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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-28 · 5 (28.1.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
5 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 70 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 5 Herr Bartels behauptet, daß die Juden an dem Kriege sich bereichern „und daß ein sehr großer Teil der Kriegskosten nur die jüdische Geldmacht bedeutend verstärkt. Der Jude tut nichts umsonst. Einzig und allein sein Vorteil entscheidet." Unseres Wissens ist ferner an den großen Kriegslieferungen für die Alliierten keine deutsch-amerikanische Firma, deren Inhaber Juden sind, beteiligt. Die amerikanischen Munitions- und Waffenlicferanten sind f a ft ausnahmslos nichtjüdis ch e Firmen. Man weiß, daß speziell eine Reihe von amerikanischen Firmen, deren Inhaber Juden sind, umgekehrt Angebote zu solchen gewinnbringenden Lieferungen ab lehnten. Aus St. Louis meldete „The Hebrew": George W. Deller, der Besitzer eines hiesigen Stahlwerkes, hat Anfang Juni einen unbegrenzten Auftrag der französischen Regierung aus Schrapnells abgelehnt. Die Bestellung hätte wöchentlich auf 90.000 Dollar gelautet. Mr. Heller lehnte den Auftrag aus Opposition gegen den Krieg ab. Einige Tage früher hat ein anderer amerikanischer Jude aus derselben Stadt, Theodore Phillips, eine Bestellung von 900.000 Dollar auf Maschinen zur Herstellung von Kartätschen abgelehnt. Ferner: Jsaac W. Frank, dessen Eltern aus dem Schwabenlande stammten, leistete auf einen Munitionslieferungsvertrag Verzicht, bei welchem Millionen zu verdienen gewesen wären. Herr Jsaac Frank steht an der Spitze der United Engineeringand Foundry Comp. Im Interesse wahrer Humanität hat er es, gegen das geschäftliche Interesse seiner großen Firma, entrüstet abgelehnt, Mordinstrumente für die Alliierten zu fabrizieren. Dahingegen sind eine nicht geringe Anzahl deutschiamerikanischer Firmen gut arischer Abkunft dem Beispiel des aus Süddeutschland stammenden Stahlkönigs von -Bethlehem- Charles Schwa b, gefolgt und lie-> fern nach wie vor Material, das' gegen chre im Kampfe für das Vaterland stehenden Brüder zur Verwendung kommt. So insbesondere die in Stuttgart eine Filiale unterhaltende Bosch Magneto u. Co. in Springfteld, deren Leiter der deutsche Staatsbürger Otto F. Heinz ist. Zu den eifrigsten Freunden der Ententemächte gehört auch der bekannte aus Deutschland stammende Warenhausbesitzer John Wanamaker, der einen Aufruf unterzeichnet hat, der gegen den Krieg protestiert, .„der durch die Habsucht eines! verpreußten Deutsche land verursacht wurde". Andererseits gehört zu den Vorkämpfern für eine wirkliche Neutralität ein Jude, Dir. Hugo Schweitzer in Newyork, einem jeden deutschen Chemiker, der in den letzten zwei Jahrzehnten seinen Fuß auf den westlichen Strand des Atlantischen Ozeans gesetzt hat, wohlbekannt durch die Freundlichkeit, mit der er sich der Fremdlinge angenommen hat, der durch sein „unpatriotisches Verhalten" die höchste Entrüstung der amerikanischen Geschoßfabrikanten erweckt hat. Sie brauchen nämlich, wie wir einer Schilderung der „Köln. Volkszeitung" entnehmen, zur Füllung von Vierverbandsgranaten gewaltige Mengen Sprengstoff, aber zur Herstellung des Sprengstoffes fehlte ihnen das nötige Phenol. Dieses fanden sie bei dem deutsch-amerikanischen Chemiker Dr. Hugo Schweitzer, Newyork, 410 Niverside Drive, in großen Mengen, und hocherfreut boten sie ihm einen sehr anständigen Preis. Dr. Schweitzer erklärte jedoch gelassen, er gebe diesen Rohstoff nicht für Eeschoßzwecke ab. Man bot ihm das Sechzehnfache des vor dem Kriege üblichen Preises, aber der Chemiker blieb fest. Er verarbeitete dann den Stoff zu Natronverbindungen und Uetz sich so ohne Wrmperzuäen einen Gewinn von einigen Millionen Mark entgehen. Diese Tat bescheerte dem wackeren Deutschen neben vielen gehässigen Anfeindungen von dunklen Ehrenmännern auch eine persönliche Umarmung durch