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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-17 · 12 (17.3.1916) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
12 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 12 Jahrgang XXXIII Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. o (j- ■ - .- -~0 o p D. ft. Po stsparftaffenarnr Q Llearing-Verkebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien ° II/i, Praterstraße 9. j Telephon 45.359. <1 oO.- - -Oo Wien. 17. März 1916 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, fy/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O (j ■— — -i - O o p Vrrugsprrrs für Oesterreich: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare .w Heller. Für da« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gefpaltene Petitzeile 48 Heller. £ QO- ■ - ■ rD O Inhalt: Leitartikel: Spaniens tätige Reue. — Zur Rabbinerfrage. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Jüdische Ehrentafel. — Weitere Auszeichnungen. — Opfer des Krieges. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Korrespondenzen: Tempelverein für Mariahilf-Nenbau. — Gründung eines Leopvldftädter israelitischen Frauenvereines. — Kriegs-Seder für verloundete und rekonvaleszente Glaubensbrüder. — Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: Tie Inden in der Schweiz. — Jüdische Fastnacht. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Spamens tätige Keue. Am 15. Januar ist Dr. Jahn da, der kürzlich zum ordentlichen Professor für jüdisch-spanische Geschichte und Literatur an der Universität Madrid ernannt worden ist, vom König Also n s o in Privataudienz empfangen worden. Dr. Aahuda wollte Seiner Majestät seine Aufwartung machen, nur ihm seinen Dank für seine Ernennung zum Ausdruck zu bringen. Als er in den Vorsaal eintrat, traf er eine ganze Reihe von Persönlichkeiten an, die ebenfalls zur Audienz eingeladen waren. Der Kammerherr und der Generaladjutant, die Dr. Ja hu da in das königliche Kabinett einführen sollten, flüsterten ihm zu: „Der König hat es sehr eilig. . . mld diese große Menge von Besuchern! Bitte, lieber Doktor, zwei Minuten . . . zwei Minuten . . . höchstens." „Solange es Seiner Majestät belieben würde," war Dr. Jahn das selbstverständliche Antwort. Nach wenigen Minuten befand sich Tr. Pa hu da vor dem König, der ihm einige Schritte entgegenkam, ihm sehr liebenswürdig die Hand drückte und ihn zu seinem Erfolge beglückwünschte. Die Audienz nahm, nach dem „Jsr. Wochenblatt für die Schweiz", einen inrer-! efsanten Verlauf. „Ich habe sehr gerne meine Unterschrift unter das Dekret gesetzt," sagte der König, „und es ist sehr erfreulich, daß die spanische Presse Ihre Ernennung mit cho vieler Sympathie ausgenommen hat." Mit dem ihm eigenen liebenswürdigen Lächeln lauschte er den Dankesworten des Professors, der ihn unter anderem darauf hinwies, daß die Schaffung eines Lehrstuhls für jüdische Geschichte und Literatur an der ersten Universität Spaniens als ein Beweis für den neuen Geist der Toleranz im neuen Spanien auch im Ausland großen Eindruck gemacht habe, und ihm einige französische und englische Zeitungen nennen konnte, die diesem Ereignis sympathische Artikel widmeten. Der König erkundigte sich eingehend über jüdische Literatur, besonders in der spanischen Glanzepoche, und nachdem ihm Dr. Iahuda die gewünschte Auskunft gab, sagte er: „Es ist doch so merkwürdig, daß die Juden durch so viele Jahrtausende hindurch ihren Glauben, ihre Literatur, ihre Sitten und Gebräuche so treu bewahrt haben. Es ist so merkwürdig! Und wo sind mehr lite-z rarische Dokumente aus der spanischen Epoche aufbewahrt, in spanischen oder ausländischen Bibliotheken?" „Ta die einzigen Schätze, die die Juden aus Spa-^ .nien mitnehmen konnten, ihre Bücher waren, so ist es natürlich, daß der größte Teil der jüdisch-spanischeu Literatur sich außerhalb Spaniens erhalten hat: dennoch blieben noch sehr viele Dokumente in spanischen Archiven, Kirchen und Bibliotheken, die aus Bearbeiter und Herausgeber warten." „Und Sie nehmen sich vor. diese ganze Arbeit zu machen?" „Dies wäre mir allein nicht gut möglichich nehme mir aber vor, Schüler heranzubilden, die sich mit Eifer und Liebe diesem Studium widmen sollen, um das große Werk zu Ende zu führen." _ Der König erkundigte sich dann über die Zahl der Studenten, die sich für dieses Fach eingetragen haben, und als er sich etwas erstaunt zeigte über das lebhafte Interesse, das dieses Studium in akademischen Kreisen hervorgerufen habe, schilderte ihm Dr. Zjahuda die bedeutende Stellung, welche die hervorragenden wissenschaftlichen und literarischen Leistungen der Juden in Spanien in der allgemeinen Wissenschaft, besonders im Mittelalter, einnehmen. _ Der König stellte alsdann einige Fragen über die Sephardim im Orient, besonders in Saloniki, wo die größte sephardische Gemeinde besteht, und bemerkte, daß es einen Spanier sehr angenehm berühren muß, im tiefen Orient Altspanisch sprechen zu hören, wie es vor Jahrhunderten hierzulande gesprochen wurde. „Und ist es richtig, daß jenes Spanisch seinen archäischen Charakter noch so ganz bewährt?"

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