Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 1 (1.1.1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 1? Gustav Kohn und kaiserl. Rat Adolf Schrämet den Bindern schilderte. Daraus rezitierte Herr Rabbiner G o l d st e i n das Menucho nechauno und zum Schlüsse sang der Kantor das Elmole. Die Feier hat ihre Wirkung auf die Schuljugend nicht verfehlt. Wien. Am 20. Dezember 1915 starb im 71. Lebensjahre in Wien nach langem, schwerem Leiden Frau Pesie Lea F r i e d m a n n. welche in ihrer Heimatstadt Kolomea jahrzehntelang an der Spitze zahlreicher jüdischer Wohltätigkeitsinstitute stand. Die provisorische Leichenbestaltung fand am 22. d. M. in Wien.statt. Rabbiner Dr. Feuchtwang beleuchtete in beredter Weise die Verdienste und das Lebenswerk der Entschlafenen, die Frauentugend und Männerklugheit harmonisch in sich vereinte. Am offenen Grabe sprach in Vertretung des Kuratoriums der Baron-Hirsch-Stiftung Herr Inspektor Grünes aus Kolomea. Das Kuratorium^' der Baton-Hirsch-Skiftung sandte an die trauernden Kinder folgendes Schreiben: Z. 1308. „Hochverehrter Herr kaiserlicher Rat! Namens des Kuratoriums der Baroi Hirsch-Stiftung beehre ich mich. Ihnen anläßlich des Ablebens Ihrer Frau Mutter den Ausdruck unserer aufrichtigsten Teilnahme zu übermitteln. Wir werden der Verewigten, die durch zwei Dezennien sich als Präsidentin des Damen-Komitees in Kolomea in hingebungsvollster Weise in den Dienst der dortigen Mädchenschule stellte und unermüdlich bestrebt war, das geistige und körperliche Wohl der ihr anvertrauten Mädchen zu fördern, stets die dankbarste Erinnerung bewahren. Genehmigen Sie den Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung, in der wir zeichnet Für das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung: Der Präsident: Dr. A s ch e r m. p. Dr. Stein m. p. Brünn. Der durch sein großzügiges und selbstloses Wirken auf dem Gebiete der öffentlichen Wohl-,' fahrtspflege bekannte Ehrenbürger der Landeshauptstadt Brünn Jonas Löw-Beer vollendete am 28. Dezember sein 70. Lebensjahr. Austritte aus dem Judentum vom 19. bis 25. Dezember 1915. Engelbert . Eisner, Fleischergehilfe, geb. 6. Juni 1865, Rziman, XIV., Sechshauserstraße 35. Goldstern Rudolf, Eärtnerlehrling, geb. 5. Mai 1900, Wien, XXI., Markomanenstraße 230. Olga Kirschbaum, Private, geb. 27. November 1892, Wien, I.. Salzgries 12.. Nelly Krausz, geb. 19. August 1898, Wien, VII., Kaiserstr. 91. Saphier Abraham, Eymnasial-Professor. geb. 11. August 1662, Sanok, III., Steingasse 22. Sophie Schnabl, Musiklehrerin, geb. 20. August .1868, Wien, VIII., Schmiedgasse 8. Rosa Spitzer, Pflegling im Versorgungsheim Lainz, geb. 23. Juli 1857. Leipnik, XIII., Lainz, Pavillon 12. Steiner Mar, Juwelier, geb. 19. Mä^ 1877, Wesely a. L.. II., Wolfgang Schmälzgasse 28. Franz Utitz, Bankbeamter, geb. 17. Dezember 1887, Smichow. b. Prag. VIII., Maria Treugasse 7. Henriette Wachtel, Private, geb. 8. Dezember 1891, Czernowitz, IX.. Nußgasse 1. Aufforderung! Sara Hampel, verehlicht an Ascher Selig-Feierstein, aus jkzernowitz. Dreifgltigkeitsgasse, welche wahrscheinlich anfangs August l. I. mit anderen Flüchtlingen nach Böhmen kam, wird aufgefordert. ihre gegenwärtige Adresse dem Gefertigten bekanntzugeben. da für sie ein Korb mit Wäsche und Kleidungsstücken seitens des hiesigen Bahnamtes bei demselben hinterlegt wurde. Jg. Duschak, Rabbiner in Podersam. Wer weist? Israel Schechter aus Jagelnitza bei Ezortkow, derz. Znaim, im Spital, sucht seine Frau Mina Tajen und seine zwei Kinder Mendel und Pessi. Rabbiner Dr. Kahan in Znaim. FiüchtLrrrgsfürsorKc und Sriegshilfe. 