Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 9 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 9 Tr. Bloch s Wochenschrift Seite 143 tung soll diese Flüchtlings-Lesehalle und diese Bibliothek iverdcn. Borträge gemeinnützigen Inhaltes aus verschiedenen Wissenszweigen sind geplant, und um auch jenen erwachsenen Unglücklichen, denen die Beschränktheit der Umgebung oder die Ungunst der örtlichen Verhältnisse jede Möglichkeit eines Genusses unvergänglicher Geistesschätze durch den Mangel der Kermtnis der Schrift- und Lesezeichen entzogen ist, Eingang in den Tempel des Wissens zu verschaffen, wird der auf dem Gebiete der Flüchrlingsfürsorge 'seit .Beginn der Aktion ^ununterbrochen tätige Ar menrat S. Le mb er ge r einen Kurs für A n a l p h a b e r e i; einrichten und leiten. Und nun rufe ich mit den Worten der Hagada allen, die wissensdurstig sind, Zu: „Der Tisch ist gedeckt! Jeder, der hungrig ist, komme und esse!" — Tie Tür ist offen, du findest hier köstliche Speisen, rein und Meister-; lich zubereitet, jedem Geschmacke entsprechend, und wärst du auch noch so arm. Du gehst bereichert fort aus diesen: Hause. Freunde findest du hier, so treu und zuverlässig wie nirgends im Leben. Sie sind von einer beispiellosen Uneigennützigkeit, sie spenden dir die innersten Geheimnisse ihres reichen Wissensschatzes und fordern von dir nichts als ein bischen Aufmerksamkeit. Sie sind nicht zudringlich und haben eine durch keinerlei Grobheit aus dem Gleichgewichte zu bringende Engelsgeduld. Sie sind die Bescheidenheit selbst trotz ihrer Weltberühmtheit und ihres allgemein anerkannten unvergänglichen Wertes, und bist du müde, so verabschiedest du sie ohne jede konoeutio-' uelle Ausrede, und sie kehren still und-wortlos iu ihre Regale zurück: die Bücher! Tu aber, lieber Leser, wirst wiederkommen, um ihre geistreiche und so unendlich belehrende Unterhaltung immer wieder zu genießen. Tr. A. L. Rabbiner Tr. Adolf Frankl-Grün. Geboren: Rausch-Chaudesch Schewat 5607 (1847). Gestorben in Wien, 12. Adar 5676 (1916). Unter den Männern von arterkaniiter Tüch'.igkeit, die mit gediegenen: Wissen edlen Charakter verbanden, nimmr Rabbiner Tr. F r a n k l - G r ü u eine sehr würdige Stelle ein. Mannigfach mit Kenntnissen ausgerüstet und in der jüdischen Wissenschaft besonders heimisch und bewandert, durchschritt dieser Seelsorger ehrenvoll die Rabbinerlaufbahn. Geboren zu U n g. - B r o d (Mähren), hatte Frankl- Grün in feinem Geburtsorte reichlich Gelegenheit, Talmudwissen sich zu erlverben, vor allem bei feinen Lehrern Rabbiner Herrmau R o t h, Samson Zuckerm an d e l, D. B ramm er, welche auch Lehrer des großen Kanzel redners Dr. Adolf Jellinek waren: ferner war Tr. F r a n k l - G r ü n ein Schüler des großen 'Gelehrten Moses W.annefried in Proßnitz. Ausgerüstet mit vorzüglichen Talmudkenutuissen, begab sich dieser strebsame Mann nach B r e s l a u, um die Vorträge am Rabbinerseminar, begründet von Zacharias Franke l, zu hören. Zu den hervorragendsten Hörer:: gezählt, wurde derselbe auch daselbst zum Rabbiner promoviert. Einen besonderen, überaus beharrlicher: Fleiß entwickelte Dr. Frankl-Grün, dessen Feder zu der: bester: in der jüdischen Historik gehörte, auf schriftstellerischem Gebiete. Die Schreibweise Dr. Frankl's ist gefällig und anziehend, selbst der: Laien verständlich, daß er auch für diese schrieb, war Gemeinnützigkeit. Dr. F r a n k l - G r ü n war Rabbiner zu K r e m s i e r von 1877—1911, somit 34 Jahre: ferner Rabbiner- Substitut zu H o l l e s ch a u von 1890—1893; zu K o - j e t e i n von 1892—1894. Die gerngelesenen Werke des Verewigten sind: „Ge» schichte der Juden in Kremsier u. den Nachbargemeinden", 3 Bände (1896—1901); „Geschichte der Juden in Ung.