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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-24 · 51 (24.12.1915) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
51 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 950 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 51 einem ailschüeßendcil Frühschoppen im Hotel Imperial wurde eine Reihe von Tafelreden gehalten und die zahlreich eingelausenen Telegramme verlesen. Herr H a b e r f e l d ist am 22. Sept. 1865 zu Stratznitz (Mähren) geboren, wo er das Piaristenuntergymnasiunl absolvierte. Er ist Mitglied des Präsidiums des Landesverbandes deutscher Genossenschaften des Gast- und Schankgewerbes in Mähren, Direktor-Stellvertreter der Spar-, Kredit- und Einkaufsgenossenschaft in Mühr-Ostrau, Mitbegründer und Mitglied des Schulausschusses der fachlichen Fortbildungsschule der hiesigen Gastmirtegenossenschaft und gehört seit vielen Jahren idem Ausschüsse der israelitischen Kultusgemeinde an. Dem durch schöne Charaktereigenschaften ausgezeichneten Manne ist es zu wünschen, das; er sich noch recht lange seiner vielen Ehrenämter erfreuen möge. Ein Beobachter. Pretzburg. Freitag, den 3. Dezember l. I.. wurde Herr Samuel FI e s ch, Vater des Herrn Rabbiner Moritz Flesch, unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Der Dahingeschiedcne besaß eine aufrichtige Frömmigkeit, gepaart mit musterhafter Charakterreinheit. Im Trauerhause widmete der Sohn seinem Vater Worte des Abschiedes. Andere Trauerreden entfielen mit Rüäsicht aus das Chanukkafest. Unter den zahlreichen Anwesenden befand sich auch Herr Oberrabbiner Akiba Schreiber. Petrikau. Der jüdische Kaufmann Salomon Friedberg wurde vom Kommandanten der Stadt Petrikau in Polen, General Schneider, Zürn Bürgermeister dieser Stadt ernannt. _ Berlin. (W ährend der Leichenrede gestorben. Während der Beerdigung des auf dem Schlachtfelde gefallenen Leutnants Kurt Eli a s wurde der braunschweigische Landesrabbiner Dr. Rülf auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde in Braunschweig von einem Herzschlage ereilt. Wahrend er das Schlußgebet sprach, fiel der 64 Jahre alte Seelsorger plötzlich bewußtlos zu Boden und starb unter den Händen zweier Aerzte, die sich unter den Trauergästen befanden. zfeuMeton. Schare Feig. Skizze von Haus Hauptmauu. .Irgendwo im galizischen Hinterland. Die immer tätigen Musterungskommissionen sorgen dafür, daß den k. u. k. Offizieren bei den Ersatzkompagnien die Zeit nicht lang wird. Das ist gut so. Man darf nicht zur Besinnung kommen, daß man mit seiner Felddienst- Untauglichkeit eigentlich ein ^überflüssiger Mensch! ist. Herrgott! Die Glücklichen da draußen, die ihr Leben einsetzen dürfen für Ruhm und Herrlichkeit des Vaterlandes! Ruhig — ruhig! Der Stabsarzt hat eine chronische Herzmuskellähmung konstatiert — oder eine beginnende Arterienverkalkung oder irgend so ein Zeug, das einen unfähig macht, ein ganzer Kerl zu sein. Da versucht man es eben, wenigstens ein halber Kerl ganz zu sein. Schließlich bedarf ja die Armee auch, hinter der Front nützlicher Arbeit. Unter den Hunderten und Tausenden von Ausgehobenen, die im Laufe der Monate einer solchen Ersatzkompagnie Zuströmen, um in harter Arbeit und im Eilzugtempo durch alle Stationen des militärischen Drills gejagt Zn werden, findet sich! immer noch eine stattliche Anzahl kräftiger Leute, die nachkurzer Ausbildungszeit zu den Marschkompagnien abgeschoben werden können. Wenn diese Burschen und Männer in ihren funkeluagelneuen, hechtgrauen Uniformen, bunte Blumensträuße an der Kappe, fröhlich singend zum Bahnhof marschieren und dann aus denr fortrollenden Zug heraus ihren Jnstrnktionsvffizieren ein Hurra zuschmettern, — — na ja, heimlich krampst sich da wohl die Faust um den Säbelkorb, und der Gedanke, daß man nicht auch