'Als sich infolge des Einbruches der russischen Millionenheere an unseren nordöstlichen Grenzen ein beträchtlicher Teil der friedlichen Bevölrerung Galiziens und der Bukowina gezwungen sah, oft nur um das nackte Lebert zu retten, die heimatliche Scholle zu verlassen, um einem unbekannten, jedenfalls aber entbehrungsreichen Schicksale in einem -der vielen, vielen Flüchtlingszüge entgegenzurollen, da erwuchs für die Staatsverwaltung die große Aufgabe, die gesamte Fürsorgeaktion vom Augenblicke des Abtransportes dieser des allgerneinen Mitgefühles werten Opfer des Krieges bis zu ihrer Wiederkehr in die engere Heimat nach einheitlichen, g e r e chv t e n und humanen G r u ndsätze n in die Hand zu nehmen und die Durchführung inr gesamtstaatlichen Jn>- teresse selbst zu leiten. Jetzt, nach i6 monariger Fürsorgetärigkeit, kann rückhaltslos anerkannt werden, daß das Ministerium des Innern das äußerst schwierige Problem, nach und nach ungefähr eine Million Geflüchteter, darunter etwa 600.600 B e r a r m t e und Unbemittelte, inmitten einer Bevölkerung mit anderen Gewohnheiten, anderer Sprache und anderer Kultur in provisorischen Heimstätten unrerzubringen und für deren soziale, kulturelle, religiöse und sanitäre Bedürfnisse zu sorgen, mir Geschick und vollem Verständnisse gelöst hat. Die Flüchtlinge wurden teils in ausgedehnten, aus staatlichen Mitteln errichteten Barackenlagern (Gmünd, Bruck a. L., Nikolsburg, Chotzen, Wagna bei Leibnitz etc.) verpflegt, mit Strohsücken, Decken, Kleidern und Schuhen versehen, von staatlich bestellten Aerzten behandelt, in eigenen Spitälern für infektiöse und nichtinfektlöse Krankheilen ausgenommen, durch eigene Badeanstalten und alle möglichen sanitären Vorkehrungen und Institutionen vor schwerer Schädigung, -durch verschiedene entsprechende Beschäftigung und lohnende Arbeitsgelegenheit vor Prolerarisierung bewahrt, teils in vielen Hunderten von Gemeinden in Nieder- und Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Krain, Böhmen, Mähren untergebracht. Diese letztere Kategorie von Flüchtlingen erhielt vom Staate ein Relutum von anfangs 70, später 90 Heller pro Tag und Kopf, das sich in Wien durch den sogenannten Aufbesserungsfonds auf 1 Krone täglich erhöht. Abgesehen von den höheren und qualifizierten Ständen — die vom„Wiener Hilfskomitee" unterstützt werden —, oblag die ^orge für zirka 125.000 Personen in Wien der „Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsflüchtlinge", die in dem Gemeinderate Dr. Rudolf Schwarz-Hiller einen genialen, unermüdlich schaffenden, von reinster und schönster Humanität beseelten Leiter fand. Es sei uns gestattet, die segensreiche Tätigkeit dieses ausgezeichneten Mannes ein wenig näher zu beleuchten. Von einem kleinen Stabe, in ihrer schweren öffentlichen Pflichterfüllung treu ausharrender freiwilliger Mitarbeiter, umgeben, unter denen in erster Linie die beiden Stellvertreter, Armenrat S. Lemberger und Bezirksrat S. M. Rübner, weiters die Herren Gemeindjerat Architekt Edmund Melcher, die Mitglieder des „Jüldischen Jugendbundes" Dr. Paul Ei sing er, Dr. Erich Saxl, Dr. Robert Friedländer, Dr. Walther Baß, Stefan Katz u. a.; ferner Dr. Georg Schwarz (der Bruder des Gemeinderates Dr. SchwarzeHiller); Advokat Dr. S e g i l, Bezirksrat I. Haslinger, schließe