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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-02-11 · 7 (11.2.1916) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
7 (11.2.1916)
Date
1916-02-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 7 Tr. Bloch s Wochenjchrif! Seite 115 Es ist ja.allgemein bcfamti, daß der russische Jude fein Leben und Denken aufs engste mir seiner Religion verknüpft und seine Gemütsversaisung wird besonders gehoben, wenn er steine Religion ungehinderr ausüben kann. Dies hat das Lagerkonuuando von Anfang mit liebevollem Scharfblick erkannt. Voriges Jahr zu Peßach ließ es sich von mir ein Expose überreichen, worin ulle (notwendigen Maßnahnren jür das Pechachsest angegeben sein sollien, und als ich am Vortage des Festes im Lager erschien, um zu sehen, inwieweii den von mir ausgesprochenen Wünschen Rechnung getragen worden sei, war ich selbst von dem Entgegenkommen überrascht. Eine neue Baracke mir zwei neuen Kochherden, vollkommen neues Eßgeschirr, Kochgeräte, die Lebensmittel nach Borschrist. Osterbrote, Koscherfleisch und Wein wurden aus ärarischen Mitteln zur Verfügung gestellt. Die Juden durften sich selbst kochen und in einer anderen großen Baracke ihre Mahlzeiten, ihren Gottesdienst und ihre Sederfeier halten. Damals hielt ich ihnen meine erste Ansprache mid brachte ihnen Liebesgaben, Hagadas und Zigaretten. Der Einfluß zeigte sich bald. Sie haben sozusagen eine „Kultusgenreinde" geschaffen, haben ihre ,.Vorsteher", drei sehr nette und tüchtige Männer, deren Tätigkeit ich größtes Lob spenden muß. Eine Bibliothek wurde gegründet und was ich an entbehrlichen hebräischen Büchern belletristischen Inhaltes hatte, habe ich beigesteuerk. Gebet-!, Psalmenbücher, Pesillin und Talesim wurden teils aus eigene Kosten beschafft, teils von mir besorgt und schließlich hat das Lagerkommando auf meine Bitte hin eine Baracke als ständiges Betlokal bewilligt. Durch das Entgegenkommen meiner Heimatsgemcinde Teplitz-Schönau erhielt ich eine Thorarolle, einen Vorhang und eine Alrardecke geborgt. Den Thoraschrein, das Vorbererpult, Tisch und Leuchter haben sie selbst sehr geschickt verfertigt und den Raum mit Papier austapeziert. So haben sie ihr ständiges Verhaus, ihr ,.Minjan". Ja. es wird sogar täglich „gelernt", und wenn ich in jedem Monat zur Predigt — die ich freilich nicht in Hochdeutscher Sprache Halte — hinauskomme. Jo ist meine „Gemeinde" versammelt, steht dicht gedrängt Mann an Mann, daß der Raum fast zu enge ist, aber es herrscht feierliche Rühe und Stille, die jedem Bethaus zur Ehre gereichen wird. Nicht vergessen will ich des Vorbeters. Er ist aus ihrer Mitte, in seinem Fache tüchtig und ich selbst höre gerne seinen gefühlvollen Vortrag des Gebetes. Die Prosessionisten unter ihnen find in den verschiedensten Betrieben beschäftigt, und man hat mir ihren Fleiß und ihre Geschicklichkeit noch stets gelobt, andererseits hat man ihnen nirgends hinsichtlich ihrer Religion etwas in den Weg gelegt. Bauern vom Lande, sogar katholische Geistliche schickten zu mir um Gebetbücher für die russischen Juden. Sie konnten die Feiertage halten und beten und man gewährte ihnen, was tunlich war und anging. Literatur. Conrad von Hötzendorf. Lin Lebensbild von Ludwig v. P a ft o r, k. k. Hofrat. Mit Conrads Bildnis und Schriftprobe. Ein 'Teil des Reinertrags wird Zwecken der Kriegsfürsorge gewidniet. Freiburg und Wien 1916, Herder'sche Verlagshandlung. Kart. Mk. 1.40, geb. in Leinwand Mk. 2.