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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-24 · 13 (24.3.1916) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
13 (24.3.1916)
Date
1916-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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N>. 13 Tr. Vloch'S Wochenschrift Seite 207 baut uud in dem Dorfe ist alles vorhanden, was für das Leben des Soldaten notwendig ist: Kaffeehaus, Gasthaus, Kino, Bad, Ruhezimmer, Offizierswohnungen, Selchereien, Bäckerladen, Magazine, Spitäler, Krankenzimmer - mit einem Worte alles. Wie ich durch dieses eigenartige, märchenhafte, neue Dorf geführt werde, während man mir seine Häuser, feine herrlichen Straßen und Gassen zeigt, bleibt mein Führer, der Budapefter Ar^ tllleriehauptmann Luke, plötzlich stehen und spricht: „In jener Baracke ist die katholische Kirche . . . und dort neben ihr das jüdische Bethaus." „Was ist daneben?" frage ich. „Das jüdische Bethaus," antwortete der Artilleriehauptmann. Ein jüdisches Bethaus zwischen dem Felsen des Karst, ein jüdisches Bethaus in dem Ruhelager der Soldaten, ein jüdisches Bethaus einige tausend Schritte .hinter der Front. Es ist ein aus Brettern erbautes, einfaches, kahles Haus, darinnen Bänke aus Brettern, aus kainn gehobelten Brettern, darüber kreisen tagelang italienische Flieger, dahinter platzen Granaten, davor Schrapnells, in seiner Nähe spielt Militärmusik und darinnen in der großen, kahlen Stube brennen jeden Freitag-Abend Kerzen und jeden Samstag summt das andächtige Gebet von Soldaten, jüdischen Soldaten, in dem jüdisch e n B e t h a u s e a m D o be r d o. Der Rabbiner der nächsten Honveddivision hält jede Woche Gottesdienst und der Tempel ist immer gefüllt. Die Seele des Soldaten neigt zur Andacht und die jüdischen Soldaten freuen sich des Tenrpels. Ich frug, wie das jüdische Bethaus am Doberdo erbaut wurde, wessen Einfall es zu danken ist, wessen Herzen es entsprang, daß es zustande kam. _ Die Geschichte ist eine ganz einfache. Die jüdischen Soldaten hoben es errichtet, sie machten. es selbst. £>it machten es während ihrer Ruhestunden, und nun, dch sie auch einen Rabbiner haben, sind sie glückselig, dag sie in das Bethaus gehen, daß sie beten können. Sie haben nun einen herrlichen Freitag-Abend, einen dem Gebete geweihten Samstag-Bormittag, wenigstens an jenen Tagen, da die Kämpfe ruhen. Das ist die bisherige Geschichte des Judentempels am Doberdo, aber es darf nicht sein, daß es auch bloß bei dieser Geschichte bleibe. Es ist notwendig, daß nunmehr auch alles dahin gesandt werde, was für den Tempel notwendig ist, alles, was in den Tempel hineingehört, damit der betende Soldat sich in ihm heimisch fühle. Die kahlen Wände sollen geschmückt werden, damit die Liebe der Daheimgebliebenen die Kämpfenden bestrahle, und wenn einmal alles zu Ende sein wird, so lassen wir als heilige Reliquie' heimbringen das jüdische Bethaus, welches während des Weltkrieges auf dem Karst erstanden ist. II. Diese Geschichte ist sehr kurz. Ihr Held heißt Dr. Isidor R o s e n f e l d, ist in Friedenszeiten Advokat in Gätgocz, hat Familie, Frau und Kinder. Sein Vater ist Rabbiner und hat seinem Sohne die Anhänglichkeit an seinen Glauben eingeimpft. Der Sohn ivurde während des Krieges aus einem Advbkaten ein Kanonier, hat Tapferkeitsmedaillen erhalten, half die Italiener vom San Michele hinausschießen, wurde ein guter Artillerist, ein guter Soldat. .Die Italiener bereiteten sich zur dritten Offensive vor und begannen am Sabbat der Sabbate, am Versöhnungstage, die dritte Offensive. Trommelfeuer gab es am Jsonzo, am größten Feiertage der Juden, am Jomkippur. Isidor Rosen seid, der Feuermeister, der Sohn des Rabbiners, Pflegte an diesem Tage zu beten uud zu safteil, gber damals war er Artillerist. Die Italiener gaben Trommelfeuer