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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-02-11 · 7 (11.2.1916) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
7 (11.2.1916)
Date
1916-02-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 114 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 7 Krakau. Präfidiunt der k. k. Statchalterei Biala, den 18. November 1915. 34097 pr. Herrn Scheint Klingberg, Rabbiner in Krakau, Tierlowsla Nr. 17. Zufolge der Zuschrift des Obersthoftnarschallamtes Seiner kaiserlichen und königlichen Apostolischen Majestät vom 16. September 1915, Zahl 3534, wird Ihnen die Danksagung dieses Annes sür das vor die Füße des Aller-i höchsten Thrones vorgelegre „Mit Gort" betitelte Werk ausgesprochen. Für den k. k. Statthalter. (Unleserliche eigenhändige Unterschrift. > Oderperg-Bahnhof. Am 27. Januar l. I., anläßlich des Geburtstages Sr. Majestär des deutschen Kaisers Wilhelm II., fand im hiesigen israel. Tempel ein erhebender Festgottesdienst start. Erschienen waren sämtliche hier ansässigen reichsdeutschen Zoll-, Bahn- und Werksbeamren, die Werlsdirektoren, die österreichischen und deutschen Militärbehörden, die Gemeindevertretung и. v. a. Nach einem stimmungsvollen Chorgesang, der vom Oberkamor Jonas Goldman geleitet wu:de, bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Friediger die Kanzel, um in einer formvollendeten, begeisterten Festrede die erhabene und fesselnde Persönlichkeit des deutschen Kaisers zu schildern. Die Festrede machte tiefen Eindruck und wurde mir großem Beifall ausgenommen. Teutschjbroö. Am 28. Januar verschied hier int 45. Lebensjahre der Chef der Firma Brüder Mahler, Herr Fabrikant Viktor Mahler, der sich in weiten Kreisen hoher Achtung und Beliebtheit erfreute. Die Kultusgemeinde verliert in dent Verblichenen einen edlen Gönner. Aber auch außerhalb jüdischer Kreise hat dev Verewigte Würdigung und Wertschätzung gesunden, die sich bei der TrauerfeierlickMit Mm 31. Januar in der zahlreichen Beteiligung offenbarte. Es waren erschienen: der ganze Vorstand und Kultusrat mit dem Vorsteher Herrn Alois Ko res an der Spitze; alle Gemein de mir-, glieder samt Frauen: in Vertretung der Regierung k. k. Hezirkshauptmann Herr Sch neide r-Soukup; in V.rtretungider Stadt Dem schbrod Herr Bürgermeister Reichsratsabgeordneter Dr. Schubert: in Vertretung des Bezirksausschusses der Obmann desselben, Herr Landesadvokat Dr. Halik: vom k. k. Gerichte Herr Gerichtsrat Hübler und Richter Herr Sibr: von der Filiale der Mährischen Agrarbank Herr Direktor Kadlec: vom к. k. Obergymnasium mehrere Professoren und viele, viele andere Gäste. In einem Saale lag die Leiche herrlich aufgebahrr, von brennenden Kerzen, Blumengewinden, Kränzen und Palmen umgeben, wie in einem schönen, ruhigen Hain. Nach dem Vorrrage eines hebräischen und böhmischen Gebetes von Herrn Rabbiner Dr. Leo Berr i s ch, bewegte sich der Kondukt bis aus den Friedhof. Voran schritten die Werkführer der Fabrik, die herrliche Kränze trugen. Darnach folgten in R'ih und Glied sämtliche Arbeiterinnen und Arbeiter und nach diesen alle Beamten und Beamtinnen. Dann kam der Leichenwagen. Hinter demselben gingen die Hinterbliebenen, nach biefcii die obenerwähnten Gäste und endlich eine Schar von einigen Hundert Leuten. