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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-01 · 1 (1.1.1916) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
1 (1.1.1916)
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 18 Dr. Bloch's Wochenschrift lich die Herren Kommerzialrat 2. Rosenzweig, Ludwig Rappaport, Arthur Ro senziwe ig, Bezirksrat Edmund Hoffmann und Josef Brenner sowie eine Reihe von Damen, deren noch später im einzelnen unten gedacht werden wird, besonders hervorzuheben sind, hat es Gemeinderat Dr. Schwarz-Hitler verstanden, eine in jeder Hinsicht mustergiltige Organisation ins Leb^n zu rufen, welche allen Bep dürfnissen unserer armen, von Haus und Hof vertriebenen Mitbürgern aus dem Iiordosten und nunmehr auch aus dem Südosten Rechnung trägt und ihnen den Aufenthalt im Exil erträglicher und angenehmer als in allen anderen Unterkunfrsorten gestaltet hat. Nicht unerwähnt soll hier bleiben, daß der Leiter der Zentralstelle bei den beteiligten Ministerien, insbesondere durchs die hingebungsvolle Förderung des Herrn Sektionsrares Dr. Louis Edlen von Marquet sowie der übrigen Herren des Departements VII, Bezirkshauptmann Dr. Urschel, Dr. von W i s e r, Graf Kiel m a n n s e g g, Dr. F o r ch - h e i m e r, Dr, W o w k o n o w i c z und Doktor von Englisch, das in jedem Belange einwandfreie, freundliche Entgegenkommen des Bürgermeisters, des Magistrates und der Polizeidirektion der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien in den Stand gesetzt wurden, so viele dem Wöhle der Flüchtlinge gewidmete Institutionen zu gründen und stets zweckentsprechender auszugestalten. In 38 Sektionen, die wie die Räder einer kunftvollen Uhr Präzise ineinandergreifen, wickelt sich das amtliche Leben in der Zentralstelle zur Zufriedenheit aller Beteiligten klaglos ab, und unvergeßlich bleibt es jedem Einheimischen, der — auch nur ein einzigesmal — in das Haus der Wohltätigkeit für Flüchtlinge, 2. Bezirk, Zirkusgasse Nr. 5, getreten und einen Blick in das amtliche Getriebe, in das Kommen und Gehen von oft 2000 bis 3000 Personen im Tage geworfen hat. Besonders an Montagen und Donnerstagen, an denen Gemeinherat Tr. S chwarz-H iller die Wünsche und Beschwerden von Hunderten Rat- und Hilfesuchender entgegennimmt, und in liebenswürdig urbaner Form, manchmal aber auch mit Strenge und Gerechtigkeit, dabei jedoch stets belehrend und mitleidsvoll unterstützend, seines Amtes waltet, lohnt es sich für jeden Menschenfreunds sich von der Großartigkeit dieser einzigartigen sozialen Schöpfung zu überzeugen. Um dem geneigten Leser eine kurze Uebersichr dieser Organisation zu bieten, sei es uns gestattet, eine kleine Zahl von Amtsabteilungen hier anzuführen. Da gibt es eine Sektion für Bahnhof- und Labedienst, eine Sektion für Evidenzhaltung und Auskunftserteilung über Vermißte, eine Sektion für Arbeits- und Wohnungsvermittlung, eine Abteilung für Wöchnerinnen- und Säuglingsfürsorge, ein Mütterheim, einen Kinderhort (Leiterinnen Frau Anitta Müller und Frau Anna Bernstein), zwei Kinderheime mit 163 Kindern (Mädchen), Leiterin Frau Bezirksrat Marie R ü b n e r, ein Kinder h e i m für 80 Knabe n (Leiterin Frau Cilli Stössel), fünf Mädchenheime für 500 verlassene Mädchen im Alter von 14—24 Jahren (Leiterinnen Frau Bezirksrat R.