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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-17 · 12 (17.3.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
12 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 186 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 12 „Nicht mehr so, wie eS noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war, dennoch bewahrt es viel altes Gut, viele Redensarten und alte Wörter, die heute in Spanien nicht mehr gehört werden. Auch singen wir noch die alten Romanzen in den wunderbaren alten spanischen Melodien, und wir gebrauchen viele Sprichwörter aus vergangenen Jahrhunderten." „Und Sie sind auch ein Sepharde, also ein Nachkomme der aus Spanien vertriebenen Juden?" „Jawohl, Majestät, und es sei mir bei dieser Gelegenheit gestattet, nicht ohne Stolz darauf hinzuweisen, daß einer meiner Vorfahren, Don Joseph Be?rschuschan in Toledo, dem König Alfonso III. von Kastilien treue Dienste geleistet hat, die in der Geschichte verzeichnet sind und die ihm die Hochachtung und Anerkennung seines Königs eingetragen haben." „Und nun" — unterbrach der König lebhaft — „sind Sie nach Spanien gekommen, um unter einem anderen Alfonso Dienste zu leisten, wie merkwürdig, wie merkwürdig." „Ein wunderbarer Zufall, oder vielleicht ein Beschluß göttlicher Vorsehung. Und da mir nun jetzt die hohe Ehre beschieden ist, nach sieben Jahrhunderten dazu bestimmt zu sein, Eurer Majestät zu dienen, dem Träger des glanzvollen.Namens jener glorreichen fürstlichen Eroberer und des Namens und des Vaters und Schöpfers der kastilianischen Literatur und Wissenschaft, Alfonso der Weise, so würde ich mich glücklich schätzen, wenn es mir gelingen sollte, Eurer Majestät und Spanien wertvolle Dienste zu leisten." „Es freut mich sehr, daß Sie solch gute Absichten haben, ich danke Ihnen sehr für die Sympathien, die Sie Spanien entgegenbringen, und freue mich, Sie. hier zu haben. — Ja, es ist wahr, Alfonso X. 'war ein sehr gelehrter und weiser Mann und die Juden haben es wohl recht gut unter ihm gehabt." „Jawohl, Majestät? Es ist eine denkwürdige Tatsache, daß gerade unter den Alfonsos Spanien stets freiheitsliebend und tolerant war und von der ganzen Welt beneidet wurde. Nun geben auch Eure Majestät ein Beispiel von hoher Toleranz und Großmut, und ich bin überzeugt, daß alle Welt dies freiheitliche Spanien beneiden wird, welches das Glück hat,' von Eurer Majestät regiert zu werden." Auf die Frage des Königs, ob auch hier in Spanien Sephardim wohnen, mies Dr. I a h u d a auf das Bestehen einer kleinen Gemeinde aus marokkanischen Sephardim in Sevilla hin, nannte die Namen einiger sephardischer Juden, die in Madrid leben, und sagte,, daß vorerst keine Sephardim aus dem Orient nach Spanien zurückgekehrt seien, daß aber die 25.000 Juden, die jetzt in Spanisch-Marokko leben, sämtlich aus Spanien stammen, intelligent, fleißig, strebsam und sehr loyal seien und ein sehr wertvoller Faktor zur Förderung der spanischen Kultur und des spanischen Handels werden könnten, wenn ihnen nur weitgehendster Schutz und volle Rechte seitens der spanischen Regierung gewährt werden würden. „Für mich sind alle m eine U n te r tan en gleich, ich arbeite für das Wohl und Gedeihen aller meiner Untertanen, och ne Untersch>ied. Die Juden Marokkos können auf meinen Schutz und mein Wohl, wollen vollauf rechnen und sicher sein, daß auch meine Regierung ihnen Gerechtigkeit angedeihen lassen wird." „Und nun" — schloß der König — „will ich Sie nicht länger aushalten, es sind noch so viele interessante Fragen, die ich an Sie hätte stellen mögen, allein ich habe noch eine lange Reihe von Besuchern zu empfangen. Jedenfalls können Sie stets mit meinem guten Willen rechnen, und ich werde mich freuen, Sie in Ihrem Werke zu fördern." Als