- Brod" (1905); „Jüdische Zeitgeschichte und Zeitgenossen mit liter. Beitrag von Professor Tr. S. Krauß (1913); Gesammelte Reden: „Kleiner Weinberg" (Exhorten);„Tie vier ausgezeichneten Sabbate" (1887 ‘; „Zahlen und Zielen" (1887); „Ter Weg zu Gott" '1911) : „Des Kaisers Jubel--und Trauertage". Andere Werke sind: „Tie Va riauten in den biblische nParailelen" (1899): „Leben Juda Halevis" (1885): „Psalmen und Kommenrar" (191.-1: „Das Kriegsrecht der Juden". Fragment (1915h Anläßlich des 60. Oieburrstagssestes (1907) wurde eine Gesamtausgabe der Werke Dr. F r an kl--G r ün's von seinen Kindern herausgegeben. Nach Tausenden zählen dessen Schüler aus der Rabbinatszeit Dr. Frankl-Gr ün's in treu: sier, in. den Nachbargemeinden Holleschau, Leipnik, Prerau, Ostra, Bisenz, Hradifch und Kojerein, welch? alte diesem Manne ei:: würdiges Gedenken bewahren. Der Heimgegangene war mit der überaus klugen, trefflichen Tochter Dr. Freund's in Gleiwitz 38 Jahre verheiratet. Er 'hinterläßt zwei Söhne, Herrn Dr. Siegfried Frankl, derzeit im Heere, Herrn Tr. Oskar Frankl. Professor in Prag, und eine Tochter, Else, Gattin des Herrn Dr. Otto Müller, Abteilungschef im Gremium der Wiener Kaufmannschaft. Tiefergreifend waren die Abschiedsrede des Ober rabbiners Ehrw. Tr. G ü d e m a n n in: Zeremoniensaale und die Grabrede Sr. Ehrw. Dr. Feuchtwangs. Tie Jsraelitengemeinde Kremsier sandte eine Deputation aus dem Vorstände zu diesem würdigen Leichenbegängnisse Dr. F r a n kl - G r ü n's. Salier Z.-idik librodiu. Albert L ö w. Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. Sonntag, den 13. d. M., hat die diesjährige General Versammlung unter ungewöhnlich zahlreicher Beteiligung stattgesunden und wurde vom Vorsitzenden, Herrn Siegfried Liebers, mit einer Betrachtung über die seit' herigen Kriegsereignisse und Wünschen für den baldigen Frieden eröffnet, sodann gedachte derselbe in solenner Weise des 25 jährigen Jubiläums der Seküon für Krankenpflege, deren ersprießlicher und erfolggekrönter Wirksamkeit und deren opferwilliger Beteiligung an der der zeitigen Verwundereupflege. Hieraus erstattete Geschäftsleiter Tr. Weltfch einen umfangreichen Geschäftsbericht über die Ergebnisse des Vereinsjahres, die Vorkommnisse in der Handwerker- und Studierendenabteilung und ent rollte ein Bild der umfassenden Vereinsleistungen auf mannigfachen Gebieten der jüdisch-sozialen Fürsorge: ins besondere die intensive Teilnahme au den galizischer: Hilfsaktionen wie auch die g e g e r: rv ä r ti g eiugeleitetc .Aktion z u r Lind e r u n g d e r s ch teeren H u i: gersnot i n P a l ä st i n a wurde eingehend besprochen und des weiteren manche Frage gestreift, die der: Verein nach Eintritt wieder geordneter Zustände beschäftigen dürfte. Das Referat für die Krankenpflege-Sektion wurde von deren Vizepräsidentin Frau Dr. H a m in e r s ch l a.g in lichtvoller Weise erstattet und war denselben die intensive Arbeitsleistung und gedeihliche Entwicklung sowie die Vorsorge der Sektion für ihre Pflegeschwestern und deren Heim, dessen Leitung irr den bewährten Händen der Oberin Frau Karla Heller steht, zu entnehmen. Beide Berichte, desgleichen der vom Kassier, Herr:: karr. Rat Tr oller, erstattete Kassa- und der vom Revisor, Herrn Michael Wien, verlesene Revisionsberi.lt nun: den einstimmig genehmigt und genannten; Kassier für seine umsichtige, in der jetzigen Zeit dovvelr schwere Ver mögensverwaltung der Tank ausgesprochen.