Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-28 · 5 (28.1.1916) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
5 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022195-3022201--24838-3050107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 78 Dr. BLoch's Wochenschrift Nr. 5 scheu. Redner bemerkt auch in bezug aus die Mazzosfrage, daß die Gemeinde keine Anstrengungen und Kosten scheuen darf, um den Mazzosbedars zu decken. — Das Budget in dieser schweren Zeit ist ein ausgezeichnetes, jeder Jude hat in dieser allgemeinen Not die heilige Pflicht, der Gemeinde helfend Leizuspringen, die schweren Lasten zu tragen, er werde darum für das Budget stinrmen. Kultusvorstcher Professor Tal. Ehemann: Es ist leider wahr, das jüdische Leben in den Familien ist nicht geeignet, die Aufgaben der Religionslehrer zu erleichtern, die Achtung vor Religion und Judentum zu erhöhen. Man denke Nur an die geschmacklosen sogen, „jüdischen" Witze, die das Judentum verhöhnen und an denen Juden und Jüdinnen Gefallen finden, zu Hause und in öffentlichen Lokalen sich ergötzen, statt vor Scham zu erröten. Es würde sich auch keine andere Konfession ein „Budapester Orpheum" gefallen lassen. Eure schärfere Empfindlichkeit für die Ehre des Judentums gegenüber Verspottungen und Verunglimpfungen durch Schale Witze ist Juden und .Jüdinnen drirrgend notwendig — wollen wir nicht unsere Kinder zur Verachtung des Judentums erziehen und anleiten. Unsere Lehrer müssen entsprechend gehalten werden — materiell und in sozialer Schätzung —, damit tüchtige Männer sich diesem Berufe widmen. Und sie müssen eine gründliche pädagogische Vorbildung erhalten, der abnorme Zustand muß aufhören, daß sämtliche staatliche Lehrerbildungsanstalten Juden versperrt bleiben. Man muß entweder bei den Behörden die Zulassung unserer jungen Leute zu den Lehrerbildungsanstalten erwirken oder ein eigenes jüdisches Pädagogium eröffnen. Die Auflösung unserer Lehrerbildungsanstalt war ein Fehler. — Für den Religionsunterricht ist doch irgend jemand maßgebend und verantwortlich und trägt naturgemäß auch die Verantwortlichkeit für Fähigkeit und Unfähigkeit der einzelnen Lehrkräfte. Auch der Krieg darf uns nicht abhalten, berechtigten Kritiken Gehör zu geben. Präsident Dr. Alfred Stern bemerkt, die Auflösung unserer Lehrer-Präparandie erfolgte infolge Weigerung der Gemeinden in den Kronländern zur Erhaltung des Institutes einen Beitrag zu leisten, und. weil zahlreiche absolvierte Lehrer ohne Anstellung blieben. Kultusvorsteher Dr. Engel hält zwei Stunden Religionsunterricht für hinreichend, wenn nur die Lehrer auf der Höhe ihres Berufes stehen. Im Mädchengymnasium war es ebenfalls mit dem Religionsunterricht früher sehr arg bestellt, seitdem aber der Vorstand sich entschlossen hat, zwei tüchtige Männer mit dem Unterricht dort zu betrauen, sind die Schülerinnen von dem Unterricht begeistert. Also einzig und allein das Lehrermaterial ist entscheidend. Kultusvorsteher Dr. Samueßy gibt zwei Am regungen: Erstens das Fränkelsche Legat von 300.000 K. für ein Kinderantbulatoriuni recht bald in Ausführung zu bringen; zweitens eine Kommission einzusetzen zur Erweiterung der Heimstätte für verlassene Kinder. Ein anonymer Wohltäter hat der Heimstätte 12.000 K. durch 10 Jahre gewidmet, um weiteren zwanzig Kindern Aufnahme zu sichern. Es sind zahlreiche Kriegswaisen zu versorgen, da sollte diesem Institut erhöhte Auftnerksamkeit zugewendet werden. Kültusvorstcher Em. Grünwald teilt mit, daß ein Nichtgenanntseinwollender sich bereit erklärt hat, einen Grund zum Bau einer solchen Heimstätte zu schenken, wenn der Vorstand den Bau eines solchen Hauses selber unternimmt. Nach einem Schlußwort des Referenten, in welchem derselbe auf die Bemerkungen der einzelnen Redner reflektiert, deren Anträge Gegenstand der Beratungen in den Kommissionen bilden werden, wird der Voranschlag einstimmig zum Beschluß erhoben, worauf der Vorsitzende, Präsident D>r. Alfred Stern, die öffentliche Sitzung für geschloffen erklärt. Vortrgge des Komitees zur Aufklärung über ostjüdische Fragen. Am 12. d. hielt im Festsaal des Ingenieur- und Architektenver.