Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 9 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 144 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 9 Zum Schlüsse sanden die Ergänzungswahlen in den Ausschuß statt, aus denen als gewählt hervorgingen die Herren: Direktor Ernst Berka, kais. Rat Carl G.Fischm a n n, JUDr. Louis G e s ch m a y, Direktor Rudolf Iutko w i tz, Wilhelm K a r s, Siegfried Lieber s, Hugo Lowositz, Otto P o l l a k, JUDr. Heinrich R o s e n bäum, kais. Rar Leopold Sachs, Heinrich Schwarz, kais. Rat D. Troller, Kommerzialrat Rudolf Werfel, Leopold Zucker; als Ersatzmänner die Herren: Julius Fischmann (Teplitz) und Ferdinand Nettl (Arnau). Zu Revisoren wurden per Akklamation ernannt die Herren: Markus Fischig Gustav Fürth, Ignaz Karpeles, Siegmund Springer und Michael Wien. Lemberg. Im Laufe der letzten Woche fände;: hier zwei Trauerandachten für den Ende Dezember verstorbenen langjährigen Rabbiner der hiesigen Kultusgemeinde Dr. Jeheskiel Caro s. A. statt. Für den 10. Februar war eine Seelenseier in der Synagoge des jüdischen Waisenhauses anberaumt, dessen Kuratorium der Verewigte durch viele Jahre angehört hatte, wobei er den Zöglingen seine wärmste Fürsorge zuteil werden liest. Der Feier wohnten Repräsentanten des Kultusrates und die Damen des 'Fürsorgekomitees bei. Anstaltsseelsorger Prof. Dr. Balaban hielt die Gedenkrede. Die offizielle Trauerfeier fand Sonntag, den 13. Februar, im Tempel statt. Derselben wohnten der Regierungskommissär von Lemberg Bezirkshauprmann Grabowski mit den Mitgliedern des städtischen Beirates, Landesgerichrsrat R y - b i cki, die Mitglieder des Kültusrates mit kais. Rat Jakob Stroh an der Spitze, Universitätsdozent Dr. S ch o r r und.eine zahlreiche Trauergemeinde bei. Altar, Kanzel und der Sitz des Verewigten waren schwarz drapiert. Nachdem Kantor K ö r n e r das El inole rachamim-Gebet zum Vorrrag gebracht hatte, hielt Rabbiner Dr. G u t tmann seinem verewigten Amtsbruder eine tiefempfundene Gedenkrede, in der er die langjährige verdienstvolle Tätigkeit und die geistigen Vorzüge des nun in Gott ruhenden Seelsorgers schilderte. Die eindrucksvolle Feier schloß mit der Rezitierung des Kaddischgebetes. Ein neuer jüdischer Abgeordneter in Ungarn. „Egyenlöseg" schreibt: Im Wahlkreise Barand hat dieser Tage die Abgeordnetenwahl stattgefuuden, in welcher der Kandidat der Unabhängigkeitspartei Ernst Fi sch einstimmig zum Reichstagsabgeordneten gewählt wurde. Ter neue Abgeordnete der Unabhängigkeitspartei ist Gutsbesitzer in Nagylera. Er entstammt einer alten angesehenen Familie des Szabolcsaer Komirates. Sein Vater, der ein bekannter frommer Jude war, war bereits Gutsbe^> sitzcr im Szabolcsaer Komitate und halte sich großen Ansehens erfreut. Ernst F i s ch ist noch verhältnismäßig jung, steht in den dreißiger Jahren und genießt den Ruf eines Kavaliers. Gegenwärtig dient er als Husaren- Oberleutnant und wurde für seine auf den Kriegsschauplätzen erworbenen Verdienste bereits ausgezeichnet. Die Zahl der jüdischen Abgeordneten im ungarischen Parlament beträgt heute siebzehn, genau so wie zu Beginn der Parlamentssession. Wohl sind inzwischen zwei 'jüdische Abgeordnete, und zwar Dr. Julius Rosenberg und Dr. Franz H e l t a i, gestorben, doch wurden andererseits während der Session auch zwei jüdische Abgeordnete gewählt, nämlich Dr. Jzso Rosa d e V a r h e l y und und jetzt Ernst Fisch. Die siebzehn jüdischen Abgeordneten verteilen sich nach Parteien wie folgt: 1. Nationale Arbeitspartei: Tr. Philipp Darvai (Szaszebesh Dr. Paul Farkas (Szaszvaros), Julius M a d ar a s s y- B e