Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 2 (7.1.1916)
- Date
- 1916-01-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 2 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 31 blieb. Er war ein strenger Sabbatäer, der den Sabbattag streng beobachtete, keine Schweine hielt und bloß Fleisch aß, das rituell geschlachtet war. Saltos war 22 Jahre hindurch Richter der Gemeinde, ein Musters richter. von dessen Fleiß und Ehrlichkeit man im ganzen Bezirk sprach. Die Sekte der Sabbatäer entstand im sechzehnten Jahrhundert in Böhmen. Sie feierten neben dem Sonntag auch den Sabbat (Sonnabend). Zu Anfang 'des siebzehnten Jahrhunderts fand die Sekte auch in Sieben-, bürgen Anhänger. Die letzten Reste, etwa 30 Familien, traten zum Judentum über. Tie Gebetbücher des letzten Sabbatäers. Wie den Tagesblättern bereits gemeldet wurde, ist dieser Tage in der siebeubürgischen Gemeinde Bozodujfalu der letzte Sabbatäer namens Joseph Sallos gestorben. Es ist nun bezeichnend, daß der römisch-katholische Pfarrer der Gemeinde, da er wußte, daß der) Sabbatäer nur formell der katholischen Kirche angehörte, die Beerdigung desselben erst dann vornahm, nachdem der Ortsrabbiner Isaak Hirsch die schriftliche Erklärurig abgab, daß er aus den Leichnam keinen Anspruch erhebt. Sallos war im Besitze dreier alter handschriftlicher Sabbatäerbücher. Jetzt nach seinem Tode erhielt eines derselben, welches im Jahre 1810 geschrieben wurde, über letztwillige Verfügung des Sallos der Rabbiner der Gemeinde, während die anderen zwei seinem Wunsche gemäß ihm in den Sarg mitgegeben wurden. Judenpogrome in Astrachan. (Geständnis des russischen Ministers des Innern Chwostow.) Petersburger Meldungen zufolge machte der Abgeordnete Winigradow im Budgetausschuß sensationelle Enthüllungen über die Niedermetzelun gen der Astrachan er Juden, die bisher geheimgehalten wurden. Die-Polizei arrangierteieinen Pogrom, der zwei Tage lang wütete. Die Juden wurden niedergemacht, ihre Geschäfte und Magazine ausgeraubt. Die städtischen Behörden wendeten sich an C h w o st o w telegraphisch und ersuchten um strenge Bestrafung der Polizei. Trotzdem! blieb die Polizei unbehelligt, vielmehr erhielt der Polizeichef sogar eine Belohnung. Minister C h w o st o w gestand, daß die Polizei gedeckt war, denn ein ministerielles Rundschreiben untersagte ihr einzuschreiten und verfügte, den Pogrom austoben zu lassen. Zur Beruhigung der Gemüter teilte der Minister mit, daß diese Verordnungen bereits außer Kraft gesetzt seien. _ Jacob H. Schliff richtet einen Appell an die Newyorker Geschäftswelt. Am 22. November fand in Newyork eine große Versammlung der Newyorker Kaufleute und Industriellen statt; dieses Meeting wgr einberufen worden, um die Schritte zu beraten, die zur Beschaffung eines Millionen- Fonds für die vom Kriege betroffenen Juden in Europa nötig wären. Rev. Dr. I. L. M a g n e s präsidierte und unter den Rednern des Abends waren: Jacob H. Schisf, Kongreßmann Meyer, London, Hermann Bernstein, Oberst Cutter usw. Jacob H. Schiff führte in seinem Zlppell folgendes aus: „Was wollen wir tun? Was fönnen wir. > tun? Wir haben bereits ein Hilfskomitee organisiert, und in den eineinhalb Kriegsjahren haben wir 1,300.000 Dollars aufgebracht. Doch was ist diese Summe, verglichen mit den 3,000.000 