Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 13 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 309 Rr. 13 Tie staatsbürgerlichen Interessen der Juden im akku-- pierten Gebiet Rußlands. Eine Abordnung beim Erzherzog Friedrich. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: In ben letzten Tagen wurde vom Feldmarschall Erz- Herzog Friedrich eine Abordnung des österreichischen Zentralkomitees zur Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung im nördlichen Kriegs-, gebiet ernpfangen, die dein Erzherzog mehrere die politischen und kulturellen Interessen der Juden im Okkupationsgebiet betreffende Wünsche unterbreitete. Der Herr Armeeoberkornmandant, der die Abordnung in huldvollster Weise empfing und int Berlause der Audienz lebhaftes Interesse auch für alle Einzelheiten der einschlägigen Fragen bekundete, anerkannte in warmen Worten den Patriotismus, den die jüdische Bevölkerung Galiziens und der Bukowina während des Feldzuges bewiesen hat, und unterließ auch nicht, ihrer Leiden während der russischen Okkupation in herzlicher Teilnahme zu gedenken. Der Erzherzog erklärte, daß, obgleich im Sinne der Haager Konvention das okkupierte Gebiet auf Grund der russische!: Gesetze verwaltet werde, der Grundsatz der Gleichberechtigung aller iu ÖesterreiclMngarn anerkannten Religionsbekenntnisse von: Armeeoberkommando kurz nach Aktivierung der k. u. k. Militärverwaltung mit der Verordnung vom 7. März 1915 proklamiert worden sei und seither in voller Geltung stehe. Hiemit sei entgegen allen anderweitigen Behauptungen der feindlichen, ja sogar der neutralen Presse von der in der Haager Landkriegordnung (Artikel 43) gebotenen Ermächtigung Gebrauch gemacht worden, im Falle unbedingter Unmöglichkeit von der Anwendung der Gesetze des Landes in: okkupierter: Gebiete Abstand zu nehmen. Eine solche unbedingte Unmöglichkeit habe eben die österreichisch-ungarische Militärverwaltung in der Anwendung von Ans nahms gesehen gegen eine bestimmte Religionsgesellschast erblickt. Die Mitglieder der Deputation, die der Mittagstafel bein: Erzherzog zugezogen wurden, hatten auch Gelegenheit, sich im Hauptquartier den maßgebender:, rnit der Militärverwaltung Russisch-Polens befaßter: Funktionären vorzustellen. Auch diese Persönlichkeiten haben der: Bestrebungen des Komitees im Sinne des Rechtsschutzes, der Gleichberechtigung und der kulturellen Hebung der jüdischen Bevölkerung des Okkupationsgebietes die Förderung der Organe der k. u. k. MilitärverwMMg zugesagt und in Aussicht gestellt, die informativ^Wmwirkung des Komitees nach Bedarf in Anspruch zu nehmen. Hilfskommission 1915 für Palästina. Wien, 4. Bez., Frankenberggasse 14. Zahlstelle: Bankhaus S. M. v. Rothschild, Wien, 1. Bez., Renngasse 3, Konto: „Hilfskommission 1915". Montag, den 6. d. M., abends 6 Uhr, fand im Zeremoniensaale des Tempels, Wien, 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, eine Besprechung der Ausschußmitglieder der Hilfskommission statt. Nach der Begrüßung der Erschienenen erstattete der Präsident Dr. Adolf Kapralik den Rechenschaftsbericht. Die Kommission hat seit Juni 1915 bis Ende Dezember 1915 132.870 Kronen gesammelt und hievon 80.223 Kronen nach Palästina gesandt. Im Ganzen beträgt das Ergebnis der von ihr eingeleiteten Aktioner: für Palästina bis heute eine Viertel Million Kronen. Von den r:ach Palästina überwiesenen Hilfsgeldern wurden in erster Reihe die Angehörigen der ostgalizischen, bukowinaischen und uordungarischen Kreise bedacht, darunter auch die aus den ob genannter: Gegenden stammenden Kolonisten,' weil diese infolge der Russeninvasion aus ihrer Heimat