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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-28 · 5 (28.1.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
5 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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N-. 5 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 77 Opfer zu bringen im Bewußtsein, menschenfreundlichen Instituten zu helfen und einen: wohltätigen Zweck zu dienen. Sehr geehrte Herren: Uns Juden hat seit Jahrtausenden unter allen möglichen drückenden Verhältnissen, in der Nacht finsterer Jahrhunderte eine unbesiegbare Hoffnungsfreudigkeit aufrechterhalten; die Hoffnung Marder strählende Stern, der uns durch allen Düster des Mittelalters geleitete und unser Herz erleuchtete und erwärmte. In unserem täglichen Schlußgebet bringen wir diese unsere Zuversicht auf Besserung mit den 'Worte:: zum Ausdruck: mpj p by Und so wollen nur auch heute der Hoffnung Ausdruck geben, daß recht bald der heißersehnte, uns und allen Völkern zum Wöhle gereichende Friede eintreten werde; der Hoffnung, daß dieser Friede auch uns Juden bringet: werde, was wir bis jetzt leider noch entbehrt haben: die Möglichkeit ungehinderten Wirkens im Dienste des Vaterlandes zu unserem und zun: Heile aller Völker. Redner gibt schließlich unrer dem Beifall und einhelligen Kundgebungen der Zustimmung von seiten der gesamten Versammlung der Sympathie Ausdruck und die besten Wünsche für das Wohlergehen jener Beamten der Kultusgemeinde, die auf dem Felde der Ehre für das Vaterland tapfer und mutig kämpfen. Er spricht den Dank aus dem Bcamtenkörper, der in der schweren Zeit mit vermindertem Personal selbstlos alle Pflichten und Aufgaben erfüllt, und einen besonderen Dank dem Büro für die Unterstützung be: der Ausarbeitung des Referates. Redner schließt mit dem Antrag, das Budget anzunehmen. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Der Präsident Dr. Alfred Stern dankt den: Referenten für seine mühevolle ausgezeichnete Arbeit und eröffnet hierauf die Debatte. Budgetdebatte. Kult.-Vorst. Hcinr. M e n d l: Nach einigen budgettechnischen Bemerkungen, die sich auf die im Voranschläge aufgestellten Defizite und deren Bedeckung beziehen, erklärt Redner betreffs der Mazzos frage, daß aus derselben der Kultusgemeinde keine Kosten erwachsen sollen und dürfen, daß vielmehr das Risiko einzig und allein von den Erzeugern getragen werden müsse. Was den Religionsunterricht betrifft, möchte er in bezug auf den ausgewiesenen Zuschuß der Kultusgemeinde die Frage stellen, ob wir hierin nicht schlechter gestellt sind als die Katholiken, ob auch diese für den katholischen Religionsunterricht eine verhältnismäßig gleiche Summe aufbringen müssen. Jedenfalls sei dafür zu sorgen, daß nach. dieser Richtung die staatlich garantierte Gleichberechtigung zum Ausdruck komme. Im allgemeinen ist aber der gegenwärtige jüdische Religionsunterricht nicht geeignet, bei den Kindern der Großstadt, welche in viel stärkerem Verkehr mit der Welt stehen als die Ostjuden, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu züchten und ihnen Achtung und das Rückgrat oder gar den Stolz auf ihre Religio:: zu stärken. Eine Abhilfe ist da dringend geboten. Auch das M a t r i k e l a m t, das einen Zuschuß von 41.009 Kr. erfordert, besorgt staatliche Aufgaben im übertragenen Wirkungskreise, und es wäre daher ebenso wie beim Religionsunterricht ein Ersatz seitens des Staates anzustreben. Die Pflege der Wohltätigkeit erfordert insgesamt einen Betrag von mehr als 600.000 Kr. Ich vertrete den Standpunkt, daß es nicht angezeigt ist, die Gemeindemitglieder durch Steuern zwangsweise zur Ausübung von Wohltätigkeit zu veranlassen. Kultus- und Wohltätigkeit sollen gesondert werden. Prinzipiell bin ich überhaupt gegen konfessionelle Wohltätigkeit, weil wir verlangen müssen, daß unsere Armen von den gesetzlich verpflichteten