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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-24 · 51 (24.12.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
51 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 934 D r. Bloch's Wochenschrift Nr. 51 Man schätzt die durch den Krieg entwurzelten jüdischen Eriftenzen aus etwa eine Million. Eine Massenauswanderung von ungeheuren Dimensionen steht bevor. Der Weltkrieg eröffnet die Aussicht, mit der Zeit ein Abflutzgebiet in der Türkei zu finden. Der Einfluß d>er der jüdischen Einwanderung hinderlichen Ententemächte ist erloschen, das Bündnis mit Deutschland begünstigt und erleichtert eine Zunahme der jüdischen Bevölkerung in der Türkei. Die Erklärungen, welche Dr. R os s i g von Mitgliedern des Herrscherhauses, von türkischen Ministern und von den Führern tys >ngtü kischen Komitees erhalten hatte, berechtigen .zu der Erwartung, daß bei einer vorsichtigen, zweckentsprechenden Behandlung der einschlägigen Fragen die jüdische Einwanderung nach der Türkei zur Befriedigung beider Seiten geregelt werden könne. Die Durchführung des Werkes ist nach dem in Konstantinopel erfolgten Meinungsaustausch nur im Rahmen der historischen Freundschaft möglich, welche Juden und Osmanen ve.bindet und gegenseitiges Vertrauen schafft. Die neue politische Konstellation eröffnet für diese Freundschaft vielfältige Betätigungsmöglichkeiten in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Als Schwestergesellschaft der analogen Vereinigung in Konstantinopel ist am 6. Dezember in Berlin die „D e u 1 s ch - I s r a - elitisch-Osmanische Union" gegründet worden. Die ..Union" ist keine Koloni'ationsgesellschast; sie verfolgt den ideellen Zweck der Pflege innigerer Beziehungen zwischen .Juden und Osmanen. Wohl aber wird sie den praktischen Bestrebungen durch Schutz. Vermittlung und finanzielle Förderung dienlich sein können. Als neuartige, den Zeitverhältnissen entsprechende Institution kann . sie keiner der bestehenden Organisationen eingesügt werden. Dagegen ist ein Kooperationsverhältnis zwischen der „Union" und diesen Organisationen höchst erwünscht, ja unerläßlich. So vor allem mit dem „Hilfsoerein", dessen Schulwerk für dir Erziehungsbedürfnisie der jüdischen Einwanderer in der .Türkei sorgen dürfte. Ferner mit den Kolonisationsgesellschasten, wfe die I. C. A., die A. I. K. O. und auch den rein wirtschaftlichen Instituten der zionistischen Organisation. Die tatkräftigste Förderung erwartet die „Union" von den B. B.-Logen. Die Zusammensetzung des Vorstandes berechtigt zu der Erwartung, daß die „Union" auch mit den anderen großen jüdischen Organisationen Deutschlands in enger Fühlung bleiben wird. Das Zentral-Hilfskomitee hat sich der „Union" angeschlossen. Die DMussion erösfnete Pros. Dr. Ludwig S r c i n, Berlin, durch eine Darlegung seiner Auffassung der neuen Lage. Nach einigen Einschränkungen hinsichtlich des Tätigkeitsgebietes der „Union" empfahl er aufs wärmste deren Förderung. Herr I. Basch, München, begründete die Notwendigkeit der Verständigung aller jüdischen Organisationen zur Erreichung des geplanten Zweckes. Im Mittelpunkte der Debatte stand die mir lebhaftestem Beifall aufgenommene Ansprache des Landtagsabgeordneten R.-A. Dr. Cohn, Dessau, der die wärmste Unterstützung der zeitgemäßen neuen Idee befürwortete. Unter den zahlreichen folgenden Rednern erweckten Rabbiner Dr. K o p sft e i n,. Beuthen, und Feldrabbiner Dr. Sonderling, Hamburg, durch ihre Schilderung der Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten des Ostens warme Teilnahme. Chefredakteur I. Landau, Berlin, widerlegte manche Bemerkungen des Prof. Dr. L. Stein und beleuchtete in beredter Weise die große Tragweite der Bestrebungen der „Union". Sehr lehrreich waren die Ausführungen von Justizrat Dr. H o r w i tz, Berlin, der eine Reche von in der DMussion aufgetauchten Fragen Kusammenfassend beleuchtete und mit der nachdrücklichen Aufforderung schloß, daß die deutschen I u d e n alle r Richtungen unter dem Bankier der „Union" sich vereinigen mögen. Diesen Ausführungen schloß in längerer Aussprache Geh. Justizrat T i m e n d o r f e r, Berlin, sich an. Er brachte nachstehende, einstimmig angenommene Resolution ein: „Die am 12. Dezember 1915 im ..Brüderoerein" zu Berlin Versammelten begrüßen auf das