Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 50 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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dir. 50 Dr. Bloch s Wochenschrift Lrite'^SLS reiche Gemeinde. Nach Anzünden der Meno.a und Rezi.i rung des Moaus zur durch den Tempelchor, hielt Herr Rabbiner H o f s - mann eine meisterhafte Festpredigt, i l der er die Bedeutung des Chanukkafestes in Verbindung mit dec Lai.ecfeier mit hinceizender Beredsamkeit erörterte. Die Predigt klang in einer feurigen Ermahnung an di: zum Gottesdienste kommand'.erten jüdischen Soldaten. Nach dem Festgottesdienste wurden die jüdischen Soldaten festlich bewirtet und beschenkt. Beim Festmahle hi.lt der Herr Rabbiner eine Ansprache, welche von Oberarzt Dr. W i t t n e r und einem Soldaten der Mannschaf.sstande; he.zlich erwidert wurde. Das Arrangement des Festmahles und der Liebesgaben wurde von einem eifrigen Damenkomi ee besorgt, dem folgende Damen angehörten: Frau Rabbiner H o f f m a n n, Frau Primarius Dr. Herzberg. Frau Toni Herzberg, Präsidentin des Frauenoereines Anna R o s e n f e l d. Frau Stadtrat R u ck e n st e in, Frau S. E o l d s ch l ä g e r und Frau Professor F e l l e r. Feuilleton. Einige lalnrubisch-rechlUchr Bestimmungen iibzv jüdische Kriegführung. Von Tr. Sa'omon Gar. dz. In der vorigen Nummer Ihrer geschätzten, sonst nur den aktuellen politischen Fragen gewidmeten Wochenschrift hatten Sie, , hochgeehrter Herr Redakteur, die Freundlichkeit, einige Zeilen dem rein theoretischen jüdischen Kriegsrecht tzu widmen und auch sonst des talmudischen Rechtes in Verbindung mit den so aktuellen Schützengräben und Kriegsauszeichnungen Erwähnung zu tun. Dieser Umstand 'veranlaßt und ermutigt mich, Ihnen folgende Zeilen Zu übersenden. Ihr Feuilletonist fragt: „Wann haben die Juden zuerst am Sabbat gekämpft?" und erteilt darauf die richtige Antwort. Es sväre aber auch interessant, die Frage aufzuwerfen: „Wann haben die Juden zuerst am Sabbat nicht kämpfen wollen?" Ich glaube, es war dies im Jahre 320 v. d. g. Z. Da eroberte nämlich, Ptolemäus I. Lagi Jerusalem an einem Sabbat, ohne daß die Juden sich Zur Wehr setzten. Ein griechischer Geschichtsschreiber Zitiert bei Josephus, Altertümer XII, 1, wirft daher den Juden vor, sie hätten aus Aberglauben ihre Freiheit verloren. „Es ist ein Volk," sagt er, „das Juden heißt; dieses hat eine feste und große Hauptstadt, Jerusalem genannt, die es ruhig von Ptolemäus einnehmen ließ, weil es nicht Zu den Waffen greifen, sondern aus unzeitigem Aberglauben lieber einen so harten Herrscher ertragen wollte." (Vgl. darüber auch G r ä tz, II, 2, 3. Auflage, S. 208.) — Diese peinliche Gewissenhaftigkeit und Selbstaufopferung bei der Beobachtung der Äabbatruhe ist umso merkwürdiger, wenn man bedenkt, daß es 100 Jahre zuvor mit der Sabbatweihe in Jerusalem sehr schlecht bestellt war. Bei seiner zweiten Rückkehr nach Jerusalem (430—424 v.) traf Nehemias arge Zustände an. Der Sabbat war geradezu zum Markttage geworden. Sowohl jüdische Bauern als auch Lyrische Händler brachten Getreide, Obst, frische Seefische und allerlei sonstige Waren am Sabbat auf den Markt nach Jerusalem und verkauften dieselben an Juden. Der vornehme, hochgebildete persische Jude Nehemias, einer der höchsten Würdenträger und perso-a g'iata am persischen Hofe zu Srusa, war entsetzt über diese Sabbatentweihung der frommen Jerusalemer und trat dem Unfug mit aller Strenge und Energie entgegen. Seine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, und hundert Jahre später weigern sich die Juden von Jerusalem am Sabbat auch nur einen Finger zu rühren zur Verteidigung ihres Lebens und ihrer Hauptstadt gegen den anrückenden Feind. — Dieses Verhalten konnte aber