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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-02-04 · 6 (4.2.1916) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
6 (4.2.1916)
Date
1916-02-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Scitc 98 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 6 solchen Liebesgabe, bedacht werden könne. Die Leiter der Aktion geben sich der Hoffnung hin, daß sich an diesem Liebeswerke auch Angehörige anderer Konfessionen beteiligen werden, wie sich denn auch die Juden von keiner einzigen Wohltätigkeitsaktion ausgeschlossen haben, die während des Krieges eingeleiret worden ist. Budapest. Der Rabbiner und Feldprediger an dem Augusta- Barackenspital in Budapest Se. Ehrwürden Herr Dr. Goldentz e r g erhielt von der Kammervvrstehung Sr. k. u. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Karl Franz Josef von Oesterreich d'Este für eine Sr. taiserl. Hoheit gewidmeten Dichtung den Dankesausdruck des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs. Feuilleton. Gr« „erfasteler" Sieg. Im „Pesti Naplo" bietet ein Maramaroszigeter Kaufmann eine überaus iirteressanre und charakteristische Episode aus den letzten Tagen, die dort den entscheidenden Liegen der verbündeten Armeen in Russisch-Polen vorausging: Wir wußten in Maramarosziger schon seit Tagen, daß sich am nördlichen Kriegsschauplätze cnt-l scheidende Ereignisse vorbereiten. Große Truppen- und Munitionstrausporte wurden bei unserer Bahnstation befördert. Neue Kanonen und viel anderes Kriegszeug wurden zu den Gebirgspässen geschleppt und die noch seil der ersten Invasion aufgeregte Bevölkerung sah mit gespannter Nervosität den bedeutungsvollen (Sreigitiffen der kommenden Tage entgegen. Ganz besonders die Orthodoxen bewegten sich mit unruhiger Aufgeregtheit yin und her. Die ganze Zeit konnten wir die ernsten, bärtigen Kaftanjuden sehen, die auf den Straßen laut murmelnd beteten. Mittwoch nachmittag trat plötzlich ein Wettersturz ein. Bon der nahen Gebirgskette herab strich ein schnei--, dend eisiger Wind zu uns. Vom dunklen Firmament zuckten die Blitze. In dieser schauerlich grausigen Zeit wurden alle Läden geschlossen. Leichenstille lagerte sich über die Stadt, deren jüdische Bewohner alle in die Synagoge geeilt waren. Bei den Orthodoxen wurde ein feierlicher Gottesdienst angekündigt. Alle Chasanim standen vor der heiligen Lade und auch der „Rebbe", der sonst nur in den seltensten Fällen aus seinem Beshami-i drasch zu kommen pflegte, war in der großen Schul. Er trat, umgeben von den Greisen, vor das Oraunhakaudesch und verkündete, daß man für den S i eg der ungarischen Waffen einen Fasttag abhalten müsse. Nach diesen Worten versammelten sich die Chassibim in den 22 Szygeter Bcthäusern. Ganz wie am Jom-Kippur. Im Sargenes, mit weißer Kappe, im Talks. ohne Schuhe standen sie vor Gott und beteten und weinten und fasteten. Die ganze Stadt war wie ausgestorben. Eine feierliche Ruhe lag auf ihr wie am JomKKipPur, wo jeder Verkehr und alles Leben still steht. In diese fürchterliche Grabesruhe hinein rollte der grimmig-himmlische Donner und brüllten die Kanonenrohre, die die Erde erschütterten. In den Gottes-! Häusern flackerten die langen Jom-Kippurlichter und aus den Synagogen drang der verzweifelte Schrei gepeininter Seelen, die in Zerknirschung vor Gott in Vieltausend-- jähriger Väterweise beteten. ... Den ganzen Vormittag währte der Sturm; indes man in den Synagogen mit tiefter Andacht das große Gebet verrichtete. Die ganze Stadt wurde vom heiligen