Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 9 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 9 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 151 satz der russischen Volksvertretung lautet: „Denket, was ihr wollt, redet, was ihr sollt." Es gibt übrigens auch anderswo solche — vide Alliierten —, über welchen für einzelne zu schweben scheint: Duma! Da reden aber manche, wo sie besser geschwiegen hätten, und schweigen, wo sie reden sollten. Vielleicht erinnern sie sich dabei an die ironische Warnung: 81 tneuwses ete. Solche Abgeordnete dieser Art mochten von dem Spötter gemeint sein, wenn er sie mit dem Ehrentitel: „Landtagediebe", „Reichs-- tagediebe" bedenkt. Der ärgste unter den Dieben ist der Tagedieb, er stiehlt das Kostbarste: Geld und Gut kann man ersetzen, die gestohlene Zeit aber nimmer. Es gibt ja;hie und da Vertreter, die cin signum fraudis am Strick um den Hals verdienen. Um die eigene Kraft bis zur möglichsten Ausnützung verwenden zu können für sich und für das Allgemein nützliche, muß man sie erkannt haben und sie zu werten verstehen, das hat uns der große Krieg gelehrt, so eindringlich, wie keine Reihe katastrophaler Ereignisse, selbst den letzten unter uns mit unwiderstehlicher Ueberzeugungsgewalt. Man denke allem zuvor an das Eine: Für jeden Mann, der auf dem Felde der Ehre heldenhaft gefallen, oder an Leib und Leistungsvermögen schwer geschädigt zurückkehrt, gilt ein rüstig heimkehrender Sieger als Ersatz sogar für drei oder noch mehr. Jeder mag sich dies nach beliebiger Richtung seiner Werte und Vorteile schaffender Lebenstätigkeit weiter ausmalen. Ende Dezember 1915. Leithammel. Ein Schafstall brennt lichterloh. Die Schafe wollen aus dem Stalle nicht heraus, solange der Leithammel drinnen bleibt. Er muß gewaltsam aus dem brennenden Stalle gezogen werden, um auch die Schafe zu retten. . . . Bei den Völkerleithammeln ist es nur ein wenig anders. Herdeninstinkt läßt die Schäslein blöd und willenlos in den Flammen bleiben. Ihre Leithammel hingegen haben nicht diese Schöpsnatur. Sie nehmen Reißaus und lassen ihre Herden im entsetzlichsten Feuer zurück. So machen es Peter, Nikita und Konsorten bei den Alliierten, und die es noch nicht getan haben, holen es bald nach. S chw ind el. Tritt man jählings aus einem erleuchteten Raum in einen nachdunkelnden, glaubt man in einen ganz finsteren Raum zu treten.' Im entgegengesetzten Falle hat man den Eindruck, in greller Beleuchtung zu sein. Neurastheniker werden bei einem solchen plötzlichen Wechslet von heftigem Schwindel ergriffen. — Soll man sich wundern, daß der rasche Umschwung von Glück und Mißgeschick eine ähnliche Wirkung, besonders auf innerlich nicht gefestigte Naturen übt? Ein beschleunigter Wechsel von düstern und glänzenden Verhältnissen, oder umgekehrt, erzeugt im Emporkömmling leicht den Schwindel des Größenwahnes, in dem vom Unglück heimgesuchten Günstling des Glückes Verzweiflung. Wer da wüßte, was die große allgewaltige Konflagration, die das Innerste der in Mitleidenschaft gezogenen Weltenwesen umwandelt, jäh wie noch nie, aus unbekanntem Dunkel tzur lichten Höhe weiten Ausblickes emporwirbelt und wie im Handumwenden alles Denken beherrschende Gipfelmenschen in das Düster der Vergessenheit versenkt — wer da wüßte, was die große Kriegszeit, wenn sie zu Ende geht, vorfinden wird, ob gestählte oder zermürbte Charaktere, welche Gunst und Ungunst des Geschickes aufrecht ertragen oder daran zugrunde gehen. Kriegswohltätigkeit. „Wohltun ist das Salz des Reichtums", so lautet ein alter Spruch aus dem Morgenlande. Das Salz ist die Würze einer Speise und bewahrt sie auch vor dem Verderben. Ist es mit dem Reichtum anders bestellt? Gibt es eine schmackhaftere Würze für den Reichtum als die Lust am Wohltun, als die Freude am Erfreuen, als das Glück am Beglücken? Aber ebenso ivahr magi es sein, daß die Mildtätigkeit den Wert des Reichtums als unversiegbaren Born des