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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-17 · 12 (17.3.1916) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
12 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Blvch's Wochenschrift Seite 187 in den vornehmsten Kulturzentren und wissenschaftlichen Kreisen Spaniens begegnet bin, mich dazu anspornen, die in meine bescheidene Wirtsamkeit gesetzten Hoffnungen so viel als möglich zu rechtfertigen. Ich komme zu Ihnen, geehrte Kollegen, vom einzigen Verlangen beseelt, nach Matzgabe meiner Kräfte an der hier geleisteten wissenschaftlichen Arbeit teilzunehmen,- ich habe keine andere Ambition als die zu arbeiten und keinen innigeren Wunsch, als die Achtung und Zuneigung von Kollegen und Schülern zu verdienen. Aber es gibt noch eine andere, sehr kraftvolle Triebfeder, durchaus moralischer Art, die mich anspornen mutz, mich der inir zuteil gewordenen grotzen Auszeichnung würdig zu erweisen. Dieses ist die beständige Vergegenwärtigung des würdigen Beispiels jener Männer meines Stammes, dir in vergangenen Zeiten durch ihre hervorragenden wissenschaftlichen und kulturellen Arbeiten den Namen Spaniens mit Ruhm und Ehre bedeckten. Das Andenken jener ehrwürdigen grotzen Gestalten soll mir eine unaufhörliche Mahnung sein, alle meine Kräfte anzuspannen, uni in ihrem Sinne meine Pflicht zu erfüllen und so ihrem Namen Ehre zu machen. Der letzte jüdische Gelehrte, der von der hohen Warte einer spanischen Universität, der damals hochberühmten Universität Salamanca, seine Lehren erteilte, war einer der hervorragendsten Mathematiker und Nautologen des 15. Jahrhunderts in Spanien, der Freund und Berater des Christoph Columbus, Abraham Zacuto, dessen Arbeiten von so ausschlaggebender Bedeutung für die Entdeckung der neuen Welt gewesen sind. Und dieser grohe und charakterfeste Mann, der wie kein anderer das überaus traurige Los seines Volkes beweinte, und der, um seinen Ueberzeugungen treu zu bleiben, den verlockendsten Anerbietungen die Verbannung vorzog, empfand 'keine größere Genugtuung und kannte keinen anderen Trost in den Bitternissen seiner schicksalsschweren Wanderungen, als das stolze Bewußtsein, sein ganzes arbeitsreiches Leben dem -Fortschritt der Wissenschaft und der Wohlfahrt seines Vaterlandes gewidmet zu haben. Und jetzt, wo mir nach so langer Zeit Die Ehre wird, ein ähnliches hohes Lehramt im Lande, wo meine Vorfahren früher gelebt haben, anzutreten, dem Lande, das sie nie vergessen und an das sie stets mit Liebe und Wehmut zurückdachten, soll es für mich ein hohes Glück fein, wenn es mir vergönnt sein sollte, mit meinen geringen Verdiensten einer für mich so glorreichen Tradition gerecht zu werden und mich aus diese Weise allen denjenigen gegenüber dankbar zu erweisen,' die es als der Würde eines freiheitlichen und fortschrittlichen -Spanien entsprechend erachtet haben, von neuem Beziehungen gegenseitiger Sympathien zu den Nachkommen ehemaliger Landesgenossen an^ukr.üpsen, indem Sie die friedliche Stimme der Wissenschaft als den beredten Interpreten Ihrer edlen Gesinnung erwählten und als günstigen Versöhnungsort diesen geheiligten Tempel der Gelehrsamkeit ausersehen haben. Geehrte Kollegen! Seit meiner Kindheit wurde mir der Geist eines unserer alten Sprüche eingeprägt, der folgendermaßen lautet: „Die Ehre deines Schülers sei dir ebenso teuer, wie deine eigene Ehre, und die Achtung gegen deinen Kameraden sei ebenso grotz, wie die Achtung gegen deinen Meister." Mit 'dem Vorsatze, auch dem Sinne dieses Spruches stets treu zu bleiben, habe ich die Ehre, das mir so großmütig anvertraute Lehramt anzutreten." Zur Kabbinerfrage. Im Hinblicke auf die mmlaufenden Gerüchte, wonach der Kultusvorstand im Begriffe ist, einen Oberrabbiner aus denr Auslände zu berufen und ihm eine ganz besondere Honorierung einzuräumen, fei es mir gestattet, die Aufmerksamkeit der Gemeindemitglieder auf die mißliche Lage zu lenken, in welcher sich eine Reihe seit Jahr und Tag in Wien als Gemeinderabbiner in allgemein anerkannter Weife wirkender Funktionäre besinden. Die Verhältnisse, welche sich in dieser Richtung in Wien herausgebildet haben, erheischen dringend einer gründlichen Remedur, und es wäre nach meiner unmaßgeblichen Ansicht viel zweckmäßiger, wenn der Kultusvorstand sich zunächst mit der Verbesserung der materiellen Lage dieser bereits seit langer Zeit unter -seinen! Angen tätigen Rabbiner befassen würde, bevor er an die Besetzung einer Stelle denkt, die gottlob ja noch gar nicht vakant ist. Die Wiener Kultusgemeinde, welche einschließlich Floridsdorf 21 Bezirke umfaßt, zählt merkwürdigerweise nur fünf, und zwar die in den Bethäusern, 1.'Bezirk. Seitenstettengasse, 2. Bezirk, Tempelgasse, 15. Bezirk, Turnergasse, 16. Bezirk, Hubergasse. 