Eifer gepackt und das große, die Seele tief durchdringende eifrige Beten um den Sieg, die Befreiung beherrschte mit tiefer Macht alle. Vor dem Tempel stand eine große Menschenmenge, die daselbst das Ende des heiligen Fasttages abwartete. Gegen drei Uhr nachmittags kam der Sekretär des Obergespanns, Alexander Kriesfolus, zur Synagoge und suchte den „Rebben". Dieser stand eben vor denil Oraunhakaudesch, um dort für die ganze Gemeinde die Widduj zu sagen. Sein Kopf war auf ein Sefertauro gelehnt; die Gemeinde stand gebückt und murmelte unter Tränen das Sündenbekcnntnis nach. Der Sekretär verständigte den „Rebben" vom großen Sieg, worauf dieser zu Boden fiel und minutenlang in tiefer Er-f grisfenheit betete. Dann stand er auf und winkte diO Greise zu sich heran. Von diesen umgeben, verkündete er den Sieg. Die Chasapim stimmten 'Jubelpsalmen an und die ganze große Schul 'widerhallte von Lobgesang und Danklied. Die Schomossim zerstoben nach allen Windesrichtungen, um es den Betern aller zweiundzwanzig Synagogen zu künden, daß wir mit Gottes Hilfe siegten. Die Freude in diesen Kreisen war unbeschreiblich. Inzwischen wurde der Himmel immer klarer. In, wunderschöner Herrlichkeit strahlte der milde Mond. Der „Rebbe" ließ beu jungen Rabbiner der Sfardimgemeinde, Dr. Samuel Danzig, mit dem er selten verkehrte, wissen, daß er ihm begegnen wolle. Aus dein Hauptplatz trafen die zwei Rabbiner zusammen. Dort war die ganze Stadt versammelt. Unter freiem Himmel wurde extempore ein Dankgottesdienst absolviert. Dr. Danzig hielt eine zündende ungarische Rede. Die Leute weinten vor Freude. Erst später dachte man daran, daß es Zeit zum Anbeißen sei. Das fromme Marmarosszigeter Volk — so schließt die Schilderung — ist fest davon überzeugt, daß der Sieg dem Fasten nnb Beten zu verdanken sei. Z. B. A. Literatur. Ungarisch-Jüdisches Kriegsarchw., Der Vorstand des Ungarisch-Jüdischen Kriegsarchiv hielt unter dem Vorsitze der Präsidenten Generaldirektor Eugen P o l n a y v. Tiszasüly, Oberrabbiner Doktor Hev-esi und Redakteur Dr. Joseph Patai eine Konferenz ab, an welcher sich die vornehmsten, führenden Persönlichkeiten des ungarischen Judentums beteiligt haben. Es sprachen Baron Bela v. Dirsztay, Hofrat I. Simon v. B o g l a r, Landeskanzlei-Präsident Dr. M. Mezey, Redakteur Dr. M. Hajdu u. a. Es wurde beschlossen, die Propaganda des Archivs in der Zeitschrift „Mult es Jövö" energisch fortzusetzen, das ungarisch-jüdische Kriegsmaterial je vollständiger zu sammeln und im Monat März einen großzügigen, illustrierten „Jüdischen Kriegsalmanach" herauszugeben, der sämtlichen Mitgliedern des Archivs, des Ungarisch-Jüdischen Landeskultur-Verbandes, den Abonnenten der Zeitschrift „Mult es Jövö" und sämtlichen Kulturinstitutionen unentgeltlich zugeschickt werden wird. Daten, Dokumente und sonstige Beiträge bittet das Präsidium an feine Adresse, Budapest, V., Falk Miksagasse 20, oder an hie Adresse: „Mult es Jövö", Budapest, VI.. Podmaniczkygasse 6, einzusenden. „Die Schuldtragenden". Gedächtnisrede, gehalten zur erstjährigen Todesfeier Sr. kaiserl. und königl. Hoheit des Erzherzog- Thronfolgers weiland Franz Ferdinand und höchstdessen 'Gemahlin Ihrer Durchlaucht Herzogin Sofie von Hohenberg im Beisein der r. u. k. Militär- und königl. kroatischen Zivilbehörden, den 28. Juni 1915 von Dr. H. E. K a u f m a n n, Rabbiner der israel. Kultusgemeinde zu Virovitica (Slavonien). Der Ertrag ist zugunsten der notleidenden Juden in Galizien bestimmt.

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