Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 8 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 122 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 8 Sandor Goldarbeiter, Kaufmann in Kiskeseg (Ungarn), hat drei Söhne im Felde Stehen: 1. Sigetvari Julius, beschäftigt in einer Waffenfabrik; 2. Eoldarbeiter Samu, eingeteilt beim Infanterie-Regiment Nr. 52; 3. Zugsführer Goldar beit er Emerich, beim Infanterie-Regiment Nr. 52; dieser wurde bereits dreimal ausgezeichnet. Im November 1914 erhielt er die bronzene Tapferkeitsmedaille, im Juni 1915 die kleine fi.berne und im Januar 1916 die große silberne Tapferkeit^ Medaille. David Weisz, Kaufmann in Wien, hat sechs Söhne und alle sechs sind Soldaten. Der älteste, Andor, ist Gefreiter im Honved-Jnfanterieregiment Nr. 19. Er kam bei der allgemeinen Mobilisierung aus Mailand nach Hause, wo er ein blühendes Unternehmen zurückließ. Für sein tapferes und heldenmütiges Verhalten ist er für die Tapferkeitsmedaille vorgeschlagen. Sein Bruder Eugen ist Telephonist beim Infanterieregiment Nr. 52, hat die Offensive und die Defensive in Serbien mitgenracht, känrpft seit dem vorigen Frühling in Galizien gegen die Russen. Er kam gleichfalls an-, läßlich der Musterung aus.Mailand nach> Hause. Armin dient beim Infanterieregiment Nr. 52 und mußte infolge eines auf dem Kriegsschauplätze erhaltenen Lungenleidens zurückkehren; er liegt gegenwärtig in Fünfkirchen in einem Spital, nachdem er vier Monate an der Front gewesen ist. Max, Kanonier, ist jetzt nach einjährigem Frontdienst mit Ruhr vom Kriegsschauplatz zurückgekehrt. Er hat alle Feldzüge in Serbien mitgemacht und war seit dem letzten Frühjahr an der nördlichen Front. Emmerich (Vandor), Telephonist im Infanterieregiment Nr. 52, nimmt seit sechs Monaten an den Kämpfen im Norden teil. Der jüngste, Franz (Vandor), Ein-t jährig-Freiwilliger, Zugssührer, dient beim k. n. k. Infanterieregiment Nr. 6, ist seit sechs Monaten an der russischen Front. Der 58jährige Kaufmann Bernhard Falczer hat sechs Söhne auf dem Kriegsschauplätze. Julius, 30 Jahre alt, Kaufmann, ging am 15. Mai 1915 auf den Kriegsschauplatz, ist Gefreiter beim k. n. k. Infanterieregiment Nr. 44. Josef, 28 Jahre alt, Kaufmann, Zugsführer im Husarenregiment Nr. 11, erhielt für einen erfolgreichen Pairouilledienst die bronzene Tapfcrkcitsmedaille und wurde für. seine anderen wichtigen Dienste mit der großen silbernen Tapfcrkeitsmedaille ausgezeichnet. Im April 1915 fiel er schwerverrvundet in serbische Gefangenschaft, ist jedoch von Valjevo entflöhen und heimgekehrt. Vor kurzem wurde er als Invalide beurlaubt. Franz, 27 Jahre alt, Lehrer, Infanterist im k. u. k. Infanterieregiment Nr. 83, hat seit dem ersten Tage der Mobilisierung an der Front gekämpft und wurde mit der bronzenen Tapfcrkeitsmcdaillc ausgezeichnet. Bei Uzsok geriet er in russische Gefangenschaft. Eugen, 26 Jahre alt, Kaufnrann,vZugsführer im Honved-tJnsanterieregiment 18, wurde, nachdem er zehneinhalb Monate ununterbrochen an der Front gekämpft hatte, am 1. September 1915 verwundet. Bei dem Frontdurchbruch hat er mit „beispielgebendem Heldenmut" gekämpft und wurde dafür mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Besitzer, Kaufmann, Infanterist im k. u. k. Infanterieregiment Nr. 83, befindet sich auf dem Kriegsschauplätze. Alexander, 18 Jahre alt, Handelsschüler, ist vor kurzem eingerückt. Frau Witwe Friedrich in Magyar-Sülye (Siebenbürgen) hat derzeit vier Söhne auf dem Kriegsschauplätze, von denen zwei bereits verwundet wurden und schon zum zweitenmale an der Front sind. Der jüngste ist 18 Jahre alt, dient mit seinem älteren Bruder bei der Maschinengewehrabteilung und ist gleichfalls schon auf dem Kriegsschauplätze. („Egyenlöseg".) Aas Aegräßins eines Kekderr. Aus Zupanja in Kroatien wird berichtet: Unser Städtchen war am 9. d. M. der Schauplatz, einer er-, hebenden Feier. Die irdischen Ueberreste