Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 50 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sfitf 920 Nr. 50 Dr. Dloch's Wochenschrift Hierseins ihm eine derartige Beliebtheit bei allen, sowohl Vorgesetzten wie Kameraden und Untergebenen, verschafft, daß sein Tod eine förmliche Konsterniertheil bei allen hervorgerufen hat. Ich selbst, als sein Baonkommandant, bedauere seinen Verlust schmerzlich, da er trotz seiner Jugend einer meiner Besten war; auch das schöne, harmonische Zusammenleben der beiden Brüder war ein erhebendes, mustergiltiges Beispiel. Wie in diesem Kriege so viele Wunden geschlagen werden, die nur dir Zeit wirder heilen scann, so wird auch hier die alles verschleiernde Zeit ' den wilden Schmerz lindern und die stolze Erinnerung bleiben.; Indem ich Eie bit'e, feie Versicherung mrn es herzlichsten Beileids' der Familie zu übermitteln, verblcibe ich mit Hochachtung Ihr ergebener Wilhelm K r e i b i ch m. p., Masor." Die Leiche des im Heldentode gefallenen Max Burger wurde in dem nahen jüdischen Friedhofe in Anwesenheit der Offiziere und Kameraden der Kompagnie, nachdem der Feldrabbiner und der Ortsrabbiner Nachrufe gehalten hatten, nach jüdischem Ritus zur ewigen Ruhe bestattet. Der dritte Sohn, Zoltan Burger, dient als Einjahrig-Freiwilliger beim 67. Infanterieregiment. Nach dem Tode ausgezeichnet. Herr Friedrich Glück, Feldwebel i. d. Reserve beim k. u. k. Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4, geboren am 7. August 1884 zu Wien als der Sohn des Gremialrates Herrn Adolf Glück, würde infolge seines tapferen und umsichtigen Verhaltens vor dem Feinde nach seinem Tode zum Offiziers-Stellvertreter ernannt und mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Im zivilen Leben als Prokurist der Möbeln sirma feines Vaters tätig, rückte er anläßlich her allgemeinen Mobilisierung zu seinem Regimente, dem er seit dem Jahre 1906 angehörte, ein und widmete zehn Monate lang seine vollen Kräfte der Ausbildung und Erreichung der Kanrpsfähigkeit zahlreicher Marschkompagnien. Ende Juni d. I. ging er an die Front ab und nahm zuerst an den Gefechten in Russisch-Polen und dann an denen bei Sokal teil. Bei den schweren Kämpfen um die östlichen Höhen dieser Stadt fand er am 25. Juli d. I. an der Spitze seiner Kompagnie den Heldentod, und wurde dortselbst zur ewigen Rühe bestattet. Die Erzählungen und schriftlichen Mitteilungen seiner Kameraden bestätigen, mit welchem Mute und Selbstverleugnung er für sein Vaterland kämpfte, und wurde ihm deshalb mit diesen Auszeichnungen eine nur allzu« wohlverdiente Ehre erwiesen. Auf dem Iekde der KHre gefallen. Herr Siegftied Toch, Fähnrich i. d. Reserve beim k. k. Landw.-Infanterieregiment Nr. 21, , fiel am 2. März bei den schweren Kämpfen bei Baligrod. Anr 30. Juni 1889 zu Wien als Sohn des Herrn Bernhard Toch geboren, absolvierte er die Fachschule für Textilindustrie, war sodann als technischer Beamter sowohl in England wie. auch in Oesterreich in mehreren Textilunternehmen beschäftigt und erwarb sich infolge seiner eingehenden Fachkenntnisse Ansehen und Hochschätzung seiner Kollegen. Im Jahre 1912 machte er sein Einjährig-Freiwilligen-Jahr und wurde als Kadettaspirant in die Reserve versetzt. Nach Ausbruch des Krieges eilte er wieder zu seinem Regimente, wo er in kurzer Zeit zum Fähnrich avancierte und laut Aufzeichnungen seines