übner vier Heime, Frl. Rosa G u ß m a n n ein Heim), f ü n f Asyle für O b rdachlose (Leiter Herr Bezirksrat Haslinger, Hausarzt Herr Dr. Jakob Deutsch), ein Studentenheim (Leiter Hofrat v. Twardowski), ein Heim für über 1600 Flüchtlinge aus dem Süden (Leiter Herr Armin Eisler), eine Kleiderverteilungsstelle (Leiterinnen die Fräuleins Hacker, Katz, Knöpfmacher, Grete Kohn und Petschek), ein großes Warenmagazin (Leiterin Frau Steffi Pins), eine Jmpfstation (Leiter Herr Oberbezirksarzt Dr. Karl B erd ach), eine Nr. 1 Bauabteilung (Leiter Herr Gemeinderat Baumeister Edm. M e l ch e r), eine Sektion für unentgeltlichen Rechtsschutz (Leiter Herr Dr. Ernst Schubert), eine Ausgabestelle von Freifahrtscheine.it und F reig e p ä ck a n w e isungen (Adjunkt Karl Spiegel und Nordbahnbeamtin Rosa Buchsbaum), eine Abteilung für unentgeltliche ärztliche Behandlung und den Bezug von Medika^ menten, Bandagen, Brillen, therapeutischen Behelfen, Heilbädern, Beteilung mit Kost- und Zehrgeldern, Ueberweisung in Asyle und Heime (Leiter Herr Armen, rat S." L e m b e r g e r). Zur Illustrierung der Intensität der Arbeitsleistung sei hier als Beispi^ angeführt, daß im Vermißten-Bureau (Leiter ehemals Georg Schwarz, nunmehr Dr. Segil) 139.445 Anzeigen eingelaufen sind, per Post 124.512 Mitteilungen abgefertigt und nicht weniger als 40.372 Vermißte im eigenen Wirkungskreise (ohne Ministerium) und ohne Rotes Kreuz) eruiert und mit ihren Angehörigen in Verbindung gebracht wurden. Der Phantasie des Lesers sei es überlassen, sich auszumalen, wieviel Freude des Wiederfindens in dieser trockenen Zahl liegt. Wir wollen nur noch hinzusügen, daß für Medikamente 53.000 Kronen, für Kleider, Wäsche und Schuhe 600.000 Kronen und insgesamt bis 1. November 1915 rund 21,000.000 Kronen verausgabt wurden. Die ganze gewaltige Arbeit wird von 20 freiwilligen Mitjarbeitern, 10 Beamten des Wiener Magistrates, unter welchen die Herren Direktionsadjunkt Schleicher und die Oberrevidenten R e i n o l d und S chn e e w e i s als Sektionsleiter sich besondere Verdienste erwarben, und 323 bezahlten Hilfskräften geleistet. Den Verkehr zwischen dem Rathause und der Zentralstelle vermittelt in entgegenkommendster und liebenswürdigster Weise Herr Magistratssekretär Dr. Hartl, Mischen Polizei-Direktion und Zentralstelle in ebensolcher Weise Herr Oberkonch missär Dr. Walkhoff. Den schwierigen und verantwortungsvollen Dienst an den verschiedenen Bahnhöfen besorgen seit vielen Monaten in menschenfreundlichster Weise die Herren Polizeirat Spielvogel und die Oberkommissäre Markup, Kreilisheim und Ra mm ach. Wer sich ein anschauliches, höchst interessantes Bild über diese so vielseitige Tätigt feit der Zentralstelle und die gesamte staatliche Fürsorge in einem herrlichen Rahmen machen will, der versäume es nicht, die A u s st e l l u n g d e s M i n i ft e r i u m s des Innern für Flüchtlingsfürsorge und Kriegshilfe (im Neugebäude der Eskompte-Gesellschaft, 1. Bezirk, Bognergasse) zu besuchen, die am 14. d. M. von dem! Protektor der Kriegsfürsorge Erzherzog Karl Stefan und der Gemahlin des Feldmarschalls Erzherzog Friedrich, Erzherzogin Jsabella, eröffnet wurde. Anläßlich der feierlichen Eröffnung dieser durch zahlreiche Tabellen, graphische Darstelluitf gen, Photographien, plastische Modelle und viele F l ü ch t l i n g s a r b e i t e lt auf g e werbliche m u n d kunstgewerblichem Gebiete äußerst abwechslungsreich und lehrreich gestalteten Ausstellung wurden von seiner kaiser- und königlichen Hoheit dem Erzherzog Karl Stefan in Anwesenheit von Vertretern der Regierung, der bewaffneten Macht, des hohen Adels, der industriellen und Finanzkreise, des Bürgermeisters Doktor W e i s k i r ch n e r, des Präsidenten Dr. Alfred S t e r n, Hofrat Dr. L ö wn er, Dr. S kein, kais. Rat Dr. As ch e r und vieler an der Flüchtlingsfürsorge und Kriegshilfe verdienstlich beteiligten Persönlichkeiten, nach dem Empsange durch den Prinzen Eduard Liechtenstein und den Minister des Innern Prinzen Karl Hohenlohe die Herren FML. L ö b l, Generaldirektor R o s e n b a u in, Professor Witzmann, Freiherr v. Beck, Gemeinderat Edmund M e l ch e r, Bezirksrat S. Ri. R ü b n e r,

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