Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 5 (28.1.1916)
- Date
- 1916-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 5 Dr. Bloch’s Jahrgang ZXZHI Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums. Otr--— ■ -=£)Q? K. k. Postlxarkapenarnt Clearing-Verkebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien II,i. Praterstraße 9. Z Telephon 45.359 nO — -r-.-Do Wien. 28. Januar 1916 Brscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, H/i, Praterftraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. oo- - --=00 Vrxugsprris für Srsterrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2imck gespal- : t.'ne Pctitzcilc 48 Heller. O O-.. - .- O O Inhalt: Leitartikel: Professor Adolf Bartels (Weimar) gegen „Ein deutsch-jüdisches Weltbündnis". — Mangel an Ehrgefühl. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Sonstige Auszeichnungen. — Leutnant Artur Schwarz. — Belobende Anerkennung. — Husaren-Zugsführer Korein. Ausgezeichnete Brüder. — Aus den Aufzeichnungen des Feldrabbiners Freudiger. — Ein Feldpostbrief eines Gefangenen in Serbien. — Die Familie Knöpfmacher an der Front. — Das hebräische Kriegstagebuch eines jüdischen Soldaten..— Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Ein oifizelles Amtsblatt in jüdischer Sprache. — Protest des Rabbiners von Saloniki gegen die Verhaftung von Salonikier Juden. — Korr efpondenzen: Aus der öffentlichen Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom 23. Januar 1916. —^Vorträge des Komitees zur Aufklärung über ostjüdische Fragen. — Schuhversorguug für die Armen Wiens. — Ausspeisung für Flüchtlinge. -- Erholungsstätten für Schulkinder. — Brockensammlung für jüdische Arme. — Me an. — Vermischtes. — Feuilleton: Kriegsmarginalien. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Professor Adolf Kortels (Meiwar) gegen „Cm dentslh-fudifchrs Wellbimdms**. ii. An einem Tage durcheilten zwei Mitteilungen den deutschen Blätterwald. Die eine Zeitungsmeldung besagte, daß der Frankfurter Fabrikant Lwlomon Frank der Stadt 20.000 Mark übergeben hat, deren Zinsen zugunsten der auf deutschen U-Booten beschäftigten Mannschaften oder der Angehörigen solcher Mannschaften verlvandt werden sollen; die zweite Meldung lautete, daß der in Sachsen geborene Direktor der West Hartlepool- Dampsschifsahrtsgesellschast I. E. Gut he in einem Schreiben an die „Times" 100 Pfd. Sterl. Belohnung ausgesetzt hat „für den Kapitän eines jeden englischen Handelsschiffes, dem es gelingt, ein feindliches Unterseeboot zum Sinken zu bringen". Bezeichnend aber ist, daß in der Erklärung gegen die Deutschen auch die Inhaber der Firma Leisler, Bock und Co., Glasgow, sich finden; der eigentliche Name dieser Herren lautet von R o t t e n b u r g, es sind dip Brüder der verstorbenen Exzellenz von Rottenburg, der seinerzeit die rechte Hand des Fürsten Bismarck und nach dessen Ableben Kurator der Universität in Bonn war. Daß Herr Bartels die Bernhard Shaw in England, Saint-Saöns in Frankreich den Juden zur Last legt, entspricht jener Methode des Hasses, mit welcher die Feinde der Zentralmächte gegen Deutschland Anklagen fabrizieren. Tatsache ist, daß dort, wo die Juden nicht durch Pflichten gegen das eigene Vaterland moralisch zur Parteinahme gegen die Zenrralmächte verbunden sind, sie begeisterte Vorkämpfer des Deutschtums bilden. Wir erinnern an Georg Brandes in Dänemark und an zahlreiche hervorragende Führer der Juden in Amerika. Wir erinnern nochmals an das Schreiben, das auf dem Deutschen Tage in Philadelphia verlesen wurde. Verfasser desselben ist der Rabbiner Dr. K r a u sköpf, ein hochangesehener Mann, der als der hervorragendste englische jüdische Kanzelredner in den Vereinigten Staaten gilt. Der Brief lautet in der Hauptsache: „Ich kann nicht begreifen, weshalb das deutsche Volk, das ich auf meiner Reise um die Welt als eines der am besten gebildeten, der am besten regierten, der gesetzliebendsten und der Kunst und Wissenschaft ergebensten fand, als Hunnen, brutale Gesellen, Wilde und Barbaren gebrandmarkt wird. Ganz unbegreiflich aber ist es mir, datz in den Vereinigten Staaten, einem Lande, das nicht in den europäischen Konflikt hineingezogen ist, das behauptet, stritt neutral zu sein, ein Hatz gegen Deutschland sich kund gibt, der an Bitterkeit alles übertrifft, was ich in Deutschland nach Ausbruch des Krieges gegen die Völker wahrnahm, mit denen es jetzt im Kriege sich befindet. Es ist mir um so unbegreiflicher, als die deutsche Regierung und das Volk alle Amerikaner, welche nach der Kriegserklärung sich in Deutschland befanden, in liebenswürdigster und aufmerksamster Weise behandelten. Ist eine derartige' Charakterisierung des deutschen Volkes vereinbar mit der Führung der Millionen von Leuten, welche aus Deutschland hier herüber gekommen und hier eine neue Heimat gefunden haben? Ist sie gerechtfertigt einem Volke gegenüber, dessen Söhne unter den ersten Ansiedlern sich befanden, welche die erste Bibel druckten, den Ackerbau ausbreiteten, Industrie emführten, den ersten Protest gegen Negersklaverei erhoben und für die Freiheit und die Unteilbarkeit der Union Ströme von Blut vergas en? Hätte mir jemand vor drei Monaten erklärt, datz eine solche Erbitterung gegen das deutsche Volk hierzulande möglich sein würde, so würde ich ihn für verrückt gehalten haben." Ebenso interessant ist die Mitteilung amerikanischer Blätter über Kapellmeister Hertz: „Kapellmeister Alfred Hertz hat schon bei seinem Abschied von Newyork bewiesen, datz er für sein Deutschtum jederzeit einsteht, und das Absingen des „Heil Dir im Siegerkranz", das er und einige gefeierte deutsche Opernkräfte im Speisesaal des feinsten Newyorker Hotels dem „Tipperary" entgegensetzten, war seine letzte künstlerische Leistung in Newyork. Jetzt ist er Dirigent des Symphonie-Orchesters in San Francisco, und er hat zum Schlüsse eines Konzertes den Ltaisermarsch spielen laffen, gerade an dem Tage, da di: Deutschen in Warschau einmarschieren sollten. Daran haben die Engländerfreunde Anstotz genommen. Sie verlangen di: Absetzung von Kapellmeister Alfred Hertz, und zwar zugunsten von Mr. Henry Hadley, dem frühere^ Dirigenten der San Francisco Music Association. Der Kaisermarsch hat die Musikfreunde von San Francisco in zwei Lager geteilt, die sich nun heftig bekämpfen. Kapellmeister Hertz hat erklärt, er werde die Liebe zur Heimat niemals verleugnen."