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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-03 · 10 (3.3.1916) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
10 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 166 Tr. Bloch's Wochenschrift 'Jh 10 Gleiches Tempo. In demselben Tempo, wie das Glück, verfolgt das Unglück: Auf einen Wolkenbruch des u n ve r d i e n t e n Glückes folgt ein Wolkenbruch verdienten Unglücks. M ö r s e r. Sollten unsere von aller Welt angestaunten und von den Feinden als entsetzliche Höllengeister gefürchteten und gemiedenen Mörserbatterien nicht an einen salomonischen Spruch nach agadistischer Deutung gemahnen? „Stampftest du auch den Narren in dem M ö r s e r unter Kleie mit der Keule, weicht nicht von ihm seine Narrheit." (Sprüche Sal. 24, 22.: „Darunter sind verstanden die Geschlechter von dem Zeitalter der Sintflut bis zu dem der Völkerzerstreuung." — Geht es bet bcv großen Weltumwälzung, welche durch die wahnsiinrigen Leidenschaften der Entente herausbeschworen wurde, anders zu? Losungswort unserer Mineure: ,,Li faut faire boune mine ä mauvais jeux!“ Führerstäbe. „Der Stab, mit dem Moses Wunder verrichtete, starmnte aus dem Paradiese. Von dort nahm ihn Adam mit. Der Stab ging dann in den Besitz von Sem und den Patriarchen über. Josef brachte ihn nach Aegypten. Als er starb, eignete sich den Stad Pharao an. Von diesem erhielt den Zauberstab Jetro, der ihn seinem Schwiegersohn Moses übergab. Der Stab wurde zum Hirten- und Führerstabe in Moses Hand." (M. P. R. El. zu IIB, M. 4, 2 bis 20.) — Die Mar schalst stöbe in den Händen unserer Heldensührer, zu denen sich der Zar von Bulgarien und der türkische Sultan kampfesfroh mit ruhmreichen Erfolgen gesellten, wieviel mag denselben von den welterlösenden Zauberkräften des-Mosesstabes innewohnen! Der Aarons stab. „Alle Fürsten gaben dem Moses je einen Stab für einen „Fürsten ihrer Stammhäuser, zwölf Stäbe, und der Stab Aarons war unter ihren Stäben. Und Moses legte die Stäbe nieder vor dem Ewigen im Stiftszelte. Und es geschah des folgenden Tages, als Moses in "das Stiftszelt kam, siehe, da war der Stab Aarons vom Hause Lewi ausgeschlagen; er hatte Knospen angesetzt und Blüten getrieben." (IV. B. M. 17, 21—23.) Und dieser Stab des Aaron wurde zu einem Friedensstabe, der das murrende, lästernde Volk besänftigte. Wo gäbe es eine herrlichere Blume auf Erden, die sich als Symbol mit der heil- und heilungsduftigsten himmlischen Wunderblume messen könnte, die sich Frieden nennt?! Erhabener und erhebender als alle Üobeshymnen aus den Frieden erklangen vor vielen Jahrhunderten einige wundersame Sprüche: „Will der Ewige seinem Volke unbezwingliche Macht verleihen, so erteilt er ihm als Segen den Frieden." (Psalm 29, 41.) - „Dem kostbarsten Juwel in seinen himmlischen Schatzkamn crn gab Gott den Namen Fried e." (Chagiga 12 b; Ukgim 3, n. a. a. O.) Theater und Kiteratur. Offener Brief an Frl. Else Feldmann, Verfasserin des auf der Wiener Volksbühne erfolgreich aufgeführten Stückes „Der Schrei, den niemand hört": „Liebes Fräulein! Anläßlich meiner gerade infolge unserer achtjährigen, freundschaftlichen Beziehungen mehr sachlichen als Liebenswürdigen Besprechung Ihres Stückes in diesem Blatte, haben Sie h'rz'iche Zeilen an mich gerichtet. Ich fühle mich verpflichtet, hier eine Schreibftüchtigkeit öffentlich zu berichtigen. Ich hatte ja hervorgehoben, daß Sie teilweise in der Pamela sich selbst geschildert haben, ich wollte aber keineswegs Ihre Kindheit mit der Trägheit dieser Gestalt identifizieren, wie Sie sie ja als abstoßend und unansehnlich geschildert haben, während ein gütiges Geschick Sie mit einer ebenso anziehenden als einnehmenden Erscheinung und Umgangsformen bedacht hat. Ich weiß nur zu gut, daß mehr wie bei anderen, bei Ihnen, „sich beharrlich ringend der Gedanke, das Element unterwerfen" konnte, wie die Wiener Kritik vielfach die Ähnlichkeit nur darin finden, daß das junge Mädchen geistig und sitt.ich über ihrer Umgebung steht und tief darunter leidet. Uebrigens sehen wir alle, welche ihr Stück in der Volksbühne gesehen, verlangend seiner Buchform entgegen, da es uns allen klar war, daß die Zensur unter den obwaltenden Verhältnissen Ihrem Stück eine Torsoform geben mußte, welche die bei einem Erstlingswerk unumgängliche Unfertigkeit der Mache noch