keine Unterstützung erhielten, und überdies ihre Kuratoren, die der Kolelim Kossow, Ottynja und Wischnitz, die einzigen waren, die mit uns zusammenzuwirken, d. h. ihre Sendungen durch uns unter Kontrolle unserer konsularischen Vertretungen in Palästina verteilen zu lassen, sich bereit erklärt haben. Etwa 24.500 Kronen sind aber außerdem an Mitglieder des ungarischen Kolels, weitere Beträge (ca. 870 Kr.) ar: Westgalizianer (Drohobyczer Met) unb anbeve Notleidende, insbesondere Talmudgelehrte, verteilt worden. Ferner erhielten 50 in Wien durch den Kriegsausbruch zurückgehaltene.Palästinenser, Angehörige der verschiede n ft e n K oleli m, monatliche Unterstützungen. Die Kriegs-Mogendovid-Nagelspende hat über 2L00 Kronen eingetragen. Unsere Freunde in Ungarn (das Dr. Lederer- Szabolcsi - Komitee) arbeiten mit uns in steter Verbindung. In Prag und Brünn sind bereits für Böhmen, bezw. Mähren Zweigkomitees gebildet. Das Prager Komitee setzt sich zusammen aus den Herren: Oberrabbiner Dr. Heinrich B r o d Y, Dr. Arnold Rosenbacher, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Heinrich R osenba u in, Obmann der böhmischen Landesjudenschaft, Siegfried Lieber s, Josef Strauß. Direktor Will). W e r t h e i m e r, Ignaz Lion, Doz. Dr. Isidor P o l l a k, Dr. Adolf Oppenheimer, Gustav Fuchs und — als Geschüftsleiter — Dr. Weltsch. An der Spitze des Brünner Komitees stehen die Herren Jonas Löw-Beer und Vizepräsident der Brünner Knltusgemeinde Gustav Tandler. Von Herrn Stadtrat Dr. Michael Feith liegt ein Brief im Namen des Brünner Komitees vor, in dem es u. a. heißt: „Ich wünsche eine Aktionszentrale in Wien, der sich Landeszentralen und Ortsausschüsse organisch einfügen. Jede Willensäußerung geht von der Zentrale aus und wird in ihrem Namen von den Landeskommissionen und Ortsausschüssen ausgeführt. Alle Mittel fließen der Zentrale zu. Indem so die Aktion gewissermaßen zu einer Staatsaktion wird, gewinnt sie an Eindruck. Es muß das Gefühl der Wichtigkeit erweckt werden, damit die Aktion nicht als nebensächlich empfunden werde." Herr M. Spiegel, Obmann der Chewra-Kadischa Troppau, erhielt als erster das Wort, um den Plan der „Kriegs-Spitals-Hilfe für Palästina" zu erörtern, die der himmelschreienden Not der Spitäler in Palästina steuern soll. Auch hier sind durch den Beitritt einiger Chewra-Kadischas die ersten Schritte eingeleitet, die Herr Dr. Alfred Stern, Präsident der israel. Knltusgemeinde Wien, zu fördern seine Bereitschaft schriftlich erklärt hat. Die Hilfskommission übernimmt die vorbereitenden Arbeiten, Herr Hosrat Doktor Julius Schlag die Leitung. Herr Dr. Kaminka fragt, nach welchem Maßstabe die hiesigen Palästinenser, die auch von anderer Seite unterstützt würden, von der Hilfskommission beteilt werden. Das Präsidium antwortet, daß diese Unterstützungen nur eine Ablösung der .Hilfsgelder seien, die diesen Armen von der Deutsch-Holländischen Palästina- Gesellschaft gezählt worden waren, bis die Hilfskommission entstand. Jene Gesellschaft, bestimmt, ohne Unterschied der Landsmannschaft den Armen Palästinas zu helfen, entzog den Ungarn, Russen, Rumänen usw., die aus Palästina nach Wien gekommen und hier verblieben waren, die Hilfe mit dem Hinweis auf die Hilfskommission. Diese, obwohl ursprünglich und ausdrücklich zur Unterstützung von Notleidenden — in erster Reihe natürlich der vorn Kriege hart betroffenen Oesterreicher und Ungarn - in Palästina bestimmt, von jener:, die von anderer Seite keine Stütze erhalten, übernahm trotzdem auch diese Fürsorge, um die armen Palästinenser in Wien nicht verkommen zu lassen. Im übrigen werde:: die anderweiti-