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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-03-03 · 10 (3.3.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
10 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 160 Tr. Vloch's Wochenschrift Ni. 10 dcachbarhäusern zurückzuholen, und bei der Rücknahme der Lachen wirkte auf Befehl eines Hauptmannes auch Militär mit. Nach kurzem Aufenthalt der österreichischen Truppen rückten wieder die Russen ein und das frühere Spiel ging von neuem an. Im Sommer 1915 kamen wieder die Unsrigen und nun Huben die gegenseitigen Anklagen an. Die einen beklagten sich, daß die Nachbarn ihr Gut zusammen mit den Russen geraubt hätten, andere wieder waren der Ansicht, daß die Rück-, nähme der gestohlenen Lachen mit Hilfe unserer Truppen und die militärischen Requisitionen auch „Raub" seien. Einen teilweisen Epilog fand diese Angelegenheit einstweilen im hiesigen Kreisgericht. Auf der Anklagebank faßen Markus Eis, Salomon Rubinseld, Joses Rubi n f e l d, Benjamin Schneider und Chaim Berl Löwenbcck. Sie waren angeklagt, durch die Rücknahme der ihnen gestohlenen Sachen und durch Intervention bei der Requisition das Verbrechen der Erpressung und des Diebstahls begangen zu haben. Nach dreistündiger Beratung erkannte der Senat die Angeklagten der ihnen zur Last gelegten Verbrechen schuldig. In der Begründung wurde gesagt, daß auf Grund der Aussagen der (Geschädigten angenommen werden müsse, daß die zurückgenommenen Sachen bereits deren Eigentum war, weil sie die Sachen von den Russen zum Geschenk erhalten hatten. Markus Eis wurde Zu zehn Monaten Kerker, Salomon und Josef Rubinfeld zu sechs Monaten Kerker, Schneider und Löwenbeck zu vier Monaten Kerker verurteilt. Nur was den Anteil an den Requisitionen anbelangt, sprach das Gericht die Angeklagten frei, indem es betonte, daß cs sich um eine im~- litärischc Aktion handle, die nicht in die Kompetenz des Gerichtshofes falle. Aufruf. Lektüre ssür Kriegsgefangene in Rußland. Eine lange Zeit schon haben unsere Offiziere und Soldaten, die in weiter «Ferne, tief drinnen im europäischen und asiatischen Rußland als Kriegsgefangene weilen, kein deutsches Buch mehr zu Gesicht bekommen. Besonders schmerzlich empfinden dies unsere Hochschüler, nicht minder aber alle anderen gebildeteren Gefangenen. Das Fürsorgekomitee für Kriegsgefangene in Wien hat sich darum mit dem Petersburger Fürsorgekomitee in Verbindung gesetzt und ein gegenseitiges llebereinkommen getroffen, demzufolge nun Bücher nach Rußland für dir Kriegsgefangenen gesendet werden können. Auf ,Grund dieser Vereinbarung haben es sich die Unterzeichneten zur Ausgabe gemacht, kleicke, dem Zwecke entsprechende Lagerbibliotheken zusammcnzustellen und durch das Fürsorgekomitee für Kriegsgefangene in Petersburg in beschleunigter Weise den einzelnen Gefangenenlagern zum Tavschoerkehre zur Verfügung zu stellen. Es ergeht daher an Alle die dringende Bitte, wissenschaftliche Kompendien (Repetitorien) für 'alle Disziplinen unserer Hochschulen, Nachschlagewerke, Tabellen, Gesetzesausgaben, russische, französische und englische Wörterbücher und ähnliches an die unten angegebene Sammelstelle zu senden. Gleichzeitig werden auch gediegene Unterhaltungsliteratur, besonders Klassiker, sowie Andachts¬ und Erbauungsbücher erbeten. Ausgeschlossen sind: 1. Alle Bücher, die nach 1913 erschienen sind. 2. Zeitschriften. 3. Humoristisches. 4. Kriegsliteratur. 