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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-17 · 50 (17.12.1915) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
50 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 930 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 50 gekommen sind. Sind sie aber nicht m i t der Absicht z n t c t c n gekommen, dann darf man gegen sie nicht mit Waffen hinausziehen und ^entweiht ihretwegen nicht den Sabbat. Sind sie gegen Städte, die in der Nähe der Grenze find, gekommen, selbst um nur Stroh zu rauben, selbst um nur Stoppeln zu rauben, zieht man gegen sie mit Waffen hinaus und entweiht ihretwegen den Sabbat. Früher pflegten sie ihre Waffen in einem Hause in der Nähe der Mauer zu lassen. Einmal geschah es, daß sie beit Krieg am Sabbat noch einmal ausgenommen hatten, und da drängten sie sich in das Haus an der Mauer, um ihre Waffen zu nehmen, und töteten beim Gedränge einander. Da verordnete man, daß jeder einzelne seine Waffen nach Hause trage/' — Wollte man jedoch bei der Belagerung einer Stadt, die ja monate- und jahrelang dauern kann, die Sabbatruhe beobachten, dann hieße es di? Belagerung von vornherein illusorisch machen. Daher die Bestimmung der talmudischen Quellen (Sifre Dt. 203, Midr. Tannaim XX, 19, 20, Tosefta Erubin IV, 7, Babli L-abbat 19 a, Jer. Sabbat I, 4 a b): „Und!nmü 'begiuntäncht am Sabbat eine Stabt zu belagern, sondern drei Tage vor dem Sabbat. Haben sie aber di? Belagerung drei Tage früher begonnen M:d der Sabbat tritt ein, dann unterbricht der Sabbat nicht den Krieg." Diese harte Kriegsnotwendigkeit wurde nun von Schammai durch ein? Bersdeutung J"DS*S nm“! noch plausibler gemacht. Man darf aber nicht daraus mit Gr ätz eine schantmailische Regel konstruieren, wonach jede Art von Kampf, Angriff wie Verteidigung, gestattet wäre! Die Stelle beweist im Gegenteile, daß jeder Angriff am Sabbat verboten sei, wenn es sich nicht um den Fall der Belagerung einer Stadt handelt. Die talmudischen Rechtsquellen stimmen also mit den historischen Quellen vollständig überein, und es ergibt sich uns der klare und feststehende allgemeine Grundsatz für die jüdische Kriegführung am Sabbat: Der Kampf am Sabbat ist nur in den Fällen der äußersten Notwehr bei Abweisung von f c i n d l i ch e n Angriffen, d i e d i r e k t das Leben gefährden,*) gestattet. Die feindlichen Feldherren griffen daher auch nach der Refornr des Mathathias noch häufig zu der billigen und etwas unritterlichen List, die Inden gerade am Sabbat arHugreifen. So wartete Bakchides den Sabbat ab, um den Jonatan in den Niederungen des Jordan anzugreifen; Ptolemäus, der Sohn der Kleopatra, nahm die galiläische Stadt Asochis gerade am Sabbat mit Sturm, der große Pompejus verschmähte das Mittelchen nicht und auch der babylonische Satrap verfiel darauf (Altertümer XIII, I, 3; 12, 4; XIV, 4, 2: XVIII, 9, 2; Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes, II-, 478). Somit wäre also die rein theoretische Frage, die Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, aufgeworfen haben, so ungefähr beantwortet. Aber eine Frage ganz anderer Art ist es, die mir nicht aus dem Siilir will. In den Niederungen des Jordans, vor beu Toren von Jerusalem und auf Pen Mauern und Zinnen des Tempelberges, da kämpften einst die Juden und verspritzten' ihr 'Blut und hauchten ihre Seele aus und taten es gerne und freudig für ihr teures Vaterland und die liebe Heimat: aber den Sabbat und die Satzungen der *) Ausnahmsweise ist er auch bei der Belagerung von Städten und bei der Abwehr von Angriffen auf die Grenzstädte gestattet. - Aus den. obigen