greller heroortreten läßt. Wir alle wünschen, daß Ihr nächster Schrei schon am Weghuberpark, wenn nicht an der Burg, gehört werde. Auf gutes Wiedersehen. Ihre C. B." Ostjuden ist der Titel des soeben erscheinenden Februarheftes der Süddeutschen Monatshefte (Preis Mk. 1.50, Verlag Leipzig und München, das folgenden Inhalt hat: Die Bedeutung der Ostjuden für Deutschland von Dr. Adolf Friede mann, zurzeit in Warschau; Der alte Jude und der russische Offizier von Octave Mirbeau; Die Juden in Polen, ein geschichtlicher Ueberblick von Wladimir W. Kaplun-Kogan; Der ostjüdische Rabbiner von Lazar A b r a m s o n; Der Chassidismus von Alexander Eliasb erg; Angelus, Gedicht von IeHajo s ch; Die jüdisch-deutsche Sprache der Ostjuden von Dr. Heinrich Loewe, k. Bibliothekar in Berlin; Mein Jingele, Gedicht von Morris Rosenfeld; Vom Selbstlob (Chassidische Legende); Nationale Autonomie für die Ostjuden von Dr. med. et phil. Franz Oppenheimer, Privatdozent der Universität Berlin; Frieden von I. L. Perez; Einwanderungsbeschränkung der Ostjuden von Justizrat Dr. M. I. Bodenheime r, ehemaligem Vorsitzenden des jüdischen Nationalsonds, zurzeit in Warschau; Das neue russische Paßgesetz; Die Juden in Kurland von Silvio B r o e d r i ch (Kurmahlen); Die Juden im ukrainischen Gebiete von Dr. Eugen Lewicky, Mitglied des österreichischen Reichsrates; Die eingewanderten Juden in Amerika von Dr. S. M. Melamed in Rewyork; Die jüdische Kolonisation Palästinas von Oberleutnant Hans Rohde, zurzeit im Felde; Ostjüdische Sprichwörter; Der Zionismus unter dem Gesichtspunkt türkisch-deutscher Zukunftspolitik von Walter Lew in; Jüdische Kriegskölonie in Kopenhagen; Die wirtschaftliche Lage der Judenin Polen von Dr. Julius Hirsch, Dozent an der Handelshoch>? schule in Köln; Anekdote; Jüdische Landwirtschaft in Rußland von I. T u r o s f, Generalsekretär der Kolonisationsgesellschaft „Esra"; Rätsel; Die jiddische Schrift; Ehe, Scheidung und Totenkultus von Lazar Ab r am so n; Der Kaddisch; Die jüdische Kleinstadt und die jiddische Literatur von Dr. Raphael Seligmann; - Die Ostjuden als Künstler von Dr. Karl Schwarz, Leiter des Jüdischen Kunstarchivs in Berlin; Die heiligen Schriftzeichen von Alexander Eliasberg; Zur Psychologie der Ostjuden von Nachum Goldmann; Reb Jajnkew-Mejer von Alexander Eliasberg; Die litauischen Juden, von einem ehemaligen russischen Universitätslehrer; Die politische Gruppierung der Ostjuden; Aus dem Kriegstagebuch eines polnischen Juden; Ein Zwiegespräch, Erzählung von I. L. Perez; Zur Statistik der Juden in Polen; Jüdische Organisationen in Deutschland von Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, 2. Vorsitzenden des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. — Die allgemeine Rundschau des Heftes hat folgenden Inhalt: jPfikne? bon Josef H o f m i l l e r; Die deutsche Gesellschaft 1914 von Fr. W. von Bissing; die deutsche Mentalität; Wichtige Neuerscheinungen. „Jüdisches Archiv." Mittei.ungen des Komitees „Jüdi-ches Kriegsarchiv". Lieferung 4 — 5. Januar 1916. Preis 1 Krone. Verlag R. L ö w i t, Wien. Die Lieferung 4 und 5 des „Jüdischen Archivs" hat die Freunde dieser Publikation vielleicht etwas zu lange auf sich warten lassen. Dafür entschädigt das neue Heft durch„ feinen reichlichen und bemerkenswerten Inhalt. Die Listen der Gefallenen und Ausgezeichneten sind wieder mit der gewohnten Uebersichtlichkeit bearbeitet und finden wir in einigen Beispielen von Heldentalgeschichten eine willkommene Ergänzung. Was diesmal von den russischen Kriegsgreueltaten an den eigenen und an den Juden der Jnvasionsgebiete berichtet wird, bietet leider noch eine Steigerung dessen, was schon in den früheren Heften erwähnt war. Die reproduzierten Originalaufnahmen zerstörter jüdischer Städtchen in Russisch-Polen — zurückgekehrte Flüchtlinge vor den kümmerlichen Ruinen ihrer Häuser — lassen uns das Elend ahnen, das der Krieg über diese armen Meistbetroffenen gebracht hat. Als das wichtigste und eigenartigste Stück des Heftes stellt sich aber wohl die Veröffentlichung von Originalberichten dar, die uns, „die galizischen Juden als Befreier österreichisch-ungarischer und deutscher Soldaten aus russischer Gefangenschaft" zeigt. Was man da erfährt, gewinnt wohl durch die außerordentlichen Umstände, unter

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