ck (Mczokaszony), Dr. Edmund Mayer (Alvinc), Dr. Alexander N a g h (Nagpajta), Dr. Sigmund N e m e s -Facset), Dr. Jzso Rosa de Varhely (Szeged), Dr. Ignatz Rosenberg (Hatszeg), Paul Sandor (Budapest V), Staatssekretär Dr. Leopold V a d a s z (Marmaros-Sziget): 2. Demokraten: Dr. Ernst B r o d y (Halmi), Dr. Alexander Petö (Budapest VI); Dr. Wilhelm V azsonyi (Budapest VI); 3. Unabhängigkeitspartei: Dr. Samuel B a k o n y i (Debreczin II), Alexander Szalkay (Mateszalka), Ernst Fisch (Barand); 4. Außerhalb der Parteien: Dr: Edmund B a r t a (Nagyszöllös), Dr. Samuel K e l e m e n (Szatmarnemeti). Erwähnenswert ist noch, daß es unter den siebzehn Abgeordneten drei solche gibt, welche gleichzeitig Kultus- Präsidenten sind, und zwar Dr. Edmund Mayer, Präsident der Kultusgemeinde in Gyulasehervar; Dr. Sigmund Ncmes, Kultuspräsident in Arad, und Dr. Jzso Rosa de Varhecky, Kultuspräsident in Szeged. Tie Not der serbischen Juden. Im Rahmen eines größeren Aufsatzes über die Juden in Serbien bringt das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" eine erschütternde Schilderung von den Wirkungen des Krieges: „Solange die serbischen Waffen dem Feinde Halt gebieten konnten, mochte von einer Hilfe noch die Rede sein. Sie war auf allen Seiten nötig. Ganze Familien der Glaubensgenossen fielen den Gemeinden zur Last und beide, die askenasische wie auch die sephardische, suchten durch eigene und durch Mittel der einzelnen Mitglieder das Elend zu lindern. Zu der Zähl der in Serbien lebenden unglücklichen Glaubensgenossen kamen noch 1500 bis 2000 kriegsgefangene feindliche Juden, welche sich unter den dem Feinde abgenommenen 68.000 Kriegsgefangenen befanden. Diese armen Leute befanden sich in größtem Elend, zerrissen und zerlumpt, barfuß und vom Hunger und den Strapazen ganz erschöpft. Mit dem Siege kanr aber eine andere Geisel. Die Kriegsgefangenen brachten die schreckliche Flecktyphusepidemie in unser Land. Zirka 12.000 Soldaten und gegen 200.000 Einwohner, etwa 160 Aerzte (die Hälfte des ganzen serbischen Aerztekorps) fielen dieser Epidemie zum Opfer. Ganze Familien, ganze Dörfer wurden von ihr ausgerottet. Selbstredend fielen auch eine Anzahl unserer Glaubensgenossen dieser Geisel zum Opfer. .... Jedoch kam das ganze Unglück erst mit der neuen Offensive der vereinigten Deutschen, Oesterreicher unh Bulgaren. Der erste Uebergang der vereinigten deutschen und österreichischen Truppen erfolgte bei Belgrad gerade an einer Stelle, welche als unzugänglich erschien und als solche betrachtet wurde. Die kleine Ebene vor der unteren Festung Belgrads, welche sich zwischen dieser und dem Judenviertel ausbreitet, wurde als der geeignetste Uebergangspunkt ausgesucht. Die ganze Umgebung wurde einem schrecklichen Kreuzfeuer aus über 100 Kanonen aus-- gesetzt und dieses hatte zur Folge, daß das ganze Judenviertel zerstört und eingeäschert wurde. Noch heute ist \ nicht bekannt, wieviele Opfer dieses Bombardement gefordert hat. Alles, was nur Mittel hatte, flüchtete sich vor dem Feinde, die Armen blieben. Diejenigen, welche früher für unsere Glaubensgenossen in Serbien sorgten, sind außer Landes. Die Bedürftigen blieben allein, ohne Hilfe, ohne Möglichkeit, sich! an einen Bekannten zum Schutze und um Unterstützung zu wenden. . . ." Um unseren Glaubensgenossen zu helfen, wäre es ratsam, eilte besondere Hilfsaktion einzuleiten. Vermischtes. Wien. Montag, den 28. Februar 1916l 7 Uhr abends, findet im Restaurant Tonello, 2. Bez., Lilienbrunng. 2. die diesjährige Generalversammlung des Kaiserin Elim beth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heimes statt.