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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-07 · 2 (7.1.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
2 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 29 Großes entstanden, die verheißene Zukunft ist Gegenwart geworden. Das ist eine Feier wert. Mer noch ein anderer Reiz wohnt der heutigen Jahrhundertfeier inne. Unter dem' Eindruck des Völkerkrieges entstanden, begeht dieser Frauenverein seine Jahrhundertfeier im Weltkriege. Bedeutet dieses merkwürdige Zusammentreffen nicht, daß das Losungswort des Frauenvereines Krieg ist und sein muß? Ein Frauenverein und der Krieg — welch' ein Gegensatz, und doch welche natürliche Verbindung! Das klassische Altertum weiß von Amazonen zu erzählen, von Frauen, die gleich streitbaren Männern mit Schwertern und Lanzen fochten. Auch das jüdische AlterruM hat seine Amazonen, nur führten sie nicht deren NaMen und nicht deren Waffen. Sie hießen „Noschim zidkonftaus". edelsinnige Frauen. Ihr Schlachtfeld war das „Tal der Tränen", ihre Waffen waren das fühlende Herz, die hilfreichen, freigebigen Hände und das tröstende Wort, ihr Schlachtgesang war der Psalm: „Gepriesen sei der Ewige, mein Fels, »der meine Hände übt für den Kampf, meine Finger für den Krieg." Diese Frauen folgten selbst dem Verbrecher auf den Richtplatz und reichten dem Unglücklichen den Betäubungstrank, bevor der Henker Hand an ihn legte, und so fochten sie gegen die großen Henker der Menschheit selbst, gegen Not und Tod, um sie von der Wiege des Säuglings, von dem Lager der Kranken und aus den Hütten der Armen zu vertreiben. Noch eine andere Frauengestalt aus den: klassischen Altertum fällt mir ein. Wer kennt nicht die Karyatiden, die an den Fronten von Palästen mächtiges Gebälk auf ihren Schultern tragen? Die Griechen haben diese weiblichen Gestalten erfunden, aber die jüdischen Frauen haben sie im Leben verwirklicht. Sie erfüllten nicht bloß als- Gattinnen und Mutter das Innere des Hauses nrit dem Zauber ihrer Persönlichkeit, sondern sie trugen im Mittelalter fast buchstäblich das Gebälk des Hauses, sorgten durch ihrer Hände Arbeit und durch ihre Geschästs'tüchtigkeit für die Erhaltung des Hauses, und waren glücklich! und reich belohnt, wenn unterdessen die Gatten über der Thora und den rabbinischen Folianten gebeugt, in das Gotteswort sich vertieften. -Von solchen Frauen sang der biblische Spruchdichter: „Eine biedere Frau — glücklich. wer sie gefunden, kostbarer als Perlen ist ihr Wert." Solche edelsinnige Frauen waren es, die vor hundert Jahren diesen Verein ins! Leben gerufen haben. Ehre und Ruhm ihrem Andenken, in unvergänglichem Glanze leuchten ihre Namen. Dunk und Preis ihren Nachfolgerinnen, von denen die jetzige verehrte Präsidentin fünfzig und eine andere Vorsteherin vierzig Jahre ihres Amtes walten. Sie alle habendem überkomMenen Erbe zu immer größerer - Wirksamkeit und 51t dem hohen Alter eines Jahrhunderts verholfen. Fn Gegenwart von Frauen soll Man nicht viel vom Alter reden. Ich will auch! nicht gegen dieses Gesetz der Höflichkeit verstoßen. Ich will vielmehr von der den Frauen verliehenen Gabe reden, nicht 'bloß 'fich selbst, sondern alles'!zu verjüngen, wofür ihre Herzen schlagen und was ihre zarten Hände berühren. Für die Verjüngung dieses Vereines haben sie die Gründung eines Jubiläumsfonds vorgeschlagen. Denn nicht bloß für den Krieg auf dem Schlachtfelde braucht man nach einem bekannten Kriegerwort Geld und wieder Geld, sondern ebenso und noch Mehr für die Besiegung des schrecklichen Vierverbandes, des Hungers, der Not, der Krankheit und des Todes. Möchte denn ein reicher Jubiläumsfonds gleich frischem Blute in den Verein einströmen, um ihm zu verjüngen. Für diesen Wunsch Mache ich mich zum Herold und rufe den Segen Gottes' auf die großmütigen Svender