den ebenso hocherfreuten wie tiefergrifsenen Edison, der nicht umhin konnte, seine Gefühle in dieser „handgreiflichen" Weise zu äußern, und so seine wahrhaft vornehme Gesinnung zu erkennen gab. Mehrere Kölner Herren haben an Dr. Schweitzer einen gereimten deutschen Dankesgruß gesandt, dessen letzter Vers lautet: Die Anderen: „Wohl hat das gleißende Metall Gar viele Knechte überall! Es dringt in des Erdballs fernste Zonen ' Zn alle Winkel, wo Menschen wohnen, Es dringt zu den Höhen und niederwärts, Doch niemals in ein deutsches Herz, Das voll von echtem Edelsinn Und abhold schnödem Blutgewinn! Heil Hugo Schweitzer! Dir ist es gelungen, Du hast eine Weltmacht zu Boden gerungen!" Es ist nicht anzunehmen, daß Herr Professor Bartels und seine Parteigenossen durch diese Darstellung irgendeine Belehrung annehmen. Ihr Judenhaß ist von derselben Art wie der Deutschenhaß, der jetzt in der ganzen Welt leider Gottes ohne Verschulden des deutschen Volkes grassiert: Die Ausschaltung jeder ruhigen Ueberlegung offenbart ihn als das Zeugnis dunkler Triebe; er hat seinen Sitz nicht ink Kopfe, sondern int Herzen. Im Januarheft der „Tat" veröffentlicht der schwedische Schriftsteller Carl G. Laurin einen Aufsatz „Die Deutschenverachtung in Europa", wo ebenfalls die Tatsache konstatiert wird, daß die Deutschenverachtung große Aehnlichkeit hat 'mit „dem wenig ansprechenden Antisemitismus" und das schwedische Sprichwort zitiert wird: „Was tut der Deutsche nicht für Geld?" Der Verfasser fügt aber hinzu: „Wer den Vorzug gehabt hat, länger in Deutschland zu weilen und nicht nur das Palais de Danse, Moulin Rouge und Piccadilly in Berlin besucht hat, der weiß, daß der wichtigste Teil der Bildung, die Herzensbildung, vielleicht nirgends so verbreitet ist wie dort. Daß die Deutschen an sogenannter allgemeiner Bildung am höchsten stehen, können/ nicht einmal ihre Feinde bestreiten, und, was mich anbetrifft, 'so muß ich betonen, daß nur der parteiischste Deutschenhaß leugnen kann, daß man die höchste Verfeinerung, sowohl seelische wie körperliche, besonders innerhalb der Militärffeife und vielfach bei den feinen Judenfamilien, aber auch in anderen wichtigen Schichten des an seiner eigenen .Ausbildung am energischsten und erfolgreichsten arbeitenden Volkes der Deutschen findet. So erweist sich in neutralen Ländern, daß, es nicht die Antisemiten sind, die das Deutschtum werten, wüjrdigen und verteidigen. Mangel an Ehrgefühl (Ein beherzigenswertes Mahnwort.) Eine der abstoßendsten Erscheinungen im jüdischen Leben ist die Tatsache, daß Juden und Jüdinnen an gewissen Kabaretts^ Gesallen finden, wo das Judentum verunglimpft und verhöhnt wird. In der öffentlichen Sitzung des Kultusvorstandes vom 23. d. M. hat Professor Dir. Ehr m ann, ohne von den Vorgängen in der Leopoldstadt eine Ahnung zu haben,*) dem! Bedauern Ausdruck gegeben über den Mangel an Ehrgefühl bei Juden und Jüdinnen, die an Verhöhnungen und Verunglimpfungen des Judentunrs — selbst in öffentlichen Lokalen — sich ergötzen, „statt vor Scham! zu erröten". In der Tat, wie sollen andere uns achten, wenn sie unserer Selbsterniedrigung täglich Zeugen sind. Wir haben nicht einmal das Recht, bei der Behörde wegen des Aergernisses Klage zu führen, wenn solche Verunglimpfung des Judentums bei uns keine Empfindung des Aergernisses) sondern des Wohlgefallens auslöft. Deshalb ist es höchst beachtenswert, daß jetzt einmal in einem Fachorgan aus sachkundiger Feder eine verständige und leicht durchführbare Umschreibung der Grenzen von demjenigen erfolgt ist, was man von so- *) Peinliches Aussehen und starkes Befremden erregte es im zweiten Bezirk, daß bei einer Wohltätigkeits-Veranstaltung am Mittwoch, den 19. d. M., im Hotel Kontinental eine der „Künstlerinnen" ein Juden verhöhnendes Couplet den zahlreich geladenen Jüdinnen vorsetzen durfte, ohne daß diese Jüdinnen den Mut ausbrachten, den Saal zu verlassen.

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