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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-03 · 10 (3.3.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
10 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 £v. Blvch'S Wochenschrift Seite 161 Russen. <30 mancher Jüngling und Alte hielten sich hier verborgen, um den Häschern zu entgehen. Es war aber auch ein seelisches Erholungsheim für jedermann, der während der Schreckenszeit der Russen hier Mut und Trost bei den allabendlichen Zusammenkünften schöpfte. Hier durste ein freies Wort gesprochen, über die Kriegsereignisse ruhig disputiert werden. Und so ward das jüd. Waisenhaus in „jener Zeit" eine Zufluchtsstätte für Groß und Klein. Darin waltete mit weiser Fürsorge der Lehrer und Mentor der Zöglinge, in hingebungsvoller, aufopfernderHArt, Herr Ochser, der, das . Angebot der Verwaltung, die Stadt mit allen Flüchtlingen verlassen zu dürfen, ablehnte und neben den Kindern bei Sturm aushielt, gleich dem tapferen, wackeren Steuermanne, welcher in höchster Gefahr kaltblütig das Steuer leitet, im Bewußtsein, daß das Leben der Insassen davon abhängt. Die Verwaltung und noch mehr die Zöglinge , werden es diesem Manne nie vergessen, wie er die Anstalt in der schwersten Krise, die sie seit ihrem Gestehen durchzumachen hatte, glücklich geleitet, wie er die armen, verlassenen Kindlein vor dem Untergänge gerettet hat. _ Nunmehr werden dank der versprochenen, reichlichen Subvention seitens der „Allianz" 40 Zöglinge erhalten, was umsomehr anzurechnen ist, als der größte ,Teil der Einnahmequellen für die Anstalt momentan versiegt sind. Vielleicht genügen diese Zeilen, um die sonstigen Freunde, Gönner und Förderer des Institutes jetzt mehr als sonst, auf dasselbe aufmerksam zu machen und deren Hilfsbereitschaft für dasselbe zu erbitten. Es gilt, 40 Kinder zu nützlichen Bürgern zu erziehen, 40 jüdische Kinder vor dem Untergange zu bewahren! _ —ff. Hnagsch Comite voor Joodschc Vluchtelingen. Deit Haag, 17. Februar 1916. 100 Willem de Zmijgerlaan. Sehr geehrte Redaktion! Der Strom der jüdischen Flüchtlinge nach Holland tvird so überaus groß, daß die holländischen Komitees die Hilfe nicht mehr überwältigen können. Wir bitten Sie daher höflichst, in einer Ihrer nächsten Nununertt - da die Reise in vielen Fällen zwecklos ist — einen Bericht auszunehmen, daß davon abgeraten wird, nach Holland zu fahren, ' um dort Arbeit zu suchen, da hier keine Arbeitsmöglichkeiten vorliegen und die Flüchtlingskomitees, lvenn der Strom der Flüchtlinge zu groß wird, nicht länger imstande sein würden, Hilfe zu leisten. Mit unserem Dank, hochachtungsvoll Im Namen der holländischen Komitees: D as H a ager Ko mitee für d ie jüd. Fl üch t l iuge Dr. D. C o h e n, Schriftführer. Graz. Unser hochgeehrter Herr Landesrabbiner Univ.-Dozent Dr. David Herzog hat von der Kammervorstehung Seiner k. u. k. Hoheit des Erzherzogs Eugen folgendes Schreiben zugemittelt erhalten: „Euer Hochwohlgeboren! Seine k. u. k. Hoheit, der hochwürdigst, durchlauchtigste Herr,Generaloberst Erzherzog Eugen haben die von glühender Vaterlandsliebe durchdrungenen K^iegspredigten mit wärmstem Dank entgegengenomrnen und die Einreihung des Buches in die Höchste Privat- Bibliothek verfügt." Eröffnung der Kownoer Talmudschule auf Anordnung der deutschen Behörden. Aus K o w n o wird uns berichtet: In dem kleinen Hause in der Gläsestraße zu Wiliampol- Kowno wurde in den letzten Tagen eine Feier abgehalten, die für die Juden der besetzten Gebiete von großer Bedeutung ist und bekundet, wie sehr die deutschen Behörden bemüht sind, die .Juden Rußlands von dem Druck zu befreien, der bisher auf ihnen lastete. In Wiliampol bei Kowno bestand seit Jahrzehnten eine berühmte Talmudschule, die aber infolge der Vertreibung der Juden aus Kowno geschlossen werden mußte. Der Initiative eines deutschen Abschnittkommandanten, des Majors v. St., ist es zu danken, daß diese Schule ihrer früheren Bestimmung wieder übergeben werden konnte. Zu der Feier hatte sich eine stattliche Anzahl von geladenen Gästen eingesunden, unter ihnen mehrere höhere militärische Persönlichkeiten. Den Abschnitt 4, in welchem die Stadtgemeindc Wiliampol gelegen ist, vertrat der Ortskommandant, Major v. St., mit einem Gefolge von Offizieren. Die Stadt Kowno batte ihren deutschen Oberbürgermeister Dr. P. und den Bürgermeister Dr.