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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-24 · 51 (24.12.1915) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
51 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
– (sequence 19)
Language
German
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51 Dr. Bloch's Wochenschrift «eite 951 die dampfenden und kräftigen Speisen ans der Mannschaftsküche. Ja, für seine Löhnung hätte er sich wohl hin und wieder beim Baruch Laib drüben etwas Koscheres kaufen können. Wer war nicht seine alte Mutter da, der die Russen in Tarnopol den kleinen Kramladen ausge-, plündert und verbrannt hatten? Der Schaie mußte doch als einziges Kind für sie sorgen nach dem Kriege, wenn sie - Gott behüte! — nicht inzwischen gestorben war: da mußte er also doch einen Handel aufmachen: dazu brauchte er ein Kapitälchen: das mußte er, weil ihm doch jetzt die Hände gebunden waren für einen einträglichen Schacher, von der Löhnung aufsparen. Also hungerte Schaie Feig zu Ehren Gottes und aus Liebe zur Mutter. Der Adjutant inr Landsturm-Kommando, der die Zensur über die Mannschaftsbriefe auszuüben hatte, war gerade dabei, aus einem fabelhaft konfusen Geschreibsel Schares an die Frau Chane Feig in Tarnopol diese rührsame Tatsache herauszuschälen, als Oberleutnant Plaichinger ins Zimmer trat. „Hallo!" rief der Adjutant ihm zu. -- „scheuch die Wolken von deiner Stirn, Plaichingcr! Das Rätsel deines widerborstigen Hungerkünstlers ist gelöst!" _ Nu — was wird sich wieder tun? dachte Schaie Feig, als er am Nachmittag nach dem Einrücken vonr Exerzierplatz in die Kompagniekanzlei befohlen wurde. Als der Korporal vom Tag ihn hineinführte, wäre er am liebsten ausgerissen. Der Oberleutnant, die zwei Leutnants, der Kadett, der dienstführende Feldwebel und alle Chargen, vonr Zugsführer bis zum Gefreiten, waren versmninelt. „Infanterist Feig," sagte Plaichingcr irr einem gerührt-feierlichen Ton, „du bist ein Miserabler Soldat, aber ein anständiger Kerl. Ich werde dir von jetzt an das Menagegeld auszahlen lassen. Weil du dir aber trotzdem nichts zum Fressen kaufen wirst, werde ich dich beim Baruch Laib auf meine Kosten abonnieren. Der Zugsführer Warricki wird dich mittags rrnd abends hinbringen und aufpassen, daß du wirklich frißt, sonst teilst du dich am Ende noch mit deinem Mithebräer in mein koscheres Geld und läufst mir doch wieder hermn wie eine vertrocknete Grille. — Abtreten!" Den Unteroffizierelt aber sagte Plaichinger, als Schaie Feig wieder draußen war: „Der Mann steht unter meinem besonderen Schutz — verstanden?! Wenn er roh behandelt wird, fahr' ich mit einem Donnerwetter drein!" Wie es dem Schaie von dem Tage an zu Mute war, das ist gar nicht zu sagen. Geradezu verhätschelt Habelt sie ihn bei der Ersatzkompagnie, und in jeder Dekade konnte ^er fast fünfzehn Kronen auf die Postsparkasse legen. Sichtbare Folgen hatte das Futter von Baruch Laib freilich nicht. Der Feig blieb immer noch dürr und klapperig. Wer eine Freudigkeit war in ihm, die ihm die Schnett straffte und ihm den Schädel frer machte für die Geheimnisse des Waffenhandwerks. Wie ein Luchs paßte er auf, verwechselte links und rechts nicht mehr und machte seine Gewehrgriffe wie ein Langgedienter. Und wenn der Oberleutnant Plaichinger vor der Front auftauchte, dann kam eine Wärme in die grauen Hechtaugen, dann kaut eine Weichheit m die häßlichen Züge des Galiziers, daß man sich fragen mußte: lvas macht dieses Scheusal denn eigentlich so sympathisch? Den Plaichinger aber hat es immer schon gerissen, daß er sich trotz seiner Hevzneurose ins Feld melden wollte. Als nun die neue Offensive gegen die serbische Mörderbande in Sicht war, da stand es eines abends im Befehl: Der k. k. Oberleutnant a. D. Plaichinger hat sich freiwillig usw. ... Mit erhobener Stimme las der