten.) Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat zur Ehrung und zum Andenken der im Kriege gefallenen Mitglieder der Kultusgemeinde eine alljährlich am 7. War — dem Todestage Moses — abzuhaltende Trauerfeier beschlossen und eingeführt. Die erste dieser Feiern fand am 12. d. M. im hiesigen Tempel statt. Dieser war lange vor Beginn von Militär- und Zivilpersonen sowie von Damen dicht besetzt. Nach ein-