Tagebuches an den schweren Kämpfen um die Magierahöhe sowie in Russische-Polen teilnahm. Infolge seiner Umsicht und Tapferkeit wurde er zu den schwierigsten Patrouillen und Rekognoszierungen verwendet und zeichnete sich hiebei derart aus, daß er von seinem Komp agniekommandanten öffentlich belobt und zur Verleihung einer entsprechenden Auszeichnung vorgeschlagen wurde. Ende November v. I., infolge der Strapazen erkrankt, kam er auf einige Wochen zur Erholung nach Wien und rückte, kaum genesen, Mitte Januar d. I. wieder zu seinem Regimente ein. Anfangs Februar kam Fähnrich Siegfried Toch zum zweitenmale an die Front und machte die Kämpfe in den Karpathen mit. AM 2. März d. I. ereilte ihn eine Kugel, ein Herzschuß, der seinem blühenden und hoffnungsreichen Leben leider allzufrüh ein Ende setzte. Aus den vielen Beileidskundgebungen seiner Bekannten und Regimentskollegen ist ersichtlich, welcher Wertschätzung sich Fähnrich Siegfried Toch bei allen, die ihm begegneten, erfreute und wie sein Hinscheiden allseits betrauert wird. Fähnrich Siegfried Toch war ein treuer Jude und hat sich auch jederzeit offen und freimütig zum Judentum bekannt. Entvölkerung jüdischer Knttusgemeinden. Aus einer großen Anzahl kleiner orthodoxer Kuliusgemeinden in Ungarn kommen, wie „Egyenlöseg" berichtet, Meldungen darüber, daß die Kultusgemeinden infolge der Einrückung der bei den Landsturmmusterungen geeignet befundenen Gemeindemitglieder vollständig entvölkert werden. Oeffentliche Gottesdienste können jetzt kaum mehr abgehalten werden und da es keine Steuerzahler gibt, können diese Gemeinden auch ihre ^Beamten nicht bezahlen oder ihnen im besten Falle bei dieser großen Teuerung nur reduzierte Honorare - zukonrmen lassen. Die Folge ist die Notlage vieler Familien, welche naturgemäß sich noch steigern wird, wenn die bei der Musterung der 43—50 jährigen geeignet Befundenen auch einrücken werden. Aus einer orthodoxen Kültusgemeinde, welche nicht einmal zu beit kleinen gehört, und zwar aus Nagybanya, kam der Bericht, daß diese Gemeinde vor dem Kriege 200 steuerzahlende Mitglieder zählte, von denen ungefähr 150 als Reservisten und als geeignet befundene Landsturmmänner bereits eingerückt sind, während 33 aM 15. Dezember einrückten. Preisfrage üöer die Zukunft der im Kriege Erblindeten. Der „Pefter Lloyd" hat über Anregung des Augenprofessors an der Budapefter Universität Dr. Emil G roß eine Preisfrage darüber ausgeschrieben, auf welche Weise die Zukunft der im Kriege erblindeten Soldaten am Besten eingerichtet und gesichert werden könnte. Auf diese Preisfrage sind aus Ungarn, Oesterreich und Deutschland 43 Preisarbeiten eingelangt. Diese Preisarbeiten wurden von einer vom Departement für Jnvalidenfürsorge zur Ueberwachung des Institutes für erblindete Soldaten eingesetzten Kommission unter Vorsitz des Staatssekretärs Grafen Kuno K.l e'b e r s b e r g beurteilt, und dieses Jurorenkomitee entschied, daß der Preis unter den Verfassern der zwei, besten Arbeiten aufgeteilt werde. Nach Eröffnung der betreffenden Kuverts stellte es sich heraus, daß die erste beste Arbeit den Direktor des israelitischen Ritter von Wechselmannffchen Blindeninstitutes in Budapest Simon Adler und Dr. Julius F e j e r zu Verfassern hat. Der Autor der zweiten preisgekrönten Arbeit ist kaiserlicher Rat Simon Heller, Direktor des Wiener israelitischen Blindeninstitutes.