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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-28 · 5 (28.1.1916) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
5 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Serte 74 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 5 zeichnen. Seit 18 Monaten känchfe ich an der Front. Im Juni 1915 war ich am Pruth bei einem Anlässe als Vorpostenkommandant tätig. Infolge meiner glücklichen Aufklärung gelang es Her unserer Division zugeieilten Infanterie auf jenem! Terrain, in zwei Tagen die russische Kavallerie über die Grenze hinüberzudrängen. Hicfür wurde ich mit der Tapferkeitsmedaille 1. Klasse ausgezeichnet. Jetzt, am 2. Januar 1916, siel die Wahl auf mich, einen starken feindlichen Vorposten mit meinen 40 Mann aus einem wichtigen Meierhofe zu verdrängen. Für meinen erfolgreichen Angriff wurde ich mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klaffe ausgezeichnet. Ich bin der Sohn der Frau Witwe Josef Ko rein; wir sind drei Brüder. Der eine, Alexander, der älteste, ist am 6. November 1914 hei Lublin gefallen (20. Honved- Jnfanterieregiment); der Zweite, Josef, ist an derselben Stelle als Krüppel in russische Gefangenschaft geraten (48. Inf.-Reg.). Hochachtungsvoll Eugen Ko re in, Husaren-Zugsführer . Ausgezeichnete Müder. Franz Baron, Redakteur der Budapefter „Volksstimme", hat zwei Söhne als Soldaten. Franz, geboren 1891, Kaufmann, war Zugsführer ber der 4. Gebirgs- Haubitzendivision. Nach achtnronatigem Kämpfen^ geriet er im März 1915 schwerverwundet in russische Gefangenschaft. Sein Fuß mußte amputiert werden. Im Oktober wurde er im Austauschwege nach Häufe gebracht. Er ist Besitzer der großen silbernen, der kleinen silbernen und der bronzenen Tapferkeitsmedaille. Sein Bruder Geza, geboren 1888, war Feldwebel im 32. Infanterieregiment. Nach zwölfmonatigem Dienst auf dein Kriegsschauplatz erhielt er das silberne Verdienstkreüz mit der Krone am Bande der TapferkeitsMedaille. Am 8. August 1915 fand er am russischen Kriegsschauplatz den Heldentod. Dr. Ludwig Gyözö, Advokaturskandidat, Kadett, erhielt für sein heldenmütiges Verhalten vor dem Feinde die silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse. Der ausgezeichnete Held ist der Sohn des Gyöngyöser Kaufmannes Israel Grün bäum, der noch zwei Söhne aus dem Kriegsschauplätze hat. Dr. Enterich Gyözö hat bereits das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration erhalten. („Egyenlöseg") Aus den Autzeichnrmgen des KekdraMners Ireudiger. Dr. Simon Kaufmann, Advokat in Budapest, rückte am ersten Mobilisierungstage zu seinem Regimente, dem 6. k. u. k. Infanterieregimente, ein. Er kam mit den ersten Marschkompagnien auf den Kriegsschauplatz. Anläßlich der denkwürdigen Offensive im Mai vorigen Jahres erhielt er den Auftrag, den San zu übersetzen. Er löste seine Aufgabe in ausgezeichneter Weise. Er war der erste, der an der Spitze seiner Truppe das jenseitige Sanufer betrat. Dr. Kaufmann wurde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Michael A g i d, Fähnrich des Artillerieregiments, erhielt für eine waghalsig und heldenmütig ausgeführte Waffentat die Tapferkeitsmedaille 1. Klasse. Erzherzog Eugen, Oberkommandant der südwestlichen Front, beschenkte ihn mit seiner Photographie, auf welche er die folgenden anerkennenden Worte eigenhändig schrieb: „Dem wackeren Verteidiger der südwestlichen Front mit Dank und Gruß: Erzherzog Eugen." Hin Keldpostßrief eines Gefangenen in Serbien. Geehrter Herr Doktor! Am 4. Dezember 1914 wurde ich viermal verwundet auf einen Hilfsplatz gebracht, wo ich am 7. Dezember 1914 noch mit zirka 150 Mann Verwundeter gefangen wurde. Am nächsten Tage wurden wir ins Hinterland gebracht, wo wir auf Spitäler aufgeteilt wurden. Ich kam nach Uesküb, wo ich nach fünf Monaten