^H. entsandt. Von den im Abschnitt 10 stehenden Truppenteilen waren die Herren Oberst St., Hauptmann Sch., Hauptmann H. erschienen. Die miütärische Geistlichkeit wurde durch den Feldrabliner Dr. R. vertreten. Nachdem der Rabbiner I. (Wiliampol) den Psalm 11 gebetet batte, ergriff Herr Major v. St. das Wort zu folgender Ansprache, die tiefen Eindruck machte: „Am 18. September wurden die Russen über Memel und Wilia geworfen und Kowno genommen. Seitdem hat die inilitäri'che Verwaltung sich bemüht, der Bevölkerung über die Schrecken des Krieges b i n w e g z u b e l f e n, sie zu b <; j I i r m e n und zu beschützen, Handel und Verlebe zu heben und r.i : zuletzt der Bevölkerung die heiß erstrebte Bild u n g l■ den notwendigen Grenzen zuteil werden zu lassen. Es nuij o.7. eine Schicksalstücke angesehen werden, daß der Zar dieses Landes de: Bevölkerung die notwendige Bildung versagte, und daß der Ereb:rer dieser die notwendige Bildung zukommen läßt. So war c , in Warschau bei der polnischen Universität, so ist es auch hier b:i dieser Schule. Sehen Sie ein besonderes .Vertrauen darin, daß Ihnen die deutsche Regierung erlaubt, ungehindert die berühmte und jahrelang benutzte Schute wieder in Gang zu bringen. Wie ganz anders war es in Rußland, wo noch im Spätherbst des Jahres 1915 der Minister Sasonow, anstatt alle Kräfte des Volkes zusammenzufafsen, Ihren Glaubensgenossen nur versprechen konnte, daß sie sich in größeren Städten würden ansiedeln dürfen und andere Freiheiten erst nach dem Kriege gewährt werden könnten. Ich übergebe Ihnen, verehrter Herr Rabbiner, hiemit das Gebäude, nachdem es für militärische Zwecke nicht mehr notwendig ist, damit' Sie es der alten Bestimmung wieder zuführen. Bilden Sie die jungen Schüler aus, daß sie starke Kämpfer ihres Glaubens werden, treue Diener des Staates, die das Vaterland über alles schätzen und die zur Verteidigung des Vaterlandes die Waffen ergreifen und freudig ihr Leben einsetzen, endlich zu Bürgern, die in Ausübung der Bürgertugenden allen ooranstehen. Hieran knüpfe ich nochmals an, weil seitens jenes russischen Ministers Sasonows es als .eine Kunst der Regierung anzusehen ist, Zwietracht zwischen Polen und Juden zu säen. Die hohen Ziele sollen zur besonderen Duldung und Demut gegen die Mitmenschen führen. Ich übergebe Ihnen die Schule, möge sie blühen und gedeihen in fernster Zeit." Nachdem Rabbiner I. (Wiliamvoll Worte der Begrüßung und des Dankes an die Gäste gesprochen hatte, ergriff Feldrabbiner Dr. R., der sich um die Neuorganisation der Anstalt auf mannigfache Weise verdient gemacht hatte, das Wort zu einer F e st r e de. „Wenn jetzt," sagte oe.' Redner unter anderem, „unter deutschem Schutz das Talmudstudium an heiliger Lehrstätte wieder aufblüht, so wird gewiß von dem alle Zweige der Wissenschaft umfassenden deutschen G e i st belebend auf diese Stätte ein Hauch fallen, daß sie auf breitester Grundlage in wissenschaftlicher Vertiefung und doch in demütiger Ehrfurcht vor den Wissensschätzen der Ueberlieferung schaffend, unserem ewigen Gott und seiner heiligen Lehre zu Ruhm und Ehre gereichen." Danach führte der deutsche Oberbürgermeister Dr. P. von Kowno aus: Es fei für ihn eine freudige Ilebevraschung gewesen, als er von der Wiedereröffnung der Talmudschule vernommen, und darauf sei er nur allzugern zu diesem feierlichen Akt erschienen. Der gegenwärtige festliche Vorgang sei ein weiterer Beweis dafür, daß die Deutschen keinen Krieg der Zerstörung wie die Russen führen, sondern bemüht sind, entstandene Schäden, besonders kultureller Art, soweit wie möglich zu beheben. Besonderen Dan? schulde das Judentum dem Abschnittskommandanten Major v. St., der sich um die Wiedereröffnung dieser Talmudschule hohe Verdienste erworben habe. Rabbiner K. (Kowno) sprach in bewegten Worten dem Feldrabbiner Dr. R. den Dank der jüdischen Bevölkerung aus. In seinem Schlußwort dankte Feldrabbiner Dr. R. nochmals den Vertretern der Regierung für die wohlwollende Gesinnung und bat, die Anstalt auch weiterhin in ihren Schutz zu nehmen. „Das erhabene Haupt unserer Regierung, Seine Majestät der deutsche Kaiser, wird seinen starken Arm über jie breiten." Damit forderte er die Versammlung auf, im Gebet vor Gott des Kaisers zu gedenken. > Brief aus England. jüdische, Wochenschrift „Aewifh World" erhielt von Harry I. M o n t e f i v r e, einem Verwandten des Lir Francis Mvmeftore. das folgende Schreiben: „Da ich einer der besessenen Fanatiker bin, der Mitglied der antideutschen Liga ist und deren Zwecken und Zielen durchaus chmpalhisch gegenübersteht, schreibe ich. um zu versuchen, den Abicheu zu schildern, den ich über die Haltung Ihres Blattes empfinde. Erst heute las ich eine Rümmer Ihrer Zeitung und sage Ihnen, daß Sie hoffnungslos außerhalb jeder Berührung mit in England geborenen Juden stehen, wenn Sie den Glauben über den britischen Patriotismus setzen. Sir Francis Montefiore war durchaus korrekt,

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