des' einzigen Sohnes des angesehenen Bürgers und Industriellen Joseph Weinberger, des Einjährig-Freiwilligen Emil Weinberger, der, dem ersten Rufe des Monarchen Folge leistend, in die Rethen des Hausregiments Nr. 53 geeilt war, am südlichen Kriegsschauplätze schwer verwundet wurde und im September 1914 in der Ge-> fangenschaft seinen Verletzungen erlag, wurde zur ewigen Ruhe bestattet. Alle Stände Zupanjas, «angesehene Persönlichkeiten des Bezirkes Vinkövei, die Soldaten des Roten Kreuz-Spitals in Zupanja, die übrigen hier befindlichen Soldaten und ihre Offiziere, sowie der Ausschuß der hiesigen Filiale des Roten Kreuzes gaben dem Helden das Geleite auf seinen letzten Weg. Nach den Reden des Rabbiners Dr. Frankfurter (Vinkövei) und Prof. Dr. Gavro Schwarz (Zagreb) nahm am offenen Grabe im Namen aller seiner Freunde und Verehrer Lehrer Cvjetko Romic in rührenden Worten Abschied vom Toten. Der tiefgebeugte Vater errichtete auf.den Namen seines geliebten, einzigen Sohnes eine Stiftung mit einem Kapital von 30.000 Kronen, deren Zinsen am Todestage des Verblichenen, vom Jahre 1917 angefangen, einem braven, armen Mädchen ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntnis als Aussteuer verliehen werden soll. - 'IFiSVrT— »tt*—-»**,=- p;.*j - * EAas Heöräische Kriegstageöuch eines jüdischen ß Soldaten. Von einem interessanten und in seiner Art einzigartigen Dokument, so schreibt „Egyenlöseg", können wir heute unseren Lesern Mitteilung machen. Leopold E r ü n w a l d, Honved des 12. Honved-Jnfanterie-Regimentes, im bürgerlichen Leben hebräischer Schriftsteller, der feinen Namen durch eine Anzahl schon erschienener geschichtlicher Arbeiten in hebräischer Sprache bekannt gemacht hat, führte, auf der italienischen Front kämpfend, ein Tagebuch in der hei'igen Sprache. G r ü n w a l d hatte sich freiwillig gegen die Italiener gemeldet, als unser verräterischer Verbündeter uns den Krieg erklärt hat, und er nahm an den Kämpfen am Jsonzo und bei Monfalcone vier Monate hindurch teil. Es ist ein wahres Gotteswunder, daß ihm außer einem Kuqelschuß kein größeres Unglück zuzestoßen ist. Als Verwundeter zurückgrkehrt, stellte er sein hebräisches Tagebuch dem „Egyenlöseg" zur Verfügung, in welchem das genannte Blatt einen Teil im hebräischen Originaltext veröffentlicht. Wir geben hier die deutsche Uebersetzung wieder: Vor der Schlacht: . Und es sprach der Hauptmann: „Bisher standet ihr, Soldaten, in der Reserve, aber jetzt bereitet euch vor auf den Kampf, ihr werdet dem Feinde Aug' im Aug' gegenübersteben, erschrecket vor niemandem und vor nichts in der Welt!" Und hierauf wurden aus unserer Truppe von allen Seiten Seufzer und Gebete aus jedes Mannes Munhe hörbar. Wir beteten zu dem Ewigen, auf daß er uns erhöre in der Zeit der Gefahr. Dort bat uns einer mit Tränen in den Augen: „Brüder! Wenn ich sterbe, begrabet mich mit diesem Bilde, dem Bilde meines überaus geliebten Weibes." Ein anderer, der seine Tränen nur mit Mühe zurückzuhalten vermochte, bat: „Begrabet mich mit diesen Briefen, die ich von meiner Geliebten erhalten habe, sie ist meine Geliebte, sie war mir lieb im Leben und wird mir lieb sein im Tode." „Nur mrir kleiner Sohn," spricht ein anderer schluchzend, „nur dieser kleine . was wird aus ihm werden, wenn ich sterbe, oh Gott, lasse mich diesen kleinen schwachen Sprossen noch schauen. Und wenn ich sterbe! Dann, Gott, sei ein Vater den Waisen, erbarme dich seiner", so spricht der Mann und richtet die Blicke gen Himmel. „Der Kummer meiner Mutter", klagt ein anderer; „was wird aus dieser Armen werden? Ich habe sie erhallen, versorgte sie mit allem Guten, sie hat außer mir weder einen Sohn noch eine Tochter, wer wird ihr Brot geben? Ach, meine Mutter! Gott, Vater der Witwen!" Und ein Jude namens Basch: „Ach, nur ein Begräbnis, wie es die Religion vorschreibt.Meinen Körper opfere ich, aber meine Seele, wer wird für mich Mischnajoth lernen, wer wird