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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-02-18 · 8 (18.2.1916) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
8 (18.2.1916)
Date
1916-02-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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»ßr. 8 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 137 Vorsitzender Präsident Dr. M. S ch n e p p konstatiert die Beschlußfähigkeit der Versammlung, begrüßt die erschienenen Gäste und Mitglieder, insbesondere den Delegierten des Kulkusvorstandes Dr. Heinrich Schreiber, die Vorstandsdamen des Vereines „Frauenhort" Frau kais. Rat S ch e f f t e l und Frau Klothilde Benedikt, die Vertreter der jüdischen Presse Dr. I. S. Bloch und Dr. M. L ö w y, den Obmann des Tempekvereines im 8. Bezirke kais. Rat Alfr. Frankl, die Delegierten des Tempelvereines im 19. Bezirke Präsident Mor. Müller und Schriftführer Dr. :Jacob Kohn und hält hierauf dem kürzlich verschiedenen Vorstandsmitgliede des Vereines, Herrn Josef Q u i 1 t n e r, einen warmempfundenen, dessen Verdienste um den Tempelverein und insbesondere um die die Verwaltung des Tempels würdigenden Nachruf. Nach Verlesung des Protokolls der vorjährigen Generalversammlung durch den Obmann-Stellvertreter Dr. Wilhelm Köpfmacher wird der Rechenschaftsbericht und Gebahrungs-Ausweis, von dessen Verlesung über Antrag des Mitgliedes Dr. I. S. Bloch Abstand genommen wird, vorgelegt. In der Debatte über den Bericht bespricht Herr Josef Steiner die in der kürzlich stattgehabten Generalversammlung des Josefstädter Tempelvereines neuerlich angeregte Frage der Heranziehung der Vereinsfunktionare bei den Leichenbegängnissen in den einzelnen Bezirken. Durch Erfüllung der diesbezüglichen Wünsche der Tempelvereine könnte das Einkommen ihrer Funktionäre, die trotz der möglichsten Opfer der Tempelvereine materiell schlechter gestellt sind als die Funktionäre der Kultusgemeinde, erhöht werden und Redner apostrophiert am Schlüsse seiner Ausführungen der Delegierten der Kultusgemeinde, Herr Dr. Heinrich Schreiber, sich beim Kultusvorstande für die Regelung dieser Fragen zugunsten der Funktionäre der Tempeloereine einzusetzen. Herr Ignaz!G I ü ck Meint, daß die Wünsche der Parteien aus den einzelnen Bezirken beim Kultusvorstande und im Friedhofamte der Kultusgemeinde auch bisher Berücksichtigung gefunden haben. Wenn die Vereinsfunktionäre in einzelnen Fällen trotzdem bei Leichenbegängnissen übergangen wurden, so lag dies im 9. Bezirke vielleicht an den Funktionären selbst und er hofft, daß diese Ursache bei den gegenwärtigen Funktionären Wegfällen wird. Herr Dr. Ludwig Deutsch macht den Vorschlag, die Tempelvereine mögen anstrebrn, daß eine gewisse Quote der Taren bei Trauungen und Leichenbegängnissen von Vereinsmitgliedern und Bezirksinwohnern, gleichgültig, ob die Funktionäre der Vereine oder der Kultusgemeinde herangezogen werden, den Tempelvereinen, refp. deren Funktionären zugewendet werde. Herr Dr. Heinrich Schreiber dankt dem Vorsitzenden für die freundlichen Worte der Begrüßung, die er ihm als Delegierten des Kultusvorstandes zuteil werden ließ, und anerkennt die hohen Verdienste der Vereinsleitung, die in dem Berichte und der ausgewiesenen Gebarung zum Ausdrucke kommen. Die Tempelvereine nehmen bedeutenden Anteil an den kulturellen Aufgaben der Muttergemeinde und ihr Wirken hat jederzeit im Kultusvorstande Würdigung und Anerkennung gefunden. Zu der in der Debatte stehenden Frage, betreffs Heranziehung der Vereinsfunktionäre zu den Leichenbegängnissen, will aber Redner nicht als Delegierter des Kultusvorstandes Stellung nehmen, sondern nur seine persönliche Meinung dahin äußern, daß ihre Lösung am einfachsten märe, wenn sie seitens der Funktionäre selbst vom kollegialen Standpunkte behandelt würde und diese durch ihre Organisationen die Feststellung veranlaßten, daß es mit der gebotenen Kollegialität unvereinbar sei, daß ein Funktionär der Kultusgemeinde mit Uebergehung des Vereinsfunktionärs Funktionen in einem Bezirke übernimmt. Herr Dr. Jacob Kohn, Schriftführer des Döblinger Tempelvereines, erklärt, daß die materielle Seite der angeregten Frage leicht durch die Subventionen der Kultusgemeinde ausgeglichen werden könnte. Aber durch die Verkürzung der Vereinsfunktionäre leidet auch das Prestige der Tempelvereine und ihrer Funktionäre. Nach dieser Richtung könne nur eine Organisation der Tempelvereine Abhilfe schaffen und eine solche würde auch Garantien dafür bieten, daß die Tempelvereine auch in anderen Belangen die ihrem Wirken und ihren Opfern entsprechende Beachtung fänden. Es sei ihm und gewiß auch vielen anderen aufgefallen, daß bei den letzten Kooptationswahlen in den Kultusvorstand die Tempelvereine übergangen wurden und nebst anderen Bezirken habe auch z. B. der Tempelverein des 9. Bezirkes keinen Vertreter im Kultusvorstande. Frau Klothilde Benedikt warnt davor, bei den Parteien