Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 3 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 49 Literatur. V Artur Schnitzlers „Professor Bernhardi" in Kopenhagen. Die neugegründete „Szenische Gesellschaft" in Kopenhagen begann ihre Tätigkeit, wie die „Dossische Zeitung" meldet, mit einer Ausführung von Schnitzlers „Professor Bernhardi". Dies veranlagte in der Presse einen lebhaften Meinungsaustausch über das sachlich Berechtigte des Bernhardischen Vorgehens. Da ist es denn nicht ohne Interesse, daß die soeben erschienenen „Erinnerungen und Briese" der Pastorin Jda Iohnsen^ ein eigenes Erlebnis berufen, das große Ähnlichkeit mit dem Falle Bernhardi hat. Jda Johnsen war eine Bahnbrecherin der weiblichen Krankenpflege in Dänemark und wirkte als Schwester am Allgemeinen Hospital unter Professor L- Brandes. Infolge Ueberanstrengung ernstlich erkrankt, erbat sie geistlichen Beistand, den ihr jedoch Brandes aus Furcht vor einer Verschlimmerung ihres Zustandes verweigern zu müssen glaubte. In der Erregung darüber ries ihm die Kranke die heftigen Worte zu: „Wie dürfen Sie als Jude mir als Christin das Sakrament verweigern? Sie ahnen ja nicht, welche Bedeutung das für mich hat!" Daraus verlor sie das Bewußtsein; aber Brandes' sorgfältiger Behandlung glückte es, sie dennoch zu retten. Soweit liegt der Fall dem Bernhardis ähnlich, nur datz die Patientin bewußt mit gegen den Arzt auftritt und schließlich gerettet wird- Der Abschluß aber ist noch versöhnlicher. Nach der Genesung erhielt die Pflegerin ein Manuskript des Professors, das dieser unter dem ersten Eindruck des Zusammenstoßes niedergeschrieben hatte. „Nie hat mich etwas so betrübt, wie Ihre Worte", fügte er hinzu. „Ich ging in mein Zimmer, und weinte, wie nicht seit meines Vaters Tode. Daß gerade Sie, mit der ich soviel gesprochen hatte, das sagen konnten, verstand ich nicht. Sie wissen, wie meine ganze Seele an meiner Nation und meiner Religion hängt; Sie mußten wissen, daß ich als Arzt und Mensch mich dem widersetzen mußte." Und viele Jahre später in ihren Erinnerungen beschließt die Gerettete und Versöhnte das Erlebnis: „Damals ging es mir auf. datz keine andere Nation der Menschheit die Gestalt Jesu Hervorbringen konnte, als gerade das jüdische Volk." Helden des Roten Kreuzes. Von E. d. I. v. W o i n o v i ch und Oberstleutnant A. Veltze. Manz - Verlag. Wien, 1915. Bald dauert der Krieg achtzehn Monate. Unsere Helden bluten für Kaiser und Vaterland auf dem Felde der Ehre. Helden-, taten werden bei der Bergung und Rettung unserer tapferen Vaterlandsverteidiger vollbracht und nur zu oft werden sie nicht genügend gewürdigt. Um nun diesen Helden des Roten Kreuzes. „Helden der Nächstenliebe", ein Denkmal zu setzen — gaben G. d. I. v. Woinovich und Oberstleutnant Veltze im Verein mit anderen Schriftstellern, wie K r a l i k. S ch ö n t h a I, Zweig usw-, das Büchlein „Helden des Roten Kreuzes" heraus, in dem einige dieser stillen Heldentaten veröffentlicht werden. „Von großen und kleinen Helden". Von Leo S m o l l e, k. r. Schulbücherverlag, 1915. Leo S m o l l e. der bekannte Sagensorscher, hat für unsere Jugend ein neues Buch, das „Von großen und kleinen Helden" betitelt ist, herausgegeben. In interessanter anziehender Weise schildert uns der Schriftsteller jugendliche Helden unserer Monarchie und solche reiferen Alters von der Römei^eit bis in die Tage des Weltkrieges. Unsere Kinder werden immer gern das elegant ausgestattete Buch, das von A. M a n d l i ck illustriert ist, zur Hand nehmen. Mit dem Auto an der Front. Von A. F e n d r i ch. Franckh '- sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Geheftet M. 1,—. gebunden M. 1.60. Wir wollen nur kui^ eine Stelle aus dem Büchlein wiedergeben: .Es war ein Rabbi als Feldgeistlicher dem A. O. K. angeschlossen. Der war zurzeit meines Dortseins auf Urlaub. Ich habe seinen Platz an der Tafel inne und da ich mich gerne mit dem Oberstabsarzt in tiefe Gespräche einließ, so behauptete die ganze Tafel, der Geist des Rabbi sei auf mich gekommen. „Unter Habsburgs Fahnen gegen Italien". Von Paul Lindenberg. A. Bonz & Comp., Stuttgart. Preis M. 2.50. Paul Li.ndenberg, der als Kriegsberichterstatter unseren Truppen gefolgt war, gibt nun seine Kriegserlebnisse im Verlage A. Bonz & Comp, heraus. Seine Schilderungen führen uns in die schneebedeckten Gletscher der Karnischen Alpen und der Dolomiten, den Schauplätzen der Heldentaten unserer Soldaten. Er führt uns die bravouröse Haltung unserer Truppen in den Görzer Schlachten vor Augen. Er erzählt uns auch vom nie versiegenden Humor unserer Vaterlandsoerteidiger. Das mit Aufnahmen des Verfassers illustrierte Buch ist Sr. k. u. k. Hoheit Erzherzog Eugen gewidmet und wurde von