Professor Ja hu da wieder in den Vorsaal eintrat, konnte der Generaladjutant des Königs es nicht unterlassen, ihn zu feiner überaus freundlichen Aufnahme durch den König zu beglückwünschen und sagte: „Müsseit^ Sie doch Seine Majestät interessiert haben! Wissen Sie, lieber Doktor, wie lange Sie bei Seiner Majestät geblieben sind? Siebzehn Minuten! Und sehen Sie sich mal diese Reihe von Exzellenzen an, die noch lange auf Audienz warten. . . . Siebzehn Minuten! So lange, siebzehn Minuten. . . ." Der Gelehrte konnte ihm nur erwidern, daß es der Wunsch Seiner Majestät gewesen sei, ihm so huldvollst seine wertvolle Zeit zu widmen, und daß er sich dem nur zu fügen gehabt hätte. =1= Bezeichnend für den Geist der Toleranz, der jetzt besonders in akademischen Kreisen Spaniens sich Bahn zu brechen beginnt, ist, daß das am 1. Dez. im offiziellen Amtsblatt veröffentlichte kgl. Dekret, in welchem Dr. A. S. Iahuda zum ordentlichen Professor für j ü d i s ch e G e s ch i ch t e u n d L i t e r a t u r mit besonderer Rücksicht auf die jüdisch-spanische Epoche an der Universität Madrid ernannt wird, hervorhebt, diese Ernennung erfolge auf einstimmigen Vorschlag des Oberrats im Ministerium für Volksaufklärung, der philosophischen Fakultät, der spanischen Akademie, deren Präsident der bekannte konservative Staatsmann und Ex-Ministerpräsident Antonio M a u r a ist, sowie der Königlichen Akademie der Geschichte. Spanische Zeitungen haben' ausführlich über die von Prof. Iahuda auf Einladung der spanischen Regierung im Frühjahr 1914 gehaltenen Vorlesungen über die .j ü - dis ch e Zivili's ä't'iö n"in Sh ä n ie n berichtet und mit Genugtuung darauf hingewiesen, daß jene Vorlesungen als ein Präludium für die Schaffung eines Ordinariates für denselben Gegenstand an der Universität gedacht seien. Der Eifer, mit dem die Ausführung dieses Planes betrieben wurde, und die Tatsache, daß alle akademischen und politischen Kreise ohne Unterschied der Richtung und der religiösen Schattierungen vom Vorsitzenden der Akademie der Geschichte, dem gediegenen Hebraisten, Jesuitenpater Fidel Fita, bis zum Führer der republikanischen Partei, Gumercindo Azcarate, und dem Vorkämpfer der Bewegung zugunsten einer Repatriierung der Nachkommen der spanischen Juden (Sephardim), Angel Pulido, beweist, welche Bedeutung sowohl in wissenschaftlicher, als auch in politischer Hinsicht der Ernennung Prof. Iähu d.a s beigelegt wird. Das ist Spaniens tätige Reue. Die Ansprache Prof. Jahudas anläßlich seiner Einführung geben wir hier nach dem Bericht im „Jsr. Wochenblatt für die Schweiz" wieder: „In diesem für mich so feierlichen Augenblick, der einen neuen Markstein in meinem Leben bedeutet und eine neue Etappe in meiner Wissenschaft!. Tätigkeit bezeichnet, ist es mir unmöglich, die volle Bedeutung dieses Ereignisses hervortreten zu . lassen, noch die Tragweite zu bestimmen, die die Einsetzung der neuen Studien für die Geschichtsforschung sowohl als auch für die aktuellen Interessen Spaniens haben dürste. Ich beschränke mich demnach darauf, meinen Dank auszusprechen für die wohlwollende Ausnahme, die mir von Seiten der Körperschaft zuteil geworden ist, und insonderheit für die aufrichtige Begeisterung, die mehrere Freunde, wissenschaftliche Leuchten dieses Kollegiums, der Einrichtung meines Lehrstuhles entgegengebracht haben. In Wahrheit ist die Auszeichnung, die mir durch den Auftrag, diese Studien zu leiten, zugefallen ist, eine dermaßen hervorragende, daß sie mich wohl zu überschwänglichem Frohlocken hätte verleiten können, empfände ich nicht zugleich das volle 'Gewicht der großen Verantwortlichkeit, die mit jener schwierigen und äußerst' delikaten Aufgabe verbunden ist. Indessen wird das Wohlwollen, dem ich

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