Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 8 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 8 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 123 die Lichter anzünden, wenn meine Seele aus meinem Körper zieht? Wer wird nach mir Kadisch sagen? Ach, Minjan, Tcäis, Tachrichin (Leichengewand)....!" Und ich ergreife ein Blatt Papier, schreibe meinen letzten Willen nieder. Wenn ich sterbe, mögen mich Juden, die mich kennen, zu Grabe bringen, aus meinen Grabstein sollt ihr schreiben : „Hier wurde begraben Jekusiel Jehudo G r ü n w a l d, gefallen im Kriege, für sein Vaterland kämpfend: sein Blut gebe Zeugnis für alle Ewigkeit, das; wir zu dieser Scholle gehören. Mein Blut, dieses Judenblut möge verwischen all' die Worte, welche die Judenseinde gegen uns geschrieben haben. Mit meinem Blute habe ich meine Rechte erworben. Das Blut der Juden, welches hier vergossen wurde, möge Zeugnis oblegen dafür, datz wir ein Volk der Vorzeit sind, ein Volk der Makkabäer, ein kriegerisches Volk, denn zu allen Zeiten unseres Bestandes hatten wir Krieg zu führen und d as Blut wird Zeuge fein." Ich schreibe meinen letzten Brief an meine Frau: „Sag' Nnr's doch! Wenn ich sterben sollte, wirst du nieine Augen mit Tränen bedecken, oder wirst du dein Herz öffnen, um nieine Liebe für die Liebe eines anderen Mannes zu verlassen, um meinen Rainen zu schniähen?!" Und dann wandte ich mich an die Juden, die mit mir gekommen waren und deren Zahl in unserer Kompagnie mehr als 30 betrug und sprach zu ihnen: „Brüder! Erkennet euere Pf.iht und tuet mehr, als in euerer Kraft steht. Wir gehen daran, gegen den Feind zu stürmen, um unser gesegnetes Land zu beschützen. Ich werde kis zu meinem letzten Blutstropfen kämpfen. Wisset ihr, wie das unga.ische Volk uns behandelte, als die Erde noch mit Finsternis bedeckt, das Blut der Juden vogelfrei war und wie Wasser vergossen wurde? Auch damals schon stellten sich die Ungarn in die Bresche gegen die verheerenden Krcuzzüge und liesten sie nicht ins Land. Seid starr, mcine Freunde, kämpfet, schlaget euch mit aller euerer Kraft. Mit Stolz führe ich mein Schwert, um für unser Land, für unseren gelebten König zu känrpsen: Juden, vergesset nicht, wer ihr seid, wer euere Väter waren' Zeiget jedermann, das; Riakkabäerblut, Heldenblut in unseren Adern fließt!" Und in hei.iger Rührung rief die Mannschaft: „Wir wollen bis zu unseren! letzten Blutstropfen kämpfen! Wir wissen, unsere Pflicht zu erfüllen, wir haben es bisher getan und werden es wieder tun! Es lebe Ungarn! Es lebe der König!", erscholl es aus aller Munde. Lieder singend gingen wir dem Feinde entgegen. Und wir erblicken den großen Berg (Monfnlcone). Zu den „Bergen" erhebe ich meine Blicke, woher wird nur Hilfe kommen! Meine Hilfe kommt von dem Ewigen. Und du, oh Ewiger, erhöre unsere Gebete und am Tage der Rot erhöre uns. Ans den Aufzeichnungen des Ietdrnvöiners Ireudiger. Feldrabbiner Freudiger stellt dem „Egpenlöseg" die folgenden Aufzeichnungen zur Verfügung: Bela Rosen berge r, ein Berliner Buchdruckermeister, Reserve-Gefreiter des Honved-Jnfanterie-Regimentes, ist bei der ersten Mobilisierung von Berlin aus zu seinem Regiments eingerückt. Trotz seines Atters von 40 Jahren kam er mit den ersten Marschformationen nach Serbier und kämpfte die erste serbische Ofsensioe mit. Ende Mai wurde seine Kompagnie auf den italienischen Kriegsschauplatz kommandiert, bei deren Telephon-Abteilung Rosenberger diente. Am 10. Juli hat die italienische Artillerie unser Telephonnetz an drei Stellen beschädigt und Rosenberger meldete sich freiwillig zur Herstellung der Telephonleitung. Sein Oberstleutnant, welcher ihn nicht zu der unter ständigem Feiler stehenden beschädigten Stelle gehen lassen wollte, hatte ihn nach seiner Rückkehr sofort zum Zugsführer befördert, verlieh ihm die bronzene Tapferkeitsmedaille und belobte ihn überdies im Bataillonsbefehl. Bald darauf meldete sich Rosenberger abcrnials freiwillig zu einem gefährlichen Ausflug. Er wollte das vor dem feindlichen Schützengraben sich hinziehende feindliche Telephonnetz mit unserem Fernsprecherdraht verbinden. Auf seinem Rückwege gelang es ihm durch sein kaltblütiges Auftreten unsere Truppen vor einem geplanten Angriff zu bewahren. Für sein neuerliches tapferes Verhalten wurde er mit der si bernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Gegenwärtig