gesegneten Wohltuns erhöht und ihn daher sorgsamer behüten läßt. Wohltätigkeit kann in dieser übergroßen, alles umwälzenden Zeit nicht als das rechte Wort am rechten Ort angesehen werden gegenüber unseren Helden inr Felde, im Hinblicke auf deren Angehörige, die daheim um ihre Teuren leidvoll hangen und bangen, in der bereitwilligsten Fürsorge für unsere bewunderungswürdigen Kämpfer und für die trauernd Hinterbliebenen der ruhmvoll Gefallenen, sowie in der hilfreichen Vorsorge für die heimkehrenden Sieger, ob sie nun heil, ob sie verwundet oder dauernd geschädigt an Leib, Sinnen und Seele wiederkommen. Das Wort Wohltätigkeit kann und soll und muß abgelöft werden durch immense Danke ss ch u l d gegen die an kühnem Todesmut alle über ragenden Streiter, welche unser Vaterland vor dem Einbruch und vor der Verrvüstrmg entmenschter Kannibalen geschützt und errettet. Für das Wort Wohltätigkeit sollen eintreten: heiliges Pflichtgefühl, uneingeschränkte Hoch' und Wertschätzung, ,.Freude am Wohlrun"! iForls.'-'u::g smgr.i WrraLur. Tie Entstehungsursache der jüdischen Dialekte, von Mathias Mieses. Wien 1915. R. Löwit - Verlag. Die Wissenschaft des Judentums hat eine namhafte Bereicherung erfahren. Mathias M i e f e s, dessen Aufsätze und Abhandlungen in hrbräischen und jüdischen Zeitschriften stets großes Aufsehen erregten, indem sie einerseits lebhafte Zustimmung, andererseits heftigen Widerspruch auszulösen pflegten, bangt nunmehr der jüdischen OesfeiMichteit reife Früchte seines iiuposanten Wissens und bewunderungswürdigen Sammelfleißes. Inhalt und Form, Wesen und Sprache der nunmehr in Buchform vorliegenden Abhandlung über „DL Enkstehungsursache de: jüdischeu Dialekte" sind interessant und anregend und dokumentieren einen reichen, sprudelnden Geist. Mieses verweist nicht auf künftige Arbeiten und bricht nicht unter Hinweis auf spätere Publikationen ein Thema ab: aber jeder aufmerksame Leser wird gewahr, das; uns der Verfasser noch Vieles zu sagen hat, und die große Fülle seines Wissens ökonomisch zu meistern versteht. In überaus scharfsinniger Weise setzt sich M i e s e s in den ersten Kapiteln seines Buches mit den bisherigen Erklärungsversuchen der Entstehungsgeschichte der jüdischen Dialekte auseinander und erbringt den induktiven, einleuchtenden Beweis, das; „konfessionelle Verschiedenheit, selbst bei nach Herkunft, Sprache und Territorium einheitlichen Völkern, immer sprachliche Tisferenziezierung als Resultat gehcbt hat". Eine Fülle von historischen Beweisen und Argumenten ve.- leiht Farbe und Glanz diesen rein theoretischen Gedankengänge:!. Im vierten Kapitel, welches „Dis jüdischen „Jargons" als konfessionelle Dialekte" überschrieben ist. wird der gewonnene Lehrsatz auf die jüdische Kulturgeschichte angewendet und in einer durchaus originellen Weise eine dem Wesen der jüdischen Geschichte adäquate kulturhistorische, mit linguistischen Digressionen unterspickte Schilderung geboten. Die Ausführungen des Verfassers gipfeln in dem Satze, daß „Ursachen konfessioneller Natur die durchgängige Sprachheterogenität der Juden erzeugt haben". Die zwei letzten Kapitel über „Konfessionelle Dialekte und nationales Bewußtsein" und „Die Emanzipation der jüdischen Jargons" bringen viel politisch interessantes Material, welches besonders jetzt in Anbetracht der brennenden Schuifragen in den okkupierten polnischen Gebieten den Vorzug der Aktualität genießt. Dr. A. F. Wien, im Februar 1916. „Iung-Iuda." Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. 17. Jahrgang. Nr. 4. Prag, den 18. Februar 1916 (11. Adar 5676). Redaktion und Administration: Prag, ll.. Stefansgasse 629. Inhalt: Albanien. Ben Je hm da: Zum Wochenabschnitt. Josef Hart: Die wilden Sieben. Ida Bock: Ein Puriniabend. Ma.r Nord au: Der zahme Löwe. Jaffa (Illustr.). Postamt von Valona fIllustr.). I. Fried, Budweis: Legende vom Propheten Elijahu. Guck in die Welt. Ueberfetzungsaufgabs. Rätsetauflösungen. Rätsel.