ohne Gefahr für den Bestand des Volkes nur solange beobachtet werden, als die Juden unter fremder, Herrschaft lebten und keine Kriege führen mußten, da jte eben auch den Schutz dieser fremden Herrschaft genossen und vom Militärdienste befreit waren. Sobald sie aber selbst in einen ernsten Kamps verwickelt wurden, in dem es sich um Leben ober Tod des Volkes handelte, konnten sie diesen Standpunkt der starren Gesetzlichkeit nicht lange aufrechrertzalten, und so kam im Drange der Zeit und gerade wahrend des todesmutigen, verzweifelten Ringens der Juden um ihre Religionsfreiheit die große Reform des HasmonäerS Matha hias zustande. Wer aber für die Erhaltung der Religion, )d es im Kriege oder im Frieden, sein Leben daran setzt, der darf es auch wagen, sie im Interesse ihrer Konservierung zu reformiereu. — Geradezu rührend aber ist die Vorficht und Behutsamkeit, mit welcher man dabei vorging. Die Grenzen des unbedingt Notwendigen wurden nicht um Haaresbreite überschritten. Man erlaubte nur das, was nicht zu umgehen war, das ist die äußerste Norwehr bei der Abweisung von Angriffen auf das Leben. Alles andere war oder hielt man für verboten; also nicht nur selber Angriffe zu unternehmen, sondern auch die Errichtung von Wällen oder sonstige mittelbare Vorbereitungelt der Feinde zur Belagerung der Städte zu verhindern, weigerten sich die Juden in ihrer gewiß zu weitgehenden Skrupulosität. So konnte auch Pompejus (im Jahre 63 v.) nur deshalb die Eroberung von Jerusalem so leicht ausführen, weil die Belagerten an den Sabbaten die Gegenwehr unterließen. Es ist irscht zu verkennen, mit welch tiefer Wehmut I o s e p h u s dies berichtet (Altertümer XIV. 4): „Wäre es indessen nicht Gesetz bei uns, am siebenten Tage zu feiern, so wäre das Aufwerfen des Walles wohl von den Belagerten behindert worden; das Gesetz, erlaubt nämlich, sich gegen Ueberfall und Angriff zu verteidigen, aber nicht, eilte andere Unternehmung des Feindes zu hindern. Als sich nun die Römer davolt überzeugten, warfen sie an beu Tagen, die wir Sabbat nennen, weder Steine aus die Juden, noch ließen sie sich mit ihnen in Kampf ein, sondern errichteten Wälle und Türme und brachten Maschinen heran, um sie am folgenden Tage zur Hand zu haben." — Grätz (IUI 799) meint, daß diese 'Angabe des I o s e p h u s nur eine kasuistische, erklügelte Auslegung sei, und stellt dagegen die Behauptung auf, daß die Erlaubnis der Kriegführung am Sabbat zu jener Zeit überhaupt noch nicht durchgedrungen war; dagegen hätten die Zeloten sich über diese Bedenklichkeit einfach hinweggesetzt und kämpften ohne Skrupel am Sabbat wie an den Werk-, tagen, und zwar aus keinem anderen Grunde, als weil sie nach der schamaitischen Regel jede Art von Kampf, A n g r i f f w i e V e r t e i d i g u n g, für gestattet hielten. Ich muß diese Annahme von G r ä tz, bei aller Verehrung für den Altmeister jüdischer Geschichtschreibung, zurückweisen. Er tut dem Josephus bitter Unrecht, verkennt den Sinn der von ihm zitierten Talmudstelle und übersieht eine andere ausschlaggebende Stelle in Tosefca und beiden Talmuden. Beteuert ja Josephus gm Schlüsse der oben angeführten Stelle ausdrücklich: „Daß dies nicht bloß Worte sind, die einer törichten Frömmigkeit zur Lobrede dienen sollen, sondern daß ich die Wahrheit rede, bezeugen alle, die Pompejus' Taten ausgezeichnet haben, darunter S t r a b o und Nikolaus, und außerdem Livius, der römische Geschichtschreiber." Ganz übersehen hat aber Gr ätz folgende Stelle (Tosesta Erubin IV. 5, 6, Babli ebd. 45 a, Jer. ebd. IV, 1, 21 ci): „Wenn Heiden israelitische Städte am Sabbat überfallen, zieht man gegen sie mit Waffen hinaus und entweiht ihretwegen den Sabbat. Für wann gilt dies? Wenn die Heiden mit der Absicht zu töten