Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 4 (21.1.1916)
- Date
- 1916-01-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022200--24826-3050094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 67 Sprüchen gleich, der Adler liebt die Eule!" Drauf jedoch der Adler ihr erwidert: „Fürchte nichts! Denn dieses weiß ein jeder, Daß für Adler Eulen nicht geschaffen!" Der Balkankrieg, hat er durch unsägliches, alle Gemütcr znsammenkcampfendes Entsetzen Schlächtereien der Großmächte - eine Völkerwanderung ins Jenseits - in das Reich der Unmöglichkeiten verwiesen, damit kämpfende Völker nicht das Schicksal der beiden Löwen Münchhausens teilen müßten, die sich gegenseitig verschlangen? „Die Völker sind brav, wenn nur die Hetzer, die Hetzer nicht wären!" Kaiser Franz Josef. 23. Juni 1892 in Brünn. Den gewissenlosen Hetzern mit Gisrzungen und eisigen Herzen, den Hetzern, die an dem Weltbrande herumzü adeln und züngeln, um die Erde vollständig in ein Jammertal zu verwandeln, zu einem Resonanzboden für das „Hohngelächter der Hölle" zu machen, gelte der nächsteWeltkrieg!*) * Vier Arten gibt es, einen los zu werden: man kann chn hinauskomplimentieren, hinauseskamorieren, hinausekeln und hinauswerfen. Die letzte Art ist die ehrlichste. Vor allen vier Arten soll man bei uns mehr als irgendwo auf der Hut sein. ... Im August und September 1912 hat der Autor dieser Zeilen Nachstehendes veröffentlicht und mm mit Zusätzen versehen: Sollte es nicht einem überzeugungstreuen Anhänger des Wehrstandes, der in der Wehrmacht eine sichere Getvähr für Macht und Ehre eines Staatswesens erblickt und hochhält, der biologisch, volkshygienisch öeit ethischen, charakterbildenden Wert einer militärischen Erziehung hoch einschätzt, gestattet sein, darüber nachzudenken, um daraus Weiteres zu folgern? Wer da weiß, ums die unleugbaren Qualitäten militärischer Mannhaftigkeit: kaltblütiger Opfermut, selbstlose Hingabe, Schlagfertigkeit, stete Bereitschaft, Entschlossenheit und Besonnenheit, rasches Erfassen einer Situation, penible Pünktlichkeit, Edelsinn den Schwachen und Schutzbedürftigen gegenüber, treue Kameraderie, hilfsbereites, entbehruugsfähiges Wesen, bedenkenloser Gehorsam, Begeisterungsfähigkeit für die Kriegsobern und fürs Vaterland — im Können, Wollen und Schaffen aus aller: Gebieten bedeuten, was deren Betätigung in Haus, Gesellschaft und Staat, was deren Vererbung auf die kommenden Generationen für unentbehrlichen, unvergleichlichen Wert hat — wer das weiß oder'auch nur ahnt, der wird ltub muß sich wundern, daß die Statistik sich noch nicht der Frage bemächtigte: „Was hat rnan der militärischen Schulung zu danken? Wie keine andere Wissenschaft erscheint die Statistik dazu berufen, den Nachweis zu liefern, wie gegenwärtig, wo die stabilisierenden Energien im.Hause und im .äußereu Leben immer bedenklichere Lockerungen erfahren, die Notwendigkeit sich steigert, die Zügel des Pflichtgefühls stram-- mer anzuziehen, das Bewußtsein der Unrer- und Ueberordnung zur RechtsMerzeugung zu kondensieren, seelische Hemmungen gegen die perverse Richtung des Individuums, sich auszuleben, auszutoben, auszutollen, anzuüringen und zu festigen, die Pestilenz des Strebertums, des ehrgeizigen, ehrvergessenen Strebertums einzudämmen und in seinem brutalsten Ankämpfen gegen vornehm-bescheidene Verdienstlichkeit zu