Behörden alimentiert werden müssen, nicht aber nur von uns. Die konfessionelle Wohltätigkeit ist nur als Ergänzung möglich. Ich halte darum die Organisation der gesamten Wohltätigkeit als eine wichtige und dringende Aufgabe. Die Kultusgemeinde hat sich durch Dotierung der Zentralstelle für das jü d i s ch e A r menwesen gleichfalls zu diesem Standpunkt bekannt. Die Ausgestaltung dieser Zentralstelle, der ich auch angehöre, will ich mir angelegen sein lassen, und ich wünsche,' daß Subventionen nur an solche Jnstitutio nen bewilligt werden, die der Zentralstelle detaillierte Berichte über ihre Tätigkeit einsenden. Das Budget akzev tiere ich, erlaube mir jedoch den Wunsch auszusprechen, daß der Vorstand, insbesondere das Vertreterkollegium, bei feiner Gebarung Mit Rücksicht auf die derzeitigen Verhältnisse besondere Sparsamkeit walten lasse. Kultusvorsteher Hofrat L ö w n e r bespricht die Uebelstände im Religionsunterricht, die dahin geführt haben, daß unsere großstädtische Jugend vom Judentum bloß das weiß, daß es ein Hindernis des Fortkommens bil det,^ daß man darob Zurücksetzungen erfährt, einen schweren Lebenskampf zu führen har, nicht aber, was sie begeistern kann, das Martyrium willig zu tragen,' diesen Kampf freudig zu führen, beim Judentum stolz auszuharren. Und so sieht man denn aus den Reihen dieser Jugend zahlreiche die Fahne des Judentums verlassen und wie einen schäbigen Mantel abwerfen. Worin die Ursache der völligen Unfruchtbarkeit des Religionsunterrichtes gelegen sein mag, ob die Jugend die Schuld trifft oder die Lehrer? Vielleicht beide. Der Fehler liegt offenbar in der Methode. Mit den: grammatischen Unterricht vermag man unmöglich die Jugend zu begeistern. Nur mit erhöhter Pflege der jüdischen Geschichte kann man günstige Resultate erzielen. Man muß sich zu einem radikalen Vorgehen entschließen, für die Jugend das beste Lehrmaterial zu ge-, winnen, die minderwertigen, unfähigen Lehrkräfte — eventuell mit einer vollen Pension — auszumerzen, denn es gilt, uns die Zukunft, die Jugend, zu sichern. Redner erklärt sich bereit, die seit dem Tode des Vorstehers Dr. Maximilian Steiner unverarbeitet liegende Material der Jnspektionsberichte zu prüfen und über die sich ergebenden Resultate der Unterrichtskom-' Mission zu berichten. Kultusvorsteher Sal. B r o d behandelt in seiner Rede den I u g e n d g o t t e s d i e n st, den er den Zeitverhältnisfen angemessen anregend und seinen: Zwecke entsprechend auszugestalten wünscht. Redner stellt den Antrag, daß die Obmänner der Bezirkskommissionen den Delegierten zum Jugendgottesdienst ein Formular mit vorgedruckten Fragen über den Verlauf der Funktion und die dabei gemachten Wahrnehmungen einhändigen sollen. Die einlangenden Berichte sollen allwöchentlich von einem Vorstandsmitgliede im Verein mit dem Obmann der Unterrichtskommission geprüft werden, damit dort, wo sich. Mängel ergaben, rasche Abhilfe geschehe. Kultusvertreter jnr. et phil. Dr. Markus Spitzer reflektiert auf die Bemerkungen der Vorredner und erläutert das Verhältnis der Kommune zum jüdischen Religionsunterricht und zeigt, daß die Pauschalierung ihres Beitrages in den Verhältnissen gelegen und dem Unterrichtszweck förderlicher ist. Anderseits darf man von den: wöchentlich zweistündigen Religionsunterrichte, alle häusliche Vernachlässigung wieder gutzumachen, nicht erwarten. In zwei Stunden wöchentlich während zehn Monaten — akademisches Viel Feiertage — der Jugend das Gebetbuch, Bibel, jüdische Geschichte. Moral- und Religionslehre vertraut zu machen, ist eine unlösliche Aufgabe — selbst für die besten Lehrkräfte. Ta muß unbedingt das Haus nachhelfen. Ueberdies hat die Gemeinde gar kein Mittel, schlechte Lehrkräfte toszuwerden, wer soll die Unfähigkeit eines im Amte befindlichen Lehrers konstatieren? Die Schulinspektoren sind auch nur Men-

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