und auf den Verein herab. Möge er älter und immer Alter, doch niemals alt werden. Amen. Borträge des Komitees zur Aufklärung über ostjüdische Fragen. Am Donnerstag, den 30. Dezember 1915, hielt abends halb 8 Uhr im großen Festsaal des Oefterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines Herr Privatdozent Dr. S ch 0 r r aus Lemberg den zweiten Vortrag in dem vom Komitee zur Aufklärung über das Ostjudentum veranstalteten Zyklus. In überaus fesselnder und überzeugender Darstellung verstand es der Vortragende, ern anschauliches Bild von den Rechtsverhältnissen und der inneren Organisation der jüdischen Gemeinden im Polen der Vorzeit zu entwerfen. Daß die Juden durch ihren Einfluß auf das Wirtschaftsleben zur Erst.rknng des polnischen Adels wesentlich beigetragen, daß mit allem Nachdruck von den Gemeindebehörden die Entfaltung eines protzenden Luxus eingedämmt wurde und viele andere Momente wurden durch die Beziehungen zu Erscheinungen der Gegenwart in besoitdere Beleuchtung gerückt. In dem dicht besetzten Zuhörerraum bemerkte man vom Ministerium für Kultus und Unterricht die Herren Sektivnschef Dr. Edlen von H amp e und Regierungsrat Dr. Frankfurter, von der Israelitischen Kultusgemeinde die Herren Kultusvorsteher B r 0 d und Rabbiner Dr. Bane r, M a n d e l und Schwarz. Der Vortragende erntete wohlverdienten, reichlichen Beifall. In derselben Vortragsreihe spricht am 12. d. M. Herr Dr. B i r n b a u m über das Jüdische, die Volkssprache der Ostjuden Aufruf! Der von Rabbinern und orthodoxen Juden geschaffene „Verband zur Lösung der ostjüdischen Fragen" in Wien fordert hiermit alle jüdischen Gemeinden Galiziens und der Bukowina wie aucht der von den Vervündeten okkupierten Gebieten auf, daß diese allen toten jüdischen Soldaten — da sie aus Liebe zum Vaterlande und unserem erhabenen Monarchen ihr Leben auf dem Felde der Ehre gelassen haben — die letzte Ehre nach allen rituellen Vorschriften erweisen und ihnen einen Ort auf dem' jüdischen Friedhofe nach Rang und Stand anweisen sollen. Präs.: Uscher Horowitz, Rabbiner (Krakau); Vizepräs.: Pinkas Rimelt, Rabbiner (Zolkiew); Bizepräs.: Jsak B. Th um im, Rabbiner (Husi!; Sekretär: Markus HalPern. Jüdische MünWn. In der Gesellschaft zur Förderung der fiLissenschaft des Judentums hielt Professor Tr. Pick- Gotha einen Vortrag über: „Die jüdischen Münzen". Man hörte über die wenig bekannte Materie viel Interessantes und Neues und das Thema gab dem Redner Gelegenheit, ein gut Teil jüdischer Geschichte und Kulturgeschichte zu erörtern. Die jüdischen Münzen sind, so leitete der Vortragende ein, künstlerisch nicht hervorragend schön, und er zeigte das in zahlreichen Lichtbil-. dern. Aber eigenartig waren diese Münzen und haben daher stets den Altertumsforscher und Sammler be-, schäftigt. Daher erklärt es sich, daß über die jüdischen Münzen eine große Literatur vorhanden ist. zahlreiche Hand- und Lehrbücher, die meistens in englischer Sprache erschienen sind. Die größte Sam!mlun>g jüdischer Münzen befindet sich in London. Sie ist vor wenigen Jahren aus dent Nachlaß des Sammlers Leopold Hamburger aus Frankfurt a. M. nach London gekommen. und Lord Rothschild hat die Mittel zum Erwerb der Sammlung bereitgestellt. Eine bedeutende Sammlung jüdischer Münzen besitzt ferner Paris, das Berliner königliche Münzkabinett und das Münzkabinett in München. Daneben find noch zu nennen die Sammlung von Karl Meier in Offenbach und die Alb. Wolf'sche Sammlung der Berliner jüdischen Gemeinde. Kurz vor Ausbruch des Krieges erschien der große Katalog der Londoner Sammlung, so daß es dem Gelehrten und Forscher möglich gemacht worden ist, die Londoner Schätze zu verwerten. Es sind heute noch mehrere tausend jüdischer Münzen der verschiedensten Arten und Formen vorhanden. Sie

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