lebhafteste den durch die „Deutsch- Jsraetitisch-Osmänische Union" vertretenen Gedanken der Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Juden Deutschlands und der Türkei. Demgemäß gedenken sie die gemeinsamen Interessen in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht zu wahren und zu fördern, um aus dieser Grundlage in den Stand gesetzt zu sein, auch das Los ihrer osteuropäischen Glaubensgenossen bessern zu können. Sie erklären sich bereit, diesen Gedanken zu unterstützen und für ihn zu werben und fordern alle Glaubensgenossen in Deutschland zum einmütigen Zusammenschlüsse im Rahmen der Deutsch-Jsraelitisch- Osmanischen Union" aus." Unmittelbar darauf folgte eine B e sp r e ch u n g der auswärtigen Teilnehmer an der Konferenz, um sich hinsichtlich der Grundzüge der Werbe- und Orr g a n i s a t i o n s t ä t i g k e i t zugunsten der neuen Bewegung.nnd derUnion" zw verständigen. Die Ansprachen der zahlreichen Redner ergaben die übereinstimmende Anschaunng, daß in ganz Deutschland baldigst Ortsgruppen der „Ujnion" ins Leben gerufen werden müssen. Die Werbetätigkeit soll nicht nur durch Drucksachen, sondern auch durch Versammlungen, Vorträge und Wanderredner ohne Verzug eröffnet und in intensiver Weise geführt werden. Die Anstrengungen sind daraus zu richten, die finanzielle Fundierung der „Union" in einem, ihren großen Zielen entsprechenden Maßstabe noch vor Beendigung des Weltkrieges zu sichern. Nach) seinem Ausgang soll Hu der Gründung eines kommerziellen Institutes geschritten werden, das den jüdischen Einwanderern Erwerbsmöglichkeiten in Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Handwerk schaffen soll. Hrlfslrornmisftorr 1915 für Palästina Soeben ist an nns vom österreichisch-nngarischen Konsularagenten in Saffed die folgende Depesche gelangt: Saffed, 16. Dezember 1915. Rabbiner Dr. Grunwald, Wie«, II., Ferdinaudsstrasie 88- Angesichts fortwährender Brotpreissteigerung und stets fiihlbarerer kläglicher pekuniärer Lage unserer Konnarioualen, glaube nicht verfehlte Bitte zugunsten Wiznitzer, Bukowina, Koffower Gemeinde Saffed, Liberias zu tun um Beistand der Hilfskommiffion betreffs Mehlverkauf an deren Mitglieder zu billigerem Preis zu beanspruchen, daher wenn möglich hiesigem Amte telegraphische Anzeige und Anweisung von 20.000 Kronen gegen seinerzeitige prozentmäßige Teilrückzahlung gnädigst zu gewähren. Oesterreichisch-ungarischer Kousularagent. Auch private Mitteilungen schildern das Elend der österreichischungarischen Glaubensbrüder in Palästina in erschütternden Tönen. Was das vorliegende Telegramm von Saffed und Liberias berichtet, gilt in noch weit höherem Grade von Jerusalem. In wohlwollender Würdigung dieser Notlage hatte das hohe k. und k. Ministerium des Aeustern die Güte, unsere Spendenliste mit der Zeichnung eines Betrages von 10 000 Kr. zu eröffnen. Wir bitten, hierdurch in unserer Hilfstütigkeit von neuem ermutigt um weitere hochherzige Spenden au das Bankhaus S. M. von Rothschild, Wien, I., Nenngaffe 3, auf das Konto „Hilfskommiffion 1915". Die Hilfskommiffion 1915 für Palästina IV., Frankenberggasse 14. Tie Paläftinalsilssaktion in Ungarn. Wie uns aus Budapest berichtet wird, hat das ungarländische Zentralkomitee jüngst unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Alexander Lederer eine Sitzung abgehalten. Der Vorsitzende gedachte zunächst des großen Verlustes, welchen das Paläftinahilfswerk iw allgemeinen und das österreichische Palästinakomitee im besonderen durch das Ableben des Ersten Vizepräsidenten tzer Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav Kohn erlitten hat. Der Verblichene, welcher eine Zierde der österreichischen Judenschaft war, 'hat aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens Hervorragendes geleistet und war das Musterbild eines' echten guten Juden. Die Sitzung beschloß, das segensreiche Andenken des Verstorbenen im! Protokolle zu verewigen. Der Vorsitzende berichtet ferner, daß ganz besonders' dank der warmen Förderung der Aktion seitens der Rabbiner die Spenden in so schönem Maße einlausen, daß abermals rund 5000 Kronen zur Verfügung stehlen. DieVersammlung beschloß daher, außer den bereits nach Palästina gesandten 3500 Kronen weitere 4500 Kronen nach Palästina zu senden und

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