18. Bezirk, Schapen- Hauerstraße, und 21. Bezirk, Schindlergasse, fungierenden Rabbiner zu ihren offiziellen Funktionären, während die in den übrigen Bethäusern wirkenden Rabbiner, trotzdem sie ebenfalls den Titel als Gemeinderabbiner führen und alle Funktionen eines solchen zu versehen haben, — nur Privatangestellte der Tempelvereine sind und ausschließlich von diesen honoriert werden. Die Honorare, welche die Tempelvereine an ihre Rabbiner bezahlen, sind so knapp bemessen, daß sie kaum hinreichen, um diesen Funktionären ein halbwegs anständiges Auskommen zu gewähren. Dazu kommt noch, daß für die Familien dieser Herren für den Fall einervorzeitigen Abberufung ihres Ernährers in keiner Weise vorgesorgt ist. Fragt chan sich $tun, wieso es komme, daß in den mei-' ften Wiener Bezirken, trotz deren zahlreichen jüdischen Einwohnerschaft, für die religiösen Bedürfnisse seitens der Kultusgemeinde so stiefmütterlich vorgesorgt wird, so gelangt man zu einem ganz merkwürdigen Ergebnisse. Die Wiener Kultusgemeinde hatte ursprünglich bloß zwei offizielle Bethäuser, uämlich die Tempel in der Seitenstettengasse und in der Tempelgasse, und bei diesen zwei offiziellen Bethäufern ist es dann auch bezüglich der zehn Bezirke, welche seit jeher zum Wiener Gemeinde-, gebiete gehörten, geblieben. Die anläßlich der Schaffung von Großwien neu hinzugekommenen Bezirke haben es nur dem Umstande, daß dort selbständige jüdische Kultusgemeindeu bestanden haben, zu danken, daß ihre Bethäuser von der Großwiener Kultusgemeinde als offizielle Bethäuser übernommen und daß sohin die in diesen Bethäusern fungierenden Rabbiner als Gemeindesunktionäre anerkannt worden sind. Das dringende Bedürfnis nach einer Stätte der Erbauung und Gottesverehrung, welchem die Kültusgemeinde in den übrigen Wiener Bezirken in keiner Weise Rechnung trug, führte daselbst zur Entstehung der Tempelvereine. Diese Tempelvereine erfüllen demnach Aufgaben, welche eigentlich der Kultusgemeinde obliegen. Es werden regelmäßige Gottesdienste in den Bethäusern der Tempelvereine abgehalten und die Teilnahme an diesen gottesdienstlichen Veranstaltungen ist allen jüdischen iBezirksbewohnern zugänglich ohne Rücksicht darauf, ob sie Mitglieder der Tempeloereine sind oder nicht. Selbstverständlich müssen auch Trauungen in diesen Bethäusern der Tempelvereine abgehalten werden. Dies konnte aber nach den Vorschriften des Bürgerl. Gesetzbuches nur dann geschehen, wenn die in den Tempelvereins-Bethäusern fungierenden Rabbiner als Gemeinde- Rabbiner anerkannt und der k. k. Stallhalterei als solche bekanntgegeben werden. So kam es, daß schließlich auch die irr den Bethäusern der Tempelvereine fungierenden Rabbiner den Titel als Gemeinderabbiner erhielten, aber wohlgemerkt, bloß den Titel ohne die Mittel. Wir haben infolge dieser Entwicklung in Wien zwei Kategorien von Gemeinderabbinern, welche im wesentlichen dieselben Agenden zu erfüllen haben, aber in ihren materiellen Bezügen sehr ungleich gestellt sind. Diese Ungleich-« heit will man nunmehr durch die Anstellung eines sogen. Oberrabbiners mit einem den Neid aller anderen förmlich herausfordernden ministeriellen Gehalte geradezu auf die Spitze treiben. Es drängt sich mir bei diesem Anlasse die Frage aus, welche Bedeutung ldiesem Oberrabbi nate eigentlich ^.u * kommen solle, nachdem wir doch im Judentum keinerlei Hierarchie haben. Die Würde eines Oberrabbiners mag im Judentum allenfalls durch ein überragendes Wissen, durch eine allgemein anerkannte außergewöhnliche Gelehrsamkeit oder Kanzelberedsamkeit oder überhaupt durch langjährige erfolgreiche Betätigung erworben werden, aber.

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