irgend einen Zwang betreffs Wahl der Funktionäre, insbesondere bei Trauungen auszuüben. Herr kais. Rat Alfred Frankl, Präsident des Tempelvereines im 8. B^irke, dankt dem Vorsitzenden für die freundliche Begrüßung und verweist dann auf den Abbruch des Ansehens, der dem Vereinsfunktionär widerfährt, wenn bei einem Leichenbegängnisse im Bezirke an seiner Stelle ein im Bezirke Unbekannter Funktionär fungiert. Herr Moriz Müller, Präsident des Tempelvereines im 19. Bezirke, konstatiert, daß die Kultusgemeinde in ihren Gotteshäusern zirka 5000, die Tempelvereine Wiens aber zirka 15.000 Tempelsitze haben. Von dem Kultusbudget der Gemeinde mit ungefähr 600.000 Kronen werden aber für die Kultusstätten der Kultusgemeinde 500.000 Kronen und nur zirka 100.000 Kronen auf dem Wege der Subventionen für die Tempelvereine verwendet. Das fei unbedingt ein Mißverhältnis. Gleich seinem Vorstandskollegen Dr. Kohn sit er der Ansicht, daß nur eine Organisation der Tempelvereine, die allerdings nicht gegen die Mutteägemeinde, sondern in friedlichem Einvernehmen mit derselben die schwebenden Fragen zu regeln hätten, Wandel schaffen kann und er hoffe, daß der Schwesterverein im 9. Bezirke einer demnächst ergehenden Einladung seines Vereines zu einer Beratung in dieser Angelegenheit Folge leisten werde. Der Vorsitzende Dr. M. S ch n e p p bestätigt in seinem Schlußworte die mißliche Lage der Vereinsfunktionäre und versichert, daß der Tempelverein im 9. Bezirke gerne an allen Bestrebungen zur Förderung der Interessen der Tempelvereine und an deren Wahrnehmung im friedlichen Ilebereinkommen mit der Kultusgemeinde gerne Anteil nehmen werde. Hierauf wird der Bericht genehmigt und dem Vorstände einstimmig das Absolutorium erteilt. Bei der hieraus folgenden Wahl wurden gewählt in den Vorstand die Herren: Salo F u ch s, Ignaz G l üd und kais. Rat Jg. Wilhelm: in den Ausschuß die Herren: Josef Fuchs, Leopold Hendl, Gerson K o r a l e k, Ludwig L a z a r, Julius Rosenbaum und Isidor T r e b i t s ch. Zum Punkte Anträge angelangt, ergreift Herr Karl Schön das Wort und, indem er dem Oberkantor und dem Chore volle Anerkennung^ für ihre Leistungen zollt, regte er an, daß in den Tempelgesängen eine größere Abwechslung erfolgen möge, und zwar sollen Werke jüngerer ^-ynagogenkomponisten zur Aufführung gelangen, damit ihre Schöpfungen bekannt und ihr schöpferisches Talent gefördert werde. Ferner meinte er, daß vielleicht für den Jugendgottesdienst die einzelnen Vereinsmitglieder turnusweise als Ehreninspektoren herangezogen werden mögen. An der hieran sich anschließenden Diskussion beteiligten sich die Herren Joses Steiner und Sigmund K o r n m e h l, der insbesondere auf die üblen Zustände im Jugendgottesdienste der Mittelschüler hinweist. Nachdem noch Herr Ignatz Glück gesprochen hatte, wird die Generalversammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Generalversammlung des „Vereines zur Errichtung und Erhaltung mn Horten für schulpflichtige Kinder" in Wien, 29. Bezirk, Denisgasse 33. Tie Versammlung fand am 2. Februar in den Räumen des israel. Human itäts Vereines „Eintracht" (B'nai B'rith), 9. Bezirk, Universitätsstraße 4, statt. Ter Obmann Tr. S a m u e l y erinnerte in seiner Eröffnungsrede daran, daß fein heutiger Bericht dem zehnten Betriebsjahre des Vereines gelte, daß demnach diese Generalversammlung zugleich eine stille, den ernsten Zeiten der Gegenwart entsprechende Jubiläumsfeier bedeute. Mit Stolz könne der Vorstand auf diese Entwicklungsperiode des Vereines zurnckblicken, der aus bescheidenen Anfängen, dank der Förderung durch die B'nai B'rith- Bereine „Wien" und „Eintracht", insbesondere dank der großherzigen Widmung des Herrn Heinrich M e n d l durch die Errichtung des Josefine Mendl-Wohlfahrtshauses für die Zwecke der Kinderhorte und der Toynbeehalle zu einer mustergiltigen Institution ansblühen konnte. Im Berichtsjahre standen in drei - Horten 62 Mädchen und 141 Knaben in Pflege und Beaufsichtigung. Unsere Absicht, weitere 100 Kinder in zwei neuen Horten aufzunehmen, mußte vertagt werden, da wir es für dringend erachteten, 296 polnischen Flüchtlingskindern aus den galizischen Baron Hirsch-Zchnten in unseren verfügbaren Räumen die Möglichkeit eines normalen Schulunterrichts zu ermöglichen. Diese Kinder wurden in sechs Klassen geteilt und von sechs in Wien weilenden Lehrern der Baron HirschSchnlstiftung, deren verdienstvoller Leiter kais. Rat Tr. Ascher seit Jahren für Galizien tatkräftig wirkt, in alten Gegenständen der Normal-Volksschule unterwiesen. 119 dieser Kinder haben im Juli vor einer Prüfungskommission, unter Vorsitz des k. k. Landesschulrates Tr. A. Jahn er, die Prüfung mit bestem Erfolge abgelegt und gütige Jahreszeugnisse erhalten. Im Hortgebäude war ferner die hebräische Sprachschule des galizischen Vereines Histadrnth la?afah untergebracht, in welcher 30 Mädchen und 25 Knaben

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