liegt er mit einer Futzwunde in einem Kriegsspitale in Ujvidek. Ladislaus R o n a i, Prioalbeamter aus Budapest, rückte im Oktober zum Infanterie-Regiment Rr. 23 nach Zombvr ein. Rach seiner Ausbildung kani er in die Karpathen, von wo er mit erfrorenen Füßen zurückkehrte. Rach seiner Wiederherstellung kam er mit seiner Truppe nach Kamionka-Strumi'owa. Er wurde zu wiederholten Malen zu Aufklärungsdiensten ausgeschickt, welche er tapfer, zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erledigte. Einmal meldete er sich mit 30 Mann freiwillig den Bug zu überschreiten, wo es ihm mit seinen Leuten gelang, den 'Widerstand leistenden Feind in die Flucht zu jagen. Er wurde verwundet und erhielt für sein musterhaftes Verhalten die silberne Tapferkeitsmedaille. Aekorierung nach dem Jode. Kadett Nikolaus C u k e r vom Honved-Jnfanterieregiment, über dessen Tod anläßlich eines heldenmütigen Sturmangriffes beim Görzer Brückenkopf in diesem Blatte berichtet wurde, ist, wie wir dem „Egyenlöseg" entnehmen, dieser Tage in Anerkennung seines heldenmütigen Verhaltens*'vor dein Feinde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse ausgezeichnet worden. Ter Aus-' gezeichnete war ein Sohn des Direktors der Kunftdampfmühle Martin C u k e r in Nagykaroly. Vor dem Keinde gefallen. Ani 31. Januar 1916 erlitt auf dem südwestlichen Kriegsschauplätze den Heldentod durch einen Kopfschutz Kadett Eugen Fränkel, Bankbeamter, aus Budapest. Ein mutiger und tapferer Soldat war er, von allen Vorgesetzten und Kollegen geschäht und ge i bt. Sein herrliches Abschiedschreiben, das er in der Vorahnung des Todes an die Eltern gerichtet hat, spricht für einen ernsten Ebarakter und hohe Pflichtauffassung. Zu seinem Begräbnis fanden sich auch nicht nur seine Kollegen und seine Kompagnie, sondern auch der ganze Dioisionsstab mit dem General und Eeneralsiabschef 2r. könizk. Hoheit Prinzen von Parma cin, die deni tapferen Helden das ehrenvolle Geleite auf den Militärsriedhof gaben. Am Grabe sprach Feldrabbiner Dr. M. T a u b e r. Am 24. Januar 1916 erlag einer schweren Krankheit in einem Feldspital Einjähcig-Freiwilliger-Korporal Mediziner Arlur B e r n - seid aus Lemberg und wurde auf einem Militärfriedhof begraben. Schon in der kurzen Zeit, die er im Felde verbrachte, erwarb er sich die Sympathien der Kollegen und des Kommandanten, der ihm ein ehrenvolles Begräbnis veranstalten ließ. Am Grabe sprach Feldrabbiner Dr. M. Tauber. Kine Kedenktasek für jüdische Kekderr. Tie Araber isr. Kultusgemeinde hat, wie mcm dem „Egyenlöseg" von dort berichtet, über Antrag des Kultuspräsidenten Abgeordneten Sigmund N eines in der jüngsten Borstandssitzung beschlossen, die Namen der im Kriege gefallenen Juden auf einer Marmortafel zu verewigen. Tie Gedenktafel, welche ' die Aufschrift „Pro Parria" tragen wird, soll an vorderster Stelle der Synagoge angebracht werden. Ueberdies wurde beschlossen, zunr Andenken an die gefallenen Helden alljährlich an einem noch zu bestimmenden Tage einen Trnuergottesdienst abzuhalten. Jüdische Seidengräser in Hemberg. Es gereicht der jüdischen Gemeindeverwaltung, vor allein aber dem jüdischen Spitalsrate, in dessen Reffort das Beerdigungswesen in Lemberg füllt, zur Ehre, daß sie es auch in den schweren Zeiten der russischen Invasion nicht unterlassen haben, für die ans dem Felde der Ehre gefallenen Offiziere und Soldaten eine gerechtwerdende, ihrer würdige Ruhestätte in Stand zu setzen. Dieselbe hat den Vorzug, daß man sie nicht erst, wie dies aus anderen Friedhöfen der Fall ist, suchen muß, da sie sich aus einer Erhöhung, unmittelbar vor der neuen Zeremonienhalle befindet und dem Friedhofsbesucher sofort ins Auge füllt, so daß sie auch kommenden Geschlechtern den Heldenmut braver jüdischer Krieger ins Gedächtnis rufen wird. Schreiber dieser Zeilen, der den Friedhof nach längerer Abwesenheit von Lemberg wieder besuchte, zählte vor einigen Tagen 135 dieser Gräber, die überaus sorgsam erhalten sind. Oesterreichisch-ungarische und russische Soldaten, die einander auf der Walstatt feindlich gegenüberstanden, sie ruhen hier friedlich nebeneinander. Es sei mir jedoch gestattet, an die Gemeindeverwaltung den dringenden Appell zu richten, sie möge das so schön begonnene Werk nicht unbeendet lassen und jeden Grabhügel mit einer, wenn auch kleinen Gedenk, tafel versehen, aus der Namen, Regiment und Todestag