Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-07 · 2 (7.1.1916) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
2 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022195-3022198--24787-3050053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 30 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 2 erstrecken sich auf die kurze Zeit von etwa 200 Jahren. Die ersten jüdischen Münzen, die sogenannten Sh ekel, entstanden zur Zeit der Makkabäer. Vorher benutzten die Juden die Münzen der Völker mit, unter denen sie lebten. Wer zuerst jüdische Münzen geprägt hat, ist bis heute wissenschaftlich, einwandfrei noch nicht festgestellt. 'Die jüdischen Münzen, sowohl Silberwie Kupfermünzen, zeigen einen Kelch und auf den Kult bezügliche Darstellungen oder Blumen und Pflanzen. Nach dem Jahre 63 v. Chr. wurden ausschließlich Kupfermünzen geprägt, weil die Römer das Prägen von Münzen in Edelmetallen allein ausübten. Nur während der Aufstände 66 bis 70 und 132 bis 135 n. Chr. erscheinen noch jüdische Silbermünzen. Außer diesen echten jüdischen Münzen sind endlich noch dieerfundenenMünzenzu erwähnen, die zum Teil aus dem 16. Jahrhundert stammen und nach mißverstandenen Beschreibungen des Talmud angefertigt wurden. Sie sind indessen von den echten Münzen dadurch zu unterscheiden, daß sie die q u a d r a t i s ch e Schrift aufweisen. Professor Leo Kärtfchmäroff, Oberkantor der isr. Kultusgemeinde Nagy-KaniM. Eine Zierde feines Standes und des Judentums, ein edler Mensch, ein hervorragender Künstler, ein verläßlicher, treuer Freund, ist dahingegangen! Den Lebenslweg und was Leo Kartschmäroff in seinem Fache geleistet hat, zu schildern, sind wir heute, durch seineu Heimgang selbst zu sehr ergriffen, außerstande. 51 Jahre wirkte er in der isr. Kultusgemeinde in Nagy-Kanicsa in mustergültiger Weise als Oberkantor, verehrt von allen, die ihn kannten, zärtlichst geliebt von seiner Familie. Leo Kautsch maroff wurde am 3. Januar 1916 auf dem Wiener Zentralfriedhofe in dem von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Ehren grabe zur ewigen Ruhe gebettet. An seiner Bahre trauern seine treue, liebevolle, vornehme Gattin Frau Reginel Kartschmüroff, geb. Ledner, seine Kinder k.k.Oberstabsarzt Dr. Sandor Kanizsai, derzeit im Felde, Arnold Kärtfchmaroff, Stadtrat der Stadt Budapest, Olga Duschak, Jda Zerner. Eduard Kartschmär o f f, Newyork, Isidor Kä. rts ch märoff, Newyork, als Brüder, Sinron Duschak, k.k. Kommerzialrat Adolfs Zerner, als Schwiegersöhne, Hermine Kanizsai, Flora K L r t s ch m ä r o f f, als Schwiegertöchter, und sämtliche. Enkel. Die Leichenfeier gestaltete sich zu einer geradezu großartigen Ovation für den Dahingeschiedenen. Es erschienen sämtliche Kantoren Wiens in vollem Ornate. Oberkantor Don Fuchs sang in künstlerisch vollendeter Weise im Verein mit dem Chor, an welchem sich alle anwesenden Kantoren beteiligten, die ritualen Trauergesänge. Nachher hielt Herr Rabbiner Dr. Max Grunw a l d eine meisterhafte, zu Herzen gehende Rede, worin er die hervorragenden geistigen und Herzenseigenschaften des Verblichenen pries. \ Oberrabbiner Dr. Ed. Neumann aus Nagy-Kanizsa sprach namens der isr. Kultusgemeinde Nagy-Kanizsa, in welcher Gemeinde Kartschmäroff mehr als ein halbes Jahrhundert verdienstlich wirkte, dem Dahingeschiedenen rührende, ergreifende Worte der Anerkennung nach. Sodann hielt noch Oberkantor Bauer, Präsident des Kantorenvereines, dem Kollegen und Freunde in warmen Worten einen rührenden Nachruf. Nachdem der Sarg gehoben und in das' von der Kultusgemeinde Wien gewidmete Ehrengrab geleitet