begrenzen. „Unsähige, die zu allem fähig sind," nannte Unger die Streber. *) Mar Nordau, ein Publßist von Weltruf, schrieb mir am 8. Januar 1913 mit Bezugnahme auf das Vorstehende: „Wie schade, daß ich Ihre gedankenreichen, weisheitschweren Aphorismen nicht früher kannte. Ich hätte einiges aus ihnen (in der Jahresrevue der „N. Fr. Pr.") angeführt, als ich den Zaren der Bulgaren zu kennzeichnen suchte. Ich kenne diesen hochbedeutenden Herrscher nicht persönlich und bedauere es?' Streber uild Popularitütshascher sind nahe ver ivandt: beide reiben sich vergnügt die Hände und raunen schmunzelnd: „Die Dummen werden nicht alle," eher werden alle dumm. — Streber sind Povularitätshascher nach oben und Popularitätshascher sind Streber nach unten. Die Natur gab der Klapperschlange das schärfste Gist, aber auch die Klapper, um davor zu warnen. Wer denkt nicht dabei an redselige Streber? Einige der angeführten militärischen Qualitäten, in das innerste Volkswesen übergegangen, wären ausreichend, die heil- und beispiellose wirtschaftliche Panik aufzu halten, welche vor dem Ausbruch eines Weltkrieges Industrie und Handel in wilde Zuckungen versetzt, solide Reichtümer in Frage stellt, jede Werte schaffende Arbeit lahm legt, das Bankwesen diskreditiert, das allgemeine Vertrauen tief erschüttert und vitale Interessen auf im berechenbare Dauer schädigt. Die Panik sieht zagend und zitternd in der kleinsten „Wolke so groß wie eine Manneshand", wie einst der Prophet Eliahu ein Um wetter emporsteigen, allerdings nicfjt mir dem erwünschten Wolkenbruch. . . . U n s e r K a i s e r, der jugendliche Greis, dessen Haltung und Zepterführung in dieser furchtbar ernsten Zeit von aller Welt bewundert wird, stellt ja selber die ehrfurchtgebietende Inkarnation eines vornehmen, ritterlichen, heroischen Soldaten dar — und gleichwohl ver dient er wie kaum ein anderer den Ehrentitel: „ein Fürst des Friedens!" . . . Die Erde nennt der Inder die „G eduldig e". Welche Geduld muß die Erde haben, um all den Schrecken und Graus des Balkankrieges und die unsägliche Angst vor einem Weltbrande ertragen zu können! Tie Macht der Gewohnheit ist die Ohnmacht des Willens. . . . Vom Skorpion geht die Sage: Wenn man einen Feuerkreis um ihn zieht, verletzt er sich selber mit seinem Stachel und stirbt am eigenen Gift. — Sollte das nicht ein Rezept für mancherlei Kriegshetzer auf dem Balkan seitk? . . . „Zähne, Haare.' Nägel und — Männer Tangen zu nichts, von der Stelle geriffelt: Wenn der "Verständige dies bedenkt, Wird er seine Stelle zu halten wissen."*) Wer Wind sät, erntet Sturm. Wer Güte und Liebe aussäit, wie oft erntet er Undank und Haß! „Verbinde kleine Mittel keck. Und du erreichst auch deinen Zweck! Mit Gräsern, zu einem Strick gewundert, Werden sogar Elefanten gebunden." — „Der Niedere paßt nicht an den Platz, Wo Große hervor sonst ragen: Tenn niemand will ja einen Schuh Auf dem Haupt als Krone tragen."*) (Fortsetzung folgt.) Literatur. ..Moses weint". Wir erhalten von Herrn A o r k - S t e i n e r folgende Zuschrift: „Vor etwa fünf Jahren schrieb ich eine Ballade in Prosa „Moser weint", von der ich in meinen Schriften kein deutsches Exemplar mehr auffinden kann. Ich ersuche daher höflichst Redaktionen oder Privat-. Personen, die einen Abdruck oder eine Manuskriptkopie besitzen, um gefl. leihweise Ueberlassung." *) Aus dem Hilopadefa.