ab, die zerschossenen Telephondrähte mußten ausgebessert werden, man mußte beobachten, mußte bei dem Geschütz arbeiten. Er war in Dienst, mußte Artillerist sein, mußte Soldat sein. Und der Sohn des Rabbi nahm den Tatlis um, betete leise in sich, besserte die Telephondrähte aus und betete, beobachtete und betete, stand bei dem Geschütz und betete, versah den Dienst und betete, Granaten platzten in seiner Nähe und er betete, er käncpsle und fastete, telephonierte und fastete, übermittelte Berichte und saftete. Der Sohn des Rabbiners kämpfte, betete und fastete. Seine Kameraden aber blickten achtungsvoll auf den Artilleristen mit dem Tallis, der auch im Trommelfeuer, im gehirnlähmenden Granatenregen, mitten im tobenden, heulenden Konzert der Explosionen der Sohn des Rabbi, der Jude geblieben ist. . . . „Unser bester Kamerad." Alexander Horn, der Sohn eines Kaufmannes in Trencsen, im bürgerlichen Leben Assekuranzbeamter, ist bei Ausbruch des Krieges im Alter von 24 Jahren als Kadett zum k. u. k. Infanterieregiment Nr. lb eingerückt. Sechs Monate lang war er auf dem serbischen Kriegsschauplatz, wo er verwundet ivurde. Später ivurde er als Leutnant von Typhuskrnntheit befallen und kam, wiederhergestellt, aus den nördlichen Kriegsschauplatz. Hier fand er am 3. Januar d. I., als er seine -Kompagnie zum Sturmangriff .führte, von einer feindlichen Kugel getroffen, den Heldentod. Wie „Egyenlöseg" berichtet, sandten seine Kameraden den tiefgebeugten Eltern ergreifende Mittelungen über seiiien Heldentod. Einer dieser Briese lautete wie folgt: Hochgeehrte Familie! Leider Gottes ist unser bester Kamerad, Herr Leutnant Alerander Horn, am 3. Januar in Narance (bei Ezernowitzs, von einer feindlichen Kugel im Munde getroffen, an Ort und Stelle den Heldentod gestorben. Seine Leiche wurde unter Teilnahme unserer Aller im katholischen Friedhof in Rarance begraben und der Ort seiner Ruhestätte mit einer Tafel oersehen. Empfangen Sie, hochgeehrte Familie, zu diesem schweren Verluste mein tiefstes Beileid. Es diene Ihnen zum Tröste, daß Ihr Sohn als wahrhafter Held für König und Vaterland geblutet hat. Sein Heldenmut diente stets zum Muster und er ist noch bei seinem Leben zur allerhöchsten Auszeichnung vorgeschlagen worden. Empfangen Sie, hochgeehrte Familie, den Ausdruck meiner besonderen Hochachtung Ferdinand H o r o v a n, Oberleutant. Joses Kottkieb. Josef Gottlieb, Feuerwerker bei der 15 ein Mörserbatterie, war zehn Monate an der Front, wo er zwei Auszeichnungen erlangte. Au der italienischen- Front erlag er einer schweren Krankheit. Bon dem Heldenmut und der Tüchtigkeit des Verstorbenen gibt der Brief Zeugnis, den laut einem Berichte des „Egyenlöseg" fein Kommandant an die Witwe gerichtet hat und der lvie folgt lautet: Hochgeehrte Frau G o t t l i e b! Die traurige Nachricht vom Ableben Ihres Herrn Gemahls, unseres braven und tüchtigen G o t t l i e b. hat uns überaus schmerzlich berührt. Ein braver Soldat, ein vorzüglicher Unteroffizier und ein selbstloser Kamerad, sind uns mit ihm verloren gegangen. Seit Kriegsbeginn unter meinem Kommando stehend, hat er dank seiner großen Intelligenz in Budapest gar bald die Unteroffizierscharge erlangt und deren höchste Stufe in treuer und hingebender Pflichterfüllung vor dem Feinde erreicht. Zu bald, zu jung ist er der heimtückischen Krantheit zum Opfer gefallen. Nehmen sie als trauernde Witwe auch für alle übrigen Angehörigen unser allertiefstes Beileid entgegen, das ich im Namen der 15 Zentimeter-Mörser-Abteilung, Budapest, ll.. Ihnen verdolmetsche. Gott schenke dem entschlafenen, stillen Helden die ewige Ruh: und Ihnen selbst die Kraft, diesen Schicksalsschlag zu ertragen. Mit dem Ausdrucke der besonderen Hochachtung, zeichnet sich Alfons R i m r i ch, m. p., Hauptmann.

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