Kadett, der den Dienst in der Kompagnie hatte, die Stelle der versammelten Mannschaft vor. Da wurde der Schaie Feig ohnmächtig. Eine grauenhafte Nacht hatte er auf seinem Strohsack. Russen und Franzosen und Engländer stürmten, heulend aus ihn; von rückwärts zupfte chn Mutter Chane am Rock und flehte: und oben aus einer Wolke stand der Engel Ariel mit wehender Regimentsfahne und hatte das Gesicht vom Oberleutnant Plaichinger, schäme Vorwurfs-' voll auf den Schläfer herab und fragte: „Schaie, Schaie, — kannst du mich verlassen?" Am nächsten Morgen meldete sich auch Schaie Feig freiwillig ins Feld, ist als Offiziers»)teuer mitgegangen und gefallen, als er seinen schwerverwundeten Herrn aus dem Feuer schleifen wollte. s„B. Z. am Mittag.") Literatur. Jüdisches KriegÄrrchiv. Wien, 2. Bez., Zirkusgasse Das gefertigte Komitee richtet an das Pub.itüm die dringende Bitte, die Arbeit seiner militärischen Spezialabteilung durch einschlägige Mitteilungen zu fördern. Erbeten sind: Uebermittlung von Namen in diesem -Kriege gefallener oder ausgezeichneter jüdischer Offiziere und Soldaten, alle den Gegenstand betreffenden Daten in möglichst präziser Form. Tatgeschichten, Anerkennungsschreiben. Photographien, Feldpostbriefe, Zei.ungsausschnitte, Dokumente K. Das an obenstehende Adresse einzusendende Material wird über Verlangen rückgesendet. Durch die Sammlung aller Einzelheiten, mögen sie auch an sich unbedeutend, erscheinen, im Kreise seiner Freunde. Verwandten, Bekannten Berufs- und Vereinsgenossen u. a. kann jedermann eine ernste historische Arbeit fördern und auch allen jenen, welche sich in diesem Kriege Verdienste erworben haben, ein würdiges Andenken sichern. Für das Komitee: Dr. Nathan Birnbaum. Ingenieur Nobert Stricker, Archivleiter. Obmann. Krirfkafte«. S. S. in Z. Isr. Matrikelführer haben keine Ansprüche auf Enthebung vom Landsturmdienst. Notizen. B olksbühne. Ermäßigte Sitzabonnments^ An Stelle des Vereins ..Freie Volksbühne", der feine Tätigkeit eingestellt hat, soll eine neue Organisation unter dem Namen „Neue Freie Volksbühne" geschaffen werden. Freunde eines Theaters, das eine gute geistige Nahrung zu bieten bestrebt ist, werden eingeladen, sich dirser neuen Organisation anzuschließen und ihren Beitritt in den zu gründenden Verein anzumelden. Sie erwerben hiedurch den Anspruch auf bedeutend ermäßigte Sitzplätze ohne weitere Kosten als Entrichtung einer Einschreibegebühr von 60 Heller nach Konstituierung des Vereins. Die Mitgliedschaft berechtigt und verpachtet zur Annahme von Karten zum ermäßigten Preise von Kr. 1.10. 1.80 und 2.50 (für die Sitzkategorie Balkon 1. 3. Reihe. Parkettfauteuil und Orchesterfauteuil) im gebundenen Abonnement, bezw. Kr. 1.50, 2.— und 3. im freien Abonnement. Die „Volksbühne", Wien. 7. Bezirk. Neubaugasse 36. versendet auf Wunsch Prospekte und Beitrittsanmeldungen. Den geehrten Mitgliedern wird empfohlen, von dieser Gelegenheit zum Besuche dieser Bühne zu ermäßigten Preisen tunlichst Gebrauch zu machen. Jüdische Bühne. „Hotel Stefanie", II., Taborstraße Nr. 12. Direktion: 3. Podzamcze. Samstag, den 25. Dezember 1915, nachm, halb 4 Uhr, halbe Preise: „König Salomon-. — Samstag, den 25. Dezember, abends 8 Uhr: „Der Satan im Paradies". — Sonntag, den 26. Dezember, nachm, halb 4 Uhr, halbe Preise: »D i e g o ld en e Ch a ss en e". — Sonntag, den 26. Dezenrber, abends 8 Uhr: „Mischte M o s ch k e". — Montag, den 27. Dezember: „S ch a b s e G o j l e m". — Dienstag, den 28 Dezember: „Asarje der H eld". — Mittwoch den 29. Dezember: Ehrenabend des Komponisten Ch. Wolfsthal: .Die drei M a t u n e s". — Donnerstag den 30. Dezember: .Die jüdische Nesch ume", Gordin - Abend. — Freitag, den 31. Dezember: Große Sylvesterfeier. — Entreekarten für Sylvester find an der Kaffa zu haben.

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