dem Feinde entgegen kann, schmeckt bitter aus der Zunge; — aber doch wieder ist's eine Herzensfreude: meiner Arbeit dankt ihr es, daß ihr in acht Wochen Soldaten geworden seid und nun hinausziehen dürft, für das alte Oesterreich zu kämpfen! Der Oberleutnant Plaichinger, das ist einer von den Halbinvaliden, der nach und nach ein rechter Künstler geworden war im Herauskitzeln freudiger Eindrücke au$ seiner Mindertauglichkeit. Für die mit allgemeiner Körperschwäche Klassifizierten in seiner Kompagnie hatte er eine besondere Vorliebe. Die ließ er nicht aus den Augen. Riesenportionen bekamen sie aus der Mannschaftsküche und mußten sie unter seiner persönlichen-Aussicht mit Stumpf und Stiel verzehren. Fürsie hatte er ein besonderes System von Gelenksübungen ausgeklügelt, das eine gleichmäßige Kräftigung der wichtigsten Muskelpartien zum Ziel hatte. Er kaufte ihnen roten Dalmatiner und Paprikaspeck, Eier und Milch!, Und an jedem dritten Tag mußten sie im Magazin antreten und ans der großen Proviantwage ihr Gewicht feststellen lassen. Jedes Dekagramm mehr war ein Himmelsgeschenk für den guten Plaichinger. Hatte er aber einmal einen seiner Schützlinge so weit, daß ihn der Stabsarzt bei der monatlichen Musterung als felddiensttauglich> anerkannte, dann gab es am Abend Champagner im Offizierskasino, soviel man trinken wollte. Bei einem wollte Plaichingers Methode durchaus nicht anschlagen. Das war der Schaie Feig, ein galizischer Jude, aus der Gegend bei Tarnow zu Hause.. Betrüblich war der Bursche anzusehen. Mit einer Hand konnte man das blasse, häßliche Gesicht Zudecken, daß nicht einmal ein Haarbüschel mehr sichtbar war. Arme und! Beine schlotterten an dem spindeldürren Leib, als wären sie mit Schlingen daran gehängt. Immer elender und schwächer wurde der Junge. Schaie Feig trieb passive Resistenz. Ganz demütig schielten die grauen Hechtaugen nur die scharfknochige, große Nase herum, wenn man ihn wohlwollend ermahnte oder wütend andonnerte. Kein Wort war aus ihm herauszukriegen, obgleich der Mund immer offen stand. Wenn die einseitige Unterhaltung besonders laut wurde, dann duckte sich Schaies Kopf zwischen die spitzen Schultern, und in den verglasten Augen Zuckte die Angst vor einem drohenden Schlag aus. Das machte den Oberleutnant dann erst recht wütend. „Meinst, ich wer' mich an dir vergreifen, du Trottel?!" schrie er, — ,.nicht einmal meine Hunde Hab' ich mit Prügeln erzogen —, verstehst mich?!" Vielleicht verstand ihn der Schaie Feig, aber gedacht hat er fidj wohl, daß man auch dem guten Pläichinger nicht trauen dürfe. Die Wahrheit ist, daß der kleine Galizier gar zu oft in die Lage kaut, seine Mit-. Menschen von - der unliebenswürdigen Seite kennen zu lernen. Da waren Kameraden, die fortwährend Schindluder mit ihm trieben. Nachts zogen sie ihm die Bettdecke weg und knufften ihn, wenn er auf der Suche nach ihr frierend izwischen den Strohsäcken herumkroch. Tagsüber hänselten und neckten sie ihn aus jede Weise. Und andere, gab es, die trieben es noch ärger, die behandelten den schienen Burschen nicht besser als einen lästigen Köter, — mit Püffen und Fußtritten. Er nahm alles hin und hütete sich, bei seinen Voiu gesetzten Beschwerde zu führen. Die gingen ja selbst recht unsanft Mit ihm um, und so klug war er -nicht, uni einsehen zu können, daß die gestrengen Korporale und Zngssührer aus erzieherischen, also gewissermaßen aus Men Motiven so saugrob mit ihm waren. Schaie Feig schwieg also, hungerte und kam sich so recht verlassen und ausgestoßen vor. Wer dafür hatte er doch auch wieder das erhebende Empfinden, daß er sich durch sein Martyrium eine Anwartschaft auf Gotteslohn verdiente. Hatte er nötig zu.hungern? — Nein. Nur um der Satzungen seiner Religion willen verschmähte er

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