5. Bücher, die irgendwie die Geschichte Rußlands oder der kriegführenden Machte behandeln. Es wird ganz besonders darauf aufmerksam gemacht, daß laut der amtlichen Vorschriften alle diese Druckwerke keine Notizen fund Vermerke enthalten dürfen, da andernfalls die ganze Bibliothek konfisziert werden könnte. Bücher an bestimmte Kriegsgefangene können nicht übernommen werden. Man bittet, so bald als möglich, Spenden an Herrn k. k. Konzipisten der Wiener Technischen Hochschule Wilhelm Jähnl, Wien, 4. Bez., Karlsplatz 13, gelangen zu lassen. Die ersten Sendungen sollen schon demnächst nach den Bestimmungsorten in Ruhland abgehen. Markus Freiherr von Spiegelfeld m. p. Rudolf Freiherr von Slatin m. p. für das Fürsorgekomitee vom Roten Kreuze für Kriegsgefangene. Graf Franz Thurn-Valsassina m. p. für den Patriotischen. Hilfsverein vom Roten Kreuze für Niederösterreich. Frau Eugenie Benisch-Darlang m. p. Dr. Franz Strunz 'm. p., Professor der Wiener Technischen Hochschule Delegierte des Patriotischen Hilfsoereines vom Roten Kreuze für Niederösterreich. Wilhelm Jähni m. p., Konzipist der Wiener Techn. Hochschule. Brody. Anläßlich der Anwesenheit Seiner k. u. k. Hoheit des Erzherzog-Thronfolgers .Karl Franz Josef in Brody wurde, nebst dem derzeitigen Regierungskonimissär und dem Geistlichen, auch der derzeitige Leiter der israel. Kultusgemeinde Herr Natan Gelber zur Vorstellung befohlen. Von Sr. k. u. k. Hoheit dem Diner zugezogen, erfuhr Herr Gelber und in diesem die isr. Kultusgemeinde die besondere Ehre, als der einzige unter den zivilen Teilnehmern vom Thronfolgerlängere Zeit angesprochen zu werden, wobei der Thronfolger sich eingehendst über die Verhältnisse in der jüdischen Gemeinde und über die überstandene Russeninvasion berichten ließ. Der Saal, in welchem das Diner stattgefunden,. war mit Decken und anderen Zierraten aus der alten Synagoge geschmückt. Der hohe Gast bekundete großes Interesse für die Tempel-j gegenstände, ließ sich von HerrnG e lb e r über deren rituelle Verwendung aufklären und besonders eine Jahrhunderte alte Thorakrone war es, welche die Bewunderung des hohen Herrn hervorgerufen hatte. Herr G elb er erklärte namens der jüdischen Gemeinde, daß dieselbe es sich zu einer besonderen Auszeichnung anrechnen werde, wenn Se. k. u. k. Hoheit geruhen würde, diese Thorakrone zur Erinnerung an die Wiederbefreiung Brodys änzunehmen. Die Kultusgemeinde wandte sich hieraus deswegen an die Kammervorstehung Sr. k. u. k. Hoheit und hat folgende Zuschrift erhalten: Ex'h. Nr. 6. Schönbrunn, am 24. Jan. 1916. An die verehrliche Repräsentanz der israel. Kultusgemeinde in Brody. Bezugnehmend auf dortämtliches Schreiben vom 26. November 1915, beehrt sich die Gefertigte im hoch? sten Aufträge höflichst mitzuteilen, daß Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Karl Franz Josef voll Oesterreich-Bste mit Vergnügen den Bericht zur Kenntnis zu nehmen geruhten. In Würdigung des loyalen Entschlusses der israel. Kultusgemeinde wurde das Einvernehmen mit den kompetenten Stellen gepflogen, wonach höflichst ersucht wird, die gewählte Thorakrone an die Direktion der Waffen-k sanrmlung des k. k. kunsthistorischen Hosmuseums in Wien, I., senden zu lassen. Kammervorstehung Seiner k. u. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Karl Franz Josef von Oesterreich-Este. Brody. Unter allen Wohltätigkeitsinstituten in unserer Stadt, bietet das jüd. Waisenhaus den erfreuendsten und erhebendsten Anblick. Hier sieht man so greifbar den Segen fürsorglicher Erziehung und die ausgestreute Saat keimt hier, zur besonderen Genugtuung des Besuchers in auffallender Weise. Dieses Institut war es auch, welches während der Russeninvasion von denselben ganz verschont geblieben ist, ja vielleicht das einzige Hstus 'in der Stadt, welches keines Moskowiters Fuß betreten hatte. So boten denn diese heiligen Hallen vielen Brodyer Bürgern Schutz während der schweren Zeit der „Schanzengräbersuche" seitens der

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