Juden Amerikas, — von denen ja mindestens 100.000 reich sind. Wir würden nicht zuviel leisten, wenn wir 30,000.000 Dollars aufbrächten! Wir müßten sogar noch mehr aufbringen, um dem Elend unserer Glaubensgenossen zu steuern. Ich glaube, jeder Jude in Amerika könnte für einen Juden der kriegführenden Länder sorgen. Jeder muß jetzt seine Pflicht bis aufs äußerste tun, jeder hat etwas übrig für seine leidenden Glaubensgenossen jenseits des Wassers." Kongreßmann London. Oberst Cutter forderten ebenfalls auf, reiche Spenden für diesen Zweck zu! geben. Die neue Organisation, deren Name „Busineß Men's League" ist, wird erst in einigen Tagen ein Komitee wählen und das Hauptbureau bekanntgeben. Vermischtes. Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag, den 13. Januar 1916, halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Archirektenvereines, 1. Bezirk, Eschenbachgasse 9. ein Vortrag des Herrn Rabbiners Tr. Max Grunwald statt. Thema: „Die Juden der Türkei." Eintritt frei, — ohne Karten. _ .Edle Glaubensgenossen! Die gefertigte k. u. k. israelitische Militärseelsorge in Prag gestattet sich an das edle Herz der p. t. Glaubensgenossen mit der höflichen Bitte zu appellieren, derselben gütige Spenden an Geld, Zigaretten, Ritualien usw. sowohl zugunsten der armen israelitischen Verwundeten. Invaliden und Kranken in den Sanitätsanstalten Prags, wie auch der israelitischen Kriegsgefangenen in den Kriegsgefangenenlagern des 8. Korps Zukommen zu lassen. K. u. k. i s r. M i l i t ä r s e e l s o r g e in Prag II, Krakauergasse Nr. 23. Oesterreichisches Landeskomitee und Hilfskommission 1915 für Palästina. Vom österreichisch-ungarischen Konsulat in Jerusalem ist soeben ein Telegramm eingetroffen, welches auch für die österreichischen und ungarischen Juden in Jerusalem einen größeren Betrag zum Ankauf von Mehl erbittet. Nachdem wir mit Unterstützung des hohen Ministeriums des Aeußern bereits 20.000 Kronen nach Saffed und und Liberias gesandt haben, bitten wir um Beiträge, um auch dem Ansuchen des Konsulates in Jerusalem entsprechen zu können. Spenden für Palästina. Sammlung des Herrn Oberrabbiners W. Reich. Baden, für Oesterr.-ung. Kaulel in Jerusalem Kr. 540.47; Spende von Herrn Oberrabbiner W. Reich für H. K. 5.—; Michel Benies. Wien, H. K. 500.—: Direktor Lmanuel Baumann. Wien, H. K. 500.—. Durch Oberrabbiner Dr. Julius Diamant. Vukovar (IV. Ausweis). Kr. 405.—. Ls spendeten: Baum Jsabella 100.—; Landesmann Otto und Steiner Lmerich je 30.—; Obersohn Bertha 25.—; Dr. Gottlieb Albert. Hirth Leopold I. und Klein Samuel T. je 20.—; Bier Edmund 15.—; Baum Albert. Leutnant Baum Simon. Freund Leopold. Dr. Goldschmied Sigmund, Goldschmied Albert. Ofner Moritz, Dr. Stangl Alerander, Dr. Stern Moritz und Tuschak Bernhard je 10.—; Bier Johanna 5.—; Engl Wilhelm. Krautz Fanny und Ofner Gabriel je 4.—; Fuhrmann Sigmund. Kohn Nathan. Kohn Sofie. Löwy Mar-, Spitzer Julius und Wälder P. je 2.—; Kaiser Leopold anläßlich der Bar-Mizwah seines Enkelkindes Krautz Zdenko für sich und den Konfirmanden je 5.—; Sammlung anläßlich der Brilh-Miläh- ' Feier im Hause Mar Roth 16.—; zusammen Kr. 405. —. Heinrich Mendl. Wien, H. K. Kr. 100. -; Czeczowiczka, Partschendoff (Mähren). H. K. 100. -; Direktor Wilhelm Kur, Wien, H. K. 100.—; Leopold Blum, Wien, H. K. 100.—.