gesund entlassen wurde. In-den Spitälern wurden wir von serbischen Doktoren und größtenteils von ausländischen wie auch kriegsgesangenen Aerzten behandelt. In Uesküb betätigten sich aufopfernd Dr. Wanka und die beiden Mediziner Rudolf Weißkopf, Prag, und I. Peteny, Budapest. Weiter betätigten sich auch: die Internierten Frau Emma W o l f n e r mit ihren beiden Töchtern Nelly und Anna als freiwillige Pflegerinnen, durch deren Aufopferung manches Leben erhalten blieb. Die erste Zeit lebten die jüdischen Gefangenen frei in den Städten und konnten irgendeinem Erwerb nachgehen. Später wurden sie eingezogen und mußten dann auf Eisenbahnen, Straßen und Magazinen arbeiten. Anfangs August wurde strafweise der größte Teil der Juden nach Novibazar gebracht, wo für sie schwere Arbeiten bestimmt waren und sie jeder Freiheit beraubt wurden. Erst waren wir in Zimmern und dann wurden wir in Ställen einquartiert. Ende Oktober wurden wir unter strenger Eskorte über Mitrowitza, Ferisovic, Prisrend nach Debrä gebracht, um höchsttvahrscheinlich nach Frankreich oder Italien gebracht zu werden. Diesen Brief schicke ich über Saloniki durch einen französischen Marinesoldaten, welcher noch mit zirka 100 anderen aus Serbien flüchtet. Jetzt teilt mir gerade ein Kollege mit, daß zwei jüdische Gefangene namens Isidor Richter und I. Ko h-u aus Budapest grundlos gestern abends erschossen wurden. Hoffend, daß ber Brief in Ihre Hände gelangen wird, zeichne ich mit besonderer Hochachtung Alfred Kriegler. Ire Iamikre Knöpfmacher an der Krönt. Die „Neue Fr. Presse" meldet unter dem Schlagwort: „Aus dem Schützengraben". Ingenieur Fritz Knöpfnracher richtet unter dem 14. d. M. an seinen Vater, Herrn M. Knöpf macher, Inhaber des Cafäs Kartenbau, folgenden Feldpostbrief: „Der heutige Tag wird mir für mein Leben im Gedächtnis bleiben. Gestern war starkes Artilleriefeuer und, wie ich Euch schon mitgeteilt habe, trat ich um 5 Uhr in Dienst als Beobachter im Schützengraben. Um zirka 10 Uhr machten die Russen, die mit Maschinengewehrfeuer vorgetrieben wurden, einen Angriff, wurden aber schon von der Infanterie abgeschlagen und zum größten Teile niedergemacht. Um halb 6 Uhr ftüh, es war noch sehr finster, begannen sie einen Angriff rechts von mir, dann vor mir und schließlich links und waren auch schon im Schützengraben. Den ersten, der auf mich zukam, schoß ich nieder und dachte, daß es mit mir aus sei, da wir nur sechs Mann waren, mein Telephonist und vier Infanteristen, so tonnten wir uns gegen die Hundert, die plötzlich vor uns waren, nicht wehren. Ein russischer Offizier rief: „Nicht schießen!" Er hielt mich für einen Offizier und nahm mir den Revolver, meinen: Telephonisten den Apparat weg und wollte mich durch drei Mann abführen lassen. Unter diesen befand sich auch ein russischer Jude, dem sagte ich: „Warten wir, unsere schießen zu stark, wir können bei dem Feuer nicht in eure Stellung." Und wir blieben, trotz Hunderten von Russen, die bei uns hin- und herliefen, im Graben liegen. Ich verlor keine Sekunde die Geistesgegenwart. Plötzlich, nach zirka einerhalben Stunde, höre ich unsere Reserven mit ..Hurra stürmen; da entriß ich dem nächsten Posten das Gewehr. Zwei Infanteristen machen dasselbe mit den anderen und erklären sie jetzt für unsere Gefangenen. Sie waren zufrieden. Doch noch ein unangenehmer Moment folgte. Zwei Russen stürzten mit gefälltem Bajonett auf mich.' Mein Nebenmann ersticht den einen, ein anderer schießt noch zurechten Zeit den zweiten Russen nieder. Da waren auch schon unsere Reserven im jGraben. Und so rückte ich, nachdem die Russen unter großen Verlusten vollständig zurückgeschlagen waren, wieder zu meiner Batterie ein. Bin gut gelaunt und wurde belobt. Seid ohne Sorge, auch die Beförderung kommt jetzt."

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