-ines Herr A Sonne den angekündigten Vortrag über: „Die Entwicklung des Hebräischen bei den Ostjuden". Nachdcni der vorausgehende Vortrag das Jüdische, die Volkssprache der Ostjuden, behandelt hatte, bildete die Erörterung über das Hebräische als lebendige Sprache weiter ostjüdischer Kreise eine willkommene Ergänzung. Die Ausführungen erhielten einen besonderen Reiz dadurch, daß der Vortragende selbst als neuhebräischer Dichter sich verdienter Anerkennung erfreur. Man gewann von dem Bortrag de?. Eindruck einer gründlich durchdachter: Leistung und meisterhaften Beherrschung des Stoffes. Der Saal war, wie bei den früheren Vee.iustaltung u des Komitees, dicht besetzt Besonders begrüßt wurden als Gäste die Herren Sektionschef Dr. Edler von Hampe, Regiernngsrat Prof. Dr. Wilhelm Jerusaleni, Regieruugsrat Dr. Frankfurter. Privatdozerit Dr. Torczyner. Am 7. Februar spricht Herr Doktor S. R a p o p o r t aus Lemberg über „Das religiöse Leben der O st j u d e n", am 24. Februar: Herr Rabbiner Doktor G r u n w a l d über den Dicht r „I. L. Perez alsSchilderer des ostjüdischen Volkslebens". Schuh Versorgung für die Armen Wiens. Die Schühzentrale ist jetzt 6 Tage der Woche nach?- mittags geöffnet und hat ihre Wirksamkeit auf zwanzig Bezirke erweitert, indem die Frauenhilfskomitees dieser Bezirke Schuhanweisungeil erhalten, die Fälle recherchieren und die würdigen Petenten mit Anweisungen in die Zentrale, 9. Bez., Rotenlöwengasse 5, senden, wo.sie mit guten- Schuhen bekleidet werden. Ferner wurden in dieser Weise angegliederk: das k. k. Kriegsfürsorgeamt, welches seine Invaliden ilnd die Frauen und Kinder der Heeresangehörigen an die Zentrale zur Schuhbekleidnng weist, das Settlement, das Asyl für Obdachlose, Horte und Ausspeisungen vom Schwarz-gelben Kreuz, Vereine und andere Korporationen. Für das Geld der Sammlungen in der „Neuen Freien Presse" wurden neue Schuhe iangekaust, da £er Vorrat (alter Schuhe naturgemäß nicht den Anforderungen genügen kann. So wurden auch Holzsöhlenkinderschuhe aus Deutschland und Böhmen bezogen, die an Schulkindern verabfolgt werden, Die eigene. Schustcrwerkstätte bewährt sich prächtig und die alten Meister aus den Versorgungshäusern flicken die einlangenden abgetragenen Schuhe der Spender und haben den Ehrgeiz, an der Wohltat ihren Teil dadurch beizutragen, daß die Schuhe gut repariert wieder bald zur Verteilung gelangen können. Rührend ist auch, wenn ein Schullehrer mit einem großen Paket abgetragener Schuhe kommt, die er in seiner Klasse den besitzenderen Schülern für die ärmeren 'abgenommen hat. Diesem Beispiel sollten alle Lehrer an den Schulen folgen, so wäre kein Kind barfuß! Sehr sammeltüchtig sind auch unsere eleganten Schuhgeschäfte, an deren Spitze Reschovsky, Del-Ka, Salamander, Humanic, Gerngroß, Bauer usw. zu nennen sind; die Firma Salamander, Schuhgesellschaft, setzt für seine Verkäufer Prämien aus, wer die meisten Schuhe von den Kunden zusammenbringt, erhält eine Prämie von 30, 20 und 10 Kronen. In Würdigung unserer dringend notwendigen Einrichtung, geruhten die kaiserl. Hoheiten Frau Erzherzogin Maria Josefa, Erzherzog Friedrich und Erzherzogin Jsabella, Erzherzogin Marie Therese sowie der regierende Fürst Johann Liechtenstein unserer Aktion ansehnliche Geldbeträge zuzuwenden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.