demselben huldvoll angenommen. K. G. Der synagogische Gesang. Eine Studie von Aron Friedmann, königl. Musikdirektor und Oderkantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Durch die Liebenswürdigkeit des geehrten Verfassers, der diesem Buche bereits zum 100. Geburtstage Salom. Sulzer ' s und zum 10. Todestage Louis Lewandovsky's deren Biographie beifügte, in den Stand gesetzt, ist es mir eine angenehme Pflicht, zur neuesten Auflage einige Worte über den Wert desselben niederzuschreiben. - Dieser besondere Wert besteht darin, daß der Verfasser, aus tiefster Vergangenheit schöpfend, den Beweis erbringt, daß aus den Tonzeichen der heiligen Schrift die sogenannten Ncumen, die ersten Zeichen der Kantenschcift, überhaupt hervorgingen. Mit welcher Richtigkeit dies wiedergegeben ist und datz eine Vergleichung dieser ersten Zeichen musikalischer Wissenschaft mit der Regina übe; einstimmt. hat schon Hugo R i e - mann und andere Musikgelehrte bestätigt. Aber auch wir. die wir in der Sphäre des hebräischen Berufsgesanges tätig sind, erfahren mit Staunen, wie das Leinen, resp. die Regina der Thora, der Hafthora, der Megiilah, Echo und Esther grundlegend und rückwirkend aus das ganze Chasonut sich ergab. Aber auch aus der Vortragsweise bedeutender Vorsänger und Komponisten erforscht der Verfasser die verwandtschaftliche Art der traditionellen Melodien untereinander. Er weift ans verschiedenen Quellen und an der Hand der Broschüre Joses Singers f. A. nach, datz dieselben nach Tonfolgen des Ahaoorabbo Adonaj moloch- und Mogenovaus-Gebetes geordnet find. Es ist hier nicht der Zweck, den Aufbau aller Synagogentonleilern zu erklären, denn jeder Strebsame kann Einsicht nehmen in diese Studie und er wird des Interessanten und Lehrreichen zur Genüge und zur eigenen Befriedigung darin finden. So möge dieses wertvollste aller Hilfsbücher als Supplement zu unseren Meisterwerken aus keinem Bücher!ische unserer lieben, Kollegen fehlen. Jungbunzlau, im Januar 1916. Bened. Singer. Oberkantor. Geheimrat Prof. Dr. L. Geiger, „Die deutschen Juden und der Krieg". C. A. Schwetschle E Sohn. Berlin W 57. Preis Mk. 1.20. Deutsch-Oesterreicher könnten an dieser Schrift bemängeln, datz die österreichischen Verhältnisse in ihr nur gelegentlich berührt werden. Dem Verfasser aber kam es wohl hauptsächlich darauf an. die Zustände des Deutschen Reiches zu behandeln. Dies Hai er in lichtvoller Weise getan. Da er in erster Linie Historiker, nicht Politiker ist. so konnte man von vornherein annehmen, datz er nicht b.otz über den gegenwärtigen Kriog spricht, sondern geschichtlich zu Werke geht. Wirklich wird in fünf Abschnitten die gesamte Zeit von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum gegenwärtigen Kriege dargesteckt. Es wird mit Ser Zeit Mendelssohns begonnen und gezeigt, wie damals zum erstenmal die Frage der Militärtauglichkeit der Juden angeschnitten wurde, sodann dargetan, wie durch die Gesetzgebung von 1312 die Juden als zum Militärdienst verpflichtet erklärt und in das preußische Heer eingereiht werden. Die ferneren Abschnitte sind den folgenden Perioden von 1840, 64, 66 (wobei es besonders wohllut, datz kein schnödes Wort gegen Oesterreich gebraucht wird). 1370 und 1914 15 gewidmet. Als besondere Vorzüge der Schrift außer ruhiger Sachlichkeit und gemeinverständlicher Darstellung ist hervorzuheben die Rücksichtnahme au, die Literatur, sodatz namentlich aus dem Siebenjährigen Kriege, den Epochen von 1813 und 1817 die Beteiligung der Juden an der Verherrlichung der militärischen Ereignisse mit tei.weist wenig bekannten Proben aufgezeigt wird. Als fernere; Lob mag erwähnt werden, datz der Verfasser mit außerordentlicher Wärme das Unrecht darstellt. das den Juden bei militärischen Beförderungen angetan wurde und wird, sodann die Entschiedenheit, mit der er Mut und Tapferkeit der Juden rühmt und die Begeisterung, mjt dem er dem Deutschtum der Juden das Wort redet. Die Schrift, die wie wir hören, im Deutschen Reiche eine große Verbreitung erlangt hat. verdient auch in unseren Kreisen gelesen und beherzigt zu werden. __ _ E. O. Stromer. Zeitschrift für Demographi und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Stalistik der Juden, Berlin C.. 2.. An der Spandauer Brücke 15. Schri.tleitung: Dr. Bruno Blau. Berlin. 11. Jahrgang. Juli, August. September 1915, Heft 7, 3, 9. Inhalt: I. Abhandlungen. Wlad. W. Kaplun Kogan, Berlin. ..Die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen." Eine statistische Studie Davis T r i e 1 s ch. Berlin. „Von den Sprachoerhältnissen der Juden." II. Statistisches Archiv. „Eheschließungen im Deutschen Reiche in den Jahren 1912 und 1913." „Jüdische Professoren und Oberlehrer im Schuljahr 1914 in den preußischen