—. Eine Lebensbeschreibung Conrads von Hötzendorf, des neben Hindenburg volkstümlichsten und verdientesten unserer Heerführer im Weittriege, fehlte bisher vollständig. Um so freudiger wird man es begrüßen, daß einer unserer heimischen Geschichtsschreiber die Ausfüllung dieser Lücke als die Erfüllung einer oaterländiid'en Pflicht unternommen hat. Schon früher mit Conrad näher bekannt, tonnte Ludwig o. Pastor während eines Aufenthaltes im Großen Hauptquartier der österreichisch-ungarischen Armee im mündächen Verkehr mit Conrad durchaus zuverlässiges Material murmeln. Cr hat dies in seiner bekannten anziehenden Art zu einer kleinen, aber inhaltsreichen Schrift verarbeitet. Von besonderem Interesse ist darin die Schi derung des Großen Hauptquartiers und die gedrängte Darstellung der Kriegsvorgänge, welche der Schrift eine hervorragend zeitgemäße Bedei^ung verleihen. Jos. Mieses. Die älteste gedruckte deutsche Uebersetzung des jüdidifchen Gebetbuches aus dem Jahre 1530 und ihr Autor Anthonius M a r g a r i t h a. Wien 1915. R. Löwit. Kr. 2.40. Diese Spezialuntersuchung wirst auf lite.ar-geschichtliche und besonders kulturhistorische Einzelheiten aus der Vergangenheit des Judentums wertvolle Streiflichter und berichtigt Irrtümer, die zu Erbstücken unserer Geschichtsschreibung geworden waren. Sie ist insofern willkommen zu heißen. Louis Lamm. Verzeichnis jüdischer Kriegsschriften, Berlin 1916, Verlag Louis Lamm. 1. Heft. Eine verdienstliche Zusammenstellung von Abhandlungen, Predigten, Gebeten, Kriegsgesängen. Bildern usw. „Jeschurun". Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. III. Jahrgang. Heft 1. Herausgeber: Dr. I. Wohlgemut h. Verlag des „Jeschurun", Berlin N. 24. — Inhalt: Deutschland und die Ostjudensrage. D. Hoffmann: Probleme der Pentateucheregese (Zurückweisung einiger Angriffe gegen die Mora! der Bibel). H. R e u ß: Mittel, Zweck und Ziel der Erziehung in Israel. I. Bleichrode: Der Siddur im Spiegel der jüdischen Geschichte. I. Weinberg: Die Ieschiwoth in Rußland. A. Stern: Aphorismen. Mitteilungen. ».Jung Juda"". Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XVII. Jahrgang. Rr. 3. Prag, den 4. Februar 1916 (30. Schedas 5676). ^Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Inhalt: Saloniki. Ben Iehuda: Zu den Wochenabschnitten. Josef Hart: Die wilden Sieben. Dr. Mar Bergmann: Mose. Bar Kochba, der Held. Hugo Z u ck e r m a n n: Mizpah (Illusir.). Josef Hart: Spielende Binder (Illustr.f. Mar R o r d a u: Der zahme Löwe. Guck in die Welt. Mar Weinberg: Der Bäume Königswahl. I. Fried: Der Löwe und der Mensch. Ilebersetzungsaufgabe. Rätsel. Kriefkasterr. M. G. I. Ein Lehrerheim in Karlsbad ist uns unbekannt. II. Rein. M. L. Der Schützengraben ist beinahe so alt wie die Kriegskunst selbst. Die Juden wie die Helden Homers haben ihn gekannt, die Römer waren Meister darin. Cäsar hat seine Truppen mit dem Spaten ausgerüstet und hat Drahtverhaue und Wolfsgruben angewandt. In einem Aussatz über die Technik des Schützengrabens im „Prometheus" führt Th. Wolff-Thüring auch eine Aeuherung Friedrichs des Großen an, dessen verschanztes Lager von Bunzelwitz lange Zeit als Vorbild der Lagerverschanzung und Feldbefestigung galt. Friedrich der Große schrieb: „Das Aufwerfen von Befestigungen im Feld hat moralischen sowie physis ch e n Wert. Die Verschanzungen setzen auch dem kühnsten Angriff des Feindes ein starkes Hindernis entgegen und schützen ihre Verteidiger gegen das Feuer der Gegner; auch einen unerfahrenen Offizier setzen sie instand, an wichtigen Punkten des Kampsfeldes sich erfolgreich zu behaupten und für die Truppen und Geschütze die zweckmäßigste Art der Anwendung und Kampfesweise zu finden. Aber wie alles, verlieren auch sie ihren Wert, wenn man von ihnen einen falschen Gebrauch macht, sie ohne Kunst und Verstand anlegt und ohne Tapferkeit verteidigt." Notiz. Jüdische Bühne. Direktion S. P o d z a m c z e. 2. Bezirk, Taborstraße 12 (Hotel Stefanie). Freitag, den 11. Februar: „Schabes kojdesch". Samsrag, den 12. Februar: ..Der Hofmusikant". Sonntag, den 13. Februar, halb 4 Uhr nachmittags, halbe Preise: „Der Deserteur". Sonntag, den 13. Februar. Anfang 8 Uhr abends: „Das jüdische Herz". Montag, den 14. Februar: „Der II. Haman". Dienstag, den 15. Februar: ..Die Weiber" (Wohltätigkeilsabend). Mittwoch, den 16. Februar: ,.Ischu Rah". Donnerstag, den 17. Februar: „Kreuzer-Sonate" (Gordin-Abend). In Vorbereitung: „Die Emese Kraft" von Kordin.

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