Grundsätze ist lwohl erst später der noch allgemeinere Satz entstanden, daß jede Lebensgefahr oder jede Mög- .ichdnt einer Lebensgefahr den Sabbat verdrängen. S*£i H!p£ ms* nnn oder riss* nrrn ms*£o pso bz. Religion, die opferten sie nicht; sie waren ihnen teurer noch" als das teure Vaterland und lieber noch als die liebe Heimat. . . . In den Niederungen der Strypa und der unteren Donau, auf den Höhen der Dolomiten und der schwarzer: Berge, da kämpfen die Juden jetzt und verspritzen ihr Blut und hauchen ihre Seele aus und tun es gerne und freudig für ihr teures Vaterland und die liebe Heimat: aber auch ben Sabbat und so manch? Satzungen der Religion, die sie einst d em eigenen B a t erlaube und der e i g e n e n H e i in a >t nicht opfern wollten, geben sie preis; sie achten ihrer nicht und opfern sie gerne und freudig, im Kriege und im Frieden, für ihr teures Vaterland und die liebe Heimat. . . . Wann und w i e w e r d e n a b e r d i e v e r s ch i edenen Vater- und Hei nt atlä n der diese u n r ermeßlichsn Opfer und Leiden ihrer jüdischen S ö h n e durch die Tat würdigen und anerkennen? Wer sind die Repräsentanten u n d O r g a n i s a t i o tr e n, die dafür sorgen 'und rüsten, daß es geschehe, und daß auch das jüdische Volk, welches jetzt, aus noch wehr Wunden blutet, als e i n ft a u f d e n T r üMm e r n v o n I e r u s a l e m n n d B e t a r, einer: ehre n v o l l e n und d a u e r n d e n Frieden s ch l i e ß e? Weratur. Bon der Kinderzeit Dr. Hugo Zuclftrmanne. (Zur Wiederkehr seines ersten Fahrzeittages.) Die Mutter des Dichters des österreichischen Reiterliedes bat mich zu sich und befragte mich, auf welchen Tag nach jüdischer Zeitrechnung die Wiederkehr des Todestages ihres heißgeliebten Sohnes sich jährt; (die hartgeprüfte Frau muß wegen eines Armbruches das Bett hüten), sie wolle ihrem Sohne nach Berlin schreiben, daß er zum Jahresseelengebete nach Eger komnle. Ich teilte der Frau mit. daß wir am 5. Dezember (8. Tebeth) Heuer für der: gefallenen Helden iw Tempel beten wollen. Frau Fanny Zucker mann versprach mir, mich mit einen: Exwnplar der im R. Löw fischen Verlag vor kurzen', erschienenen Gedichte zu beschenken und erzählte mir unter anderem, wie sie Tag und Nacht vor: den Versen Hugos träume, und hob hervor, daß niemandem die poetischen Ergüsse ihres Lieblings besser verständlich sind als ihr, weil sie sich in seiner Dichterseele au: besten zurechtzusinden weiß und weil er ihr auch oft schon beim Entstehen' seiner Gedichte dieselben vorlas und gar Manchen Kommentar dazu gäbe. „Lasen Sie bereits die Schilderungen, die über die Eigenschaften und Eigenarten meines Sohnes in den Zeitungen und Zeitschriften Verbreitung fanden?" fragte mich die Frau Zucker mann. Zeigte auf eineil Stoß von Drucksorten und fuhr fort: „Sie werden gleich nur über diese Darstellungen unangenehm berührt sein. Sie wissen, mit welcher zärtlichen Liebe lvir ihn umgabeu, welches Interesse wir seinen edlen Bestrebungen entgegenbrachten und, selbstlos wie er stets war, bat er oft, unsere Ellernfürsorge deu anderen Geschwistern zuzuwende::, damit sie nicht verkürzt würden; nun heißt es, daß wir seinem Wirken und Schaffen verständnislos gegenüberstanden. . . . Ohne meine Bescheidenheit empfindlich zu schädigen, dürfen Sie mir beipflichten, daß die Familie Zuckermann zu Patriziern unserer Stadt zählt. Unser teuerer Junge hätte sich nie Entbehrungen anferlegen müssen, wenn er nicht ein Großteil feines Besitzes den Dürftigen verschenkte, kurz wer::: er ::icht für olle Welt mehr wfi für sich sorgte. Zum Gedichte

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