wurde, sang Oberkantor Morgenstern in virtuosem Vortrag mit dem Chor das Jauschew besesser. f Am offenen Grabe rezitierten sodann die beiden Oberkantoren Don F u ch s und Morgenstern ergreifend das „El mole rachamim", womit die erhebende, durch die löbliche Wiener isr. Kultusgemeinde in vornehmster Weise veranstaltete Leichenfeier ihr Ende fand. Unter den am Friedhofe Anwesenden bemerkte man u. a.: Herrn Dr. Siegm. Ehrlich, Präsident der „Konkordia", Herrn Carl Lemberger in Vertretung der „Chewra Kadischa", Baronin Albertine v. Gutmann, Baron Ladislaus und Baron Alfred v. G u t m a n n, k. u. k. Oberst Mandl, Kommandant der Mil.-Oberrealschule in Weißkirchen. Aus der Heimatsgemeinde des Verblichenen erschienen deputativ der Präsident Heinrich Grünh u t mit den Vorstandsmitgliedern Dr. Roths ch i l d, Dir. P o n g o r, Lö w e, I. v. Sommer und Herr Oberrabbiner Dr. Ed. Neu m a n n. Wie wir vernehmen, plant die isr. Kultusgemeinde Nagy-Kanizsa eine nachträgliche großartige Trauerkundgebung für ihren beinahe bis zum letzten Atemzuge amtstätigen, pflichttreuen Oberkantor Leo Kurt schm uro ff. _ L. Welisch. Eine interessante Gerichtsverhandlung. (Vor. dem Militärgericht.) Der „Kürjer codzienny" berichtet: Js. Rak. . . aus Biala, 28 Jahre alt, Vater von acht Kindern, legte der Bezirkshauptmannschaft in Biala ein 'Zeugnis über die Ablegung der Rabbinerprüfung vor, das von den Rabbinern in Tarnow und Brody ausgestellt war. Auf Grund des § 29 des Wehrgesetzes wurde er von der aktiven Dienstpflicht befreit. Einige Zeit darnach begab sich R. ... in das okkupierte Gebiet des Königreiches Polen und trieb hier Wollhandel zwischen den Orten Miechow und Biala. Als das Kreiskommando erfuhr, daß R. - . . angeblich Rabbinatskandidat und ' aus'' diesem 'Aitel' vom Militärdienst befreit sei, ließ es denselben zur Bezirkshauptmannschaft in Biala überführen. Letztere annullierte den militärischen Enthebungsakt und ließ R ... der Musterungskommission vorführen. Obwohl nun dienstuntauglich erkannt, wurde er der Uebertretung des h 68 des Militärgesetzes angeklagt und hatte sich diesbezüglich! vor einem Militärgerichte zu verantworten. (Willkürliche, Anmaßung des Titels „Rabbinatskandidat" zwecks Befreiung vom militärischen Dienste.) Der Militärankläger Rittmeister K o s c i c k i behauptete, daß sich der Begriff eines Seelsorgers mit dem eines Händlers nicht vereinen lasse. Der als Sachverständiger einvernommene Festungsrabbiner Dr. Weinsberg von Krakau stellte zunächst fest, daß mangels eines Unterstützungsfonds für Rabbinatskandidaten letztere vielfach gezwungen seien, sich um einen Erwerb uMzusehen. — Zwecks Feststellung, ob der Angeklagte den Talmud beherrscht, fand in Gegenwart des Gerichtshofes eine formelle Prüfung statt, wobei der sachverständige Rabbiner die Fragen in hebräischer Sprache richtete. Das Gutachten lautete dahin, daß der Angeklagte ein gelehrter Talmudist und geeignet sei, ein rabbinisches Amt zu bekleiden. Das Militärgericht unter Vorsitz des Hauptmannes Samuel S to cki sprach den Angeklagten von der Schuld frei und wurde dieses Urteil vom zuständigen Kommandanten bestätigt. Der letzte Sabbatäer gestorben. In der siebenbürgischen Gemeinde Bözöd-Ujfalu ist dieser Tage der letzte wahre Sabbatäer Joseph Saltos gestorben. Die ehemaligen Anhänger dieses Glaubens. durchweg dem Szekler Volksstamm entsprossen, nahmen in den siebziger Jahren das Judentum an. Joseph Sallos war der einzige der alten Szekler, der sich nicht zum Judentume bekannte, sondern formell Katholik

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.