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Bertisch nach dem Hazur tomim eine kurze, aber tiefergrisfene böhmische Tauerrede. Nachher hielt auch unser verehrter Präses der hiesigen Chewra-Kadischa Herr Max L i l l i n g eine kurze Ansprache. — Für die Chewra-Kadischa spendeten die Angehörigen des Verstorbenen zusammen 800 Kronen. Im Dienste des Vaterlandes und der Wohltätigkeit. Die „Preßburger Zlg." meldet: Unter vielen Künstlern ist auch der Stipendist der Stadt Pozsony, Herr Sigmund G r ü n s e l d, ein Vorzugsschüler der k. k. Akademie sür Musik und darstellende Kunst in Wien, zum Waffendienste bei unserem Hausregimente eingezogen und als Gefreiter zu einem Pserdesammel-Kommando in Nagykalna bei Leva zugeteilt. Wie uns nun aus Leva berichtet wird, hat Herr G r ü n s e l d schon bei mehreren zugunsten der Kriegsfürsorge veranstalteten Konzerten mitgewirkt und seine prächtige Tenorstimme hat stets dazu beigetragen, daß nebst wahrem Kunstgenuß auch die den Wohltätigkeitsaktionen Augeführten Summen sehr ergiebig waren. Heute, den 5. Februar l. I., findet in Leva abermals ein Konzert statt, bei welchem Herr Grünfeld Opernarien zum Vortrag bringen wird. — .Sigmund Grünseld ist Stipendist der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Feuilleton. Im it. « k. Kriegsgefangenenlager bei Salzburg. Von Dr. Biktor Kuerein, Rabbiner und Seelsorger für das k. u. k. Militär und die Gefangenenlager. Eines Abends gingen zwei aus der Arbeit kommende Männer in einer Straße Salzburgs vor mir und ich mußte ihr Gespräch unfreiwillig mitauhören. „Wenn eilt Feind entwaffnet ist," so erklärte der eine dem andern, „so ist er auch kein Feind mehr. Nur der Bewaffnete ist unser Feind, mit dem wir kämpfen; alsdann ist auch der Gefangene kein Feind mehr, er ist ein Mensch wie du und ich!" Diese Worte, von schlichten Leuten aus dem Volke in der Redeweise des Volkes gesprochen, zeigen eine beachteliswerte humane und vorurteilsfreie Denkart, und so oft ich seither in das Gefangenenlager komme, muß ich all jene Worre denken. „Gefangenenlager!" Was hat!man sich nichl anfangs unter diesem Begriffe vorgestellt? Heute stellt dieses Wort eine Stadt dar mit 30.000 und mehr Einwohnern, sauber und gepflegt, mit schönen Straßen und Garienanlagen, mit elektrischem Licht, einer Postanstalt, Feuerwehr, einem Kaf seehause, Mit Kirche und Fried-, Hof, Amtssitz und Behörde. Freilich etwas Eigentums liches har diese Stadr: es ist eine Stadt ohne Frauen und Kinder! Das Paradies war vielleicht für Adam, solange er ohne Eva war, auch nur ein Gefangenenlager. In beiden Lagern, in denen.sich auch eine kleine Judengemeinde beftnder, sind ungefähr 860 Juden untergebrach:. Zurzeit dürften es 300 'bis 400 sein, der Rest arbeitet in industriellen Betrieben oder auf dem Lande. Bei dem stark ausgeprägten Familiensinne, der dem Juden zu eigen ist, ist es natürlich daß die Sehnsucht nach ihrer Familie, nach Eltern, Frau und Kindern die jüdischen Gefangenen am meisten drückt. So oft ich sie ltach Wünschen befrage, sie antworten immer gleich: „Es geht uns gut, es fehlt uns nichts, wir sind zufrieden, llur nach Hause ntöchten wir!" Und da gibt es nur ein Heilmittel, das dieses Weh lindert, es ist ein Brief, eine Karte aus der Heimat und in die Heimat, und sie schreiben fleißig. Der Jargon wird mit deutschen Buchstaben geschrieben, damit der Brief die Zensur passieren kann. Man kann ermessen, wieviel Mühe so eine Karte oder ein Brief dem Schreiber kostet, bis er deutlich und deutsch geschrieben ist. In jedem Brief steht, daß es dem Schreiber gut geht und daß er gesund ist, und das ist keine Phrase. Wenn ich meine russische Kriegergemeinde überblicke, so muß ich sagen, daß es lauter gesunde, gut aussehende Menschen sind. Der Friedhof, der in vorsorglicher Weise auch für die Juden angelegt worden ist, ist glücklicherweise noch unbelegt. Kein russischer Jude ist noch hier gestorben.

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